BYH!!! Rückblick 2007

2007

Die Einleitung

Um es kurz zu machen - es war wieder einmal geil! Ganz so knapp, auch wenn diese kleine Anmerkung des Pudels Kern trifft, wollen wir das diesjährige Bang Your Head!!! aber dann doch nicht abhandeln...

Vorweg: Den Freischwimmer mußte keiner von uns machen, geschweige denn nachmachen; bis auf den einen oder anderen heftigen Regenguß liefen wir in der Nacht von Samstag auf Sonntag allesamt verhältnismäßig trocken durchs Ziel. Mag sein, daß der eine oder die andere in Anbetracht des in allen Belangen überzeugenden EDGUY-Auftritts noch etwas feucht im Schritt war, aber das, liebe Freundinnen und Freunde, ist eine gänzlich andere Geschichte. Obwohl? Warum soll man im Falle einer schnöden Einleitung nicht doch mal das Feld von hinten aufrollen? EDGUY waren jedenfalls - allen Unkenrufen zum Trotz! - ein würdiger Headliner.

Wir bleiben dabei: Die Entscheidung, einem jungen, aufstrebenden Act, der inzwischen nicht nur Unmengen an CDs verhökert, sondern obendrein mit viel Esprit und zu alledem unfallfrei über die Bühne stolpert, das Vertrauen zu schenken, war richtig und wichtig für die gesamte Szene. Indem wir nämlich freitags mit HEAVEN & HELL (alias BLACK SABBATH zu Dio-Zeiten) eine musikalische Legende und samstags den vielversprechenden Metal-Nachwuchs feierten, ging unsere Rechnung - und zwar im Gesamtkontext gesehen - einmal mehr auf.

Möglich, daß einige Fans mit der Musik von Tobi & Co. nicht klarkommen, doch das darf, bei aller Liebe zum Krawall, nie ein Argument pro Kleingeist, Intoleranz oder gar Ignoranz sein. Wir werden uns daher auch in Zukunft die Freiheit nehmen, Bands wie IN FLAMES oder eben auch EDGUY auf ihrem steinigen Weg an die Spitze - frei nach Gerhard Schröder und dessen Hartz IV-Gefolgschaft - „zu fordern und zu fördern”. Denn ob Ihr es glaubt oder nicht, solch’ musikalische Monster wie IRON MAIDEN, JUDAS PRIEST, SLAYER, METALLICA, MÖTLEY CRÜE und wie sie nicht alle heißen, rocken auch nicht seit Menschengedenken das Haus - zumindest nicht als Headliner...

Doch nicht nur im Artist Village herrschte nach den jeweiligen Auftritten äußerst gute Stimmung. Auch auf den Campingplätzen und im Partyzelt ging es hoch her. Metalheads jedweder Couleur wälzten sich dem Vernehmen nach freudetrunken und bierselig in dem Matsch, aus dem sie sich tags zuvor noch gegenseitig herausgezerrt hatten. Unsere Security und unsere Freunde in Grün waren demnach einmal mehr ob der Friedseligkeit und der guten Laune unserer Gäste voll des Lobes. Leute, Ihr habt einfach begriffen, um was es uns an diesem einen speziellen Wochenende im Jahr geht. „Spaß!”, lautet die Prämisse - „Spaß und das Ausleben eines ganz besonderen Lifestyles”, den die armen Geschöpfe, die mit unserer Musik von Haus aus nichts anfangen können, womöglich nie verstehen werden.

Und wer dabei übers Ziel hinausschießt, hat zumindest die Lacher auf seiner Seite. So zum Beispiel Uns-Jagger, der sich in der Nacht von Freitag auf Samstag partout nicht einfangen ließ und folglich noch in den frühen Morgenstunden, wenngleich völlig verstrahlt, vor der Bang Your Head!!!-Bühne herumtorkelte. Bis auf die Tatsache, daß er sich im Partyzelt vollends abschoß (und nebenbei das Licht ausmachte), konnte sich der zu Fleisch gewordene Möchtegern-Ötzi an nichts mehr erinnern.

Thomas wiederum spielte scheinbar mit dem Gedanken, die von ihm und Pfiste betreuten AMORPHIS in Wodka zu ertränken. Während der vom Publikum sehnsüchtig erwarteten Autogrammstunde versuchte sich unser umtriebiger Tausendsassa als zur Tat schreitender Aushilfskellner. Es kam, wie es kommen mußte: In seinem neuen Betätigungsfeld völlig überfordert, übergoß der nicht gerade als Kampftrinker verschriene Mann fürs Grobe versehentlich das Gros der Musiker mit dem edlen Gesöff. Die wiederum glotzten nicht schlecht, als ihnen die offerierte Brühe vom haarigen Rücken in die noch haarigere Arschfalte floß...

Sachen gibt’s... Das sagten sich wohl auch FINNTROLL, die sich kurz zuvor an gleicher Stelle über ihren bis zur „Oberkante Unterlippe” vollen Gitarristen Mikael lustig machten. Der Junge hatte aber auch allen Grund zu saufen, riß sich doch eine jugendliche Schönheit just zu dem Zeitpunkt, als die Signing-Session gerade begonnen hatte, die Klamotten vom Leib, um die recht verlegen dreinblickenden Trolle mit ihren Titten zu beglücken.

Yep, das hatte was, es war aber nicht der Grund, weshalb Frau Glas vor lauter Aufregung einen unüberlegten Ausfallschritt machte und sich dabei einen schmerzhaften Bänderriß zuzog. Frau Glas hieße aber nicht Stefan, wenn sie sich hierdurch ein Festival vermiesen ließe. Im Gegenteil: Unsere stets mit einem Photoapparat und neuerdings auch mit einer AirGo-Schiene ausstaffierte Büroschlampe gab jetzt erst richtig Gas und hetzte von einem Bühnenrand zum anderen - immer auf der Suche nach dem goldenen Schuß...

Einen Schuß der etwas anderen Art hätte indes Metal-Opi-Tschamler liebend gerne vor ein paar Jahrzehnten gelandet. Zu einer Zeit, als GIRLSCHOOL gerade ‘Hit & Run’ veröffentlichten, stand der damals noch junge Kurpfälzer, der angeblich über ein Mordsgehänge verfügt, nicht nur in seinem eigenen Saft, nein, er verneigte sich auch mehrfach am Tag voller Erfurcht gen England und huldigte damit der sich auf ihrem Höhepunkt angelangten New Wave of British Heavy Metal - lang, lang ist’s her. Sei es, wie es ist: Als die Frage aufkam, wer sich um welche Bands kümmern will, schrie der devote Rock ‘n’ Roller beim Namen GIRLSCHOOL laut „Ich!”, und ein jeder wußte warum. Was Tschamler scheinbar nicht wußte: Die Mädels bestellten bereits zum Frühstück ihre erste Flasche Jack Daniels - tja, und alle fanden es nett, nur deren Laufbursche Jürgen fiel in der Nacht fix und fertig ins Bett...

Und Horst? Was machte eigentlich Horst? Na, der veranstaltete bereits vor dem regulären Festivalbeginn sein ganz persönliches Bang Your Head!!!-Feuerwerk, indem er auf dem im Aufbau befindlichen Gelände die Reste der letzten Sylvesterparty „entsorgte”...

Ihr seht, die Latte an Anekdoten und Anekdötchen ist auch dieses Mal endlos lang. Fakt ist aber auch, daß all diese kleinen Nebenkriegsschauplätze erneut den Rahmen des heutigen Specials sprengen würden.

Machen wir also ‘nen Deckel drauf und schenken uns Herrn Martens exorbitante Hitzewallungen - so geschehen, als die Jungs von PRAYING MANTIS im Balinger Regen verloren gingen, Pfistes erste Gehversuche in Sachen Schwarzwurstverköstigung (hier: AMORPHIS), Herrn Brandts verkappten, übrigens alles andere als hübsch anzuschauenden Hüftschwung im Falle ‘The Piper Never Dies’, oder die an SPINAL TAP erinnernde WOLF-Aktion, als diese ein paar Minuten vor ihrem Auftritt etwas hilflos dreinschauend ohne ihre Drumsticks auf der Bühne standen...

Halten wir statt dessen fest, daß die gesamte Bang Your Head!!!-Kerncrew inzwischen unglaublich routiniert agiert. Horst-Eheweib Ines hat jedenfalls - neben ihrem Holden! - auch den Rest des sonst so dominanten Sauhaufens (U know who u are) fest im Griff. Gleiches gilt für unsere Security, die Site Crew, Stagehands, das Rote Kreuz, die Catering-Belegschaft, unsere Merchandiser, das Travel-Office, das WOM-Team und wer sich sonst noch so alles im Hintergrund eines solchen Events tummelt und für einen reibungslosen Ablauf sorgt. Ein ganz besonderes Lob an dieser Stelle gilt jedoch dem diesjährigen Stagemanager Achim, der sich durch nichts und niemanden aus der Ruhe bringen ließ und völlig relaxt sein Programm abspulte. Kompliment hierfür!

Nun denn, wie heißt es noch so schön? Richtig: „Das Ei geht solange zur Pfanne bis es bricht”. Im Falle des Bang Your Head!!! sieht die Sache aber nochmals anders aus - wir sehen uns folglich nächstes Jahr, wenn es wieder heißt „Bang That Head That Doesn’t Bang!”. Habe fertig!
Peter Fischer

Warm-Up-Show Donnerstag, 21. Juni 2007

Ort der Warm-Up-Show: 

WOM Hechingen

Billing Warm-Up-Show: 

VICIOUS RUMORS
ONSLAUGHT
LETHAL
AGE OF EVIL

AGE OF EVIL
Einen absoluten Generationen-Clash haben wir mit der kurzfristigen Buchung der Jungspunde von AGE OF EVIL verursacht, denn während der Headliner (HEAVEN & HELL aka BLACK SABBATH mit Dio) schon jenseits der 60 rockt, sind die beiden Brüderpaare von AGE OF EVIL im Durchschnitt gerade mal knapp über 16 Jahre alt, aber davon war im WOM nichts zu spüren, denn als Jeremy, Jordan, Jacob und Garrett die Bühne betraten, zockten sie wie alte Hasen! Die Songs ihres Debütalbums ‘Living A Sick Dream’ wie z.B. ‘You Can’t Change Me’, der Titelsong oder ‘A Call To Arms’ saßen unglaublich tight, und vor allem Leadgitarrist Jordan Ziff sorgte mit seinen Soli für ziemliche Begeisterung beim Publikum, das die Jungs mehr als freundlich aufnahm. Natürlich durfte auch unser ‘Metal Crusade’-Song ‘The Storm’ im Repertoire nicht fehlen. Der Funke sprang sofort über, und schnell füllte sich der Platz vor der Bühne mit begeisterten Headbangern, die Minuten zuvor noch nie etwas von AGE OF EVIL gehört hatten. Die Art und Weise, wie sich die Jungs auf der Bühne präsentierten und ihre Aufnahme beim Publikum bestätigt uns natürlich darin, auch in Zukunft talentierten jungen Acts eine Chance zu geben. Doch zu guter Letzt sollte es für Bang Your Head!!!-erfahrene Metal-Fans auch bekannte Töne zu hören geben, denn mit der Coverversion von BALLISTICs ‘Call Me Evil’ beendete das Quartett aus Arizona seinen ersten Europa-Gig. Ich bin mir sicher, daß die Band ihren Weg gehen wird, und einige werden später mit Stolz behaupten können, damals im WOM dabei gewesen zu sein!
Martin Brandt

LETHAL
Es war mit Sicherheit DAS Ereignis des Jahres für mich, als die Band, die mit ihrem 1990er-Werk ‘Programmed’ eines meiner Fave-Alben aller Zeiten erschaffen hat, beim diesjährigen Keep It True-Festival aufspielte. Die Rede ist natürlich von den US-Metallern LETHAL, die mit ihrem Killergig in Lauda-Königshofen nicht nur mich komplett aus den Latschen gehauen haben. Auch wenn Wundersänger Tom Mallicoat rein optisch mit seinem Cowboyhut und einer grausamen, kurzen Adidas-Turnhose gar nicht ging, war der Auftritt eine absolute Offenbarung, nicht zuletzt, weil Mallicoat stimmlich keinen Deut schwächer geworden war. Daß ich mir nun natürlich den mit 70 Minuten angesetzten, längeren BYH!!!-Clubgig nicht entgehen lassen konnte, ist doch selbstredend. Und auch wenn die Kentucky-Boys leider ohne ihren Gitarristen Eric Cook auskommen mußten (seine Sehnenscheidenentzündung, die ihn (unhörbar) schon beim KIT mit einem dicken Verband einschränkte, hat sich noch verschlimmert), war dies dem Auftritt nur ganz selten anzumerken. Neben der im Vergleich zum KIT-Gig noch gesteigerten Spielfreude und Bühnenpräsenz war es natürlich einmal mehr die Geoff Tate-Soundalike-Ausnahmestimme Toms, die einen geradezu umgehauen hat. Dieses Mal glücklicherweise wenigstens in ein langes Blue Jeans-Beinkleid gewandet - aber erneut mit einem albernen Hut - vollbrachte der Bursche abermals das Kunststück, die extrem hohen Vocalpassagen nahezu perfekt rüberzubringen und die Fans damit in Verzückung zu versetzen. Schade nur, daß man im schicken WOM-Club zu Hechingen nur etwa genauso lang wie beim KIT spielte, und nicht die knapp 15 Minuten mehr Zeit ausschöpfte. Aber angesichts der Setlist, die neben einem Song vom ‘Poison Seed’-Album und zwei von der ‘Your Favourite God’-EP pickepackevoll mit ‘Programmed’-Göttlichkeiten war, konnte Enttäuschung nicht einmal ansatzweise aufkommen. So beendeten LETHAL mit dem Gänsehaut-Doppel ‘Pray For Me’ (eine der besten Balladen ever!!!) und ‘Killing Machine’ einen brillanten Gig, der hoffen läßt, daß man mit dem angekündigten neuen Album an die alten Glanztaten anzuknüpfen vermag!
Hage

ONSLAUGHT
Im Gerangel des Metal-Zirkus’ lange Zeit dem Koma überantwortet, demonstrierte die 2004 auferstandene Gruppe um Gitarrero Nige Rockett nach den ebenfalls überragenden LETHAL: Sie sind es wert, auf den Brettern zu stehen, von denen aus man den Salon rocken kann. Dies begannen sie nach einem krawalligen Intro mit ‘Killing Peace’ vom gleichnamigen neuen Album und wuselten auf der kleinen Bühne der WOM-Diskothek durcheinander, daß es eine Art hatte. Fronter Sy Keeler ließ nichts anbrennen, animierte die längst aufgeheizte Meute vor der Bühne zum Mitgrölen, brachte sie aber in den „besinnlichen” Momenten wieder fix zur Ruhe - der geborene Dompteur. Doch sofort ging es weiter mit ‘Let There Be Death’ vom Longplayer ‘The Force’ aus dem Jahr 1986. Welche Band in gewisser Weise hier Pate gestanden hat, wußten viele im Rund. Denn die Briten hatten drei Jahre später mit dem AC/DC-Cover ‘Let There Be Rock’ ihren einzigen Single-Hit im UK: Platz 50. Wer dachte, nun könne es nicht mehr wilder werden, sah sich getäuscht. ‘Angels Of Death’ knallte uns in die Ohren, um nach kurzem Zwischenspiel in eine unglaubliche Version von ‘Shellshock’ zu münden. Die folgende Ansage stellte eine verbale Verbeugung vor HEAVEN & HELL dar. Doch das Quintett verharrte nicht in Ehrfurcht, sondern „opferte” seinen Göttern einen weiteren neuen Song: ‘Destroyer’. Bis zum Ende bestimmten ausschließlich Kracher das Programm, darunter ‘Metal Forces’, ’Twisted Jesus’ (wobei der Saal von „Die, Die!”-Rufen aller Maniacs vor der Bühne widerhallte) oder ‘Power From Hell’: Power pur.
Jörg Schulz

VICIOUS RUMORS
Geoff Thorpe und seine Mannen vermögen es, sowohl auf großen Bühnen (was sie am Freitag unter Beweis stellten) als auch in heimeliger Clubatmosphäre zu überzeugen. Da zudem der Zeitplan eingehalten wurde und die Truppe kurz nach Mitternacht die Bühne enterte, waren die Metal Maniacs noch in ausreichender Zahl vertreten, um ordentlich Alarm zu machen. Das fiel allerdings zunächst schwer - nicht etwa, weil man ONSLAUGHT nichts entgegenzuhalten gehabt hätte, sondern wegen eines durch das Equipment bedingten Fehlstarts. Nach der Beseitigung des Fehlers hieß es „neues Spiel - neues Glück”. Nun stellten sich auch erste Vorboten der erwarteten Stimmung ein. Spätestens beim dritten Track ‘Dying Every Day’ hatte man sich warm gespielt. Endlich ging wirklich die Post ab. Uralt-Stücke wie ‘Don’t Wait For Me’ aus dem Jahr 1990 wurden bis in die hinteren Reihen komplett mitgesungen, so daß Mr. Thorpe wenig später feststellte: „You can’t kill Rock ‘n’ Roll!”. Auch im Rahmen dieser Show gab es eine Hommage an die Herren Dio, Iommi, Butler und Appice. Man stellte nämlich fest, daß alle Mitglieder der Band große Fans von BLACK SABBATH seien und sich daher besonders auf den nächsten Abend freuten. Dann bretterte man mit ‘Minute To Kill’ wieder mächtig los. Höhepunkt war hier das Twin Guitar Solo der Herren Thorpe und Gillis. Währenddessen machte Spaßvogel Larry Howe hinter seinem Drumkit einmal mehr so viele Faxen, daß man glauben konnte, er müsse sich absolut nicht konzentrieren. Etwas ernsthafter agierten die Jungs bei ‘Soldiers Of The Night’. Diesen Track hatten sie nämlich vor 20 Jahren zum letzten Mal gespielt. Damals allerdings war Sänger James Rivera noch gar nicht dabei, weshalb er es vorzog, den Text abzulesen. Der Stimmung tat das keinen Abbruch. Nicht zuletzt deshalb entschloß sich die Gruppe, mit dem eigentlich nicht geplanten ‘Lady Took A Chance’ noch einen draufzusetzen. Hat geklappt!
Jörg Schulz

Festival-Freitag, 22. Juni 2007

Location Festival-Freitag Open Air: 

Messegelände Balingen

Billing Freitag Open Air: 

HEAVEN & HELL
AMON AMARTH
THUNDER
DARK TRANQUILLITY
EVERGREY
VICIOUS RUMORS
LETHAL
PRAYING MANTIS
GIRLSCHOOL
WOLF
ADRAMELCH

ADRAMELCH
Wie nun schon mehrfach geübt, mußten wir auch 2007 zwei kurzfristige Billingänderungen vornehmen: Sehr zu unserem Bedauern zogen STEELHEART ihre Zusage, beim diesjährigen Bang Your Head!!! aufzutreten, zurück. Doch in Gestalt von LETHAL konnten wir ein schlicht überragendes „Flickstück“ gewinnen, die uns sowohl bei der Warm-up-Show als auch auf der großen Bühne mit ihrer genialen Mucke verzauberten. Auf den allerletzten Drücker sollten dann auch noch VIOLENT STORM ausfallen, doch erneut konnten wir innerhalb eines Wimpernschlages einen mehr als gleichwertigen Ersatz finden: die italienischen Prog-Ikonen ADRAMELCH. Darf man Augenzeugen glauben, die VIOLENT STORM noch wenige Tage zuvor bei einigen Auftritten gesehen hatten und von teils desaströsen Leistungen der Kapelle um Ex-BLACKMORE’S NIGHT- und MALMSTEEN-Basser Mick Cervino berichteten, sollte das BYH!!!-Billing mit diesem Tausch sogar deutlich aufgewertet werden... ADRAMELCH zockten sich einmal quer durch ihre Karriere - angefangen beim legendären Erstling ‘Irae Melanox’ von 1988 über den viel zu spät veröffentlichten Zweitling ‘Broken History’ (2005!) bis hin zur neuen, noch unveröffentlichten Nummer ‘The Tides Of My Soul’ - und bereicherten damit das Festival um die Progressive-Komponente, die man ansonsten schmerzlich vermißt hätte. Einen Sondergummipunkt erhalten unsere italienischen Freunde noch dafür, daß sie den nach ihnen spielenden - wie immer perfekt durchorganisierten... - WOLF mit einigen Drumsticks aushalfen, so daß sich die armen Wölfe nicht ganz „taktlos“ durch ihren Auftritt manövrieren mußten...
Stefan Glas

WOLF
Nicht gerade einen Deal mit Petrus hatten WOLF abgeschlossen, denn fast zeitgleich mit dem Beginn ihres Auftritts setzte strömender Regen ein, der die meisten Schönwetter-Metaller zurück in die Zelte trieb. Doch der verbliebene Rest feierte mit den Schweden eine zünftige Party und bereute es sicher nicht, in den rund 40 Minuten bis auf die Knochen durchnäßt zu werden - schließlich war der ‘Steelwinged Savage Reaper’ in town, und auch wenn die Mannen um Niklas Olsson angesichts der frühen Stunde anfangs noch etwas hüftsteif wirkten, kamen mit zunehmender Spieldauer auch die gewohnt lockeren Metal-Posen voll zur Geltung. Vor allem Basser Mikael Goding zeigte sich solidarisch mit der Meute und sprintete immer wieder auf den Laufsteg, ohne sich um die heftige Dusche von oben zu kümmern. Verdammt schade, daß der sympathische Kerl einige Tage später seinen Abschied von WOLF verkündete, denn ohne ihn kommen Tracks wie ‘The Bite’ oder das mächtig abräumende ‘I Will Kill Again’ sicher nicht so gut rüber, wie es noch in Balingen der Fall war! Hier gehörte die Band definitiv zu den Highlights des Tages, die mit Stoff wie ‘Evil Star’ oder ‘Children Of The Black Flame’ Heavy Metal in seiner reinsten Form zelebrierte und mich erneut durch ihre Spielfreude bis zum bitteren (oder sagen wir lieber feuchten...) Ende vor der Bühne hielt. Und die Tatsache, daß etliche Fans das gleiche dachten und im Geiste Chuck Billys altes „Fuck the rain“-Zitat befolgten, stellte eindrücklich unter Beweis, daß WOLF sich mit diesem fulminanten Auftritt für höhere Weihen empfohlen haben...
Martin Römpp

GIRLSCHOOL
Leider regnete es immer noch in Strömen, als die wohl beste All Girl Group aller Zeiten die Bühne des BYH!!! betrat. Die vier britischen Mädels ließen sich aber von der Nässe nicht beeindrucken und rockten gutgelaunt los. Erstaunlich, daß sich der Platz trotz des heftigen Niederschlags immer mehr füllte. Nach ein paar Songs hatte der Metal God dann doch ein Einsehen, und es hörte auf zu regnen. Das nutzten die Damen um Frontlady Kim McAuliffe sofort und packten einen Klassiker nach dem anderen aus. In den Songpausen machten sie sich sogar einen Spaß daraus, sich über ihre Frisuren und Make-ups zu unterhalten. Diese positive Stimmung schlug sofort auf das Publikum über und die Menge feierte GIRLSCHOOL ab wie nix. Im Gegensatz zu dem guten, aber etwas hüftsteifen Auftritt am Headbangers Open Air letztes Jahr, kamen die Songs auch etwas druckvoller und mit etwas mehr Tempo rüber. Als dann auch noch ‘Emergency’ eingeläutet wurde, gab es kein Halten mehr. GIRLSCHOOL hatten es geschafft, aus der deprimierenden Regenstimmung eine Metal-Party par excellence zu machen. Wieder einmal haben sie bewiesen, daß sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören. Ähnlich wie MOTÖRHEAD scheinen die Damen von der Insel mitten in ihrem zweiten Frühling zu sein, denn anders kann man diese Hammershow nicht erklären. Noch heute zeigen GIRLSCHOOL den jungen Rotz Rock-Combos, wo der Hammer wirklich hängt. Bitte mehr davon!
Oliver Weinsheimer

PRAYING MANTIS
Nachdem mit den vier GIRLSCHOOL-Damen zuvor bereits legendäre britische Rock ‘n’ Roll-Urgesteine auf der Bühne gestanden waren, ließen sich die männlichen Vertreter dieser Spezies nicht lange bitten. Und PRAYING MANTIS, die in unseren Gefilden schon lange nicht mehr live zu bewundern gewesen waren, machten ihre Sache im Verlauf der folgenden 45 Minuten richtig gut! Die Formation um die Troy-Brüder Tino (g) und Chris (b) zeigte sich spielfreudig, gutgelaunt und hatte ein buntes Sträußchen Melodien geschnürt, das sowohl für Fans der Anfangstage als auch für Liebhaber der jüngeren Bandtaten einiges zu bieten hatte. ‘Children Of The Earth’, ‘Can’t See The Angels’, ‘Cry For The New World’ - die Mischung macht’s, und die stimmte hier definitiv! Erstaunlich gut in Form zeigte sich dabei der momentane Frontmann der Combo, Mike Freeland, der sich hinter seinen prominenten Vorgängern Gary Barden, Tony O’Hora oder Damien Wilson keineswegs verstecken brauchte und die Songs der unterschiedlichen Bandphasen problemlos intonierte - Respekt! Kein Wunder daher, daß bei dieser satten Mannschaftsleistung auch der Wettergott ein Einsehen mit den Fans vor Ort hatte und die miese Open Air-Befeuchtungsmaschine endlich abschaltete. Wie sich später übrigens herausstellte, hatte die Band auch abseits der Bühne absolut keine Berührungsängste. Die in Würde ergrauten Herren zeigten sich an beiden (!) Tagen an so manch einem Bierstand zum Small Talk mit den Fans aufgelegt, was ihnen zusätzliche Sympathiepunkte einbrachte!
Peter Engelking

LETHAL
Nach dem legendären Gig beim Keep It True 8 war die Meßlatte natürlich sehr hoch für die amerikanischen Power Metaller LETHAL. Leider konnte Gitarrist Eric Cook nicht mit zum Bang Your Head!!! anreisen, und so mußte die Band mit nur einem Gitarristen auf die Bühne. Zum Glück merkte man den Unterschied wirklich kaum, denn Erics Bruder Glen füllte die Gitarrenlöcher mit seinem Baß gnadenlos aus. Weiterhin mußte man zweimal hinsehen, um den anderen Gitarristen Dave zu erkennen, da der sich spontan mal die Haare abgesäbelt hatte. Erste Erkenntnis aber war, daß Sangesgott Tom Mallicoat zum Glück seine 80er Jahre-Turnhose zu Hause gelassen und sie gegen eine schwarze Jeans eingetauscht hatte. Der Cowboyhut bleibt aber immer noch das Merkmal des einzigartigen Sängers, der mit Abstand die beste Gesangsperformance des gesamten Festivals bot. Dieser Mann singt alles in Grund und Boden, und das mit einer wahrhaft mitreißenden Hingabe. Die Setlist bestand im großen und ganzen aus den selben Songs wie beim KIT, war aber wegen der kürzeren Spielzeit natürlich etwas zusammengestaucht worden. Als gegen Ende die beiden ‘Programmed’-Klassiker ‘Immune’ und ‘Killing Machine’ durch die PA drangen, hatten LETHAL wieder einmal bewiesen, wie perfekter US-Metal auszusehen hat. Lediglich die Ansagen von Tom waren wieder einmal sehr strange und irgendwie hat sie wohl auch keiner verstanden, aber im Endeffekt ist das vollkommen egal, denn seine gesangliche Leistung war nicht von dieser Welt. Wir warten auf das neue Album!
Oliver Weinsheimer

VICIOUS RUMORS
Nach dieser Hammershow von LETHAL standen die altgedienten VICIOUS RUMORS natürlich unter Zugzwang. Gitarrist Geoff Thorpe ließ ja schon im Vorfeld die Setlist des Gigs veröffentlichen, die aber leider nicht ganz eingehalten wurde, denn ‘Lady Took A Chance’ war beispielsweise auf einmal nicht mehr im Programm. Trotzdem gelang den Jungs mit ihrem neuem Sänger James Rivera (HELSTAR) mit ‘Digital Dictator’ und ‘Minute To Kill’ ein super Einstand. Bei den beiden Songs vom ‘Soldiers Of The Night’-Album mußte James leider den Text vom Blatt ablesen, was meiner Meinung nach etwas unnötig war, da es ungeheuer viel Tempo aus der Performance nahm. Dafür war Mister Rivera bei all den anderen Songs immer top bei Stimme, obwohl ich immer noch der Meinung bin, daß James nicht die Ideallösung für VICIOUS RUMORS ist, da ich mit seiner Stimme immer nur HELSTAR verbinde. Aber ich will nicht jammern, die Band bot eine tolle Vorstellung, auch wenn mir der kurze Gig beim zehnten BYH!!! doch noch eine Ecke besser gefallen hat. Taktisch ungünstig war es zudem, als Zugabe das unsägliche ‘Mr. Miracle’ anstatt eines Klassikers auszupacken. Ansonsten war alles im Lot, die Fans hatten ihren Spaß, und wir können uns auf die VICIOUS RUMORS/AGENT STEEL-Tour im Herbst freuen, die aber leider mit nur zwei Gigs unter der Woche Deutschland streift. Die Bands sind ihr Geld aber auf jeden Fall wert.
Oliver Weinsheimer

EVERGREY
Manch einer mag sich verwundert die Augen gerieben haben, denn irgendwas hatte sich bei den Schweden verändert: Statt Fredrik Larsson, der in den Schoß von HAMMERFALL zurückgekehrt war, stand ein Bassist auf den Brettern, der sich optisch drastisch vom Rest der Truppe abhob. Mit modischem Kurzhaarschnitt und Porno-Sonnenbrille hätte der Herr eher zu einer Aufreißer-Hardrock-Combo denn zu den progressiven Düster-Metallern gepaßt. Sei’s drum, an der Technik gab es nix zu meckern - und abgesehen von der personellen Neuerung boten EVERGREY exakt, was man von ihnen erwartet hatte und gewohnt ist. Mit druckvollem Sound ohne übertriebenen Firlefanz, aber großer Liebe zum Detail bewies das Gespann um Tom S. Englund, welch hervorragende Live-Band sie sind. Zugegeben, mitunter schienen manche Kompositionen ein wenig zu komplex für die Festivalbühne und ließen im Vergleich zum auf CD gepreßten Pendant ein wenig von ihrer unvergleichlichen Atmosphäre vermissen. Bei Nummern wie ‘A Touch Of Blessing’ aber tönten nicht nur die Keyboards glasklar, auch die Riffs saßen messerscharf. Richtig Pech hatte allerdings kurzfristig Sechssaiter Henrik Danhage bei ‘Monday Morning Apocalypse’, als sein Verstärker mitten im Song mit einem äußerst unschönen Geräusch den Dienst quittierte. Der kleine Ausfall wurde jedoch souverän überspielt, und als sich Englund mit ‘The Masterplan’ und einem herzhaften „Have a great fucking day!” verabschiedete, bestand kein Zweifel daran, gerade einen verdammt geilen Gig genossen zu haben.
Daniela Sickinger

DARK TRANQUILLITY
DARK TRANQUILLITY sind live immer ein Genuß. Bei ihrem ersten Auftritt auf dem Bang Your Head!!!-Festival blieb jedoch abzuwarten, wie die Schweden mit dem ihnen doch eher fremden Publikum zurande kommen würden. Der Einstieg gelang ihnen mit ‘Nothing To No One’, dem Opener ihres aktuellen Krachers ‘Fiction’, absolut nach Maß. Der Sound paßte, Frontmann Mikael Stanne versprühte von der ersten Sekunde seine stets ansteckende gute Laune, und seine Hintermannschaft lieferte das Fundament dazu. Martin Henriksson mutierte zum Dauerbanger, was bei seinen mittlerweile gefährlichen Dreads optisch einiges hermachte, während Bassist Michael Nicklasson die wohl größte Sonnenbrille des Festivals trug, deren Gewicht ihn ein wenig in seinem Bewegungsraum einzuengen schien. Anyway, mit Krachern der Marke ‘The Lesser Faith’ und ‘The Wonders At Your Feet’, dem überraschend früh rausgehauenen ‘Final Resistance’ oder dem atmosphärischen ‘Misery’s Crown’ konnten die Jungs von Song zu Song mehr Punkte sammeln, was sie schlußendlich sogar dazu bewog, bei dem eher melodiös ausgerichteten BYH!!!-Publikum in Form von ‘Punish My Heaven’ einen Ausflug in vergangene, extremere ‘The Gallery’-Zeiten zu wagen. So hatte sich der stets die Menge anfeuernde und mit den ersten Reihen Kontakt suchende Stanne eine kleine Ruhepause in der metallenen Hand links der Bühne redlich verdient. Und sogar ein über dem Gelände kreisender Adler (Adler?! Ja klar, der hatte es bestimmt auf die durch Balingen ziehenden Zebras oder auf der benachbarten Wiese lebenden Eisbären abgesehen... Alter!!! - Jagger) ließ sich von den härteren Klängen dieser Truppe nicht vertreiben. Well done, boys!
David Gregori

THUNDER
Balingen, der 22. Juni 2007, kurz nach 18 Uhr, die Frisur sitzt - Zeit zum Niederknien! War der erste Bang Your Head!!!-Tag bis zu diesem Zeitpunkt schon mit vielen sehenswerten Performances gespickt, so kam mit THUNDER nun eine absolute Party-Maschine auf die Bühne, die die Meute vom ersten Ton an fest im Griff hatte. Blendend aufgelegt bewiesen die Briten ein feines Fingerspitzengefühl bei der Songauswahl und servierten der gierigen Fanschar genau das, was sie erwartete: Songs zum gnadenlosen Abfeiern! Egal, ob ‘Loser’, ‘Robert Johnson’s Tombstone’, ‘Back Street Symphony’ oder ‘Low Life In High Places’ - die Band beherrscht ihr Handwerk und verbreitet live eine Stimmung, die einzigartig ist. Die Luft in den ersten zehn Reihen vor der Bühne wurde jedenfalls immer heißer und Frontmann Danny Bowes nutzte die Gunst der Stunde und präsentierte sich als Entertainer par excellence. Mal lässig über die Bretter schlendernd, mal am äußersten Rand des Laufstegs mit den weiblichen Schönheiten vor Ort flirtend, zeigte der Gute den Kollegen, wie man es richtig macht. Die Stimmung war endgültig am Siedepunkt angelangt, als THUNDER ‘Love Walked In’ anstimmten. Der Song ist und bleibt einfach der unschlagbare Hammer, und jeder, der schon einmal bis über beide Ohren verliebt war, wird bestätigen können, daß die Nummer ein Gänsehautgarant ist! Schade somit, daß die Formation bereits nach einer Stunde den Ort des Geschehens wieder verlassen mußte, denn in dieser Form hätte das Quintett gerne noch ein weiteres Stündchen dranhängen dürfen, da waren sich wohl alle einig. Lecker!
Peter Engelking

AMON AMARTH
Bereits zum dritten Mal durfte die Wikinger-Horde um Fronthüne Johan Hegg nun schon die heiligen Bretter des Bang Your Head!!! überfallen; dieses Mal gar als Co-Headliner direkt vor den mächtigen HEAVEN & HELL! Und das auch völlig zurecht, schließlich zählen AMON AMARTH mittlerweile nicht nur zu den besten Livebands der Szene, sondern auch mit zu den größten neuen Hoffnungsträgern, wenn es darum geht, zu den wenigen echten Headlinern der Festivalszene aufzuschließen. So war es kein Wunder, daß die Schweden einmal mehr vom Publikum überaus frenetisch empfangen wurden und es ihnen leicht fiel, mit einer bombigen Setlist (abgerundet durch gezielt plazierte Intros und Zwischenparts), der mitreißenden Bühnenperformance (besseres Synchron-Propellerbanging gibt’s nirgendwo), sowie einer mehr als passenden und akzentuiert opulenten Licht- und Pyro-Show jegliche Begeisterung vollauf zu rechtfertigen. Die Viking-Deather sind mittlerweile dermaßen perfekt aufeinander eingespielt und abgestimmt, daß man einerseits keinerlei Platz für Fehler, andererseits aber auch kaum Raum für Spontaneität läßt. Aber hey, solange man nicht rüberkommt wie eine choreographierte Boyband, ist noch kein Grund zur Sorge vorhanden. So entfalteten AMON AMARTH erneut ihre ganz Macht, zogen alle Register und sorgten für beste Stimmung bei den Fans - obwohl ich das Gefühl nicht ganz loswurde, daß man beim letzten Balingen-Besuch noch frenetischer bejubelt wurde. Mit dem unschlagbaren Schlußdoppel ‘Victorious March’ und ‘Dap, da-dap dap, dap’, äh sorry, ‘Pursuit Of Vikings’ machte man dann Platz für die sehnsüchtig erwarteten Herren Iommi, Dio, Butler und Appice, für die man die Meute so richtig adäquat angeheizt hatte.
Hage

HEAVEN & HELL
Ronnie James Dio und seine Mitstreiter SIND gegenwärtig BLACK SABBATH - gleichgültig, wie sie sich nennen. Schon, weil es diese Truppe nicht ohne Tony Iommi geben kann. Jener hatte sich ja schon am Beginn der Europatour eindeutig positioniert. Der Gruppenname stehe nicht zur Debatte, entscheidend aber sei das Feeling. Und hier stimme alles. Das durften die Besucher des diesjährigen Bang Your Head!!! am Freitagabend ab 21.20 Uhr erleben. Rund 90 Minuten verwöhnten uns vier wahre Künstler, obwohl der Sideman an den Tasteninstrumenten, Scott Warren, ebenfalls nicht unerwähnt bleiben soll, gerade weil er sich nach eigenen Aussagen ein wenig wie das fünfte Rad am Wagen vorkommt. Dio erscheint vielen Zuschauern zwar als Mittelpunkt der Show, doch er drängt sich nicht in jenen und versteht es, allen Beteiligten Raum zur Entfaltung zu lassen. Diese Form der Zurückhaltung ermöglicht ein Bandgefüge, bei dem trotz der Anstrengungen einer seit März 2007 laufenden und noch bis Februar 2008 andauernden Welttournee nichts im Gebälk kracht. Um die Früchte dieses Verhaltens wurden auch die BYH!!!-Enthusiasten nicht betrogen. Da störte es nicht, daß den Setlist-Kürzungen für Europa ‘After All (The Dead)’, ‘Lady Evil’ und zwei neue Stücke zum Opfer gefallen waren. Musikalisch war dieses Konzert ein einziger Höhepunkt, aus dem man eigentlich ungern etwas herausheben möchte. Bestünde dieser Zwang, fiele die Wahl wohl auf ‘Falling Off The Edge Of The World’ und die Über-Hymne ‘Heaven And Hell’. Einen extra Bonus haben sich übrigens jene Mitarbeiter verdient, die für die Visualisierung des Ganzen verantwortlich waren. Keine langweilige Lichtshow, sondern ein einfallsreiches Konzept, intelligent umgesetzt - mit Details aus den Covers der einzelnen Platten oder sinnhaften Bildern, mit denen die Songtexte illustriert wurden. Alles in einem Wort: gigantisch!
Jörg Schulz

Festival-Samstag, 23. Juni 2007

Messegelände Balingen

Billing Samstag Open Air: 

EDGUY
HAMMERFALL
W.A.S.P.
NAZARETH
BRAINSTORM
FINNTROLL
AMORPHIS
MERCENARY
POWERMAD
MYSTIC PROPHECY
ARCHER
AGE OF EVIL

AGE OF EVIL
Nach ihren umjubelten WOM-Auftritt vom Donnerstag hatten das ganze Team und alle anwesenden Musiker die Jungs von AGE OF EVIL so sehr ins Herz geschlossen (GIRLSCHOOL wollten sie sogar adoptieren), daß es sich Horst nicht nehmen ließ, dem Vierer spontan eine Chance auf der großen Bühne zu geben. Als kurzfristiger Pre-Opener spielten AGE OF EVIL ein abgekürztes Set, bei dem wieder der ‘Metal Crusade’-Track ‘The Storm’ und die Coverversion ‘Call Me Evil’ zum Einsatz kamen. Als absolute Krönung des Wochenendes lud ein begeisterter Horst E. Franz die Band auf der Bühne zum Bang Your Head!!! 2008 erneut ein und die Jungs versprachen, nächstes Jahr ihren Mentor Tom Gattis (Ex-DEUCE/TENSION/WARDOG, BALLISTIC) zum ‘Call Me Evil’-Duett mitzubringen.
Martin Brandt

ARCHER
Aber mit AGE OF EVIL war die Jugendförderung beim Bang Your Head!!! 2007 noch lange nicht abgeschlossen, denn auch das Power-Trio von ARCHER aus Santa Cruz, Kalifornien, ist ein noch recht unbeschriebenes (wenn auch insgesamt etwas älteres) Blatt, das die ihm gebotene Chance auf der Hauptbühne mit beiden Händen ergriff. Neben dem musikalischen Knowhow hatten ARCHER aber auch das entsprechende Bühnengepose voll drauf, und auch wenn sie nur zu dritt waren, wußten sie den weitläufigen Raum gut zu nutzen. Optisch waren sie jedenfalls zu keiner Sekunde langweilig, und man mußte sich fast Sorgen um den sehr agilen Bassisten Isaiah machen, denn neben aktiven Bang-Orgien setzte er ein ums andere Mal zu gewagten Mammutsprüngen auf die Rampe an. Der blonde Sänger/Gitarrist Dylan verband die metallische Attitüde eines jungen James Hetfield mit dem groovigen Rock ’n’ Roll-Touch von Zakk Wylde, und auch ihm quoll die Spielfreude und der unbändige Spaß an der Performance aus allen Poren. Obwohl ARCHER frisch klingen, ist ihr Sound nicht zwingend modern zu nennen, denn trotz zeitgemäßer Umsetzung spielt die klassisch rockende Tradition im Stile von z.B. THIN LIZZY eine nicht unerhebliche Rolle bei ARCHERs Musik. Das Publikum griff das Gebotene zu früher Stunde dankbar auf und feierte mit den Jungs zu den Stücken ihres Debütalbums ‘Doom$day Profit$’ wie z.B. ‘Last Of His Kind’ oder ‘Hell Hath No Furies’ eine ausgelassene Metal/Rock-Party.
Martin Brandt

MYSTIC PROPHECY
MYSTIC PROPHECY sind eine schwer einzuschätzende Band. Verirren sich zu ihren Clubgigs eher weniger Leute, war es am BYH!!!-Samstag um 10:50 Uhr, als pünktlich auf die Minute die ersten Töne der griechisch-deutschen Kollaboration erklangen, schon überraschend voll vor der Bühne. Daher ließ sich der sympathische Fünfer nicht lumpen und feuerte ein astreines Best Of-Programm seiner bisherigen vier Alben in die Menge. Der Schwerpunkt lag dabei natürlich auf ihrem letzten und auch besten Album ‘Savage Souls’ (u.a. ‘Masters Of Sin’, ‘Evil Empires’, ‘In The Darkness’). Daß MYSTIC PROPHECY in den letzten Jahren öfters gespielt haben, merkte man ihrer Performance ganz deutlich an. Gerade im Vergleich zum Gig in Wacken vor zwei Jahren wirkte ihr Posing deutlich routinierter. Vor allem Sänger RD Liapakis hat stark an sich gearbeitet, auch wenn manchmal immer noch das letzte Quentchen Volumen in seiner Stimme fehlt, um bei den ganz großen Namen des Genres mithalten zu können. Genauso sollte man über manche seiner Ansagen lieber den Mantel des Schweigens packen, aber hier geht es ja um die Musik. Und die hat bei fettestem Festivalsound hundertprozentig gestimmt. Ergebnis: Beim abschließenden ‘Burning Bridges’ gingen wesentlich mehr Hände nach oben als noch während der ersten drei Songs, und auch die Müdigkeit schien den anwesenden Bangern etwas aus den Gliedern gefahren zu sein. Das in Kürze erscheinende neue Album der Jungs werden sich bestimmt nicht wenige Zeugen dieses Gigs eintüten.
David Gregori

POWERMAD
Auf den Auftritt der wiedervereinigten POWERMAD hatte nicht nur ich mich sehr gefreut. Leider aber mußten die Jungs ohne ihren Powerdrummer John Macaluso anreisen, doch ansonsten waren mit Joel Dubay (v & g), Todd Haug (g) und Jeff Litke (b) alle Original-Mitglieder an Bord. Allerdings muß ich zugeben, daß die Zeit nicht spurlos an POWERMAD vorbeigezogen ist. Statt langhaariger Optik präsentiert Joel einen rasierten Schädel, ein Wohlstandsbäuchlein, kurze Khaki-Hosen und eine Harry-Potter-Gedächtnis-Brille. Insgesamt also eher gewöhnungsbedürftig und nicht gerade das Aussehen, das man sich von den POWERMADs gewünscht hätte. Leider war die Band auch nicht so tight und eingespielt, wie man es von den Songs auf CD gewohnt war. Man muß ihnen aber zugute halten, daß die Setlist keine Wünsche offen ließ und uns mit neuen unbekannten Stücken verschonte. Stattdessen präsentierten POWERMAD mit ‘Absolute Power’, ‘B.N.R.’, dem aus dem David Lynch-Film ‘Wild At Heart’ bekannten ‘Slaughterhouse’, ‘Nice Dreams’, Plastic Town’, ‘Hunter Seeker’ oder ‘Terminator’ genau die Songs, auf die sich die Fans so sehr gefreut hatten. Allerdings mogelte sich Joel um die schwierig zu singenden Passagen ein wenig herum, was den Hörgenuß ein wenig schmälerte. Im Gegensatz zu LETHAL konnten POWERMAD ihre Die Hard-Fans nicht hundertprozentig überzeugen, spielten aber nach den ganzen Jahren der Band-Abstinenz einen Gig, der besser war als befürchtet, aber leider nicht ganz so gut wie erhofft.
Martin Brandt

MERCENARY
Hatten die Jungs von MERCENARY auf der Tour mit NEVERMORE noch mit massiven Soundproblemen zu kämpfen, und durften sie auf dem Rock Hard Festival 2006 nur die kleine Bühne entern, sind solcherlei Vorfälle inzwischen offensichtlich ad acta gelegt. Passend zum musikalischen Feuerwerk der Dänen rissen die Wolken über dem Balinger Messegelände kurzzeitig auf, um die Strahlen der Sonne durchzulassen. Denn von der Bühne blies ein dänisches Windchen, das es in sich hatte. Ob die Bezeichnung Melodic Death Metal wirklich zur Musik paßt, sei dahingestellt. Zu hören gab es jedenfalls geballte Power mit hammergeilen Gitarrenriffs und perfektem dreistimmigem Gesang, bei dem Sängerknabe Mikkel Sandager von seinem Keyboarder und Bruder Morten, sowie Bassist Rene Pedersen lautstark unterstützt wurde. Die Band bot besten Metal von spielfreudigen Musikern und hätte meines Erachtens nach gerne deutlich später auftreten dürfen. Das Songmaterial stammte hauptsächlich von den letzten beiden MERCENARY-Alben ’The Hours That Remain’ und ’11 Dreams’ mit Mikkel Sandager am Mikrophon. Dessen Lederjacke, die er bei den Auftritten trägt, ist wohl ein Glücksbringer. Denn in dem Teil steckt garantiert der Bühnenschweiß von mindestens zwei Jahren. Auf alle Fälle ein Glücksgriff war die Wahl Rene Pedersens, der seit Mai letzten Jahres die dicken Saiten für MERCENARY in Schwingung versetzt. Dieser Kerl rockt nicht nur, sondern vermag es auch, seiner Kehle die richtigen Töne zur richtigen Zeit und in der richtigen Reihenfolge zu entlocken. Weiter so!
Daniel Wamsler

AMORPHIS
Als hätten die Finnen das Wetter passend zu ihrem düsteren Sound bestellt, zog sich der ohnehin schon wolkenverhangene Himmel quasi im selben Moment, in dem das Sextett die Bühne enterte, noch dichter und schwärzer zu. Daß wenige Augenblicke später allerdings auch noch ein Regenschauer aufs Gelände niederprasselte und sich nicht wenige deshalb zu den Bierständen verkrümelten, wirkte sich nicht gerade förderlich auf die Stimmung aus. Die war bei AMORPHIS ohnehin eher gebremst, vielleicht, weil atmosphärische Melancholie eher zum andächtigen Schwelgen denn zum zügellosen Bangen animiert. Nicht zuletzt mag es aber auch daran gelegen haben, daß die Show insgesamt ein wenig statisch ausfiel. Esa Holopainen schlenderte mit seiner Klampfe ab und an gemächlich von links nach rechts, damit hatte sich das Bewegungspotential der Herrschaften dann aber auch schon erschöpft. Nur Tomi Joutsen, der sich inzwischen bestens integriert hat und sichtbar wohl fühlt, nahm seine Frontmann-Pflichten ernst, sprühte vor Temperament und ließ mehrfach die beeindruckend langen Rastazöpfe im Helikopter-Stil rotieren. Dank seiner Stimmgewalt konnte neben ‘House Of Sleep’ und Konsorten auch älteres Material wie ‘Magic And Mayhem’ oder ‘Against Widows’ wieder in die Setlist aufgenommen werden. Auf ‘Black Winter Day’, den Klassiker schlechthin, wartete die Festivalgemeinde jedoch einmal mehr vergeblich. Schade eigentlich, wenigstens ein „echter” Hit hätte der Darbietung sicher gut getan und ein wenig zusätzlichen Pfeffer verliehen.
Daniela Sickinger

FINNTROLL
Tja, am frühen Samstagnachmittag war die Bühne des Bang Your Head!!!-Festivals fest in finnischer Hand. Denn nach AMORPHIS kletterten deren Landsmänner FINNTROLL auf die Bretter, die die Welt bedeuten und brachten eine ordentliche Kelle Folk Metal unters Volk. Durch die Bank weg in feinen Rock-Zwirn gekleidet (Neu-Frontmann Matthias Lillmåns hatte sich sogar augenscheinlich den lang geschnittenen Lederfummel von DIMMU BORGIRs Shagrath ausgeborgt), gaben die Jungs Gas und präsentierten sowohl Tracks des aktuellen Langspielers ‘Ur Jordens Djup’ als auch älteres Material, wie zum Beispiel das unumgängliche ‘Trollhammaren’. Gerade bei diesen älteren Angelegenheiten wurde jedoch sehr schnell deutlich, daß Matthias seinem Vorgänger Tapio Wilska in Sachen Ausstrahlung und Bühnenpräsenz nicht ganz das Wasser reichen kann. Da fehlt dem Guten einfach der „voluminöse Resonanzkörper” Wilskas, aber sei es drum! Die Band gab auch so eine gute Figur ab und wie bei so vielen Bands des diesjährigen Open Airs in Balingen verging auch hier die Zeit wie im Fluge. Nullkommanix waren die knapp fünfzig Minuten schon wieder um, und so manch einer auf dem Messegelände dürfte die schwedisch singenden Finnen in sein Herz geschlossen haben. Wenn man dennoch einen Kritikpunkt anbringen möchte, dann ist das sicherlich die Tatsache, daß die Band sich dazu durchringen sollte, ihre für den Metal-Bereich exotischen Instrumente (z.B. Ziehharmonika) bei solchen Gelegenheiten von einem Musiker live spielen zu lassen. Samples haben immer einen faden Beigeschmack...
Peter Engelking

BRAINSTORM
Wenn eine Band ihren Gig mit ‘Auf de Schwäb’sche Eisebahn’ einläuten läßt, dann hat sie nicht nur Spaß in den Backen, sondern auch eine gehörige Portion Mut und Selbstbewußtsein. Tja, und eine Band, die sich dies definitiv erlauben kann, ist die schwäbische US-Power Metal-Institution BRAINSTORM, die schon seit Jahren die Speerspitze der deutschen Szene bereichert. Dies liegt zum einen an ihren durchweg großartigen Alben, die sie konstant Jahr für Jahr raushauen, zum anderen aber definitiv auch an ihren mitreißenden Liveauftritten. Nicht Kompetentesten in unseren Breitengraden zählen, nein, gerade live beweist Sänger Andy B. Franck immer wieder aufs Neue, daß er mit Fug und Recht zum Besten gehört, was live seine Stimme erhebt - und dies nicht nur in Deutschland! So auch dieses Mal bei ihrem erneuten Heimspiel in Balingen, wo der Wunschschwiegersohn aller Mütter (oder auch: „der schwäbische Metal Gott“, wie ihn die Bild-Zeitung Stuttgart bezeichnet hat... - Jagger) trotz immenser Bewegungsfreudigkeit nahezu jeden Ton perfekt traf und sicher etlichen seiner Kollegen die Schamesröte ins Gesicht trieb. Absolut sympathisch, engagiert und spielfreudig konnten die Ost-Albler von Beginn an das Publikum mitreißen, es zu allen möglichen (und unmöglichen) Mitsing- und Mitklatschspielchen animieren, mit Einlagen wie der „Harley Davidson”-PRIEST/MANOWAR-Verarsche erheitern (Andy B. kam zu tosenden Motorgeräuschen auf einem Mini-Imitat reingerollt) und mit Erste Sahne-Krachern der Marke ‘Inside A Monster’, ‘Worlds Are Coming Through’, ‘Blind Suffering’ oder dem abschließenden ‘All Those Words’ begeistern. Und daß der Gig zu einem echten Triumphzug für die Jungs wurde, zeigte sich vor allem auch daran, daß sie noch minutenlang nach Ende des Auftritts vom Publikum frenetisch bejubelt, gefeiert und mit Gesängen bedacht wurden. Das werden weder Band noch Publikum so schnell vergessen. Fragt sich nur, ob BRAINSTORM nicht vielleicht eine oder gar zwei Positionen zu niedrig im Billing plaziert waren. Hammer!
Hage

NAZARETH
Daß altgediente Hardrock-Formationen im ansonsten eher härter ausgerichteten BYH!!!-Programm nicht zwangsläufig sang- und klanglos untergehen müssen, haben in den letzten Jahren bereits Gruppen wie MAGNUM und vor allem FOREIGNER bewiesen. In diesem Jahr waren es nun die Schotten von NAZARETH um die charismatische Reibeisenstimme Dan McCafferty, die in Balingen die Flagge der legendären Acts hochhalten durften. Nun, ganz so euphorisch-überschwengliche Publikumsreaktionen wie Mick Jones und seine FOREIGNER-Mitstreiter letztes Jahr konnten NAZARETH zwar nicht lostreten, ein ordentlicher Nostalgie-Trip war der rund einstündige Auftritt aber dennoch. Nach einem reichlich lang gewählten Dudelsack-Intro vom Band lud das Quartett zu einer kleinen Sightseeing-Tour durch die Bandhistory ein und präsentierte mit Songs wie ‘Razamanaz’, ‘Telegram’, ‘This Flight Tonight’, ‘I Want To Do Everything For Love’, ‘Love Hurts’ oder ‘Dream On’ Klassiker am laufenden Band. Einige der Titel wurden von der Formation zwar etwas zu sehr in die Länge gezogen (zumindest für einen Festival-Auftritt), aber daran haben sich wohl die wenigsten Interessierten wirklich gestört - genauso wenig übrigens wie an Mr. McCaffertys nicht durchgehend „astreinem” Gesang. Schließlich war das Ganze ja auch keine Mini-Playback-Show, sondern der Gig einer dem Whiskey nicht abgeneigten Truppe, und der endete nach der Zugabe ‘Morning Dew’ mit vielen zufriedenen Gesichtern auf und abseits der Bühne. So soll’s sein!
Peter Engelking

W.A.S.P.
Bei Blackie Lawless und seinen Mannen war dann erst einmal das große Warten angesagt - the torture never starts, so schien es. Geschlagene 20 Minuten zu spät - offiziell wegen technischer Probleme - konnte es dann endlich losgehen, statt der ursprünglich angesetzten 80 Minuten blieb aber logischerweise nur noch die übliche Lawless’sche Stunde übrig - ein Schelm, wer mit diesem Gedanken im Hinterkopf vermutete, der Gesetzlose habe mit seinen Anfang Fünfzig eben nur noch Luft für 60 Zeitspäne zwischen den schlaffen Arschbacken. Alles kein Problem, wenn dann, aufbauend auf den sehr positiven Kritiken zum neuen Opus ‘Dominator’, wie im Herbst bei den deutschen Clubgigs eine Stunde lang die Luft brennt. Doch bereits nach dem zum Medley verkürzten Eingangstrio (der Standard-Opener ‘On Your Knees’, das tief aus der Überraschungskiste herausgekramte ‘Inside The Electric Circus’ sowie der neue Track ‘Mercy’) stand fest, daß W.A.S.P. kein Highlight des diesjährigen BYH!!! sein würden. Blackie wirkte nicht gerade topmotiviert, sang gewohnt wechselhaft (arg mit seinen Stimmbändern kämpfend bei ‘Chainsaw Charlie’, überraschend voll und melodiös (playbackunterstützt?) bei ‘Take Me Up’), und auch der Sound war nicht das vielzitierte Gelbe vom Ei. Außerdem können W.A.S.P. bei Tageslicht einfach nicht ihre optimale Wirkung entfalten - Herr Lawless erkannte dieses Problem bereits 1995 und nannte daher sein damaliges Album ‘Still Not Black Enough’. Wirklich euphorische Stimmung, die eine Band mit so vielen Klassikern in der sexuell abartigen Hinterhand auszulösen in der Lage sein müßte, kam nie auf, auch wenn man mit Gassenhauern wie ‘L.O.V.E. Machine’, ‘I Wanna Be Somebody’ oder ‘Blind In Texas’ auf einem Sommerfestival nie wirklich auf die Verliererstraße abrutschen kann.
Alexander Kolbe

HAMMERFALL
Als „very special guests” wurden die Schweden angekündigt und entfachten unfreiwillig bereits im Vorfeld eine hitzige Diskussion, ob nicht besser sie statt EDGUY auf die Headliner-Position gesetzt worden wären. Aber mal ganz ehrlich: Rückblickend war es doch komplett schnurz, ob HAMMERFALL nun um 19.30 Uhr loslegten oder knapp zwei Stunden später - einen Höllenspaß hat die Chose so oder so gemacht. Und am Bühnenaufbau wurde ob der Tatsache, „nur” als Co-Headliner zu fungieren, schon mal gar nicht gespart. Klotzen statt kleckern hieß offensichtlich die Devise, was bei der blinkenden Showtreppe, die jeder Samstagabend-Fernsehshow zur Ehre gereichen würde, begann, auf der nicht weniger als zehn Bassdrums plaziert wurden, die den Bandnamen bildeten. Damit nicht genug, knallte und glitzerte es doch an allen Ecken, und beinahe im Minutentakt wechselten sich Flammensäulen, Pyros und farbige Funkenfontänen ab. Zum Augen- gesellte sich der Ohrenschmaus, denn die mit Hits und Klassikern wie ‘Riders On The Storm’, ‘Bloodbound’, ‘Hammerfall’ oder ‘Natural High’ bestückte Setlist ließ fast keine Wünsche offen. Da fiel es kaum ins Gewicht, daß nicht jede Passage technisch brillant umgesetzt oder der ein oder andere Einsatz leicht verpatzt wurde. Mit ihrem erfrischend agilen und natürlichen Stageacting machten die Protagonisten die kleinen Mängel locker wett, vor allem Fronter Joacim Cans sorgte mit rasanten Spurts, dynamischen Sprüngen und massiver Interaktion mit dem Publikum für blendende Stimmung. Absolut großartig auch die humorige Präsentation seiner Kollegen: Die Rückkehr von Fredrik Larsson kommentierte er zum Beispiel augenzwinkernd damit, daß „die Truppe jetzt irgendwie anders aussieht... nämlich häßlicher als vorher!” Aber wenn die Fans selbst lange nach dem Gig noch fröhlich ‘Hearts On Fire’ auf dem Klo pfeifen, kann es so schlimm ja nicht gewesen sein.
Daniela Sickinger

EDGUY
Ich will hier nicht in die ganz große Trickkiste greifen und das „Veni, Vidi, Vici“-Zitat des ollen Gaius Julius in den Ring werfen, doch wer im Vorfeld noch groß geunkt hatte, daß eine Band wie EDGUY doch niemals Headlinerstatus beim Bang Your Head!!! besitzen würde, dem dürften im Laufe der letzten 90 Minuten des Festivals die Argumente ausgegangen sein. Und mal ehrlich, wer die Hessen auf einer ihrer zahlreichen Tourneen mal gesehen hat, dem war schon lange klar, daß es kaum eine Band so versteht, das Publikum zu überzeugen und in ihre Show einzubinden. Langweilig wird’s bei EDGUY jedenfalls nie, und das liegt vor allem an der Masse an Hits, die sich Tobi, Jens, Dirk, Eggi und Felix über die Jahre aus den Ärmeln geschüttelt haben. Dabei wollen wir auch die Entertainment-Qualitäten von Herrn Sammet nicht vergessen, der aus der herzergreifenden Ballade ‘Save Me’ durch die Hinzufügung des Buchstaben ‘H’ einen Anti-Schamhaar-Song macht oder darauf hinweist, daß EDGUY Typen sind, die „nie einen abkriegen“. Nun gut, dieses tragische Schicksal werden die weiblichen Fans hoffentlich wieder wettmachen, sofern sie nicht Fans des VfB Stuttgart sind und die gewohnt flapsigen Fußball-Statements des bekennenden Anhängers eines UEFA-Cup-Teilnehmers in den falschen Hals bekommen haben... Doch zurück zum Spiel, das EDGUY mit Songs wie ‘Lavatory Love Machine’, ‘Tears Of A Mandrake’ oder ‘The Piper Never Dies’ immer souverän bestreiten konnten. Für Freunde alter Zeiten hatte man auch Klassiker wie ‘Vain Glory Opera’ oder ‘Wake Up The King’ im Gepäck, die auch den truen Metallern Spaß gemacht haben dürften. In gewohnt selbstironischer Art wurde der vermeintliche „Ausverkauf“ mit ‘Superheroes’ zelebriert, und auch das Drumsolo von Felix hatte wie immer großen Unterhaltungswert, auch wenn sich der Gute bei der nächsten Tour zur Abwechslung mal einen anderen Soundtrack zur Untermalung vorknöpften sollte. Mit ‘Avantasia’ und ‘King Of Fools’ ging eine Show zu Ende, die keinen Deut schlechter war als die früherer Headliner - im Gegenteil, denn während so manche „Legende“ sich auf diesem Status ausruht, brennt bei EDGUY noch das Feuer, das man braucht, um auch kritische Leute mitzureißen!
Martin Römpp