BYH!!! Rückblick 2012

2012

Die Einleitung

Nach 17 Jahren Bang Your Head!!! ist unser Festival für viele längst zu wertvoller Gewohnheit geworden - und damit meinen wir nicht nur die Besucher, von denen ein beträchtlicher Teil schon seit Jahren im Juli treu gen Balingen pilgert. Auch für das Team hinter den Kulissen gleicht die Zusammenkunft in Balingen seit langem einem Familientreffen, einer Heimkehr zu vielen vertrauten Gesichtern, die einen ungeachtet der Tatsache, daß man sich nur einbis zweimal im Jahr sieht, begrüßen wie alte Freunde, mit denen man erst vergangene Woche wieder einen drauf gemacht hat.

Diese langjährige Zusammenarbeit aller Beteiligten, das hohe Maß an Vertrautheit, das im Laufe der Zeit entstanden ist, das Wissen, daß sich einer auf den andern verlassen kann, all das ist in schnellebigen Zeiten wie diesen etwas ganz Besonderes. Aber das Leben bleibt nicht stehen: Natürlich bleiben auch beim Bang Your Head!!! Veränderungen und Überraschungen nicht aus - erfreuliche wie unerfreuliche, gute wie schlechte, vor und hinter der Bühne.

Das Jahr 2012 brachte so einiges an Zäsuren, darunter auch recht große: Langjährige Mitstreiter haben uns verlassen, und die letzte HEAVY-Ausgabe ist erschienen. Die einen haben ebenso eine Lücke hinterlassen wie das andere, auch wenn es natürlich weitergeht. An dieser Stelle allen noch einmal herzlichen Dank für all die gemeinsame Zeit und Zusammenarbeit und den HEAVY-Lesern für Ihre Treue!

Zudem war 2012 leider auch das Jahr der unglücklichen Unfälle und verzichtbaren Vorfälle. Schon im Vorfeld ging es los: Unser Reliefkünstler Chico stürzte bei heimischen Renovierungsarbeiten von einer Leiter und konnte das erste Mal seit Jahren nicht persönlich bei uns sein. Die Bang Your Head!!!-Musiker standen dem nicht nach: Während EXODUS-Gitarrist Gary Hunolt sich bei einem gewagten Manöver auf der Bühne einen Rippenbruch zuzog, kamen bei Tobias Sammets Sturz in den Bühnengraben neben einem Nasenbeinbruch noch eine ganze Reihe weiterer Blessuren hinzu. Auch einer der Herren von CRASHDIET ließ es sich nicht nehmen, im Backstage-Bereich (zugegeben: etwas alkoholisiert...) alle viere von sich zu strecken und sich dabei das Kinn so kräftig aufzuschlagen, daß er merklich unwillig zum Nähen ins städtische Krankenhaus gebracht werden mußte. Und dann war da natürlich noch der unrühmliche Vorfall während der Show von THE DEVIL‘S BLOOD, der sich inzwischen hinreichend herumgesprochen haben dürfte.

Es floß also in diesem Jahr einiges an Blut - und leider nicht nur zu Dekorationszwecken wie bei MOONSORROW oder POWERWOLF (die es allerdings als eher handzahme Wölfe bei künstlichem Lebenssaft beließen). Zu allem Überfluß gab sich auch das Wetter am ersten Festivaltag ungewohnt ungemütlich und schien einigen etwas aufs Gemüt zu schlagen. Aber nach Regen folgt irgendwann immer wieder Sonne, und genau so war es denn auch am Bang Your Head!!!-Tag Nummer zwei: Die Wolken wurden immer weniger, das Stimmungsbarometer stieg nach und nach auf den üblichen Partypegel, und bald wurden denn auch wieder die ersten Fälle der berühmt-berüchtigten Balinger Sommer-Röte gesichtet.

Und am Ende war dann doch wieder alles so wie immer: Schon das Abschlußfeuerwerk weckte erste wehmütige Gedanken an den Abschied, und als dann auch das Hallenprogramm beendet war und die letzten Besucher das Gelände nach und nach Richtung Campingplatz oder Heimat verlassen hatten, wurde einem wieder so richtig bewußt, daß ein Jahr ganz schön lang sein kann. Was bleibt, sind viele schöne Erinnerungen an das Wiedersehen mit alten Freunden, an spannende und erfreuliche Begegnungen mit neuen Bekanntschaften, aus denen womöglich künftige Freunde werden, und natürlich an viele grandiose Auftritte, die wir im folgenden Rückblick Revue passieren lassen. Kurzum: Wir freuen uns schon wieder auf das kommende Bang Your Head!!!-Festival, für das die ersten Bandbestätigungen bereits Großes ahnen lassen - und wir hoffen natürlich, daß auch Ihr wieder dabei seid!
Thomas Michel

Warm Up-Show Donnerstag, 12. Juli 2012

Ort der Warm-Up-Show: 

Messehalle Balingen

Billing Warm-Up-Show: 

JON OLIVA’S PAIN
BONFIRE
FREEDOM CALL
MAJESTY

MAJESTY
MAJESTY hatten die Ehre, das Bang Your Head!!! 2012 bei der Warmup-Show zu eröffnen. Nachdem die True Metaller drei Jahre unter dem Namen METALFORCE unterwegs gewesen waren, hatten sie sich 2011 mit einer Best Of-CD unter altem Namen zurückgemeldet. Und es ist schön, Tarek und Co. wieder unter bekannter Flagge segeln zu sehen. Das sah wohl ein Großteil der Anwesenden in der bereits gut gefüllten Messehalle genauso und feierte die Band nach allen Regeln der Kunst ab. MAJESTY machten es einem allerdings auch leicht und feuerten eine True Metal-Salve nach der anderen in das Publikum. Mit Gassenhauern wie ‚Hail To Majesty‘ und ‚Into The Stadiums‘ kann man ohnehin nicht viel falsch machen. Perfekter kann ein Festivalwochenende eigentlich nicht starten!
Tommy Schmelz

FREEDOM CALL
Es war fraglos ein kleines Wagnis, dem Traditions-Stahl MAJESTYs den “Happy Metal” FREEDOM CALLs folgen zu lassen. Doch was auch immer Kritiker und Nörgler den melodieverliebten Franken vorwerfen mögen: Auf der Bühne gehören sie einfach ohne wenn und aber zu den ganz großen Stimmungsgaranten. Was sich übrigens längst landauf, landab herumgesprochen hat. Entsprechend gut gefüllt war denn auch bereits die Halle, als Chris Bay und Co. gegen 21 Uhr loslegten. Band wie Publikum waren gleichermaßen gut aufgelegt und spielten, sangen, klatschten, jubelten und bangten sich durch ein mitreißendes Programm, das mit Stücken wie ‚United Alliance‘, ‚Warriors‘, ‚Hero On Video‘ oder ‚Babylon‘ reichlich hitgespickt war. Keine Frage, die - O-Ton - „Happy Metal Party“ war eine rundum gelungene, zu der das wie immer äußerst sympathische Auftreten der Band auch ihr Scherflein beizutragen wußte. Kitsch hin, Kindermelodien her: FREEDOM CALL live macht schlicht und ergreifend Spaß! Wer‘s anders sieht, ist ein Griesgram ;-)
Thomas Michel

BONFIRE
Auf BONFIRE waren viele Besucher besonders gespannt. Die fünf Ingolstädter hatten im Vorfeld versprochen, hauptsächlich ältere Songs zu spielen und dabei den Schwerpunkt auf das ‚Fireworks‘-Album zu legen. Und: Sie hielten Wort. Allerdings mußte man erst noch ein bayuwarisches Intro überstehen, bevor es in die Vollen ging. Humor haben die Jungs, das muß man ihnen lassen! ‚Sweet Obsession‘, ‚SDI‘ oder ‚Don’t Touch The Light‘ waren nur ein paar der Stücke, die einen in die gute alte Zeit zurückbeamten. Es war einfach nur schön, die alten Klassiker mal wieder live zu hören. Allerdings gibt es ein kleines „Aber“: Leider schafft es Frontman Claus Lessmann stimmlich nicht mehr so, an diese Zeiten anzuknüpfen. Aber die Spielfreude der gesamten Band machte diesen kleinen Makel wieder mehr als wett. Und so hinterließen BONFIRE ein mehr als zufriedenes Publikum nach diesem gelungenen Auftritt.
Tommy Schmelz

JON OLIVA’S PAIN
Schon im Vorfeld war klar: Diese JON OLIVA’S PAIN-Show würde eine ganz besondere werden. Der ehemalige SAVATAGE-Frontmann und seine Begleiter hatten eine ganz besondere Setlist zusammengestellt, in deren Mittelpunkt immerhin eines der ganz großen Alben der Metal-Geschichte stehen sollte: ‚Hall Of The Mountain King‘. Doch das war beileibe nicht alles. Schon die ersten Töne von ‚Gutter Ballet‘ sorgten für kollektive Gänsehaut, und dies blieb nicht der einzige Klassiker abseits besagten Meilensteins, den Jon Oliva mit seinen Begleitern an diesem Abend anstimmte. ‚Sirens‘, ‚Power Of The Night‘, ‚Edge Of Thorns‘, ‚Tonight He Grins Again‘ und ‚Ghost In The Ruins‘: Fast jede - ‚Fight For The Rock‘ wie üblich ausgenommen - der SAVATAGE-Full Length-Veröffentlichungen bis 1993 wurde mit mindestens einem Titel gewürdigt. ‚Walk Upon On The Water‘ hingegen blieb das einzige JOP-Stück, fügte sich aber qualitativ nahtlos in den schmucken Song-Reigen ein. Daß Maestro Oliva seine ganz großen stimmlichen Tage endgültig hinter sich hat, hörte man indes recht deutlich, und die Ausflüge des massigen Musikers weg von seiner Keyboardbarrikade ließen sich gefühlt an einer Hand abzählen. Doch in puncto Ausdruckskraft und Gefühl war und ist er immer noch einer der ganz Großen und hauchte mit heiserer Stimme auch schließlich dem tatsächlich komplett (wenn auch in etwas anderer Songreihenfolge) vorgetragenem ‚Hall Of The Mountain King‘ derart viel Leben ein, daß man sich als geneigter Zuhörer alsbald in einem Metal-Traum der 80er wähnte. Den Abend schloß dann das ‚Streets‘-Stück ‚Believe‘ und belegte, daß gerade brüchige Stimmen mitunter auch ihren ganz besonderen Reiz haben können. Was mit Gänsehaut begonnen hatte, ging auch mit Gänsehaut zuende...
Thomas Michel

Festival-Freitag, 13. Juli 2012

Location Festival-Freitag Open Air: 

Messegelände Balingen

Billing Freitag Open Air: 

VENOM
THIN LIZZY
ARCH ENEMY
KAMELOT
POWERWOLF
ARMORED SAINT
FIREWIND
DIAMOND HEAD
CRASHDIET
VANDERBUYST
FORENSICK
COLLAPSE

COLLAPSE
Nach einer kurzen Nachtruhe (die Warm-Up-Show endete erst gegen 01:30) wollte ich mir die Chance nicht entgehen lassen, die kurzfristig als „Begleitmusik“ zum offiziellen Einlaß engagierten Briten COLLAPSE zu sehen, denen die Chance einberaumt worden war, ihre Songs noch vor dem eigentlichen Opener in Balingen zu präsentieren. Schade für die Band, die sich merklich abmühte, daß ihrem „Weckruf“ nur ganz, ganz wenige Fans folgen wollten. Zwar dürften die Jungs, die als Opener von ARMORED SAINT auf deren aktuellem Europa-Trip mit dabei sind und somit auch beim Bang Your Head!!! kurzfristig loslegen durften, mit ihrem brachialen Gebräu aus Groove, Thrash und Melodic Death Metal nicht zwingend den Nerv des Publikums getroffen haben, doch zumindest vom finalen Hammer ‚Forsaken‘ haben sich dann doch etliche Banger den Schlaf (bzw. eventuelle Restpromille) aus dem Körper pumpen lassen.
Walter Scheurer

FORENSICK
Danach allerdings wurde es merklich und schlagartig voller vor der Bühne. Interessant zu beobachten war auch, daß ein Großteil der schon zur „Morgenandacht“ anwesenden Zuseher in schmucke FORENSICK-Shirts gekleidet war. Da scheint sich doch tatsächlich jene Band in diesem „Band-Voting-Dingens“ (O-Ton Sänger) durchgesetzt zu haben, die auf die stattlichste Fanbase blicken kann. Zudem hat es sich wohl auch ein Teil der Verwandtschaft nicht nehmen lassen, die Jungs anzufeuern, und so war die Frontrow nahezu ausschließlich mit FORENSICK-Supportern besetzt. Den Burschen selbst war die Nervosität zwar vor allem zu Beginn deutlich anzumerken, den Auftritt konnten sie im Nachhinein aber dennoch als Erfolg verbuchen, da sie auch weit über ihre Klientel hinaus mit Applaus bedacht wurden. Eigentlich auch kaum verwunderlich, da man mit Traditionskost in gepflegter MAIDEN-Manier, reichlich authentischem NWoBHM-Flair und mit einem dermaßen sympathischen Auftreten verdientermaßen beim Großteil der Zuseher auf offene Ohren gestoßen ist. Bravo!
Walter Scheurer

VANDERBUYST
Mit authentischen Sounds, jedoch an anderen, zum Großteil noch älteren Vorbildern orientiert, ging es auch hurtig weiter. Die drei Niederländer von VANDERBUYST konnten sich mit ihrem Sound in den letzten Jahren reichlich Ruhm und Fans erspielen, und so war es kein Wunder, daß der Dreier rund um Chef Willem Verbuyst (mit eleganter, weißer Flying-V bewaffnet) mittlerweile auch auf den ganz großen Festivals antreten darf um loszurocken. Und genau das taten VANDERBUYST auch in Balingen, wobei aufgefallen ist, daß sie es trotz ihrer vergleichsweise geringen Mannschaftsstärke locker schaffen, für jede Menge Stimmung zu sorgen. Auch wenn bewegungstechnisch natürlich nicht so viel abging wie bei anderen Truppen, durch ihren ungemein aktiven und agilen Auftritt wußte das charismatische Trio dennoch den Raum auf der Bühne auszufüllen. Zudem muß erwähnt werden, daß VANDERBUYST mittlerweile ein wahres Sammelsurium an knackigen Hardrock-Hits am Start haben. Neben ‚KGB‘ waren es vor allem ‚Stealing Your Thunder‘ und das abschließende ‚From Pillar To Post‘, die begeisterten, und so kam es, daß die Burschen frenetisch beklatscht wurden - und zwar keineswegs nur von den ohnehin überraschend zahlreichen Zeitgenossen, die wahlweise in Band-Shirts oder zumindest mit dem Bandlogo auf der Kutte den Bereich vor der Bühne frequentiert hatten. Cooler Auftritt einer ebensolchen Band!
Walter Scheurer

CRASHDIET
Der SIMON & GARFUNKEL-Klassiker ‚Sound Of Silence‘ als Intro kündete natürlich alles andere als beschauliche Stille an: Die Schweden CRASHDIET stürmten die Bühne und holten alles nach, was sie im Jahr zuvor dank krankheitsbedingter Absage versäumt hatten. Vom Auftaktstück ‚Native Nature‘ an sorgte der frische Sleaze Rock für beste Laune im Publikum. Das Quartett spielte sich mit Hits wie ‚Straight Outta Hell‘, ‚Down With The Dust‘, ‚Rebel‘ und dem frenetisch bejubelten ‚Queen Obscene/69 Shots‘ durch eine gelungene Auswahl ihrer bisherigen Veröffentlichungen, stellte mit ‚Anarchy‘ ein brandneues Stück vor, und insbesondere Frontmann Simon Cruz ließ bei all dem nichts anbrennen: Äußerst agil nutzte er Bühne wie Laufsteg in vollem Umfang und ging mittels eines beherzten Sprunges von letzterem auch noch auf Tuchfühlung mit dem Publikum. Die Frisur hielt übrigens...
Thomas Michel

DIAMOND HEAD
Mit DIAMOND HEAD hatte einmal mehr eine veritable Legende den Weg nach Balingen gefunden. Eine Legende indes, deren Stücke vielen nur aus prominenter zweiter Hand bekannt sind wenn überhaupt. Und genau das war das große Manko dieses an sich sehr gelungenen Auftritts: Die Zahl derer im Publikum, die die NWoBHM schon mit der Muttermilch aufgesogen hatten und entsprechend vertraut waren mit dem Material der Briten, war offenkundig überschaubar. Kein Wunder also, daß die Stimmung nur dann wirklich aufbrandete, wenn die Band um Gitarrist Brian Tatler auf jene Stücke zurückgriff, die dank der Interpretationen einer recht populären ex-Thrash-Band aus den USA auch einer breiten Masse bekannt waren und sind. ‚The Prince‘, ‚It‘s Electric‘, ‚Helpless‘ und vor allem das abschließende ‚Am I Evil?‘ wurden ergo angemessen gewürdigt, alles weitere erntete nicht mehr als Höflichkeitsapplaus. Dankenswerterweise ließen sich die gut aufgelegten Musiker nicht beirren und spielten sich souverän und munter durch eine beachtliche Show. Lediglich Mr. Tatler selbst wirkte etwas in sich gekehrt. Ob er ahnte, daß einige unwissende Jungspunde im Publikum gar mutmaßten, auf der Bühne stünde eine METALLICA-Coverband?
Thomas Michel

FIREWIND
Nach den für die Metal-Geschichte zwar einflußreichen, aber dennoch nie in gebührendem Rahmen bekannt gewordenen Herrschaften von DIAMOND HEAD stand als nächstes jene Band auf der Bühne, die mit Gus G. einen der aktuell wohl bekanntesten Saitendehner in ihren Reihen hat. Doch bei allem Streß durch sein Engagement bei OZZY hat Gus sein „Baby“ FIREWIND keineswegs vernachlässigt im Gegenteil, das Unternehmen scheint momentan intensiver denn je betrieben zu werden. Gus kann sich über mangelnde Auslastung zwar wohl ohnehin nicht beklagen, dennoch nutzten er und seine langjährigen Mitstreiter die diesjährige Festival-Saison, um ihr aktuelles Scheibchen ‚Few Against Many‘ amtlich vorstellig und darüber hinaus den Fans ihre anstehende Europa-Tournee schmackhaft zu machen. Doch selbstverständlich waren es nicht bloß die Songs des aktuellen Drehers wie ‚Losing My Mind‘, die mitrissen, man hatte selbstredend auch einige wunderbare Schoten aus der Band-Vergangenheit auf Lager und wußte damit das Publikum auf seine Seite zu ziehen. Speziell mit ‚World On Fire‘ und ‚I Am The Anger‘ zündeten die Hellenen wahre Melodie-Bomben und ernteten auch die entsprechenden Reaktionen. So gedieh der Auftritt der Burschen, die, angeführt von einem bestens gelaunten Sänger Apollo Papathanasio, auch durch ihre energiegeladene, dynamische Performance überzeugten, zu einem der Highlights des gesamten Festival-Freitags, der mit ‚Falling To Pieces‘, einem der bis dato mächtigsten Tracks der Band überhaupt beendet wurde. Very well done boys - come back soon!
Walter Scheurer

ARMORED SAINT
Nach FIREWIND bewiesen unsere amerikanischen Freunde ARMORED SAINT einmal mehr, daß ihnen der große Durchbruch Zeit ihrer Karriere völlig zu unrecht verwehrt geblieben ist. Voller Spielfreude und Bewegungsdrang nahmen die Veteranen die Balinger Bühne in Beschlag und begeisterten mit Klassikern vom Schlage ‚March Of The Saint‘, ‚Chemical Euphoria‘, ‚Can U Deliver‘ oder ‚Reign Of Fire‘, in die sich die Stücke jüngeren Datums wie der Opener ‚Loose Cannon‘ oder ‚Left Hook From The Right Field‘ erfreulicherweise nahtlos einfügten. John Bush bewährte sich wie üblich und ungeachtet seines wenig Metal-kompatiblen Outfits als perfekter Frontmann, der die Menge ebenso perfekt im Griff hatte wie seine Stimme, während Joey Vera, Jeff Duncan und Phil Sandoval als instrumentale Aktivposten immer wieder über die Bühne fegten und offenkundig ihren Spaß hatten. Den hatte das Publikum auch bis zum abschließenden ‚Madhouse‘. Schade, daß diese Ausnahme-Liveband nur so selten in hiesigen Gefilden zu sehen ist...
Thomas Michel

POWERWOLF
Weiter ging es mit Attila Dorn und seinem Wolfsrudel, das sich gegenwärtig in puncto Popularität immens im Aufwind befindet. Entsprechend auch die Stimmung im Publikum, und um es vorweg zu nehmen: Nicht wenige der Anwesenden konstatierten nach Ende der POWERWOLF-Show, sie hätten hier den heimlichen Headliner des Freitags gesehen. Fürwahr, die Menge an Hits, die die Band mittlerweile in der Hinterhand hat, ist in der Tat frappierend und wäre auch für eine doppelt so große Zeitspanne ausreichend wie jene, die ihr an diesem leider immer noch recht trüben Nachmittag zur Verfügung stand. Aber Attila und Co. nutzten die Stunde Spielzeit in jeder Hinsicht aus und wirbelten bestens gelaunt über die Bühne, sparten nicht mit unterhaltsamen Ansagen, großen Posen und theatralischen Einlagen, bei denen der Schalk gewohnt sattelsicher im Nacken sitzen blieb. Beste Unterhaltung also, bei der neben allem Humor aber vor allem eins im Mittelpunkt stand und steht: Die Musik. Tolle Songs mit hymnischen Refrains, die trotz aller Eingängigkeit nie abgedroschen, sondern frisch und unverbraucht mitreißen: POWERWOLF sind definitiv eine Band der Zukunft und optimales Festivalfutter!
Thomas Michel

KAMELOT
Nicht nur die eingefleischten Fans der US-Band um Thomas Youngblood harrten diesmal dem Auftritt KAMELOTs besonders gespannt entgegen: Immerhin sollte es die große Bewährungsprobe des neuen Frontmanns Tommy Karevik werden, der nach einigen Gasteinstätzen erst wenige Wochen vor der Balinger Show offiziell als solcher bestätigt worden war. Nicht wenige waren skeptisch: In die üppig dimensionierten Fußstapfen eines Roy Khan zu treten, ist wahrlich keine leichte Bürde. Doch Karevik selbst ließ sich keinerlei Druck anmerken: Von der ersten Minute an nahm er die Bühnenfront nebst Steg wie selbstverständlich für sich in Anspruch und versuchte dankenswerterweise zu keiner Minute, seinen Vorgänger stimmlich oder in puncto großer Gestik nachzuahmen. Flankiert von einem gemischt-geschlechtlichen Background-Duo inclusive AMARANTHE-Sängerin Elize Ryd, meisterte der SEVENTH WONDER-Sänger Stücke wie ‚Karma‘, ‚Forever‘, ‚The Great Pandemonium‘, ‚Centre Of The Universe‘ oder ‚Ghost Opera‘ absolut souverän und präsentierte mit ‚Sacrimony (Angel Of Afterlife)‘ auch ein neues Stück, das vom Publikum inmitten dieser hochklassigen Setlist wohlwollend aufgenommen wurde. Schade, daß im etwas undifferenzierten Sound so manche Details der an Finessen ja nicht eben armen Kompositionen untergingen, aber alles in allem durfte man konstatieren: Eine gelungene Show mit einem ausgezeichneten Einstand des „Neuen“, dessen Ausstrahlung vielleicht noch nicht ganz an das Charisma Khans heranreicht, der aber alles mitbringt, um sich im Laufe der Zeit als würdiger Nachfolger zu etablieren. Rom wurde ja bekanntlich auch nicht an einem Tag erbaut...
Thomas Michel

ARCH ENEMY
Nun schlug die große Stunde für alle Freunde der härteren Gangart: ARCH ENEMY betraten die Bühne. Und wie zu erwarten, entfachten die Schweden mit ihrer deutschen Frontfrau ein Melodic Death-Gewitter vom Allerfeinsten. Die Band spielte tight, überzeugte mit überragender Gitarrenarbeit, wuchtig-virtuoser Rhythmussection und natürlich den brachialen Vocals Angela Gossows. Selbst nach Jahren bleibt die Diskrepanz zwischen dem fast schon zierlichen Erscheinungsbild der blonden Deutschen und ihren Growlingkünsten, die sich hinter keinem einzigen ihrer männlichen Kollegen verstekken müssen, verblüffend. Weniger erstaunlich leider die dümmlichen Zwischenrufe der üblichen Art: Auch anno 2012 sind die Zeiten wohl immer noch nicht vorbei, in denen in puncto sexueller Zuwendung unterversorgte Homo Sapiens-Männchen mit Hormonstau nicht anders umzugehen wissen als jedem Exemplar anderen Geschlechts ein charmantes „Ausziehen!“ zuzugrunzen, sobald sie es in exponierter Position wie beispielsweise auf einer Bühne erblicken. Doch Angela Gossow ist längst Profi genug, derlei reflexartige Zwischenrufe zu ignorieren und brüllte und growlte sich souverän durch Brecher vom Schlage ‚Ravenous‘, ‚We Will Rise‘ oder ‚Bloodstained Cross‘ - und das auch in der zweiten Hälfte der Show, während der ein kräftiger Regenschauer bedauerlicherweise einen Teil der Zuschauer in die Flucht schlug.
Thomas Michel

THIN LIZZY
Nachdem THIN LIZZY letztes Jahr beim Rock Of Ages grandios abgeräumt hatten, ließ es sich Horst nicht nehmen, die Band vom Fleck weg auch für das Bang Your Head!!! 2012 zu verpflichten. Und das kann ich sehr gut nachvollziehen, denn ich war bei diesem Auftritt 2011 ebenfalls dabei, und es hat mich schlichtweg umgehauen. Ich war gespannt, ob sie es auch in Balingen schaffen würden, die Kritiker verstummen zu lassen, welche die aktuelle Inkarnation von THIN LIZZY sträflicherweise als Coveroder Tributeband abtun. Natürlich sind mit Scott Gorham und Brian Downey (einziges Gründungsmitglied) nur noch zwei Urgesteine dabei. Aber Phil Lynott ist ja leider bereits viel zu früh von uns gegangen. Und was soll ich sagen, auch beim diesjährigen Bang Your Head!!! konnte die Band vollauf überzeugen. Ich war nicht der Einzige, der bei Songs wie ‚Black Rose‘, ‚Whiskey In The Jar‘, ‚Jailbreak‘ und beim abschließenden Gänsehautdoppel ‚Cowboy Song‘ und ‚The Boys Are Back In Town‘ stellenweise Pipi in den Augen hatte. Mit Ricky Warwick haben THIN LIZZY heutzutage einen mehr als erstklassigen Sänger, der nicht versucht, Phil zu imitieren, sondern den Songs seinen eigenen Stempel aufdrückt, auch wenn gewisse Ähnlichkeiten natürlich vorhanden sind. Marco Mendoza am Baß ist sowieso ein unvergleichlicher Aktivposten keine Ahnung, wo er die Energie hernimmt. Natürlich möchte ich bei all den Lobeshymnen auch nicht die beiden weiteren Mitglieder Darren Wharton an den Keyboards und Damon Johnson an der Gitarre vergessen. Auch sie sind Teil einer perfekten Einheit, die es schafft, die alten Klassiker mit einer absoluten Frische und Energie auf die Bühne zu bringen, daß es eine wahre Freude ist. Für mich waren THIN LIZZY ein absolut würdiger Co-Headliner und wurden verdientermaßen von einem begeisterten Publikum abgefeiert.
Tommy Schmelz

VENOM
Zugegeben: VENOM hatten sich trotz ihres genrestiftenden Renomées als ein durchaus umstrittener Headliner erwiesen. Daß es zu Beginn ihres Auftrittes immer noch ordentlich schüttete, besserte die Vorzeichen, unter denen das Trio schließlich die Bühne betrat, auch nicht eben auf, und so war beim Startschuß der finalen Outdoor-Show des Freitags der Zuschauerraum nur recht locker gefüllt. Aber Conrad „Cronos“ Lant und seine beiden Begleiter ließen sich von all dem nicht beeindrucken und tosten und polterten vor beeindruckender Marshall-Amp-Kulisse und in typischer VENOM-Manier durch eine ausgewogene Mischung aus neuem und altem Material, bei dem erwartungsgemäß Klassiker vom Schlage ‚Hammerhead‘, ‚Black Metal‘, ‚In League With Satan‘ oder ‚Witching Hour‘ den größten Anklang fanden. Nach und nach kam dann auch doch headlinerwürdige Stimmung auf, und Cronos bewies, daß er die Massen nach wie vor im Griff hat und daß ER VENOM ist, selbst wenn seine Mitstreiter La Rage und vor allem Drummer Danté ebenfalls ordentlich Gas gaben. Interessant war, daß beindruckend viele junge Besucher die Show frenetisch bejubelten und sich offenkundig freuten, die große Legende endlich einmal live zu sehen. Echter Rock‘n‘Roll, und nichts anderes sind VENOM im Kern, ist eben doch zeitlos und generationenübergreifend...
Thomas Michel

Location Festival-Freitag Halle: 

Messehalle Balingen

Billing Freitag Halle: 

ORDEN OGAN
THE DEVIL’S BLOOD
MOONSORROW
WIZARD

Festival-Freitag - Hallenprogramm: 

WIZARD
Endlich, nach vielen Jahren, hatten sie es ins reguläre Bang Your Head!!!-Billing geschafft und dankten es mit einem erstklassigen Auftritt, der die Herzen eines jeden Freundes trationellen Heavy Metals im Sturm eroberte. WIZARD punkteten mit Spielfreude und Begeisterung ebenso wie mit mitreißenden Songs und sympathischer Ausstrahlung. Natürlich hatte das ein ganz anderes Flair als die Musik der verhinderten ATLANTEAN KODEX, für die Sven D‘Anna und seine Mannen eingesprungen waren, aber als Auftakt für den Hallenabend waren die flotten Hymnen mit MANOWAR-Touch schlicht perfekt und das sah wohl auch das Publikum so, das die Band gebührend abfeierte.
Thomas Michel

MOONSORROW
Nach dem truemetallischem Feuerwerk, das WIZARD entfacht hatten, ging es nun weiter mit elegischen Klängen aus dem Norden. Die Finnen MOONSORROW betraten die Bühne und begannen, ein dichtes und hypnotisches Klangnetz zu weben, das den geneigten Zuhörer rasch in seinen Bann zog und bis zum Ende nicht mehr losließ. Die majestätische Ausstrahlung der dunklen Epen war gewaltig, und einmal mehr wurde einem bewußt, wie unsinnig es ist, eine Band wie MOONSORROW in einen Topf mit all den Schunkelcombos zu werfen, die landauf landab unter dem Modebegriff Pagan Metal firmieren. Musik zum Tanzen und Pogen geht wahrlich anders das hier war episch, ergreifend und, ja, durchaus von wahrer spiritueller Qualität ganz im Gegensatz zu dem höchst unerfreulichen Vorfall während des musikalisch fraglos überzeugenden THE DEVIL‘S BLOOD-Auftritts, der bedauerlichweise einen höchst unschönen Schatten über den ersten Festivaltag warf. Was geschehen ist, läßt sich in den Weiten des Netzes inzwischen zur Genüge und im Detail nachlesen sowie auf Video verfolgen und wurde in einschlägigen Foren mittlerweile hinreichend diskutiert und von allen Seiten beleuchtet. Daher möchten wir uns dazu an dieser Stelle nicht mehr im Detail äußern.
Thomas Michel

ORDEN OGAN
Der letzte Auftritt des Freitagsprogrammes stand bevor, und selbst um 1 Uhr war die Messehalle immer noch gut gefüllt - was wohl für ORDEN OGAN spricht, deren epischer Melodic Metal in den vergangenen Jahren immer mehr Freunde gefunden hat. Völlig zurecht, wie auch die folgende Stunde bewies: Mit viel Schwung legte die Band los und spielte sich durch ihr opulentes Material. Stücke wie ‚The Lords Of The Flies‘ oder ‚Shores Of Sadness‘ sind durchaus Hits und für den Live-Einsatz bestens geeignet. Der Einsatz von klangergänzenden Zuspielern war zwar recht hoch, doch das tat der Stimmung ebensowenig Abbruch wie ein defekter Verstärker, den die Band durch und durch professionell mit einem Drumsolo zu überbrücken wußte. Die gelungene und angenehm lockere Kommunikation mit dem Publikum tat ihr Übriges, und als gegen 2 Uhr der erste Tag des Bang Your Head!!! 2012 zu Ende ging, dürfte es wohl keinem der Anwesenden um den Schlaf leid getan haben, den er diesem unterhaltsamen Auftritt geopfert hatte.
Thomas Michel

Festival-Samstag, 14. Juli 2012

Messegelände Balingen

Billing Samstag Open Air: 

EDGUY
GOTTHARD
SABATON
PRIMORDIAL
PRIMAL FEAR
AXXIS
TANKARD
BREAKER
WARBRINGER
LANFEAR
SISTER

SISTER
Auch wenn sich diejenigen, die sich ORDEN OGAN gegeben hatten, vorwiegend noch im Land der Träume befanden, riefen die Schweden SISTER pünktlich wie die Maurer zum Morgenrapport. Und das mit reichlich Nachdruck, Spaß an der Sache und einigen (musikalischen, versteht sich...) kräftigen Arschtritten. Zwar nicht ganz so „elegant“ wie ihre Landsleute CRASHDIET, dafür umso rauher und punkiger im Anschlag rotzten sich die Jungs durch ihr Set. Frontmann Jamie war nicht nur gut bei Stimme und schrie sich in deftigster Manier die Seele aus dem Leib, der Bursche dürfte obendrein sein Morgen-Turnprogramm auf die Bühne verlegt haben, spulte er doch auf überaus sportliche Weise einige Kilometer zur frühen Morgenstund’ ab. Das kam ebenso wie die druckvollen, massiven Sleaze/Punk/Rock/Metal-Konglomerate der Jungs selbstverständlich bestens an, so daß die Band, davon weiter angestachelt, umso heftiger auf das Tempopedal drückte. Leider reichte die Spielzeit dennoch nicht aus, um die (offenbar noch um einen weiteren, kurzfristig angereihten Track erweiterte) Setlist auch zu Ende zu bringen, und da die Band trotz mehrfacher Signale seitens des Stagemanagers munter weiterspielte, wurde ihr schließlich kurzerhand der „Saft“ abgedreht. Der Stimmung tat dies aber keinen Abbruch, und SISTER dürften sich damit als einer der wohl intensivsten Opener überhaupt in die Annalen des Festivals eingetragen haben. Hellyeeezzz!
Walter Scheurer

LANFEAR
Für viele Besucher war wohl die Nacht davor zu lang gewesen oder die morgendliche Stunde zu früh, um LANFEAR bei ihrem Balingen-Debüt angemessen willkommen zu heißen möglicherweise ja auch beides. Bei jenen, die es indes schon vor 11 Uhr auf die Beine und das Gelände geschafft hatten, sorgten die Heilbronner allerdings für so manchen Aha-Effekt - ausgenommen natürlich die wenigen Auserlesenen, die mit dem hochklassigen Material der Band tatsächlich schon vertraut waren. Allzu viele können es hingegen nicht gewesen sein, denn sonst wäre der Beifall der Anwesenden sicher lauter und anhaltender ausgefallen, denn Vortrag wie Material waren schlicht superb - daran änderte auch die steife Brise nichts, die über das Messegelände fegte. Wenn es darum geht, melodischen Metal mit packenden Refrains und anspruchsvollen Arrangements zu verknüpfen und diese brillante Mischung noch ebenso gekonnt wie unterhaltsam und humorvoll zu präsentieren, sind LANFEAR eine absolute Ausnahmeband und das nicht nur hier in ihrer Heimat. So manchem unbedarften Augen- und Ohrenzeugen dämmerte jedenfalls im Laufe der Show, daß es bis dato ein Fehler war, sich trotz aller medialer Lobeshymnen nie eingehender mit dieser anhaltend unterbewerteten Band auseinandergesetzt zu haben. Nachholbedarf erkannt und zum Plattenhändler gerannt? Hoffentlich, denn Juwelen wie LANFEAR sollten nicht länger im Dunkeln verkümmern...
Thomas Michel

WARBRINGER
Zum Scherzen, wie eben noch LANFEAR-Sänger Nuno, war danach niemandem mehr zumute, denn es machte eher den Eindruck, als ob WARBRINGER gekommen wären, um nicht nur das Festivalgelände, sondern offenbar gleich ganz Balingen in Schutt und Asche zu legen. Und die Songs der Burschen scheinen geradezu für derlei Vorhaben geschrieben worden zu sein. Da es auch soundtechnisch nicht viel zu meckern gab, verfehlten die schnittigen Brachial-Thrash-Kompositionen - allen voran das gnadenlos drückende ‚Combat Shock‘ - ihre Wirkung zu keiner Sekunde. Dennoch fiel im direkten Vergleich zu einigen hier bei uns immer wieder gerne gesehenen Stammgästen aus der Bay-Area auf, daß es diesen Jungs doch noch etwas am Charisma und auch an der Bewegungsfreudigkeit fehlt, um ganz an die Genre-Spitze vorzudringen. So blieb es bei einem zwar musikalisch absolut überzeugenden, aber dennoch eher statischen Auftritt, den man mit einem gelungenen MOTÖRHEAD-Cover (‚We Are The Roadcrew‘) zu Ende brachte und der zeigte, daß beim Thrash-Nachwuchs immer noch etwas Luft nach oben ist.
Walter Scheurer

BREAKER
Schon 2008 sollten BREAKER ja mit ihrem Original Sänger Jim Hamar beim Bang Your Head!!!-Festival aufspielen, aber eine Erkrankung verhinderte damals die Teilnahme des Sängers. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch an seinen Ersatz Greg Wagner (H.A.T.E.), der es sich am Ende des Gigs nicht nehmen ließ, von der Bühne über den Fotograben ins Publikum zu springen. Eine Leistung, die bis heute in der BYH!!!-Geschichte unerreicht ist (EDGUY Frontmann Toby Sammet schaffte es 2012 ja nicht über den Fotograben...). Zum dreißigjährigen (!) Bandjubiläum war Jim nun aber wieder fit, und Greg räumte freiwillig seinen Posten, um seinem Vorgänger endlich die Möglichkeit zu geben, beim Bang Your Head!!! zu singen. Neben den BREAKER-Gründern Mark Klein (d) und Don Depew (g) sowie Mr. Hamar bestand die Band 2012 aus Langzeit-Bassist Brook Hodges und Gitarrist Shaun Vanek (ETERNAL LEGACY, MANIMALS), der Marks Bruder und Original-Gitarristen Michael Klein famos ersetzte. Leider kann Michael aufgrund eines akuten Ohrenleidens nicht mehr live auftreten. Die Band begann ihren Gig mit dem Opener ihres ersten und bislang einzigen Albums ‚Get Tough‘, und schon wurde klar, daß Jim zwar nicht der agile Frontmann ist wie der um einiges jüngere Greg Wagner, aber seine Stimme paßt einfach perfekt zur Musik der Band. Seine Erkrankung hatte er offensichtlich komplett ausgeheilt. Weiter ging es mit dem emotionalen ‚Standing In The Light‘ und der Liverakete ‚Lie To Me‘. Gitarrist Shaun Vanek war ein richtiger Aktivposten auf der Bühne und spielte trotzdem die von Michael Schenker beeinflußten Gitarrenparts von Michael Klein perfekt. Leider war der Sound nicht so ganz optimal, vor der Bühne gab es doch einige eventuell durch aufkommenden Wind verursachte Schwankungen, so daß Jims Gesang ab und an zu leise rüberkam. Aber die Band ließ sich in ihrer Performance davon nicht beeinflußen und haute DEN Bandklassiker ‚10 Seconds In‘ raus, welchen das Publikum natürlich frenetisch mitsang. Mit ‚Action‘ folgte ein weiteres Highlight, und bei ‚Afraid Of The Dark‘ wuchs das Gitarrenteam zu einem Trio an, denn Dons 14jähriger Sohn Noah Depew hatte einen sehr gelungenen Gastauftritt (bahnt sich hier etwa eine zweite BREAKER-Generation an?), ehe die Band mit dem melodischen ‚Behind Enemy Lines‘ etwas Dampf rausnahm. Zu ‚Black And White‘, ‚From The Heart‘ und dem energischen ‚Blood Money‘ bearbeitete Bandkopf Don Depew wieder auf seine unverwechselbare Art sein Instrument, und nach dem abschließenden Highlight ‚Still Life‘ konnte sich die Band mit einem gelungenen Gig von ihren Fans in Balingen verabschieden. Ich kann nur hoffen, daß wir die Jungs bald mal wieder live sehen.
Martin Brandt

TANKARD
Dreißig Jahre TANKARD: Gerre & Co. hatten etwas zu feiern! Dabei verstand es sich von selbst, daß die seit jeher publikumsnahen Hessen auch ihre Fans gebührend Anteil nehmen ließen vor allem die beiden Franzosen, die im Vorfeld nicht nur ein Meet & Greet mit der Band gewonnen hatten, sondern auch einen Platz auf der Bühne, von dem aus sie das muntere Treiben der Band hautnah miterleben durften. Damit sie sich dabei nicht vollkommen einsam und verlassen fühlen mußten, leisteten ihnen ein paar Bierkästen Gesellschaft. Was will man mehr? Eigentlich nichts außer einigen zünftigen Thrash-Hymnen vielleicht! Der glückliche Zufall wollte es, daß TANKARD auch davon reichlich nach Balingen mitgebracht hatten und sich durch eine repräsentative und an Hits reiche Auswahl ihres Backkatalogs spielten. Klassiker wie ‚Chemical Invasion‘ oder ‚The Morning After‘ standen neben jüngeren Krachern wie ‚Minds On The Moon‘ oder der aktuellen Single ‚A Girl Called Cerveza‘, bei deren Vortrag Gerre Gesellschaft von jener Dame erhielt, die auch im dazugehörigen Video visuelle Akzente setzt. Doch auch ohne weibliche Unterstützung war der Frontmann - obgleich schon wieder einige Kilo schwerer als zuletzt - in Topform und ließ in keinem Winkel der Bühne auch nur annähernd etwas anbrennen. Entsprechend denn auch die Publikumsresonanz: TANKARD hätten wohl noch einmal genauso lang aufspielen können, es hätte der Begeisterung keinen Abbruch getan eher im Gegenteil. Aber irgendwann war denn doch Schluß, und der Bühnenauflauf von rund zwei Dutzend weiblichen Fans beim abschließenden ‚Empty Tankard‘ läutete endgültig das Finale dieses denkwürdigen Jubiläumsgigs ein. Tja, auf spaßfreie TANKARD-Auftritte dürfte man wohl auch in den nächsten drei Jahrzehnten noch vergeblich warten Gott (oder Bier?) sei Dank!
Thomas Michel

AXXIS
AXXIS werden gerne gescholten und belächelt, doch Fakt ist: Auf der Bühne gehören sie seit jeher zu den großen Entertainern. Nach Balingen brachten sie neben ihren Livequalitäten ein weiteres und recht gewichtiges Pfund mit, mit dem es sich bestens wuchern ließ: Eine Setlist, die sich auf die ersten beiden Albenklassiker ‚Kingdom Of The Night‘ und ‚Axxis II‘ konzentrierte. Melodischer Hardrock vom Feinsten war also garantiert, und es war durchaus amüsant zu beobachten, wie nach und nach immer mehr der „härteren“ Besucher ihr anfänglich demonstratives Desinteresse aufgaben und sich von der allgemein guten Laune und den zwingenden Refrains solcher Hymnen wie ‚Save Me‘, ‚Kingdom Of The Night‘ oder ‚Living In A World‘ packen ließen. Die ohnehin schon hervorragende Stimmung wurde besser und besser, und endgültig gewonnen hatten AXXIS, als Sänger Bernhard Weiß einen kleinen Jungen aus dem Publikum auf die Bühne holte, in bester Michael Schanze-Manier „interviewte“ und mit ihm gemeinsam das Publikum zum Mitsingspielen animierte. Justin, so der Name des Nachwuchsrockers, der bei den höchst amüsierten Beobachtern ruckzuck zum heimlichen Star des diesjährigen Bang Your Head!!! avancierte, begleitete die Band anschließend noch auf dem Tambourin durch eine akustische Version von ‚Touch The Rainbow‘. Für viele waren AXXIS am Ende DER Überraschungssieger des Tages...
Thomas Michel

PRIMAL FEAR
Auch bei PRIMAL FEAR blieb der Platz vor der Bühne dicht besetzt, und als Matt Sinner, Ralf Scheepers und ihre Mitmusiker schließlich kurz vor 16 Uhr mit ‚Strike‘ äußerst druckvoll loslegten, gab es kein Halten mehr. Eine Metal-Granate folgte der anderen, die Band präsentierte sich rundum in Topform, und vor allem Scheepers brillierte als der technisch vielleicht versierteste Sänger dieses Wochenendes. Geradlinige Power-Stücke wie ‚Chainbreaker‘, ‚Metal Is Forever‘, ‚Metal Nation‘ und ‚Nuclear Fire‘ waren genau das Richtige für die stahlhungrige Meute, die die Schwaben begeistert feierte und nach einer knappen Stunde High Energy-Performance nur unwillig wieder entließ...
Thomas Michel

PRIMORDIAL
Endgültig Schluß mit lustig war dann – zumindest einmal rein optisch bei PRIMORDIAL, schließlich haben die Iren mit Frontmann Alan Nemtheanga einen wahrlich beängstigenden Blickfang an vorderster Front. Doch wer die Band schon einmal gesehen hat, weiß, daß hier keineswegs damit kokettiert wird, die Zuseher einzuschüchtern, als vielmehr tiefschürfende Klänge das Bild regieren. Diese werden von Sänger und Schausteller Alan auf perfekte Weise umgesetzt, wissen einfach mitzureißen und auf einen Trip mitzunehmen. Verpackt in melancholische, aber dennoch packende Songs wissen diese Iren für schaurig-romantische Klänge zu sorgen, und so war auch die Stimmung auf dem Festival-Gelände bei ihrem Auftritt eine prickelnde. Hier ging es nicht um Party, hier wurde Musik zelebriert, in die man sich erst einmal so richtig „einleben“ mußte, um sie auch in der nötigen Intensität verspüren zu können. Wer sich jedoch auf dieses emotionale Level begeben konnte, der wurde reichlich belohnt - und zwar in Form von Gänsehaut-Kompositionen wie dem gnadenlosen ‚Gods To The Godless‘ oder einem sensationell intonierten ‚As Rome Burns‘, bei dem es Alan endgültig schaffte, einen Großteil des Publikums mittels der hypnotischen Tribal-Passagen zu erobern und mitsingen zu lassen. Daß Alan zumeist vor der Menge kniete, erzeugte obendrein das Bild eines Hexenmeisters bei der Arbeit, wobei er seine Zeremonien ebenso perfekt darbot wie den Gesang an sich und von daher mit Sicherheit nach diesem Set erneut einige Individuen mehr auf seiner Seite wissen dürfte. Zusatzpunkte auf der Sympathie-Skala durften PRIMORDIAL dann noch dafür verzeichnen, daß sie ‚Bloodied Yet Unbowed‘ Phil Lynott widmeten - einem weiteren ganz Großen ihrer Heimat, auf die Alan immer wieder stolz hingewiesen hat. Leider war nach den Band-Highlights ‚The Coffin Ships‘ und dem schlicht grandiosen ‚Empires Fall‘ zwar schon wieder Schicht im Schacht, doch wir alle kommen wohl nur zu gerne erneut zu PRIMORDIAL, denn intensiver kann man Musik kaum intonieren! Ganz großes Kino, das von Alan mit den Worten „We are PRIMORDIAL from the Republic Of Ireland and we will come back“ sowie der Ansage „No surrender No retreat No regrets!“ beendet wurde.
Walter Scheurer

SABATON
Die Popularitätskurve der Schweden SABATON verläuft trotz aller Line-Up-Zäsuren weiterhin steil Richtung Norden, und es scheint nur mehr eine Frage der Zeit, bis sie es endgültig zum Headlinerstatus schaffen. Und das durchaus zurecht was übrigens jemand schreibt, der mit dem Sound der Band auf Tonträger (respektive Festplatte) gar nicht sooo viel anzufangen weiß. Doch die Energie, die Frontmann Joakim Brodén versprühte, als er zum Opener ‚Ghost Division‘ Richtung Laufsteg spurtete, war beeindruckend, und von der ersten Minute an war die Chemie zwischen Band und Publikum schlicht perfekt. Ein Heer aus Haaren und Händen wogte vor der Bühne wild auf und ab und feierte die Akteure auf derselben frenetisch, gleich welches Stück jene auch anstimmten. Ob ‚Swedish Pagans‘, ‚Into The Fire‘ oder ‚Cliffs Of Galippoli‘, jeder der hymnischen Refrains war ein Treffer ins Schwarze der mitsingfreudigen Fans. Fast schon beängstigend, wie die Menge der Band aus der Hand fraß, und auch die Musiker selbst schienen mitunter kaum glauben zu können, was sie da im Publikum an Euphorie entfachten. Egal, was man von der Band, ihrer Musik und ihren recht monothematischen Texten auch halten mag, eines mußte man fraglos anerkennen: Derart professionell und gleichzeitig fannah, voll aufrichtiger Spielfreude und Enthusiasmus das haben nur ganz wenige Acts zu bieten. Und genau dieses Holz war und ist es auch, aus dem die geschnitzt sind, die es bis ganz nach oben packen können...
Thomas Michel

GOTTHARD
Mit ‚Firebirth‘ hatten GOTTHARD wenige Wochen vor dem Bang Your Head!!! und zwei Jahre nach dem tragischen Unfalltod Steve Lees bereits ein durchweg starkes und erfolgreiches Comeback-Album hingelegt. Doch eine Frage war noch offen: Würde Neuzugang Nic Maeder auch live in der Lage sein, die fraglos beträchtliche Lücke zu schließen, die sein verstorbener Vorgänger hinterlassen hatte? Aber bereits die Einstiegsstücke ‚Dream On‘ und ‚Gone Too Far‘ stimmten zuversichtlich der Halbaustralier hat alles, was einen ausgezeichneten Hardrock-Frontmann ausmacht: Stimme, Feeling, Charisma. Das Quentchen Sicherheit, das zur ganz großen Strahlkraft noch fehlte, ist eine Frage der Erfahrung, und mit zunehmender Souveränität wird Maeder fraglos weiter wachsen und seine Rolle als Frontmann der Schweizer Institution voll und ganz ausfüllen. Aus dem Publikum schlug ihm schon jetzt großes Wohlwollen entgegen, und obgleich natürlich Bandklassiker wie ‚Sister Moon‘, ‚Mountain Mama‘ oder das unvermeidliche DEEP PURPLE/Joe South-Cover ‚Hush‘ besonders lautstark begrüßt und mitgesungen wurden, ernteten auch die neuen Stücke der Post-Lee-Ära mehr als nur Höflichkeitsapplaus. GOTTHARD dürfen also wieder beruhigt der Zukunft entgegenblicken auch wenn der traumatische Verlust Steve Lees noch lange nachklingen wird...
Thomas Michel

EDGUY
Der erste ausführliche Dialog mit den Zuschauern, der dem Einstiegsdoppel ‚Nobody‘s Hero‘ und ‚Tears Of A Mandrake‘ folgte, war gleich Öl aufs Feuer all derer, die mit der Besetzung EDGUYs als Samstagsheadliner wenig glücklich waren: „Wir haben gestern in Tschechien gespielt, und dort war das Publikum um Welten besser als heute in Balingen.“, konstatierte Tobias Sammet. Was EDGUY-Versteher und -Fans problemlos als keineswegs ernst gemeinte Finte dechiffrierten, die die Anwesenden ein wenig aus der Reserve locken sollte, legten andere diverse Facebook-Postings nach Festivalende belegten es bedauerlicherweise als Arroganz aus. „Honi soit qui mal y pense“, mochte man da meinen, doch mußte man wohl nicht nur an dieser Stelle auch ganz offen konstatieren: EDGUY polarisieren. Das haben sie respektive ihr redefreudiger Frontmann schon immer getan und werden es wohl ungeachtet aller Erfolge und musikalischer Reifeprozesse noch weitere 20 Jahre tun. Dabei bewies gerade der vielgescholtene Sammet an diesem Abend Professionalität wie kaum ein anderer: Während ‚9-2-9‘, dem erst fünften Songs der Setlist, stürzte er nach einem fatalen Fehltritt in den Bühnengraben und wäre um ein Haar mit dem Kopf auf dem Absperrgitter aufgeschlagen. Glücklicherweise indes blieb ihm der Schädelbasisbruch oder Schlimmeres erspart: Er brach sich „lediglich“ das Nasenbein, prellte sich Hüfte und Rippen und verstauchte sich mehrere Finger. Den ärztlichen Rat und das wiederholte Angebot seitens der Festivalverantwortlichen, die Show abzubrechen, schlug Sammet ohne zu zögern in den Wind und machte weiter, wo er aufgehört hatte. Aller Schmerzen zum Trotz sang er sich gemeinsam mit dem Publikum durch Hits wie ‚Robin Hood‘, ‚Superheroes‘, ‚Babylon‘, ‚Lavatory Love Machine‘ oder ‚Save Me‘, lieferte sich ein freundschaftliches Stichelduell mit Veranstalter Horst E. Franz, und sparte natürlich nicht mit ausführlichen Ansagen, Scherzen und dem ein oder anderen Spaß auf eigene Kosten, mit dem er seine alles andere als optimale Verfassung selbstironisch auf die Schippe nahm. Dieses beachtliche Standvermögen wahrte er tatsächlich bis zum finalen ‚King Of Fools‘ eine Leistung, die wahrlich den allergrößten Respekt verdient. Gleiches gilt übrigens für die musikalische Darbietung, die einmal mehr belegte, daß EDGUY völlig zurecht in die Riege der Großen aufgerückt sind: Hervorragende Songs, hervorragende Musiker aber eben auch ein Frontmann, dessen Humor nicht jeder teilen mag. Doch wer weiß: Vielleicht hat ja auch genau dieser seinen Teil dazu beigetragen, daß EDGUY heute da stehen, wo viele erst noch hinwollen. Die Fans der Band jedenfalls lieben das Gesamtpaket und ließen es Sammet und Co. auch in Balingen spüren...
Thomas Michel

Loacation Festival-Samstag Halle: 

Messehalle Balingen

Billing Samstag Halle: 

EXODUS
PAIN
SUICIDAL ANGELS

Festival-Samstag Hallenprogramm: 

SUICIDAL ANGELS
Als die Griechen das samstägliche Indoor-Programm eröffneten, war die Messehalle noch sehr spärlich gefüllt. Doch das hinderte das Quartett keineswegs daran, volle hundert Prozent zu geben und ihre durchschlagkräftigen Thrash-Granaten mit reichlich Schmackes ins Publikum zu feuern. Jenes wuchs schließlich doch noch auf eine beachtliche Menge an, als auf der Hauptbühne dank Umbaupause vorerst Ruhe einkehrte. In der Halle hingegen war an beschauliche Stille vorerst nicht zu denken: Stücke wie ‚Moshing Crew‘, ‚Bloodbath‘ oder ‚Bleeding Holocaust‘ reihten Riff an Riff und bewiesen, daß auch Hellas ein heißes Thrash-Eisen im Feuer hat, mit dem in Zukunft noch zu rechnen sein dürfte.
Thomas Michel

PAIN
Schon nach der Bekanntgabe der Verpflichtung von PAIN begannen Diskussionen, ob die Band mit ihrem Techno und Industrial Metal auf ein eher traditionell ausgerichtetes Festival wie das Bang Your Head!!! passen würde. Persönlich habe ich mich sehr darüber gefreut, diese Band endlich mal live zu sehen, da sie mir schon auf CD sehr gut gefällt und anscheinend nicht nur mir, denn die Messehalle war sehr gut gefüllt, als PAIN die Bühne betraten. Peter Tägtgren, gekleidet in einer Zwangsjacke, und seine Begleitmannschaft hatten das Publikum vom ersten Ton an voll im Griff. Der Sound von PAIN kommt live dermaßen brachial und groovig rüber, daß man schon taub sein muß, um da nicht mitzumachen. Songtechnisch gab es eine gesunde Mischung aus Klassikern und Stücken vom aktuellen Output ‚You Only Live Twice‘. Und mit den beiden letzten Songs ‚Same Old Song‘ und ‚Shut Your Mouth‘ ging es dann noch mal richtig ab in der Halle. PAIN haben gezeigt, daß auch Traditionalisten auf tanzbare Mucke abfahren. Sie waren für mich ein absolutes Highlight auf dem diesjährigen Bang Your Head!!!, nächstes Jahr kann es von mir aus gerne mehr aus dieser Stilrichtung geben.
Tommy Schmelz

EXODUS
Nach drei (inklusive Warm Up Show) anstrengenden Festivaltagen hatte ich eigentlich vor, den US-Thrashern von EXODUS nur einen kurzen Besuch abzustatten, aber was die Jungs in der Halle abzogen, hat mich so überzeugt und weckte neue Lebensgeister, daß ich gar nicht anders konnte, als bis zum Schluß zu bleiben. Es war absolut ein unbestrittener Höhepunkt des gesamten Festivals, der leider ohne Bandchef Gary Holt (g) stattfand, der immer noch Jeff Hanneman von SLAYER live vertreten mußte. Als Ersatz wurde einfach kurzerhand EXODUS-Legende Rick Hunolt verpflichtet, der nun zusammen mit Lee Altus (HEATHEN) die heftigen Riffs aus dem Ärmel schüttelte. Sänger Rob Dukes nahm sich diesmal mit asigen Sprüchen zurück, und zusammen mit der Rhythmustruppe Jack Gibson (b) und Tom Hunting (d) feuerten die fünf die solidesten Thrashsalven des ganzen Festivals ins Publikum. SUICIDAL ANGELS, WARBRINGER, TANKARD, sie alle hatten beim Bang Your Head!!! 2012 gute Gigs abgeliefert, aber die Könige des Thrashs sind und waren EXODUS!! Nach den unglaublich intensiven ‚Last Act Of Defiance‘, ‚Iconoclasm‘, ‚Scar Spangled Banner‘, ‚Shroud Of Urine‘, ‚Metal Command‘ und ‚A Lesson In Violence‘ dachte man eigentlich schon, daß es nicht besser ginge, aber dann ließen EXODUS den Thrash-Überhit ‚And Then There Were None‘ und das überragende ‚Blacklist‘ folgen, bei dem sich Rob Dukes auch durch einen kurzfristigen Ausfall seines Mikros nicht aufhalten ließ. Nach ‚Pleasures Of The Flesh‘ erhielt die Band zu ‚Piranha‘ noch Unterstützung von SUICIDAL ANGELS-Gitarrist Nick Melissourgos, der offensichtlich ein bißchen Nachhilfe im Fach „Thrash Metal Deluxe“ nehmen wollte. Und wer meinte, spätestens nach ‚Impaler‘ und ‚Bonded By Blood‘ wäre nun wirklich alles ausgereizt worden, den belehrten EXODUS erneut eines besseren, indem sie eine extremst geile Version des ‚Tempo Of The Damned‘-Krachers ‚War Is My Shepherd‘ spielten, bei dem METALLICAs ‚Motorbreath‘ und ‚Rock You Like A Hurricane‘ von den SCORPIONS eingebaut wurden. Mit den Hits ‚Toxic Waltz‘ und ‚Strike Of The Beast‘ entließ die Band ihre begeisterten Fans, die noch lange „EXODUS, EXODUS, EXODUS!!“ skandierten. Ich hätte wirklich nicht gedacht, daß die letzte Band des hochklassig besetzten Bang Your Head!!!s 2012 dann doch die beste sein würde!
Martin Brandt