BYH!!! Rückblick 2011

2011

Die Einleitung: Menschen, Tiere, Sensationen

Es ist vollbracht: Ein weiterer Sommer, der keiner war, neigt sich dem Ende zu, und somit liegt auch eine erneute Auflage des Bang Your Head!!!-Festivals mit all seinen Highlights, Obskuritäten und leider auch dem Wehmutstropfen einer Unfall-Tragödie hinter uns. Zum 16. Mal pilgerten Headbanger und Schwermetaller aus allen Himmelsrichtungen gen Balingen, um drei Tage lang gemeinsam eine große Party zu feiern.
Dabei meinte es der Wettergott verdammt gut, spendete vor allem am letzten Festivaltag überraschend viel Sonnenschein und öffnete erst einen Tag nach dem Event wieder seine Schleusen - so soll’s sein! Von den gebuchten Bands mußte mit CRASHDIET zudem nur ein einziger Act seine Teilnahme am diesjährigen BYH!!! kurzfristig absagen, so daß es unter den Feierwütigen kaum enttäuschte Gesichter zu entdecken gab!
Auch auf und hinter der Bühne war die Stimmung erneut bestens. Angefangen bei den Opening Acts bis hin zu den Headlinern beider Tage, ACCEPT und SLAYER (die übrigens im Privatjet angereist waren!), sowie der Heavy-Belegschaft, hatten nahezu alle Involvierten ihren Spaß. Okay, Devon Graves fand die Art und Weise nicht berauschend, wie ihm der Stagemanager klarmachte, daß die Auftrittszeit seiner Band PSYCHOTIC WALTZ beendet war, aber das sind Nicklichkeiten, die ein gestandener Musiker wegstecken muß.

Wie kompromißloser Einsatz für die Fans aussieht, verdeutlichte DEATH ANGEL-Drumtier Will Carroll. Der Gute verausgabte sich während des Auftritts seiner Formation dermaßen, daß er direkt nach dem letzten Beckenschlag auf die Bühnenbretter kotzte! Kaum vom Drum-Hocker gestiegen, wurde der lauwarme Fladen ausgerollt - lecker! Apropos DEATH ANGEL: Daß Frontmann Mark Osegueda ein Party-Animal ist, ist hinlänglich bekannt. Daß aber auch er seine Ausdauer hin und wieder überschätzt, belegte die Tatsache, daß er sich direkt nach dem Gig eine ziemlich große Flasche Gin für die Weiterreise bringen ließ, im Tourbus allerdings den “Schlaf der Gerechten” antrat, ehe er auch nur an der Bottle genippt hatte.

Dämon Alkohol machte aber nicht nur dem einen oder anderen Mucker zu schaffen, sondern ließ auch so manchen Festival-Besucher auf schräge Ideen kommen. So fand eine Security-Streife in der Nacht von Freitag auf Samstag einen, ähem, leicht angeschickerten jungen Mann, der sich auf (!!!) einem Bierzelt des Festival-Geländes zur Nachtruhe gebettet hatte. Verdutzte Gesichter waren bei dieser Aktion garantiert!
Reichlich verdutzt schaute auch Jeff Scott Soto aus der Wäsche, als ihm ein Fan bei der Autogrammstunde sein Handy unter die Nase hielt und das Goldkehlchen bat, ein paar Worte mit seiner Freundin (also der des Anhängers) zu wechseln. Um unseren Chefredakteur kann es sich bei dem Fan übrigens nicht gehandelt haben, hatte der gute Jagger doch selbst zwei Wochen nach dem Erwerb seines schicken neuen Smartphones noch immer Probleme damit, selbiges zu bedienen! Na ja, Technik und fortschreitendes Alter...

Aber egal, ein gutes Herz hat er ja nichtsdestotrotz, unser Herr Jäger! Anders ist es wohl kaum zu erklären, daß er die Herrschaften von PORTRAIT morgens um fünf Uhr unter seine Fittiche nahm und den völlig verstrahlten Schweden nicht nur den Ausgang des Geländes zeigte, sondern sie sogar zu ihren Schlafgemächern auf dem Zeltplatz begleitete. Ob unser Pfadfinder den Herren Musikern dort dann noch einen Gute Nacht-Kuß auf die Wangen gedrückt hat, ist indes nicht übermittelt.

Ein ungleich größerer Aufwand mußte beim diesjährigen Bang Your Head!!!-Festival hingegen für die “geschminkte Musikanten-Riege” betrieben werden. Beim LORDI-Soundcheck in der Halle galt Sicherheitsstufe eins, was zur Folge hatte, daß ein Vorhang organisiert werden mußte, der die Bühne verhüllt. Aber mal ganz ehrlich: Will jemand diese “Monster” wirklich ohne Masken sehen!?! Bei IMMORTAL lief der Hase noch ein bißchen anders. Die Band wurde in kompletter Bemalung und Montur aus dem Hotel abgeholt. Dabei war das Shuttle-Fahrzeug innen mit Plastikplanen und Handtüchern ausgelegt, um die “Sauerei” so klein wie möglich zu halten. Außerdem hatte der Fahrdienst Einsehen mit der ortsansässigen Bevölkerung und schickte einen Wagen mit blickdichter Verglasung - ansonsten hätte es wohl auch so manche Omi mit der Angst zu tun bekommen!

Ganz andere Sorgen plagten SONATA ARCTICA vor deren Auftritt: Die georderten Bananen kamen und kamen nicht herbei, so daß die Band extra ihren Tourmanager losschickte, um diese zu besorgen. Böse Zungen behaupteten in diesen Momenten, daß unsere “gute Seele” Thomas Michel sich die gebogenen Früchte gekrallt habe, aber das war ein Trugschluß. Thomas hatte sich nämlich bereits vor dem Festival-Start mit einem kartoffelsackgroßen Paket im örtlichen Bioladen eingedeckt, so daß er perfekt wie immer die Bandbetreuung organisieren konnte!

Prächtig amüsiert haben sich nebenbei auch die illustren Zaungäste (Geoff Thorpe, Tobi Sammet, etc.) des BYH!!!. Nicht über unseren “Blogerator” Stefan Glas, der sich die Füße wund laufen mußte, um mit seinem antiken Notebook online gehen und der Welt von seinen Eindrücken aus Balingen berichten zu können, sondern über die Betreiber des “Halber-Meter-Fleischspieß”-Standes. Diese hatten am Samstag nämlich Erbarmen mit den hitzegeplagten Festival-Besuchern und lieferten auf einem Blecheimer stehend stundenlang individuelle Erfrischung aus dem Wasserschlauch! Vorbildlicher Einsatz, meine Herren!

Ganz so vorbildlich verlief der Einlaß zu den Hallenshows leider nicht. Sowohl bei den durch die verspätete Ankunft ihres Sängers Ronnie Atkins auf die Halle umgeswitchten PRETTY MAIDS als auch bei LORDI waren suboptimale Bedingungen zu beklagen, an denen zu arbeiten sein wird. Nur eines muß natürlich klar sein: Wenn die Halle voll ist, ist sie voll!

Eine sehr gute Nachricht erreichte uns hingegen einige Tage nach dem Festival: Der in der Nacht zum Samstag in der Nähe des Metal-Camps in Weilstetten von einem Auto erfaßte und dadurch schwerstverletzte Fan ist außer Lebensgefahr und auf dem Wege der Besserung!
In diesem Sinne: Wir sehen uns am 13. & 14. Juli 2012!

Warm-up-Show Donnerstag, 14. Juli 2011

Ort der Warm-Up-Show: 

Messehalle Balingen

Billing Warm-Up-Show: 

AXEL RUDI PELL
BRAINSTORM
KISSIN’ DYNAMITE
ETERNAL REIGN

ETERNAL REIGN
Wie heißt es noch so schön: “Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance.” Gut, daß wir ETERNAL REIGN ausgesucht hatten, um den Fans den ersten Eindruck vom BYH!!! 2011 zu vermitteln. Die Bremer Power Metaller hatten schon Jahre auf diese Chance hingefiebert, die sie dann auch prompt mit einem hervorragenden Auftritt nutzten und somit einen gelungenen Auftakt zu unserem diesjährigen Festival feiern konnten. Obwohl sie agil die Breite der Bühne nutzten, hatte die Gitarrenfraktion um Mick Sebastian und Torsten Fünfhaus neben fingerfertigen Leads noch genügend Luft für punktgenaue Backingvocaleinsätze. Auch Sänger Dirk Stühmer war in überragender Form und wurde am Opening-Abend höchstens noch von AXEL RUDI PELL-Fronter Johnny Gioeli eingeholt. Er schmetterte sogar das DIO-Cover ‘Stand Up And Shout’ mit beeindruckender Intensität. Mit ‘Forbidden Path’, ‘Edge Of The World’, 'The Beast Within', 'Nightstalker' oder der Abschlußhymne ‘Inner Strength’ sorgte die Band für einhellige Begeisterung, und so mancher, der die Bremer bisher nicht auf dem Zettel hatte, deckte sich anschließend beim Merchandise-Stand mit den CDs und Shirts der Band ein.
Martin Brandt

KISSIN’ DYNAMITE
Für eine sichtbare Senkung des Altersschnitts in den ersten Publikumsreihen sorgten die Lokalmatadoren KISSIN’ DYNAMITE, die sich in den letzten Jahren eine treue Fanschar erspielen konnten und auch in Balingen alles richtig machten. Zwar war sich manch älteres Semester nicht ganz schlüssig, ob Fronter Johannes Braun mit seiner Riesenmähne nun an alte Haarspray-Zeiten erinnerte oder eher als blonder Kaulitz-Verschnitt durchging - doch mit der Mucke, die der Fünfer zelebrierte, konnten auch Neueinsteiger schnell überzeugt werden. Daß der Hardrock und Metal der Achtziger für KISSIN’ DYNAMITE den Heiligen Gral darstellt, machte gleich ‘My Religion’ klar, und ‘Out In The Rain’ mußte dank ordentlichem Wetter auch niemand stehen. Sogar der überregionale Teil des Publikums reckte bei der Hymne ‘Steel Of Swabia’ die Hände gen Hallendecke, ehe später die ‘Iron Fist’ erneut in Balingen überzeugen konnte. Und daß ‘Youth Gone Wild’ zu der energiegeladenen Truppe um die Klampfer Jim Müller und Ande Braun inzwischen deutlich besser paßt als zu einem Ü40er wie Sebastian Bach, wurde auch noch unter Beweis gestellt. Zwar fiel auf, daß Shouter Hannes bei dieser Nummer noch etwas Luft nach oben hat, doch wenn man sich an frühe Shows von SKID ROW erinnerte, schnitt der Schwabe im Vergleich zum Kanadier gar nicht schlecht ab! Zwar fehlt KISSIN’ DYNAMITE noch immer der letzte Kick, um wirklich in der Riege der Großen mitspielen zu können, doch ins Gedächtnis der Zuschauer spielen sie sich mit solchen Auftritten allemal...
Martin Römpp

BRAINSTORM
Eine echte Festival-Ochsentour absolvierten BRAINSTORM an diesem Wochenende, um sich vor der Veröffentlichung ihres neuen Albums ‘On The Spur Of The Moment’ wieder ins Rampenlicht zu stellen. Zwischen dem slowenischen Metalcamp und dem tschechischen Masters Of Rock machten die Schwaben auch in der Heimat Station, um mal wieder das Bang Your Head!!! zu rocken - und erledigten diese Aufgabe mit Bravour. Von zwischenzeitlichen Soundproblemen, Mikrofonausfällen und einer eher spärlichen Beleuchtung ließen sich die Routiniers nicht aus der Ruhe bringen, und neben den besten Songs der letzten Platten servierten BRAINSTORM der Balinger Meute auch einen exklusiven Ausblick auf kommende Glanztaten: ‘Temple Of Stone’ kannte zwar noch niemand, doch die Nummer wurde von den Fans dankbar angenommen und bejubelt. Richtig steil ging das Publikum natürlich bei ‘All Those Words’, dessen Mitsingpart noch lange durch die Halle waberte. Mit seiner gewohnt sympathischen Art hatte Vorturner Andy B. Franck wieder einige Lacher auf seiner Seite, und auch stimmlich präsentierte sich der leidenschaftliche VfB-Fan in Bestform. Auch die Herren Ihlenfeld, Loncaric, Ieva und Bernert zockten in bester Champions-League-Qualität und stellten eindrucksvoll klar, daß der Truppe auf diesem Level nicht viele das Wasser reichen können. Starker Gig, der Lust auf mehr gemacht hat...
Martin Römpp

AXEL RUDI PELL
Nach der saustarken Performance der BRAINSTORM-Jungs war es an der blonden Ruhrpott-Ikone Axel Rudi Pell und seiner wie immer brillanten Mannschaft, den ersten Tag des Bang Your Head!!! 2011 würdig zu beschließen. Kam der Beginn mit ‘Too Late’ noch ein wenig hölzern rüber, so lief die Band beim folgenden ‘Fool, Fool’ zu gewohnter Hochform auf. Wie sich später herausstellte, war das zum Erschrecken vieler bereits nach drei Songs eingestreute Drumsolo keineswegs schlechtes Timing sondern einer technischen Panne geschuldet. Zum Ende des Sets hin lenkten die Tabledance-Damen im mittleren Bereich der Halle zwar mächtig vom Treiben auf der Bühne ab, was aber der gebotenen musikalischen Qualität keinen Abbruch tat, denn wie Pell und Co. aussehen, weiß man schließlich. Auf die Mucke kam es eben an. Einziger Kritikpunkt war die zu offensichtliche oder besser gesagt viel zu statische Setlist, die wahrlich ein oder zwei wirkliche Überraschungen hätte bereithalten können, gerade da ja mittlerweile recht häufig getourt wird und kaum einer Bandklassiker wie ‘Casbah’, ‘Temple Of The King’ oder ‘Carusel’ nicht rückwärts im Schlaf singen kann. Die Band war aber fraglos ein würdiger Headliner für den Auftakt eines großartigen Festivals. Die am Ende unters Volk gestreuten Kracher ‘Strong As a Rock’ und ‘Rock The Nations’ unterstrichen eindrucksvoll die Ausnahmestellung der deutsch-amerikanischen Band, die gleichermaßen besonders vom magischen Spiels Pells, als auch von der energiegeladenen Leistung Johnny Giolis am Mikro lebt. Nur leider gingen die gut neunzig Minuten trotz fehlender Überraschungen viel zu schnell vorbei...
Martin Stark

Festival-Freitag, 15. Juli 2011

Location Festival-Freitag Open Air: 

Messegelände Balingen

Billing Freitag Open Air: 

ACCEPT
IMMORTAL
OVERKILL
QUIET RIOT
DEATH ANGEL
CRIMSON GLORY
LEGION OF THE DAMNED
STORMWARRIOR
CRYSTAL VIPER
PORTRAIT
HUMAN ZOO

HUMAN ZOO
Durch die krankheitsbedingte Absage von CRASHDIET wenige Tage vor dem Festival mußte nach Ersatz gesucht und auch die Running Order umgestellt werden. In Form der Balinger HUMAN ZOO konnte aber zum Glück rasch ein neuer Opener gefunden werden. Das Sextett legte von Beginn an hochmotiviert los und übernahm dankbar diese Rolle. Der Keyboard-lastige Melodic Hardrock mit zeitweiliger Saxophon-Begleitung entpuppte sich aufgrund des hohen Ohrwurmpotentials sogar als ideales Aufwärmprogramm, und so war - wohl auch begünstigt durch den Heimvorteil - schon binnen kurzer Zeit die anfangs noch eher überschaubare Menschenmenge vor der Bühne merklich größer geworden. Die Band erfüllte ihre Aufgabe wirklich souverän, denn es gelang ihr schon zur frühen Morgenstunde, die Fans zum Mitmachen zu animieren. Mehr noch, bei ‘Raise Your Hands’ und dem Finale ‘Over The Horizon’ wurde lautstark mitgesungen. Ein überaus gelungener Auftakt!
Walter Scheurer

PORTRAIT
Nach Melodic Rock zum Start folgte die erste Dosis Heavy Metal in purster Form auf den Fuß. Das zu den wichtigsten Aufsteigern zählende Schweden-Quintett PORTRAIT präsentierte sich in Leder und Nieten und war nicht minder motiviert bei der Sache. Hauptaugenmerk wurde bei der Darbietung logischerweise auf Tracks des aktuellen Silberhäppchens ‘Crimen Laesae Majestatis Divinae’ gelegt, wobei den Burschen die an sich erst zum Schluß intonierte ‘The Passion’ von Beginn an anzumerken war. Spielfreude und Hingabe dominierten nämlich die Vorstellung - und zwar so sehr, daß sich Sänger Per Karlsson (was für eine Stimme!) im Eifer des Gefechtes in der Setlist verhaute und das angekündigte ‘The Nightcomers’ (das unmittelbar danach intoniert wurde) mit einem charmanten Lächeln zu ‘Darkness Forever’ korrigieren mußte. Den überaus positiven Eindruck konnte das aber nicht trüben, und so ernteten die Burschen reichlich gebührenden Applaus.
Walter Scheurer

CRYSTAL VIPER
Die schmucke Frontfrau Marta und ihre drei Jungs konnten der zu sehr früher Stunde bereits zahlreich erschienenen Headbanger-Meute ordentlich einen einschenken. Bei phantastischem Sound, strahlendem Sonnenschein und einer sehr spielfreudigen Band kamen True Metal-Hymnen wie ‘The Wolf And The Witch’, ‘Metal Nation’ oder das stürmisch geforderte ‘The Last Axeman’ genau richtig. Das geschickt eingestreute und überzeugend dargebotene AGENT STEEL-Cover ‘Agents Of Steel’ tat sein Übriges, um die begeisterte Meute vor der Bühne glückselig zu machen, wie zahllos in die Höhe gestreckte Fäuste eindrucksvoll bewiesen. Die Polen konnten ihre Chance absolut nutzen und dürften in dieser Form bald zu späterer Stunde auf diversen Festivals und mit Sicherheit länger als vierzig Minuten aufspielen. CRYSTAL VIPER waren ohne Umschweife einer der wirklichen Gewinner des Festivals.
Martin Stark

STORMWARRIOR
Die Hamburger - zur Abwechslung mal wieder ohne Gast und Mentor Kai Hansen (Ex-HELLOWEEN, GAMMA RAY) dafür aber mit starken neuen Songs im Gepäck - sind mächtig im Kommen. STORMWARRIOR boten mit ihrer ureigenen Mischung aus viel True und ein wenig Viking Metal einen sehr soliden Auftritt und hatten früh am Tag die immer zahlreicher werdenden Massen vor der Bühne gut im Griff. Hymnen wie ‘Ragnarök’, ‘Valhalla’ oder der Titelsong vom allseits gefeierten 2008er Album ‘Heading Northe’ sorgten für Stimmung. Frontmann und Gitarrist Lars Ramcke und seine Mannschaft sind Metal, keine Frage, und auch das starke neue Werk ‘Heathen Warrior’, das unter anderem in Form von ‘Ravenhearte’ zu Live-Ehren kam, wird einen weiteren Karriereschritt bedeuten. Bassist und Szene-Urgestein Yenz Leonhardt (Ex-KINGDOM COME, IRON SAVIOR) war erneut der charismatische Blickfang der Truppe. Dennoch, die oft kolportierte Wachablösung in Sachen Pole Position als True Metal-Flagschiff war der Auftritt beim diesjährigen Bang Your Head!!! jedoch mit Sicherheit nicht, auch wenn die Lücke zu beispielsweise GAMMA RAY immer kleiner wird.
Martin Stark

LEGION OF THE DAMNED
Ein wahrlich beeindruckendes Backdrop im Bühnenhintergrund illustrierte die Ankunft der Legion der Verdammten. Pünktlich zum unheilschwanger gesprochenen Intro ‘Descent Into Chaos’ war der Himmel über Balingen, glücklicherweise regenfrei, vollständig mit dräuenden grauen Wolken bedeckt. Wirklich sehr passend zum bevorstehenden Thrash-Death-Metal-Gewitter. Ganz in Schwarz und völlig nieten- und kettenfrei bekleidet betraten die holländischen Prügelpriester LEGION OF THE DAMNED die Bühne und starteten aus dem Stand mit ‘Night Of The Sabbath’ in einen furztrocken, unnachgiebig und präzise riffenden und rumpelnden Set, der dem letzten Headbanger die Trägheit aus dem Hirn pustete. Schon an zweiter Stelle gab es die Bandhymne ‘Legion Of The Damned’, und danach folgten mit ‘Cult Of The Dead’, ‘Death’s Head March’ oder ‘Son Of The Jackal’ vergangene oder zukünftige Band-Hits. Sänger Maurice Swinkels, das Gesicht meist hinter der imposanten Matte verborgen, motivierte das Volk mit launigen deutschen Ansagen gekonnt zum Mitsingen und -Schreien, und so verging die Zeit im Flug. Mit ‘Werewolf Corpse’ war dann Schluß und Zeit für ein weiteres verdammtes Bier.
Jürgen Lugerth

CRIMSON GLORY
Bereits bei ihrer Headlinershow auf dem Keep It True-Festival Ende April hatten die legendären US-Metaller CRIMSON GLORY mit Neu-Sänger Todd La Torre gewaltig abgeräumt. Wer den Auftritt verpaßt hatte, konnte sich nun hier davon überzeugen, daß die Band den perfekten Nachfolger für den verstorbenen Original-Frontmann Midnight gefunden hat - freilich im Vergleich zu Lauda-Königshofen mit abgespeckter Setlist und bei vollem Tageslicht. Dafür hatten die Amis ein schickes Backdrop mit dem Cover ihres zweiten Albums ‘Transcendence’ von 1988 aufgehängt. Im Zeichen der glorreichen Achtziger (respektive der ersten beiden Kultplatten) stand dann auch der Gig. Erst kamen in Gestalt von ‘Mayday’, ‘Valhalla’, ‘Dragon Lady’, ‘Azrael’ und ‘Queen Of The Masquerade’ Stücke des selbstbetitelten Debüts zur Aufführung, dann folgten mit ‘Masque Of The Red Death’, ‘Where Dragons Rule’, ‘In Dark Places’ und ‘Red Sharks’ einige Lieder von ‘Transcendence’. Egal, was sie auspackten, es war toll gespielt und grandios gesungen. Auf die Gänsehaut-Ballade ‘Lost Reflection’ samt silberner Maske mußten die Zuschauer leider verzichten. Der einzige Wermutstropfen einer ansonsten erstklassigen Performance. Das für 2012 angekündigte Studioalbum kann kommen!
Alexander Kolbe

DEATH ANGEL
Man kann die Band mittlerweile wohl fast zum Inventar des Festivals zählen, auch wenn es im Vorfeld Stimmen gab, die sich gegen einen abermaligen Auftritt des Quintetts aussprachen. Völlig unverständlich für mich, denn an Energie und Hingabe konnte man dem Fünfer einmal mehr nichts vormachen. Nicht nur die Dreads von Sänger Mark flogen schon im Opener ‘I Choose The Sky’ wie wild durch die Gegend, auch der Mikroständer kam gesegelt. Mit ORCHID-Shirt-Träger Damien Sisson am Baß hat die Band einen ebenso tollen Griff getätigt wie mit Schlagzeug-Tier Will Carroll. Deren Groove-Fundament kam sensationell wuchtig daher und wußte sowohl Aktuelles (‘Relentless Revolution’- Hammer!) wie Älteres (‘Seemingly Endless Time’) perfekt zu untermauern. Auch Rob Cavestany (was für eine Technik!) und Ted Aguilar brillierten, während Mark als Vollstrecker fungierte. Man mag den Jungs eventuell vorwerfen, sie hätten zu wenige Klassiker gespielt - am energiegeladenen Auftritt selbst, in den überraschenderweise auch noch ‘Heaven & Hell’ eingebaut wurde, gab es jedoch nichts zu meckern. DEATH ANGEL waren einmal mehr in Topform und lieferten eine blendende Vorstellung!
Walter Scheurer

QUIET RIOT
Es gab nicht nur einen, der in Bezug auf eine echte Legende des US-amerikanischen Glam- und Party-Metal Sorge hatte, das neue Line-up von QUIET RIOT könnte den im Raum stehenden Ansprüchen nicht gerecht werden. Da ist soviel Kult um Schock-Plattencover und so viel Erinnerung an den verstorbenen, ebenso charismatischen wie stimmgewaltigen Ex-Frontmann Kevin DuBrow, daß das verständlich war. Zum Glück waren diese Zweifel schnell zerstreut. Ein gutgelaunter Marc Huff am Mikro und Band-Urgestein Frankie Banali an einem für heutige Zeiten fast Mitleid erregend kleinem Drumkit hielten den Laden zusammen und lieferten mit ihren Mitstreitern einen Gig ab, der manch altem Rocker Gänsehaut bescherte. ‘Run For Cover’, ‘Slick Black Cadillac’, das etwas zu früh gelieferte SLADE-Cover ‘Mama Weer All Crazy Now’ und weitere Perlen sorgten für Partylaune pur. Heikel wurde es, als Frankie hinter dem Schlagzeug hervorkam, ans Mikro trat und nach ein paar bewegenden Worten für seine verflossenen Bandkollegen Kevin DuBrow und Randy Rhoads eine Gedenkminute für die beiden einforderte. Das ging an die Nieren. Spätestens bei ‘Cum On Feel The Noise’ war bei aller Freude Tränengefahr angesagt, und das natürlich zum Schluß angestimmte ‘Metal Health’ mit seinem aus tausend Kehlen mitgebrüllten und höchst festivalkompatiblem Refrain „Bang Your Head, Metal Health Will Drive You Mad“ ließ alle Dämme brechen. Welcome home, guys!
Jürgen Lugerth

OVERKILL
Die New Yorker Thrash-Urgesteine um Bobby ‘Blitz’ Ellsworth sind live immer eine Bank, und so überraschte es kaum, daß die Band nach der viel zu hoch im Billing angesiedelten Enttäuschung namens QUIET RIOT (da gehen die Meinungen aber weit auseinander, Herr Kollege – Thomas) offene Türen bei den Fans einrannte. Gewohnt energiegeladen gab die Formation von Anfang an Vollgas, setzte größtenteils auf ihre Klassiker und punktete damit auf ganzer Linie! Klar, wer die Band bereits ein paar Wochen zuvor auf dem Festival der Kollegen vom Rock Hard in Gelsenkirchen gesehen hatte, wußte stets, was ihn als nächstes erwartet, vertraute das Quintett doch auf die dort bereits erprobte Setlist, aber das konnte das Vergnügen nicht schmälern. Gassenhauer wie ‘Rotten To The Core’, ‘Wrecking Crew’, ‘In Union We Stand’ sowie der obligatorische Rausschmeißer ‘Fuck You’ sind auch noch nach unzähligen Jahren dazu imstande, die Anhängerschaft mitzureißen und die Stimmung nach oben zu treiben. Neuere Perlen wie ‘Bring Me The Night’ oder ‘Ironbound’ natürlich auch! Blitz ist dabei nach wie vor das unermüdliche Steh-auf-Männchen, das zwar hin und wieder ganz gerne mal seinen Einsatz versemmelt oder so manch eine Textzeile verschluckt, aber sei’s drum: Der Mann lebt und liebt, was er tut, und das merkt man ihm zu jeder Sekunde an! Seine Mitstreiter hielten sich - bis auf den wie immer mächtig antreibenden Bassisten D.D. Verni - hingegen im Hintergrund, aber das paßte. Business as usual eben, könnte man zusammenfassend sagen. Aber ist das nicht genau das, was man von der Thrash Metal-Institution sehen und hören möchte!?!
Peter Engelking

IMMORTAL
Daß Black Metal auch bei Tageslicht hervorragend taugt und auf dem Bang Your Head!!!-Festival noch besser funktioniert, das bewies das norwegische Trio Abbath, Apollyon und Horgh eindrucksvoll. Na ja, wobei IMMORTAL anno 2011 eigentlich gar kein Black Metal mehr sind, sondern vielmehr die KISS des Black Metal! Ich bin mir sicher, daß Abbath neben seiner Leidenschaft für MOTÖRHEAD auch die ein oder andere KISS-Platte im Schrank stehen hat, denn das fast schon (wohlgemerkt im positiven Sinne!) komödiantische Stageacting der Burschen aus Bergen beinhaltet die eine oder andere Pose, die man auch schon bei der New Yorker Hardrock-Legende in etwas anderer Form bestaunen konnte. Auch technische Pannen während des Auftrittes überbrückte Abbath meisterhaft mit höchsten Entertainer-Qualitäten in Form von “Laola-Wellen” mit dem Publikum. Darüber hinaus gab es auch Show-mäßig und Pyro-technisch von Feuerfontänen über Flammenregen das volle Programm. Und die Musik? Nun, die war wie immer der Hammer. Angefangen vom bombenstarken Sound bis hin zu einer klasse Setlist. Der Schwerpunkt lag dabei natürlich auf neuerem Material, insbesondere beim aktuellen Album ‘All Shall Fall’, welches neben dem Titeltrack auch noch solche Knaller wie ‘The Rise Of Darkness’ oder ‘Hordes To War’ parat hatte. Vom Vorgänger ‘Sons Of Northern Darkness’ gab es den grandiosen Opener ‘One By One’ sowie ‘Tyrants’, und von ‘Damned In Black’ wurde der Titelsong zum besten gegeben. Aber auch Fans der ersten Stunde wurden nicht enttäuscht, packten IMMORTAL doch mit ‘The Call Of The Wintermoon’ vom Debüt ‘Diabolical Fullmoon Mysticism’ einen ganz alten Kalauer aus. IMMORTAL gehörten zweifelsohne zu den Highlights des diesjährigen Festivals. Mehr davon.
Schenk

ACCEPT
Die schlimmsten Befürchtungen waren umsonst: IMMORTAL hatten es vielen Unkenrufen zum Trotz nicht geschafft, das Festival-Gelände leerzuspielen! Gut so, denn ACCEPT erbrachten den Beweis dafür, daß sie auch in der heutigen Inkarnation einer Headliner-Position absolut würdig sind! So traurig die Diskrepanzen zwischen Udo Dirkschneider und seinen ehemaligen Mitstreitern für Außenstehende sein mögen: Mit Mark Tornillo haben Wolf Hofmann und Co. einen Trumpf aus dem Ärmel geschüttelt, der sowohl im Studio als auch auf den Bühnenbrettern sticht! Dabei braucht der Gute live keinerlei Sperenzien zu vollführen, sondern kann sich voll und ganz auf sein stimmliches Können verlassen, um Anerkennung einzuheimsen. So auch beim diesjährigen Bang Your Head!!!-Festival. Das eröffnende Doppel ‘Teutonic Terror’/’Bucket Full Of Hate’ belegte deutlich, daß ACCEPT großes Vertrauen in ihr aktuelles Material haben - zu Recht, wie die Reaktionen der Menge zeigten. ‘Starlight’ war aufgrund einiger Soundschwierigkeiten direkt vor der Bühne danach zwar kaum zu erkennen, aber schon beim folgenden ‘Breaker’ waren diese kleinen Makel ausgemerzt, und die Show konnte ihren Lauf nehmen. Bassist Peter Baltes erwies sich dabei als absoluter Aktivposten, stand so gut wie nie still und bildete mit Wolf Hofmann den unbestreitbaren Blickfang des Geschehens. Die Tatsache, daß die Instrumental-Fraktion hier und da etwas mit ihren Soli über die Strenge schlug, bügelten Klassiker wie ‘Metal Heart’, ‘Losers And Winners’ oder ‘Fast As A Shark’ locker wieder aus, so daß nach 100 Minuten und dem unkaputtbaren ‘Balls To The Walls’ niemand mit hängendem Kopf vom Messegelände schlurfte! Starker Auftritt!
Peter Engelking

Location Festival-Freitag Halle: 

Messehalle Balingen

Billing Freitag Halle: 

AMORPHIS
ASPHYX
CRIPPER

Festival-Freitag - Hallenprogramm: 

CRIPPER
Die Niedersachsen von CRIPPER zählten trotz diverser Support-Shows für größere Bands sicherlich zu den großen Unbekannten des diesjährigen Bang Your Head!!!, machten jedoch nach nur wenigen Augenblick klar, daß mit ihnen zu rechnen sein würde. Auch wenn die Halle relativ spärlich gefüllt war, gaben die fünf Hannoveraner vom ersten Moment an Gas und bewiesen nachhaltig, daß sie eine echte Bereicherung der deutschen Thrash-Szene darstellen. Angetrieben von der überaus sympathischen und natürlichen Sängerin Britta Görtz prügelten sich CRIPPER durch ihr fünfzigminütiges Programm und hinterließen ein Publikum, das mehr als einmal anerkennend nickte. Auch das Synchronbanging der Saitenfraktion wirkte zu keinen Zeitpunkt peinlich, sondern gab dem Gig vielmehr einen professionellen Anstrich. Ein wirklich cooler Auftritt, der CRIPPER sicherlich einige Fans beschert haben dürfte! Wenn es Britta & Co. mit ihrem nächsten Album gelingen sollte, etwas mehr Eigenständigkeit walten zu lassen, können wir uns für die Zukunft auf einiges gefaßt machen!
Martin Kosbab-Zillmann

ASPHYX
Die Halle hat sich als abendliche Zweitbühne etabliert und wird von den Fans auch gut aufgenommen. Allerdings sollten sich Onkel Hotte und Co. vielleicht doch mal dazu hinreißen lassen, eine adäquate PA zur Verfügung zu stellen. So hat das Ganze etwas von Schulaula - nicht ausreichend für eine Halle dieser Kapazität. Nützt ja alles nichts, also alle nach vorne, denn dort gab es mit Monitorunterstützung wenigstens etwas “high voltage”. ASPHYX sind ASPHYX, bleiben ASPHYX und werden immer ASPHYX sein. Dafür werden sie von ihren Fans geliebt, denn sie bekommen, was sie wollen, und die Holländer delivern IMMER! Los ging’s wie gehabt mit dem ‘The Rack’-Into ‘The Quest Of Absurdity’ gefolgt vom Jahrhundertsong ‘Vermin’, der beim Rezensenten auch nach 1.000 Durchläufen noch zu unkontrollierten Zuckungen führt. Was ein Riff, was ein Groove, was eine Stimme! Von ‘The Rack’ liefen unter anderem noch ‘Wasteland Of Terror’ und der unsterbliche Titeltrack ins Ziel, dazu gab es ein Best Of, bei welchem - natürlich - die ‘MS Bismarck’ nicht fehlen durfte. Die Nummern des letzten Albums ‘Death... The Brutal Way’ haben sich längst im Liverepertoire etabliert, gerade der schnelle, geradeaus nach vorne preschende Titeltrack dürfte noch für einige Jahre fester Bestandteil einer jeden Show sein. Zur Überraschung nicht weniger gab es auch eine neue Nummer auf die Lauscher. ‘We Doom You To Death’ ist bislang nur auf einer Vinly-only Single erschienen, dürfte sich aber auch auf dem kommenden Studioalbum wiederfinden. Eine - was auch sonst - abwechslungsreiche Doom/Death-Hymne, die Appetit auf mehr macht. ASPHYX haben noch lange nicht fertig!
Andreas Reissnauer

AMORPHIS
Während ACCEPT die Hauptbühne zerlegten versammelten sich einige Genießer und Freunde des skandinavischen Melodic-Metals in der Halle, um AMORPHIS zu huldigen. Im Gepäck hatten die Finnen ihr neues Album ‘The Beginning Of Times’, und dementsprechend war auch die Bühne im Stil des aktuellen Coverartworks passend dekoriert: mit Backdrop, Aufstellern und Frontmann-Podest: sehr hübsch alles. Geprägt war das Set dann dementsprechend auch von neuen Songs, aber auch Fans der ‘Skyforger’-Scheibe sowie der älteren Platten kamen nicht zu kurz. Die Finnen sind ja in diesem Festivalsommer omnipräsent, und so stellte sich im Vorfeld weniger die Frage, was das Publikum programmatisch zu erwarten hatte, sondern eher, ob die Jungs die gewohnte Qualität abliefern. Und da enttäuschten Tomi und seine Mannen natürlich in keiner Weise - AMORPHIS sind live einfach eine Bank. Da stimmte alles: die Songauswahl von Klassiker bis aktuell, der Sound - fett und klar, das Licht - pure Atmosphäre und Emotion. Wohoo - Gänsehautalarm! Ein AMORPHIS-Gig kann einfach nicht schlecht sein, was leider nur eine gut halb gefüllte Halle erleben durfte, da die parallel spielenden ACCEPT das klassische Bang Your Head!!!-Publikum zur Hauptbühne zogen. Doch die AMORPHIS-Freunde in der Halle waren glücklich und in seligem Schwelgen vereint, bis nach 90 Minuten leider Schluß war und somit dem ersten Festivaltag ziemlich abrupt ein Ende gesetzt wurde.
Theresa Trenks

Festival-Samstag, 16. Juli 2011

Messegelände Balingen

Billing Samstag Open Air: 

SLAYER
HELLOWEEN
SONATA ARCTICA
JEFF SCOTT SOTO
PSYCHOTIC WALTZ
HARDCORE SUPERSTAR
D-A-D
TYGERS OF PAN TANG
ASTRAL DOORS
METAL INQUISITOR
IVANHOE

IVANHOE
Da offensichtlich weder die Band, noch die zu jenem Zeitpunkt schon empfangsbereiten Zuseher etwas von der nächtlichen Tragödie mitbekommen hatten, war die Stimmung bereits zu Beginn des Sets der süddeutschen Prog-Institution IVANHOE überraschend gut. Mehr noch, der wolkenlose Himmel und das überaus unterhaltsame wie sympathische Auftreten der Truppe sorgten schon zu frühester Stunde für die erste Metal-Party. Das Publikum konnte der Formation gar mehrfach Respekt abverlangen, offenbar hatte man nicht damit gerechnet, daß sich so viele Fans vor der Bühne tummeln und die ersten Mitmach-Spielchen gut annehmen würden. Bestes Beispiel ‘Time Machine’, bei dem richtig was los war. Mit einer Huldigung an „einen der schönsten Tage des Jahres“ verabschiedete sich die spielfreudige und tight agierende Truppe, der man sämtliche Komplimente zurückgeben muß, da für den perfekten Beginn dieses Tages definitiv IVANHOE gesorgt haben.
Walter Scheurer

METAL INQUISITOR
Noch recht früh war’s, als El Rojo, Blumi und Friends die Bühne des BYH!!! bestiegen. Aber nicht zu früh für die METAL INQUISITOR-Fans. Sofort strömten einige Hundert Frühaufsteher an den Bühnenrand, um sich von der rustikal/herzlichen Ansprache des stets präsenten METAL INQUISITOR-Frontmannes bespaßen zu lassen. Die geschlossene Mannschaftsleistung, aus der Guitar-Blumi - wieder mit Proll-Spiegelbrille, dafür ohne Rockstar-Boots - noch etwas herausragte, trieb die Fans zum Headbangen an. Eine Sportart, welche im Laufe des Tages bei immer extremerer Sonneneinwirkung bei manchem leichte Orientierungslosigkeit zur Folge hatte... Klassiker wie ‘Take Revenge’ wurden natürlich noch etwas inniger geliebt, aber auch die Songs des aktuellen Longplayers ‘Unconditional Absolution’ garantieren live für Betrieb vor der Bühne. Fazit: Guter Gig, coole Band. Bleibt nur die Frage: Wo zur Hölle war die Bandhymne ‘Daze Of Avalon’?
Arno Hofmann

ASTRAL DOORS
Zur Mittagszeit konnte dann auch der Hunger auf Hardrock/Heavy Metal der traditionellen Machart gestillt werden, gab es mit den ASTRAL DOORS doch eine jener Formationen zu sehen, denen man die Inspiration des Lebenswerkes von Ronnie James Dio zu jeder Sekunde anhört. Selbst bis dato nicht mit deren Material vertraute Zeitgenossen stellten schon im Brecher von Opener ‘Evil Is Forever’ mit Wohlwollen fest, daß Fronthüne Nils Patrik Johansson verdächtig nach dem verstorbenen Sangesgott klingt. Ideale Voraussetzungen also, um mächtig abzuräumen, und von daher auch geradezu logisch, daß man durchaus Zuspruch erhielt. Dieser hätte aber noch viel intensiver ausfallen können, wäre da auf der Bühne nicht zumeist Standfußball gezeigt worden. Ein wenig mehr Bewegung hätte dem Set wirklich gutgetan, selbst wenn ‘New Revelation’ oder ‘Power And The Glory’ sehr wohl mitgesungen wurden. So aber blieb die Truppe doch ein wenig glanzlos.
Walter Scheurer

TYGERS OF PAN TANG
Die glorreichen Zeiten sind für die TYGERS ja auch schon ein paar Tage vorbei. Wenn man jedoch sieht, mit welchem Elan und mit welcher Begeisterung ein in Ehren ergrautes Metal-Fossil wie Rob Weir on stage abrockt, so erübrigt sich die Frage nach dem Sinn der Reanimation dieser Legende. Die TYGERS brachten einen bunten Strauß betagter Klassiker mit nach Balingen. So mancher Headbanger der ersten Reihen dürfte bestenfalls den heimischen Laufstall unsicher gemacht haben, als NWoBHM-Granaten wie ‘Gangland’ oder ‘Hellbound’ erstmals aus den Kassettenrecordern der damaligen Jugend erklungen sind. Und mit ein paar Bier im Schädel klingen die Hymnen längst vergangener Tage fast genauso mächtig, rauh und begeisternd wie seinerzeit. TYGERS OF PAN TANG hatten etwas Generationenübergreifendes, Alt und Jung feierte gemeinsam. Hoffentlich macht die Truppe in dieser Form noch ein paar Jahre weiter!
Arno Hofmann

D-A-D
Die dänischen Spaßgaranten D-A-D waren in ihrer Heimat gerade dabei, ihr neues Album ausgehfein zu machen, unterbrachen die Aufnahmen jedoch, um in Balingen für gute Stimmung zu sorgen. In der gleißenden Mittagssonne des zweiten Festivaltages machten die Binzer-Brüder Jesper (v, g) und Jacob (g) gemeinsam mit Stig Pedersen (b) sowie Laust Sonne (d) dementsprechend ein Rock ‘n’ Roll-Faß auf und kredenzten gern Gehörtes wie ‘Jihad’, ‘Monster Philosophy’, ‘It’s After Dark’, ‘Girl Nation’ und natürlich ‘Sleeping My Day Away’, den Bandklassiker schlechthin. Der singende Teil des Brüder-Gespanns ließ sich auch nicht lumpen, gab immer wieder Ansagen in deutscher Sprache zum besten, was zwangsläufig für Erheiterung und Sympathiebekundungen seitens des Auditoriums führte! Jacob Binzer poste hingegen wie immer arschcool im Doppelpack mit dem Zwei-Saiten-Bassisten Pedersen um die Wette, während sich Herr Sonne im Hintergrund mal wieder problemlos den nett gemeinten Spitznamen ‘Rock ‘n’ Roll Animal’ verdiente - welch ein grandioser Abfahrer! Die 50 Minuten, die D-A-D zur Verfügung standen, waren definitiv zu schnell vorbei, auch wenn danach eine weitere großartige Gruppe am Zuge war...
Peter Engelking

HARDCORE SUPERSTAR
Zwei Jahre nach ihrem ersten Bang Your Head!!!-Gastspiel waren HARDCORE SUPERSTAR zurück in Balingen. Die Anwesenheit der Schweden war nach der Absage ihrer Landsleute CRASHDIET um so wichtiger, denn ohne eine kräftige Portion Sleaze Metal wäre ein Sommerfestival nur halb so schön. Leider erwischte das Quartett um Frontderwisch Jocke Berg (gleiche Unterhose wie 2009?!) und Trommler/Tommy-Lee-Lookalike Magnus ’Adde’ Andreasson einen alles andere als optimalen Sound. Zudem kamen die Jungs fast zehn Minuten zu spät auf die Bühne und schafften es dadurch gerade mal, acht Songs ins Publikum zu feuern, von denen die ältesten erwartungsgemäß vom selbstbetitelten Klassiker aus dem Jahr 2005 stammten. Andererseits sorgten sie für die coolste Aktion des Wochenendes: Bei ‘Last Call For Alcohol’ vom aktuellen Langeisen ‘Split Your Lip’ holte Berg ein junges Weiblein und ein junges Männlein zu sich nach oben, um mit ihnen gemeinsam herumzuhüpfen und die beiden ab und an ins Mikro grölen zu lassen. Echte Fannähe nennt man so was wohl. Auch sonst war die Stimmung gut, denn lupenreine Hits wie ‘Medicate Me’, ‘Guestlist’ und natürlich ‘We Don’t Celebrate Sundays’ würden selbst in Timbuktu ihre Wirkung nicht verfehlen.
Alexander Kolbe

PSYCHOTIC WALTZ
PSYCHOTIC WALTZ kamen, spielten und siegten. Nach der erfolgreichen Power Of Metal-Tour, bei der sie eh der heimliche Headliner waren, haben die Jungs aus San Diego plus Wien ihr Set allerdings komplett umgekrempelt. Am Anfang gab es erstmal nur Songs der letzten beiden WALTZ-Alben ‘Mosquito’ und ‘Bleeding’, welche aber bereits vom Publikum euphorisch begrüßt wurden. Als dann mit ‘Freakshow’ endgültig der Klassikerreigen eröffnet wurde, gab es allerdings kein Halten mehr. Die Steigerung war dann ein wahnwitziges ‘Into The Everflow’ mit tollen Gitarrenduellen von Dan Rock und Brian McAlpin. Den Höhepunkt der Show stellte allerdings das auf der Tour schmerzlich vermißte ‘I Remember’ dar, welches mit derselben Hingabe gespielt wurde wie früher. Hammer! Das Set beschloß dann noch ein phänomenales ‘Halo Of Thorns’, und Buddy Devon Lackey Graves sang sogar noch besser als auf der Tour. Trotz strahlenden Sonnenscheins ein hochemotionales Konzert einer Band, die noch viel zu sagen hat. Allerdings wird das in einer dunklen Halle, ähnlich wie bei CRIMSON GLORY, noch viel besser funktionieren. Aber egal... The Waltz is back!
Oliver Weinsheimer

JEFF SCOTT SOTO
Jeff Scott Soto gehört zu den bestgehüteten Geheimnissen der Hardrock-Szene - zumindest tauchen bei seinen Gigs in unseren Breitengraden meist nicht viele Leute auf. Dabei sollte sich eigentlich herumgesprochen haben, daß der Amerikaner ein unschlagbarer Entertainer ist, der nach seiner äußerst abwechslungsreichen Karriere mit einem unschlagbaren Backkatalog gesegnet ist! Dank einer Flugverspätung der PRETTY MAIDS fiel Soto in Balingen nun ein Spot auf der Hauptbühne in den Schoß - doch Jeff macht sich das Leben anfangs unnötig schwer. Anstatt mit einem Kracher wie ‘Stand Up’ zu beginnen, legte er mit dem funkigen ‘21st Century’ los. Genau wie ‘Drowning’ oder ‘Soul Divine’ eine gute Nummer, doch daß seine Soloscheiben unter dem BYH!!!-Publikum nicht weit verbreitet sind, war an den zurückhaltenden Reaktionen leicht zu erkennen. Deutlich bessere Stimmungswerte gab’s beim TALISMAN-Klassiker ‘Colour My XTC’, der STEEL DRAGON-Hymne ‘Livin’ The Life’ oder den PELL-Hits ‘Fool Fool’ und ‘Warrior’ zu verzeichnen. Eine schöne Geste war das Erinnerungs-Medley an kürzlich verstorbene Größen wie Gary Moore, Phil Kennemore, Ronnie James Dio, Steve Lee und Michael Jackson - doch noch schöner wäre es gewesen, wenn die Sache nicht rein instrumental verlaufen wäre! Besser war da das TALISMAN-Medley, das Jeff seinem vor zwei Jahren verstorbenen Freund und Kollegen Marcel Jacob widmete und mit Krachern der Marke ‘Break Your Chains’, ‘Mysterious’ oder ‘Give Me A Sign’ bestens bestückt war. Unterm Strich immer noch ein cooler Gig, doch der erhoffte Siegeszug blieb aufgrund der nicht immer massenkompatiblen Songauswahl leider aus...
Martin Römpp

SONATA ARCTICA
Danach hätte es eigentlich romantisch werden sollen - SONATA ARCTICA enterten die Bühne. Die Finnen hatten dieses Mal einen bunten Strauß Melodien quer durch ihr Schaffen parat - los ging es aber erstmal mit ‘Flag In The Ground’ vom aktuellen Album ‘The Days Of Grays’. Sänger Tony flirtete und spaßte wie gewohnt auf seine unverwechselbar schüchterne Art mit dem Publikum, was sich zwar zahlreich vor der Bühne versammelt hatte, aber nicht so richtig auftauen wollte. Vielleicht war der Tag einfach schon zu lang oder zu heiß gewesen - Partystimmung wollte jedenfalls nicht so richtig aufkommen. Da konnte Tony noch so sehr flachsen: Ansage “This is an underwear song“ mit dem folgenden ‘Victoria’s Secret’, oder Klassiker der Kaliber ‘Paid In Full’, ‘Black Sheep’ oder ‘Don’t Say A Word’ abfeuern, der Band zujubeln wollten nur die vordersten Reihen. Der Rest kam erst bei der obligatorischen La-Ola-Wink-Aufforderung bzw. spätestens beim Vodka-Song ein wenig aus sich heraus. Dies schien der Band etwas säuerlich aufzustoßen, denn viel zu früh kam dann bereits die jeden SONATA ARCTICA-Gig beendende Publikums-Umarmung. In den eigentlich verbleibenden zehn Minuten hätten gerne noch Granaten wie ‘Full Moon’ oder ‘Replica’ erklingen dürfen. Das war kein schlechter Auftritt von SONATA ARCTICA, aber irgendwie wollte der Funke zwischen Band und Zuschauern nicht so richtig überspringen - schade!
Theresa Trenks

HELLOWEEN
Es ist noch gar nicht so lange her, da hatten die deutschen Kürbisrocker in der Volksbankmesse zu Balingen als Abschluß ihrer Europatournee einen gelungenen Gig zu ihrer starken neuen CD ‘7 Sinners’ abgeliefert. Dieses Mal waren sie als Co-Headliner des Bang Your Head!!! gefragt, und das Festivalgelände war zu dieser Zeit richtig gut gefüllt. HELLOWEEN sind nun einmal eine Institution des Teutonen Metal. Hinter der Band prangte überdimensional das Cover ihrer aktuellen Scheibe, und folgerichtig ging es gleich mit ‘Are You Metal’ ins Rennen. Sehr imposant das Schlagzeug von Dani Löble, glänzend weiß und mit vier Baßtrommeln ausgestattet. Ob der Herr auch vier Füße hat, ist unbekannt, jedenfalls verdrosch er die Felle vom Start weg gekonnt und mit Leidenschaft. Es folgte der Klassiker ‘Ride The Sky’, und schon da hatte man das Gefühl, daß Sänger Andi Deris stimmlich nicht immer ganz auf Ballhöhe war, vor allem bei den alten Stücken. Möglich, daß das lange Touren rund um die Welt seinen Tribut gefordert hatte. Vielleicht waren auch deshalb die Ansagen an die Gemeinde recht ausführlich. Nach ‘March Of Time’ und ‘Where The Sinners Go’ sorgte ein Schlagzeugsolo für Entlastung, danach kündigte Deris ein Medley aus ‘Keeper Of The Seven Keys’, ‘Halloween’ und ‘The King For A Thousand Days’ an, das die alten Fans im Zeitraffer befriedigen sollte. Der Kracher ‘I Want Out’ sorgte schließlich für einen starken Abschluß, bei dem das Volk noch einmal kräftig feierte. HELLOWEEN haben eine treue Fanbasis, und die war mit dem Gebotenen durchaus zufrieden. Ein absolutes Glanzlicht des an Highlights reichen Festivals war dieser Gig aber definitiv nicht.
Jürgen Lugerth

SLAYER
Mit der Nacht kamen die Dämonen! Wo auch immer SLAYER mittlerweile auftreten, haben sie Headliner-Status. In Balingen verwandelte sich die Bühne für sie in einen Dom aus purer unheiliger Energie, höllischem Lärm, kaltblauem, blutrotem oder grellweißem Licht und messerscharfem Sound in Top-Qualität. Unter einem riesigen Pentagramm, vor einer gewaltigen Wand aus Marshall-Verstärkern zelebrierten die Hohepriester des Death- und Thrash Metal eine infernalische Leistungsschau, die kaum einen ihrer Underground-Hits ausließ. “Are you ready? You should be ready!” bellte Tom Araya ins Mikrofon, bevor mit Monstern wie ‘War Ensemble’, ‘Postmortem’, ‘Spirit In Black’ oder ‘Dead Skin Mask’ ein tödlicher Schlag dem anderen folgte. Drummer Dave Lombardo in Höchstform, das Gitarrenduo Gary Holt/Kerry King in unerbittlicher Präzision und Tom Araya kühl und überlegen: Besser ging es einfach nicht. ‘Mandatory Suicide’ wurde jenen gewidmet, die Freiheit wollen und dafür sterben, ‘Raining Blood’ wurde in rotes Licht getaucht, und mit der ultimativen Kathedrale ‘South Of Heaven’ und dem einstmals umstrittenen, rasenden ‘Angel Of Death’ gab es einen Schluß wie Donnerhall. SLAYER sind die dunkle Seite der Macht, die einzige Band, denen der finstere Lord Darth Vader die Absolution erteilen würde. In Balingen ließ diese Urgewalt das gläubige Volk nach zweieinhalb geilen Tagen fast sprachlos zurück, als hilfloses Futter für die in Muppets-Kostüme gehüllten Aftershow-Entertainer LORDI, falls man die noch wollte. Das Feuerwerk, das zum Abschluß des Bang Your Head!!! 2011 in den Nachthimmel stieg, konnte das soeben Erlebte kaum noch übertreffen.
Jürgen Lugerth

Loacation Festival-Samstag Halle: 

Messehalle Balingen

Billing Samstag Halle: 

LORDI
PRETTY MAIDS
DESASTER

Festival-Samstag Hallenprogramm: 

DESASTER
Während draußen auf der Hauptbühne die Realsatire (HELLOWEEN fragen: “Are you Metal?”) fröhliche Urstände feierte, gab es in der Messehalle echten Stahl zu belauschen. DESASTER sind eine routinierte Thrash-Maschinerie, denen man die vielen Auftritte der letzten Jahre zu jeder Zeit anmerkt. Jeder Musiker weiß genau, was er zu tun hat, der Kontakt zum Publikum ist von Anfang an da, und das sympathische Auftreten der Kowwelenzer Buwe tut ein Übriges, um den Black Thrash dieser deutschen Underground-Legende flächendeckend zünden zu lassen. Das Best Of-Programm - anders geht es bei dermaßen vielen VÖs ja auch gar nicht - wurde dankbar aufgenommen, Frontmann Guido machte auch bei alten Songs, die aufgrund Okkultos extrem origineller Stimme eigentlich unantastbar sind, eine gute Figur. Zudem hat er vieeel dickere Arme... Die Zugabe-Rufe hatten sich die Burschen, die im Ausland mittlerweile für viele Fans DAS German Metal-Synonym sind, redlich verdient.
Arno Hofmann

PRETTY MAIDS
Eigentlich sollten die PRETTY MAIDS am späten Nachmittag auf der Hauptbühne spielen, doch Sänger Ronnie Atkins schaffte es aufgrund eines ausgefallenen Fluges nicht, rechtzeitig in Balingen einzutreffen. Also tauschten die dänischen Hardrock-Veteranen ihre Position im Billing kurzerhand mit den eigentlich für die Halle eingeplanten JEFF SCOTT SOTO. Obwohl sich ihr Set somit teilweise mit den Headlinern SLAYER überschnitt, war die Hütte proppevoll - die Festivalmeute hatte offensichtlich Bock auf eine Ladung “Danish Dynamite”. Verständlich, denn mit ‘Pandemonium’ hatten die PRETTY MAIDS im letzten Jahr mal eben ihr bestes Werk der letzten zwanzig Jahre vorgelegt. Das schien auch der Band klar zu sein, denn mit dem Titelsong und ‘I.N.V.U.’ begann sie die Show mit gleich zwei Nummern des aktuellen Albums. Ansonsten bot die zwölf Stücke umfassende Setlist natürlich auch altbekannte Klassiker (‘Love Games’, ‘Back To Back’, ‘Future World’, ‘Rodeo’) sowie nette Überraschungen (‘Walk Away’ und das einst von Phil Lynott und John Sykes verfaßte ‘Please Don’t Leave Me’), bevor der poppige ‘Pandemonium’-Ohrwurm ‘Little Drops Of Heaven’ und ‘Red, Hot And Heavy’ den gefeierten Gig auf würdige Weise beendeten. 70 Minuten tolle Hardrockunterhaltung, auch wenn die Zeit an Atkins’ Stimmbändern hörbar genagt hat.
Alexander Kolbe

LORDI
Die letzte Band des Festivals zu sein und dazu noch direkt nach SLAYER auf die Bretter der knüppeldickevollen Halle zu müssen, ist schon mal ein Pfund. Die Finnen um Mr. Lordi wurden dieser schweren Aufgabe jedoch vollauf gerecht und brannten im wahrsten und doppelten Sinne des Wortes ein Feuerwerk ab: ein Feuerwerk an Hits (‘Devil Is A Loser’, ‘Would You Love A Monsterman?’, ‘This Is Heavy Metal’ oder natürlich den - jawohl! - Grand Prix-Klassiker ‘Hard Rock Halleluja’), ein Feuerwerk von Dutzenden Pyros sowie ein Feuerwerk an witzigen Gimmicks aus dem Splatter-Kindergarten um die Ecke (funkensprühende Kreissäge, Gallonen von Kunstblut und Co.). Bereits der Einstieg mit ‘Babez For Breakfast’ machte keine Gefangenen und ging voll auf die Zwölf. Spätestens nach dem ersten Song kletterte das Thermometer in der Halle auf gefühlte 70 Grad Celsius. Ich will gar nicht wissen, wie die Truppe unter den massiven Kostümen geschwitzt haben muß. Ihrer grandiosen Performance tat das indes keinen Abbruch. Die obligatorischen Umkleidepausen wurden mit kleineren, aber nie ausufernden Solo-Eskapaden der Musiker überbrückt, so daß der Spaß-, aber auch der Rockfaktor ständig auf Betriebstemperatur blieb. Lordi @ BYH 2011: Fast zwei Stunden bestes Rock ‘n’ Roll-Entertainment. Mehr ging fast nicht, und der Gig wird vermutlich in der Bandhistorie als die “Tropenhölle der Messehalle Balingen” eingehen...
Martin Stark