BYH!!! Rückblick 2010

2010

Die Einleitung

Jubiläen sind dazu da, begossen zu werden! Eine Devise, der die Heavy-Redaktion bekanntermaßen immer wieder gerne Folge leistet - so auch am 15., 16. und 17. Juli diesen Jahres! An diesem Wochenende gab es die 15. Auflage des Bang Your Head!!!-Festivals zu feiern, was wir gemeinsam mit vielen von Euch sowie einem illustren Haufen Musiker aus aller Welt auf dem Balinger Messegelände auskosteten.

Einige Wochen vor diesem Event legte die Nachricht von Ronnie James Dios Tod einen dunklen Schatten über die Metal-Szene. Der Schock saß auch bei uns tief, schließlich hatte die Musikwelt eine ihrer großartigsten Figuren verloren - doch Trübsal zu blasen wäre ganz und gar nicht im Sinne des kleinen Mannes mit der großen Stimme gewesen. Die Erdkugel dreht sich weiter, und das einzige, was uns letztendlich übrigbleibt, ist das Andenken an ihn und sein Schaffen zu bewahren! Für BYH!!!-Veranstalter Horst E. Franz war es daher auch eine Selbstverständlichkeit, das diesjährige Event im Schwabenland nicht nur als eigenes Jubiläum, sondern eben auch als Tribut an den verstorbenen Sangesgott durchzuführen. An jede der am Festival beteiligten Bands wurde im Vorfeld der Veranstaltung die Bitte herangetragen, während ihres Sets einen Song von RAINBOW, BLACK SABBATH oder DIO zu spielen. Sehr viele Acts folgten dieser Aufforderung und halfen dadurch, den Geist von Ronnie während des verlängerten Wochenendes allgegenwärtig erscheinen zu lassen.

Stets zur Stelle war auch der Spaß an der Sache. Der fing sogar schon in den eigenen Reihen an: Unser "Kilometer-Schrubber" Stefan Glas, der Mann, den selbst seine Freundin kaum einmal ohne Kamera in der Hand zu Gesicht bekommt, überraschte mit einem mutigen Mullbinden-Outfit. An Arm und Bein verletzungsbedingt fast schon mumifiziert, mußte sich der Gute des öfteren die Frage gefallen lassen, ob er für den Eddie-Part in einer Neuauflage der 'Powerslave'-Tour von IRON MAIDEN probe. Wer den Schaden hat...

Viel besser erging es auch Arno Hofmann nicht. Die erste Freude über ein T-Shirt der legendären Schweizer Band KILLERS, das er von SAINTSBLEED-Frontmann Sasch Menschl überreicht bekommen hatte, war nämlich nur von kurzer Dauer. Direkt beim ersten Ãoberstreifen des Leibchens erkannte unser Post-Beauftragter, daß entweder er zu breit gebaut oder der Fummel zu eng geschnitten war. Stahlhart wie Arno aber nun einmal ist, quälte er sich dennoch in das Stück Stoff und beschwerte sich in der Folgezeit permanent darüber, daß ihm dank des reibenden Textil-Fetzens ständig die Nippel eregierten. Den gutgemeinten Ratschlag von Underground Power Distribution-Betreiber Helmut Müller, er solle sich doch eine Unterhose aus dem Shirt schneidern, ignorierte Herr Hofmann jedoch geflissentlich - dem Mann kann man es nicht recht machen!

Da waren die Schweden-Happen ENFORCER schon pflegeleichter. Nach verrichteter Arbeit am Freitagvormittag ließen die Burschen Fünfe gerade sein und schütteten sich gepflegt einen hinter die Binde. Dieses Spielchen nahm jedoch dermaßen krasse Züge an, daß die Herren Musikanten zur vorgerückten Stunde ins Hotel gekarrt wurden, dort aus Angst, das nächtliche Shuttle zum Flughafen zu verpassen, jedoch nicht in den für sie angemieteten Behausungen ins Schlafgemach krochen, sondern auf ihren Koffern vor (!) der Herberge schliefen. Welch ein göttliches Szenario - fünf stockbesoffene Skandinavier zusammengekauert auf ihrem Gepäck!

Apropos Shuttle: Eine andere, hier namentlich besser nicht genannte Band, hatte den eigenen Hormonhaushalt wenig bis gar nicht im Griff. Während der Rückfahrt zum Hotel verdingte sich einer der Mucker nämlich mit einer kurzerhand auserwählten weiblichen Begleiterin. Allerdings muß der gute Mann alles andere als der Renner gewesen sein, denn noch während des zwischenmenschlichen Flüssigkeitsaustauschs fragte die beglückte Dame die Fahrerin des Shuttle-Vehikels. in welcher Stadt man sich denn gerade befände - herrje, Sachen gibt's...

Da drückte ROXXCALIBUR- und SAVAGE GRACE-Fellgerber Neudi ein ganz anderer Schuh. Der stets für einen dummen Spruch aufgelegte Spaßvogel schnappte sich während der Autogrammstunde flugs das Mikrofon und verwandelte das Zelt in einen Supermarkt: "Liebe Kunden - in unserer Frischwurstabteilung jetzt wieder im Sonderangebot: 100 Gramm Salami für 1,29 Euro!" Ã"h, ja...

Der Preis für die weiteste Anreise ging in diesem Jahr hingegen an einen jungen Mann, der Bandbetreuer Georg Loegler bei der LOUDNESS-Signing-Session auffiel. Mit geschätzten 50 CD-Booklets seiner Helden unterm Arm bahnte sich der extra aus Mexiko nach Balingen gejettete Bursche den Weg hin zu den Musikern und ließ sich auch von den Interventionen des japanischen Bandbegleiters nicht aus der Ruhe bringen. Durch den wimmernden Verweis auf seine Herkunft ließ sich letztendlich sogar LOUDNESS-Klampfer Akira Takasaki erweichen, irgendwelche dubiosen Schwarzpressungen zu unterschreiben. Aber der Saitenquäler ist ohnehin Kummer gewohnt: Um dem Stöckchenschwinger seiner Band das Arbeiten so angenehm wie nur irgend möglich zu gestalten, ließ Takasaki extra einen speziellen Drumhocker per Fedex aus Japan einfliegen. Alles für den gesunden Rücken!

Auf derartige Aspekte legte unser Leithammel Jagger spätestens am Samstagabend keinen besonderen Wert mehr. Nachdem er den etatmäßigen Heavy-Layouter Stefan Hanus drei Tage zur Essensmärkchenausgabe verdonnert und sich bestenfalls in Anwesenheit von Thomas Michel ("Dem Mann mit dem absoluten Durchblick") gesittet benommen hatte, ging unser Chefredakteur zum Festival-Ausklang richtig steil. Angesteckt von der Feierlaune im DESTRUCTION-Dressing-Room, wo Schmier und Co. mit diversen musizierenden Kollegen eine ausufernde Party initiierten, krempelte Jaggermeister mit seinem alten Kumpel, dem THE HAUNTED-Gitarristen Jensen, das Messegelände um, und hatte letztendlich mehr als ein Lämpchen am Glühen - so soll's zum Abschluß sein!

Nun, der Kater ist mittlerweile verdaut, die Erinnerung größtenteils zurückgekehrt und die Vorfreude aufs nächste Jahr schon wieder entfacht! Vom 14. bis zum 16. Juli 2011 wird es nämlich wieder heißen: "Leinen los und volle Kraft voraus!" Wir sehen uns in Balingen...

Warm-up-Show Donnerstag, 15. Juli 2010

Ort der Warm-Up-Show: 

Messehalle Balingen

Billing Warm-Up-Show: 

SAXON
DEMON
BLITZKRIEG
ROXXCALIBUR

ROXXCALIBUR
Der Donnerstagabend, sprich die Warm-up-Show fürs Bang Your Head!!! stand diesmal unter dem Motto NWoBHM. Eröffnet wurde der Abend mit ROXXCALIBUR, die sich live inzwischen einen exzellenten Namen erspielt haben und alles andere als eine Coverband darstellen. Die Jungs um Drummer Neudi nutzten dann auch ihre 50 Minuten Spielzeit bestens aus und boten ein First Class-Set mit hervorragenden Interpretationen diverser NWoBHM-Klassiker. Man merkt den Jungs einfach den Spaß an der Sache an, und so kamen Klassiker wie 'Lady Of Mars' (DARK STAR), 'Emergency' (GIRLSCHOOL) oder 'If I Were King' (VARDIS) mit einer Inbrunst, die man bei vielen anderen Bands vermißt. Als Tribut für Ronnie James Dio intonierte man schön fett 'Neon Knights'! Hier wurde einmal mehr großes NWoBHM-Kino geboten, und ich persönlich hoffe nur, daß ROXXCALIBUR der Szene noch lange erhalten bleiben. Denn mal ehrlich, wie viele Bands sind in der Lage, so originell und überzeugend diese alten Klassiker zu interpretieren? Genau der richtige Auftakt für diesen tollen Abend bei dem viele richtig Spaß hatten.
Jürgen Tschamler

BLITZKRIEG
Bei BLITZKRIEG ist es immer so eine Sache, denn bei ihnen ist es von der Tagesform abhängig, wie gut oder schlecht eine Liveshow wird. An diesem Abend waren die Jungs um Fronter Brian Ross bester Laune vor dem Gig, und das schlug sich auch auf den Auftritt nieder. Ross ist live immer wieder beeindruckend. Mit welcher Coolness und Souveränität er da auf der Bühne steht, dieser große alte Mann des NWoBHM! Er und BLITZKRIEG waren und sind weiterhin ein wichtiger Bestandteil dieses Genres, und stimmlich ist er immer noch absolut auf der Höhe. Die Band an sich war sehr aktiv, und das übertrug sich auch auf die Zuschauer. Bei der Setlist hätte ich mir den einen oder anderen Klassiker aus ganz frühen Tagen mehr gewünscht, aber Brecher wie 'Pull The Trigger' oder der Ãoberklassiker schlechthin, 'Blitzkrieg', wurden zumindest gespielt. Auch gut angekommen ist 'The Mob Rules' als Tribute für DIO. Sehr gepflegt schlug auch 'Escape From The Village' ein. Die 50 Minuten waren im Falle BLITZKRIEG viel zu schnell vorüber.
Jürgen Tschamler

DEMON
Die zweite Station der diesjährigen DEMON-Sommer-Festival-Tournee brachte die Band um den charismatischen Sänger Dave Hill nach dem Keep It True und vor dem Headbangers Open Air nach Balingen zum Bang Your Head!!!. Mit dem Doppelknaller 'Night Of The Demon' und 'Into The Nightmare' erwischten die Briten einen perfekten Start in ihr Set. Das folgende 'Blue Skies In Red Square' wurde mit 'Commercial Dynamite' versetzt. ehe man es mit 'Blackheath' ein bißchen ruhiger angehen ließ. Das unverwüstliche 'Sign Of A Madman' wurde gefolgt von 'Liar', das mir live nicht so überragend gefällt. Natürlich ist es kein schlechter Song, aber ich würde mir wünschen, daß die Band ihr Programm mal etwas neu strukturiert und fetzigeres Material präsentiert. Warum nicht mal 'England's Glory', 'Have We Been Here Before?' oder 'Taking The World By Storm'? Aber stattdessen nahm die Band mit der Ballade 'Remembrance Day' und dem auch eher getragenen 'Life On The Wire' noch mehr Tempo raus. Der einzige neuere Track (nach 1990) war das sehr gute 'Standing On The Edge' (vom immer noch aktuellen Album 'Better The Devil You Know' - 2005), und über die DEMON-Hymne 'Don't Break The Circle' brauchen wir wohl nicht zu sprechen. Das insgesamt gute Set, das mittig leider etwas durchhing, beendete die Band standesgemäß mit der Verneigung vor Ronnie James Dio in Form von RAINBOWs 'Starstruck', was ihnen sehr gut zu Gesicht stand.
Martin Brandt

SAXON
Im Gegensatz zu ihren amerikanischen Kollegen von QUEENSRYCHE, die sich am Samstag mit ihrer kruden Setlist noch genügend blamieren sollten, scheinen SAXON genau zu wissen, was man als (Warm-up-Show-)Headliner eines großen Sommerfestivals zu spielen hat: Einen Hit nach dem anderen! Hey Biff, kannst du das nicht mal dem Herrn Tate verklickern? Und so tackerten die in allen Ehren ergrauten Engländer dann auch Klassiker auf Klassiker raus, was zur Folge hatte, daß die Fans kaum zum Luft holen kamen. Dem formidablen Opener 'Heavy Metal Thunder' folgten 'Dogs Of War', 'To Hell And Back Again', 'Live To Rock', das immer intensive 'Dallas 1 PM', 'Motorcycle Man' und mein absoluter Favorit 'And The Bands Played On'. Während andere Combos bei so einer Fülle von Klassikern ihr Pulver schon verschossen hätten, war bei SAXON gerade mal Halbzeit, und so wurde mit 'Strong Arm Of The Law', 'The Eagle Has Landed', '20.000 Ft', sowie '747 (Strangers In The Night)' zünftig nachgelegt. Es bestand an diesem Abend kein Zweifel, daß nur SAXON allein der würdige Headliner der New Wave Of British Heavy Metal-Nacht waren. Bei subtropischen Temperaturen lockten Biff, Nibbs und Co. mit 'Wheels Of Steel' und 'Princess Of The Night' noch mal die letzten Reserven aus dem Publikum und verschwanden dann erstmals hinter der Bühne. Aber es war ja klar, daß noch nicht Schluß war, denn 'Crusader' kommt später, Mann!", und es kam - und wie! Nach 'Solid Ball Of Rock' hatte ich mich eigentlich darauf eingestellt, auch von SAXON einen DIO-Tribute-Song zu hören, aber sie beließen es dabei, ihrem alten Weggefährten lediglich den eigenen Track 'Denim And Leather' zu widmen, was man entweder als Wermutstropfen eines perfekten Gigs werten kann oder eben nur als konsequent.
Martin Brandt

Festival-Freitag, 16. Juli 2010

Location Festival-Freitag Open Air: 

Messegelände Balingen

Billing Freitag Open Air: 

HAMMERFALL
KROKUS
DORO
JON OLIVA’S PAIN
ANVIL
LOUDNESS
SABATON
FORBIDDEN
GRAND MAGUS
ENFORCER
THE NEW BLACK

THE NEW BLACK
Die deutschen Aufsteiger von THE NEW BLACK läuteten das Bang Your Head!!! 2010 ein, bei dem die kommende Hitzeschlacht schon um 10 Uhr morgens zu erahnen war. Heiß schienen trotz der für echte Rocker grausamen Auftrittszeit auch die Mannen um Shouter Fludid zu sein, der mit lockeren Sprüchen die schnell anwachsende Menge unterhielt. Und wer erst mal neugierig geworden war, konnte sich Songs wie ‘Why I Burn’, ‘Welcome To Point Black’ oder ‘Everlasting’ sowieso nicht entziehen - schließlich groovt das Zeug auch live ohne Ende! Daß THE NEW BLACK nix von Standfußball halten, stellten Leimsen, Günt & Co. schnell unter Beweis und nutzten den Platz, den die Bühne bot, bestens aus - kein Wunder, schließlich ist die Band die großen Bretter dank ihrer Supportshows für AC/DC inzwischen gewohnt. Mit ‘The King I Was’ präsentierte die Band außerdem noch einen Vorgeschmack aufs zweite Album, an dem gerade gezimmert wird, und konnte auch in Balingen einige neue Interessenten für sich gewinnen. Well done!
Martin Römpp

ENFORCER
Es war eine Affenhitze, als die schwedischen Newcomer die Bühne entern. Das störte vor allem Bassist Tobias in keiner Weise, und so stolzierte er mit breitem Grinsen und dicker Pilotensonnenbrille auf der Bühne herum. Der einzig Leidtragende der Megahitze war Sänger Olof, der fast nur hohe Passagen zu bewältigen hatte, und diese setzten ihm nachhaltig zu. Man dachte jeden Moment, daß sein hochroter Kopf platzen könnte. Aber auch unter diesen harten Bedingungen lieferten die Schweden wieder mal ein hochdynamisches Set ab. Vor allem im Bereich Stageacting macht ihnen auch kein alter Hase mehr was vor. Die Band ist live ein absoluter Metal-Wirbelwind, und das recht zahlreich erschienene Publikum fraß ihr aus der Hand und machte kräftig mit. Da verzieh man auch die diversen Gesangsprobleme von Olof, die mit Sicherheit nur der Hitze geschuldet waren. Ich denke, ENFORCER haben in Balingen eine tolle Vorstellung geliefert und werden noch einige Stufen auf der Karriereleiter aufsteigen.
Oliver Weinsheimer

GRAND MAGUS
Nach der grandiosen Vorstellung von ENFORCER hatten es deren Landsleute GRAND MAGUS merklich schwerer. Zwar hat die Band, die in der letzten Heavy-Ausgabe völlig zu Recht die Pole Position des Soundchecks für sich beanspruchte, erstklassiges Material in Hülle und Fülle am Start, aber die Trio-Besetzung schränkt eben doch sehr ein. Konnten ENFORCER die Bühne mit wilder Präsenz füllen, so waren Frontmann JB und seine beiden Mitstreiter dazu verdonnert, ihre Kompositionen für sich sprechen zu lassen. Keine Frage, Songs wie ‘Like The Oar Strikes The Water’, ‘At Midnight They’ll Get Wise’, ‘Hammer Of The North’ oder ‘Iron Will’ funktionieren auch im gleißenden Sonnenlicht, aber so richtig zur Entfaltung kommen die Schweden erst in Club-Atmosphäre. Schade zudem, daß gerade GRAND MAGUS sich nicht dazu durchringen konnten, einen DIO-Track zum besten zu geben - die Verbundenheit mit dem verstorbenen Sangesgott liegt hier doch überdeutlich auf der Hand...
Peter Engelking

FORBIDDEN
Gerade mal zwei Jahre ist es her, seit die Bay Area-Legende ihr Comeback bei der BYH!!!-Clubshow gefeiert hat, und nun steht für dieses Jahr tatsächlich ein neues FORBIDDEN-Album an. Recht so, und man konnte gespannt sein, ob bei ihrem Auftritt in der brütenden Mittagshitze tatsächlich schon ein neuer Song zum Zug kommen würde. Und ja, man bekam einen neuen Song namens ‘Adapt Or Die’ serviert, welcher dann zwar versemmelt wurde und neu begonnen werden mußte, aber letztlich kann man ihn auch auf der Myspace-Seite der Jungs schon anchecken. Die kleinen Macken beim neuen Song fielen aber nicht wirklich ins Gewicht, denn ansonsten gab’s einen Klassiker nach dem anderen auf die Lauscher, und dabei zeigten sich die Herren Anderson, Locicero, Smyth, Camacho und Hernandez von ihrer besten Seite. Das ‘Twisted Into Form’-Einstiegs-Triple ‘Infinite’, ‘R.I.P.’ und ‘Step By Step’ war furios, das folgende ‘Through The Eyes Of Glass’ gar fast schon magisch. Und am Ende brillierten die California-Thrasher zunächst mit dem mehr als genialen und intensiven BLACK SABBATH-Cover ‘Children Of The Sea’ (Gänsehaut-Alarm!!!) und entließen die begeisterten Fans schließlich mit dem messerscharfen ‘Chalice Of Blood’ in den restlichen Schwitz-Mittag.
Hage

SABATON
Die schwedischen Power Metaller SABATON polarisieren wie kaum eine andere Band der Szene. Warum? Ich habe keine Ahnung. Fakt ist, daß der Erfolg den Jungs recht gibt: Das aktuelle Langeisen ‘Coat Of Arms’ stieg auf Platz 19 (!) in die deutschen Charts ein. Mit ‘Ghost Division’ enterte das Sextett in identischen Tarnhosen die Bühne, um seine historischen, keyboardverstärkten Kriegshymnen in der frühen Nachmittagssonne darzubieten. Der Fokus lag dabei erwartungsgemäß auf Songs von ‘Coat Of Arms’ und dem Vorgänger ‘The Art Of War’. Egal, ob ‘Saboteurs’, ‘Screaming Eagles’ oder ‘The Price Of A Mile’: Die Band bot eine kompetente Performance, die man sich durchaus gefallen lassen konnte. Warum Frontmann Joakim Brodén seine Truppe zweimal als “homosexuell” bezeichnete und das offensichtlich für einen gelungenen Witz hielt, will sich mir hingegen nicht erschließen. Auf das in diesem Zusammenhang angekündigte VILLAGE PEOPLE-Lied ‘YMCA’ verzichtete man aber doch - genauso wie auf das beim diesjährigen Festival obligatorische DIO-Cover, weil man sich dieser Aufgabe nicht gewachsen fühlte. Das ist konsequent und verdient Respekt. Stattdessen widmeten SABATON dem Verblichenen ihr Stück ‘Cliffs Of Galipoli’.
Alex Kolbe

LOUDNESS
Als LOUDNESS-Fan hat man’s nicht leicht! Nur einmal waren die japanischen Metalgötter seit den Achtzigern in unseren Breitengraden zu sehen (Earthshaker 2005) (Nö, auf dem Dynamo 1999 haben sie auch gespielt - Jagger), und das mit einer recht durchwachsenen Setlist. Wie man’s besser macht, bewies der Vierer nun in Balingen und lieferte eine grandiose Show, die bei alten Verehrern für Freudentränen sorgte! Schon der “verrückte” Doppelschlag aus ‘Crazy Nights’ und ‘Crazy Doctor’ knallte perfekt aus der PA, und auch wenn sich optisch einiges seit 1986 getan hat und statt tonnenweise Haarspray eher Hüte und Kappen eingesetzt wurden, gab es eine musikalische Zeitreise par Excellenze. Neuzugang Masayuki Suzuki, der den Platz hinterm Schlagzeug vom 2008 an Krebs verstorbenen Munetaka Higuchi geerbt hat, machte gemeinsam mit Bassist Masayoshi Yamashita seinem Vorgänger alle Ehre, und auch an Minoru Niiharas Stimme schienen die Jahrzehnte spurlos vorübergegangen zu sein. Egal ob ‘Esper’, ‘Heavy Chains’ oder ‘In The Mirror’ - hier stimmte einfach alles und wurde gekrönt vom überragenden Gitarrenspiel von Akira Takasaki, dessen druckvoller Sound jeden anderen Klampfer des Festivals vom Acker blies! ‘Let It Go’, ‘S.D.I.’ und die Bandhymne ‘Loudness’ beendeten eine fantastische Show, die nur noch von den darauffolgenden Clubshows getoppt werden konnte.
Martin Römpp

ANVIL
Nachdem ANVIL sehr müde von einer langen Reise und Tour angekommen waren, mußte man sich schon Gedanken um eine druckvolle Show des kanadischen Urgesteins machen. Aber sobald Lips und Co. die Bühne betraten, war davon nichts mehr zu sehen. Die Bühne ist einfach das Lebenselixier der Band, und das kam auch zu jeder Sekunde so rüber. Angefangen vom kultigen Instrumental ‘March Of The Crabs’ bis hin zum Rausschmeißer ‘Metal On Metal’ war das wieder mal eine Lehrstunde in leidenschaftlichem Heavy Metal, wie man ihn heutzutage nur noch selten findet. Endlich war auch wieder Lips legendärer Dildo an Bord, und der stetig grinsende Bandchef machte auch fleißig Gebrauch davon. Einziges Manko an einer wie immer überzeugenden Show war, daß die Band sich vielleicht mal ein paar Gedanken zur Setlist machen sollte, denn diese ist schon seit Jahren immer sehr ähnlich, und einige Gottsongs, vor allem von ‘Forged In Fire’ bleiben immer außen vor. Ansonsten gibt es nichts zu maulen, ANVIL kann man eigentlich immer buchen...
Oliver Weinsheimer

JON OLIVA’S PAIN
Nach der gelungenen, aber etwas farblosen ANVIL-Show war die Neugierde auf Jon Oliva und seine Mannschaft einmal mehr sehr groß. Schon der Opener ‘Lies’ machte schnell deutlich, daß die Band sehr spielfreudig drauf war und dem Publikum eine gute Show bieten wollte. Der Mountain King selbst war überaus gutgelaunt, trotz seiner Körpermasse erstaunlich agil und sang so gut wie schon lange nicht mehr. Das fehlende Charisma seiner Mitstreiter - es sind eben doch nicht SAVATAGE! - machte Jon Oliva spielerisch durch seine Präsenz wett und führte charmant und mit einem ständigen Augenzwinkern durch das mit Hits gespickte Programm. Die PAIN-Nummer ‘Death Rides A Black Horse’ fügte sich dabei nahtlos zwischen Klassikern wie ‘Sirens’, ‘The Dungeons Are Calling’ und ‘Gutter Ballet’ ein, wobei auch gerade das im Original von Zak Stevens gesungene ‘Edge Of Thorns’ ein echtes Highlight darstellte und für erste Gänsehaut sorgte. Apropos Gänsehaut: Als Jon Oliva hinter seinem Piano Platz nahm und in Gedenken an Ronnie James Dio die ‘Streets’-Ballade ‘Believe’ intonierte, hatte sicherlich so mancher Festivalbesucher eine Träne im Augenwinkel. Das darauffolgende ‘Festival’ vom gleichnamigen aktuellen JON OLIVA’S PAIN-Album brachte dann wieder Schwung in die Massen, ehe die Band mit ‘Rainbow In The Dark’ den nahezu obligatorischen DIO-Coversong abfeuerte. Es ist erstaunlich, wie gut diese Nummer zum Stil der Band und zu Jon Olivas Stimme paßt. Das abschließende ‘Hall Of The Mountain King’ machte dann keine Gefangenen mehr und bewies, daß Jon Oliva noch immer in der Lage ist, jedes Festival zu rocken.
Martin Kosbab-Zillmann

DORO
Doro Pesch muß man einfach lieb haben, darin waren sich mal wieder nahezu alle Fans beim Bang Your Head!!!-Festival einig. Als die zierliche Düsseldorferin mit der Anhänger-Liebkosung ‘You’re My Family’ loslegte, füllte sich der Platz vor der Bühne jedenfalls merklich, und alle Anwesenden waren bereit, den nächsten Schritt auf der Party-Leiter zu erklimmen. Den Soundtrack dazu bekamen die Feierwilligen von DORO geliefert - ‘I Rule The Ruins’, ‘Earthshaker Rock’, ‘Burning The Witches’, ‘Für immer’, ‘Always Live To Win’, ‘Burn It Up’; alles war am Start, und alles war wie immer! Aber genau da liegt auch der Knackpunkt der Geschichte! DORO befinden sich mittlerweile in einer Zwickmühle, der es dringend zu entkommen gilt. Das Dargebotene hat sich über die Jahre hinweg zu einem Standard entwickelt, zu einer Routine, die keinerlei Überraschungen mehr bietet und die langsam aber sicher anfängt schal zu schmecken. Frau Pesch und ihre Musikanten-Schar sind mit Herzblut bei der Sache, das soll hier nicht bezweifelt werden, aber bei der momentanen Präsenz der Band, sollte die Setlist des öfteren einmal kräftig durchgeschüttelt werden, ansonsten droht der Langeweile-Kollaps. Anyway, der bierseligen Laune in Balingen tat dieser Aspekt keinen Abbruch, so daß auch das abschließende ‘All We Are’ erneut frenetisch vom Mob bejubelt und gesanglich unterstützt wurde.
Peter Engelking

KROKUS
Bereits vor zehn beziehungsweise fünf Jahren gehörten die Eidgenossen KROKUS zu den großen Abräumern des Bang Your Head!!!-Festivals. Doch diesmal sollte das Ganze noch besser werden, schließlich suchte die Band das Schwabenland in der klassischen Besetzung Marc Storace (v), Fernando von Arb (g), Chris von Rohr (b), Mark Kohler (b) und Freddy Steady (d) heim. Und die großen Erwartungen, die viele Fans in KROKUS setzten, wurden keinesfalls enttäuscht! Im Gegenteil: Mit den ersten Klängen von ‘Long Stick Goes Boom’ war klar, daß es sich bei der Reunion nicht um einen Zusammenschluß von Vorruheständlern handelt, die noch ein paar Euro einstreichen wollen, sondern um gestandene Mucker, die noch immer heiß auf das sind, was sie tun. Während der folgenden 75 Minuten marschierten KROKUS demnach erfreulich häufig durch die tiefen dunklen Gänge der Vergangenheit, förderten Klassiker wie ‘Easy Rocker’, ‘Fire’, ‘Screaming In The Night’, ‘Tokyo Nights’, ‘Heatstrokes’ oder ‘Bedside Radio’ zu Tage und punkteten damit auf ganzer Linie. Aber auch die Songs vom aktuellen Album ‘Hoodoo’ (‘Rock ‘n’ Roll Handshake’, ‘Hoodoo Woman’) fügten sich nahtlos in das erstklassige Set ein, so daß viele Fans in den Schweizern eines der absoluten Festival-Highlights in diesem Jahr sahen. Einen Kritikpunkt müssen sich Storace und Co. allerdings gefallen lassen: Schon auf dem letzten Studioalbum war die gefühlte 735. Coverversion von ‘Born To Be Wild’ überflüssig. Das Ding aber auch als Rausschmeißer bei eigenen Gigs zu verwursten ist ganz und gar daneben, selbst wenn die Nummer - wie in Balingen geschehen - mit ‘Long Live Rock ‘n’ Roll’-Parts aufgepeppt wird.
Peter Engelking

HAMMERFALL
Genau wie das Bang Your Head!!! sind auch HAMMERFALL seit ihrem ersten Auftritt bei uns im Jahre 1997 deutlich gewachsen, und so durften die Schweden bei ihrem fünften Engagement endlich den Headliner geben. Diesen Status haben sich die Mannen um Joacim Cans und Oscar Dronjak in den letzten Jahren durch starke Veröffentlichungen und erfolgreiche Tourneen hart erarbeitet, und in Balingen wollte man eine ganz besondere Show bieten. Leider bot die Setlist zu diesem Zweck recht wenig Überraschungen, und auch auf den verstärkten Einsatz ganz alter Nummern wartete man vergebens. Nach dem Opener ‘Punish And Enslave’ schwebte zwar gleich ‘The Dragon Lies Bleeding’ ein, doch mehr gab’s vom Debütalbum nicht zu hören. Dafür wurde aber immerhin ‘Legacy Of Kings’ durch ‘Heeding The Call’, ‘Stronger Than All’ und ‘Let The Hammer Fall’ würdig vertreten! Ansonsten gab’s einen gelungenen Querschnitt durch das Schaffen der Göteborger, die mit ‘Crimson Thunder’, ‘Hallowed Be My Name’, ‘Renegade’, ‘Last Man Standing’, ‘Blood Bound’ oder ‘Riders Of The Storm’ weiß Gott genügend Kracher in der Hinterhand hatten, um die Fans in Balingen zum Jubeln zu bringen. Mit ihren Neuzugängen Fredrik Larsson und Pontus Norgren haben sich HAMMERFALL optimal verstärkt, die Band kam als absolute Einheit rüber und hatte neben einstudierten Posen auch sonst viel Action zu bieten. Und ein echtes Schmankerl gab’s in Balingen doch noch, als beim RAINBOW-Cover ‘Man On The Silver Mountain’ Original-Shouter Mikael Stanne auf die Bühne kam, um gemeinsam mit Joacim dem Godfather of Metal Tribut zu zollen. Und während sich der DARK TRANQUILLITY-Frontmann schnell in die nebenan gelegene Halle verzog, um mit seiner Band den Abend zu beschließen, beendeten HAMMERFALL mit dem abgefeierten ‘Hearts On Fire’ das Spektakel auf der Open-Air-Bühne...
Martin Römpp

Location Festival-Freitag Halle: 

Messehalle Balingen

Billing Freitag Halle: 

DARK TRANQUILLITY
ARTILLERY
DARKANE

Festival-Freitag - Hallenprogramm: 

DARKANE
Man durfte gespannt sein, wie viele Leute das Alternativprogramm in der Halle neben dem Open Air-Gelände anziehen würde. Schlauerweise wurden ausschließlich Thrash Metal-Bands für das Programm gebucht, und die Bands spielten zumindest einen Teil ihres Sets immer, während auf der Hauptbühne eh Pause war. Entsprechend groß die Ernüchterung, als sich meine Wenigkeit zum eröffnenden Act - den schwedischen Techno-Thrashern von DARKANE - einfand. Ganze 300 Nasen verliefen sich in der Halle. Mehr wurden es auch im Laufe des Gigs nicht, einige gingen, andere kamen hinzu, aber wirklich enthusiastisch waren allenfalls zwei Handvoll Besucher direkt am Absperrgitter. Sicher - DARKANE sind keine allzu große Nummer, und die Jungs aus Helsingborg waren in den letzten Jahren ziemlich weg vom Fenster - etwas mehr Resonanz hätte man aber schon erwarten dürfen. Laufkundschaft werden sie mit ihrem technischen Sound kaum dazu gewonnen haben. DARKANE-Songs muß man vorher kennen, um sie live mögen zu können. Zumal auch die Soundqualität eher durchschnittlich war und der wilde, vermatschte Sound viele Fragezeichen setzte. Unterm Strich ein eher unglücklicher Auftakt in die Alternativsause, doch es sollte besser werden.
Andreas Reissnauer

ARTILLERY
Zwar hat der “neue” ARTILLERY-Frontmann Sören Nico Adamsen (Ex-CRYSTAL EYES) nicht die charismatische Stimme seines Vorgängers Flemming Ronsdorf, mit dem die Band schließlich auch die wirklichen Klassiker wie ‘Fear Of Tomorrow’, ‘Terror Squad’ und ‘By Inheritance’ eingespielt hatte (meiner unmaßgeblichen, aber von mir gerne publizierten Meinung nach ist letzteres eins der besten Euro-Thrash-Alben aller Zeiten), trotzdem gefällt mir das aktuelle Album ‘When Death Comes’ nach wie vor sehr gut, aber wie schon beim Rock Hard Festival vor ein paar Wochen kickte mich der Gig der Dänen nicht so wie erhofft. Zwar schien die Band etwas bemühter als noch in Gelsenkirchen, aber vielleicht ist es doch Sörens melodischere Stimme, die die Tracks die für Thrash nötige Schärfe nimmt, daß der Mann es offensichtlich für kleidsam hielt, mit einem Stahlhelm auf der Bühne herumzuspringen, fand ich noch dazu eher peinlich. Das Publikum in der trotz Hitze gutgefüllten Halle war aber offensichtlich weniger kritisch oder auch einfach nur mehr alkoholisiert als ich und feierte ARTILLERY insbesondere bei den Klassikern wie ‘By Inheritance’, ‘Terror Squad’ und ‘Khomaniac’ ganz gut ab.
Martin Brandt

DARK TRANQUILLITY
Der erste Hallenheadliner des diesjährigen Bang Your Head!! waren die Schweden DARK TRANQUILLITY, die gerade erst mit ‘We Are The Void’ ein überzeugendes neues Werk in die Läden gestellt haben. Im Anschluß an den starken HAMMERFALL-Gig pilgerten nun also zahlreiche Fans zu der Göteborg-Combo, nachdem deren Sänger Miakel Stanne eben noch gemeinsam mit Joacim Cans RAINBOWs ‘Man On The Silver Mountain’ im Duett vorgetragen hatte. DARK TRANQUILLITY stiegen dann vor einer stattlichen Kulisse mit ‘At The Point Of Ignition’ dynamisch ein und hatten das zunächst etwas reservierte und erschöpfte Publikum schnell im Griff. Schon beim nachfolgenden ‘The Fatalist’, dem Highlight des aktuellen Albums, wurde jedoch deutlich, wie populär DARK TRANQUILLITY auch bei einem gemäßigterem Metal-Publikum sind, so daß sich die Skandinavier über viele strahlende Gesichter und bangende Köpfe freuen durften. Begeleitet wurde die gesamte DARK TRANQUILLITY-Show durch gelungene Videoeinspielungen, die nicht nur die Songs optisch untermalten, sondern einen echten Blickfang darstellten, der zu Glück nicht vom Wesentlichen - der Band selbst - ablenkte. Der Sound war wie auf dem gesamten Festival einmal mehr glasklar, weshalb sich die Fans abschließend ganz besonders über ‘The Grandest Accusation’ und ‘Treminus (Where Death Is Most Alive)’ vom aktuellen Album bzw. ‘Fiction’ freuen durften. Ein einziger Wermutstropfen bleibt trotzdem: Zu wenige Songs von den frühen Klassikern ‘Skydancer’, ‘The Gallery’ und ‘The Mind’s I’!
Martin Kosbab-Zillmann

Festival-Samstag, 17. Juli 2010

Messegelände Balingen

Billing Samstag Open Air: 

TWISTED SISTER
QUEENSRYCHE
NEVERMORE
THE QUIREBOYS
FATES WARNING
TREAT
HADES
SACRED STEEL
BULLET
SAVAGE GRACE
TOXIN

TOXIN
TOXIN aus New York kannte ich vor dem Festival nicht, und die deutschen Thrasher TOXIN waren es auch nicht, also mußte man die Band vor Ort auschecken. Der Opener bot noch leicht modernen Hardrock im SKID ROW-Stil, aber dann flachte die Performance leider stark ab und driftete noch in modernere Gefilde. Die Musiker waren wie AGE OF EVIL gefühlt alle weit unter 20 Jahre alt und machten technisch ihre Sache sehr gut. Dennoch wirkte die Band vor extrem wenigen Zuschauern etwas deplaziert, und mir stellte sich die Frage, warum man aus dem Fundus von so vielen coolen Newcomern gerade diese als Opener für den Samstag gewählt hat. Ob dieser Auftritt TOXIN etwas gebracht hat sei mal dahingestellt, bei einer Supportshow in einem Club wären vielleicht mehr Anwesende vor der Bühne gestanden.
Oliver Weinsheimer

SAVAGE GRACE
Nach der erfolgreichen Tour im Frühling machte die Band um Leader Chris Logue noch einen Abstecher nach Balingen. Und dieser hatte sich auch zu 100 Prozent gelohnt. Mit viel Spielfreude begannen SAVAGE GRACE, deren Instrumentalisten von ROXXCALIBUR stammen, das Set mit ‘Bound To Be Free’, welches gleich aus vielen Kehlen mitgesungen wurde. Die Stimme von Chris blieb leider den gesamten Gig über etwas rauh, aber er meisterte die meisten Passagen doch sehr gut, auch wenn er sich bei den Songs der zweiten Scheibe ‘After The Fall From Grace’ deutlich wohler fühlte. Am meisten wurden natürlich die Klassiker von ‘Master Of Disguise’ mit ‘Into The Fire’, ‘Sins Of The Damned’ und dem Titelsong abgefeiert. Aber auch das Titelstück der EP ‘The Dominatress’ kam dank langem Mitsingpart sehr gut beim Balinger Publikum an. Abgeschlossen wurde der Gig mit einer Ronnie James Dio gewidmeten Coverversion von PRIESTs ‘Exciter’. Die Band wollte ja auch einen alten BLACK SABBATH-Song spielen, aber leider wollte dies eine größere Band, die den selben Song eingeprobt hatte, nicht, und so mußten SAVAGE GRACE auf dieses Cover ausweichen.
Oliver Weinsheimer

BULLET
Die Schweden BULLET sind schon lange kein Geheimtip mehr, sondern gelten mit ihrem AC/DC-meets-ACCEPT-Sound als eine der größten Heavy Rock-Hoffnungen überhaupt. Deshalb war es auch nicht verwunderlich, daß die diesmal ohne ihren Bus angereisten Jungs um Sänger Hell Hofer die Bühne in Balingen innerhalb weniger Augenblicken in Brand setzten. Schon der geniale Opener ‘Pay The Price’ machte deutlich, daß der BULLET-Gig ein einziger Triumphzug werden sollte. Das kurz und schmerzlos nachgeschossene DIO-Cover ‘Stand Up And Shout’ (es tat auch mal gut, einen Tribut ohne übertriebenes Pathos zu hören!) brachte das Publikum gehörig in Wallung und die Band auf Betriebstemperatur, so daß Band und Zuschauer bei ‘Dusk Til Dawn’ und ‘Turn It Up Loud’ endgültig steil gingen. Es war faszinierend zu sehen, wie voll es um 12 Uhr mittags schon vor der Bühne war, so daß man sich wünschen würde, BULLET endlich mal weiter oben im Billing eines Festivals zu sehen. So verwunderte es wenig, daß die Schweden noch zwei Zugaben spielen durften - darunter passenderweise ‘Bang Your Head’ - und ein restlos begeistertes Publikum zurückließen.
Martin Kosbab-Zillmann

SACRED STEEL
Wow, BULLET hatten gehörig vorgelegt, so daß Gerrit P. Mutz und seine SACRED STEEL-Schergen mächtig auf die Kacke hauen mußten, um das Stimmungs-Barometer nicht durchsacken zu lassen! Aber die schwäbischen Metal-Puristen, die in Balingen quasi Heimrecht hatten, schlugen sich mehr als tapfer. ‘Metal Is War’ lautete die Devise, die als Startschuß in das kurzweilige Set ausgegeben wurde, und der jeder Folge leistete, der auch nur im entferntesten etwas mit Echt-Stahl anfangen konnte. Authentisch und gut aufgelegt, führte Gerrit mit einer feinen Gesangsleistung sowie nicht minder feinen Ansagen (“Wer das nächste Stück nicht kennt oder nicht mag, kann ja zwischenzeitlich mal einen Döner essen gehen!”) durch ein Programm, das an Highlights nicht arm war. ‘Battle Angel’, ‘Heavy Metal To The End’, ‘Denial Of Judas (Heaven Betrayed)’ oder ‘Slaughter Prophecy’ zünden immer - so auch beim diesjährigen BYH!!!-Festival! Das in die eigenen Kompositionen eingebettete RAINBOW-Cover ‘Kill The King’ fiel ebenfalls nicht negativ aus dem Rahmen, so daß die Band nach dem finalen Rausschmeißer ‘Wargods Of Metal’ in zufriedene Gesichter vor der Bühne blicken konnte.
Peter Engelking

HADES
Shit happens! Da reformierten sich HADES extra fürs Keep It True-Festival, und mußten dann wegen Krankheit und einem isländischen Vulkan zu Hause in New Jersey bleiben. Damit die Burschen nicht umsonst geprobt hatten, luden wir sie nach Balingen ein - und diesmal blieb lediglich die Garderobe von Gitarrist Dan Lorenzo sowie ein Baß auf der Strecke, was der Show aber dank einer Leihgabe von ROXXCALIBUR keinen Abbruch tat. Im Gegenteil, die Truppe um Alan Tecchio fegte furios durch eine Sammlung alter Klassiker, brachte ‘The Leaders?’, ‘Widow’s Mite (Chapter Eleven)’ oder ‘Rebel Without A Brain’ erstklassig rüber und sorgte so dafür, daß trotz des pünktlich zu Showbeginn einsetzenden Regens eine Menge treuer Fans klatschnaß vor der Bühne bangte. Mit ‘Voodoo’ steuerten die durch Ex-NON-FICTION-Basser Kevin Bolembach unterstützen HADES ihren Teil zum Dio-Tribute bei, ehe man nach dem grandiosen ‘Opinionate!’ und den nicht minder geilen ‘On To Iliad’ und ‘Nightstalker’ die Bühne schon wieder räumen mußte. Verdammt starker Auftritt, meine Herren - es wäre eine Schande, wenn HADES nicht für weitere Clubshows noch einmal über den großen Teich fliegen würden, denn in dieser Form sind weitere glückliche Nostalgie-Abende garantiert...
Martin Römpp

TREAT
Es passiert mir äußerst selten, daß ich überhaupt nichts dagegen habe, daß eine Band bei einer Festivalperformance anstatt nur in den Hits der Achtziger zu schwelgen, vier Stücke vom aktuellen Album spielt. Aber als bekennender Fan des 2010er TREAT-Albums ‘Coupe De Grace’ war ich begeistert, Ober-Ohrwürmer wie ‘The War Is Over’, ‘Paper Tiger’, ‘We Own The Night’ und das unglaubliche ‘Skies Of Mongolia’ live erleben zu dürfen. Seit ich die Band das letzte Mal vor einigen Jahren beim Sweden Rock gesehen habe, sind die Jungs um Pudelfronter Robert Ernlund deutlich tighter geworden. Sie wirken viel eingespielter und souveräner. Na ja, wer will es ihnen verdenken, denn nicht nur das aktuelle Werk, sondern natürlich auch die Achtziger-Klassiker ‘Organized Crime’, ‘The Pleasure Principle’ und das Debüt ‘Scratch And Bite’ bieten formidables Material fürs Liveprogramm. So viel anscheinend, daß ‘Rev It Up’, ‘Party All Over’ und ‘Too Wild’ zu einem Medley zusammengezogen wurden. Leider machte das Wetter den Schweden ein wenig zu schaffen, aber mit Melodic-Hymnen wie ‘Sole Survivor’, ‘Get You On The Run’, ‘Conspiracy’ und ihrem größten Hit ‘World Of Promises’ brachten sie trotz des Regens zumindest Sonne in mein Herz.
Martin Brandt

FATES WARNING
Auch wenn die Alben der Arch-Phase beim Untergrund höher im Kurs stehen: Für mich besteht die ultimative FATES WARNING-Besetzung aus den Herren Alder, Matheos, Aresti, DiBiase und Zonder, denn exakt jenes Line-up hat mich schon auf der ersten Europatournee im Jahr 1989 zum Niederknien gebracht. Kein Wunder also, daß neben mir auch viele andere Fans trotz übelstem Pißwetter nicht von der Bühne wegzubewegen waren, als diese fünf Herren in Balingen eine der wenigen ‘Parallels’-Gedächtnisshows zelebrierten. Dumm nur, daß die eh schon knappe Spielzeit durch die deplaziert wirkenden Opener ‘One’ und ‘A Pleasant Shade Of Gray Part III’ weiter verkürzt wurde, ehe man sich den eigentlichen Heldentaten widmete. Und auch wenn der wieder überraschend langhaarige Ray Alder die hohen Töne meist komplett umschiffte, haben Meilensteine wie ‘Life In Still Water’, ‘The Eleventh Hour’ oder ‘Point Of View’ auch nach knapp 20 Jahren nichts von ihrer Magie verloren. Daß der sonst so Retro-scheue Jim Matheos mit ‘Through Different Eyes’ und ‘Nothing Left To Say’ zwei Klassiker der göttlichen ‘Perfect Symmetry’-Scheibe ins Programm genommen hatte, sorgte für weitere Jubelstürme, ehe die viel zu kurze Show durch ‘Monument’ beendet wurde. Bleibt die Hoffnung, daß FATES WARNING in dieser Besetzung weitermachen, denn wie wichtig Jims Sidekick Frank Aresti für die Band war und ist, wurde auch in Balingen überdeutlich...
Martin Römpp

THE QUIREBOYS
Die modernen Nachfahren der ROLLING STONES und der FACES rutschten im Vorfeld als Ersatz für die abgesprungenen RATT ins Billing. Und auch wenn die Absage der L.A.-Veteranen bedauerlich ist (erst recht, weil ihr Comebackalbum ‘Infestation’ schon jetzt als eine der besten Platten des Jahres feststeht), so muß man den QUIREBOYS attestieren, ein durchaus würdiger Ersatz gewesen zu sein. Die Stimmung im Publikum war denn auch von Anfang an prächtig, was ein wenig erstaunte, denn viele der Anwesenden dürften lediglich mit den Hits des 1990er Debüts ‘A Bit Of What You Fancy’ vertraut gewesen sein. Danach sank der Popularitätsstern der Kapelle relativ fix wieder. Das hielt die Briten nicht davon ab, nach einem Klaviergetacker-Intro eine ausgewogene Setlist aufzufahren, die Songs von allen Alben und nicht nur frühe Klassiker wie ‘7 O’Clock’, ‘Man On The Loose’ oder ‘There She Goes Again’ berücksichtigte. Auch vom letzten Studioalbum ‘Homewreckers & Heartbreakers’ gab es mit dem ihrer Heimatstadt Newcastle gewidmeten ‘I Love This Dirty Town’ ein Schmankerl zu hören. Lediglich das RAINBOW-Cover ‘Starstruck’ fiel ab, weil es zu den Mannen um Front-Charismatiker Spike schlicht und ergreifend nicht paßte. Apropos Spike: Der macht seinem Ruf als Schluckspecht alle Ehre und kam mit Rotwein und bereits ordentlich Standgas auf die Bühne - seine Augen sprachen Bände. Das Stageacting samt Mikroständer-Akrobatik und der Gesang saßen trotzdem. Gelernt ist halt gelernt...
Alex Kolbe

NEVERMORE
Der erste Platz für bescheuerte Bühnenoutfits gebührte NEVERMORE-Sänger Warrel Dane - wenngleich ihn Geoff Tate nur wenig später übertreffen sollte. Obwohl stimmlich angeschlagen, hatten Warrel und seine Mannen das Publikum bereits mit ‘Beyond Within’ fest im Griff. Beim anschließenden ‘The River Dragon Has Come’ demolierte Van Williams eines seiner Hi-Hats, so daß es nach kurzer Unterbrechung mit ‘Termination Proclamation’ und ‘Born’ weitergehen konnte. Die stetig wachsende Fangemeinde reckte die Fäuste und sang lautstark mit. Warrel Dane schonte sich nicht, animierte, tanzte und quälte sich durch den einen oder anderen Song, weshalb man die Kracher ‘Emptiness Unobstructed’ und ‘Narcosynthesis’ auf der BYH!!!-Setlist vergeblich suchte. Doch ‘The Heart Collector’ und ‘Your Poison Throne’ machten die Scharte wett. Souverän boten die Herren Williams, Sheppard und Loomis, verstärkt durch Neuzugang Attila Voros eine Metal-Wand, die ihresgleichen suchte. Im Vorfeld hatte Jeff Loomis den Jungspund aufs höchste gelobt und damit untertrieben. Nicht nur rhythmisch, auch bei den Soli von ‘This Godless Endeavor’ und ‘Inside Four Walls’ durfte er sein Talent unter Beweis stellen. Beeindruckend waren die zweistimmigen Gitarrenparts, welche die beiden Axtschwinger absolut synchron auf die Zuschauermenge losließen. Mit ‘Enemies Of Reality’ verabschiedeten sich NEVERMORE von der begeisterten Menge.
Daniel Wamsler

QUEENSRYCHE
Nach der spektakulären Inszenierung des kompletten ‘Operation: Mindcrime’-Werks vor zwei Jahren mußten QUEENSRYCHE diesmal kleinere Co-Headliner-Brötchen backen. Doch was konnte angesichts einer versprochenen Best Of-Show bei einem fantastischen Backkatalog wie dem der Seattle-Urgesteine schon schiefgehen? Eine Menge! Schon vor dem Auftritt wurde unter den Fans die Setlist der aktuellen Europa-Shows diskutiert, und auch in Balingen folgte nach dem Regen des Nachmittags die kalte musikalische Dusche. Nach dem neuzeitlichen Eröffnungs-Trio aus ‘Hit The Black’, ‘Sacred Ground’ und ‘Man Down!’ herrschte auf dem Messegelände echte Begräbnisstimmung, und Geoff Tates Frage „Are we having fun yet?“ wurde entweder komplett ignoriert oder mit einem klaren Nein beantwortet. ‘The Hands’ von der zweiten ‘Mindcrime’-Scheibe war zwar immer noch neu, aber wenigstens besser, und nach ‘Damaged’ kam mit dem selten gespielten ‘Empire’-Kracher ‘The Thin Line’ endlich Stimmung auf. Danach folgte das typische Hitprogramm, das mit Nummern wie ‘Silent Lucidity’, ‘I Don’t Believe In Love’, ‘Jet City Woman’ oder ‘Empire’ kaum Überraschungen bereithielt. Unverständlich, wieso die sehr gut eingespielt wirkende Band mit einem neuerdings wieder glatzköpfigen Geoff Tate zwar in den USA immer wieder alte Kracher der ersten Alben ausgräbt, einem old school-Publikum in Balingen aber nur Stangenware präsentiert. Selbst der Dio-Tribute fiel mit dem schon auf ‘Take Cover’ interpretierten ‘Neon Knights’ eher unspektakulär aus, doch immerhin fand der stimmlich souveräne Geoff die richtigen Dankesworte an seinen alten Mentor. Spielerisch ein makelloser Auftritt, doch angesichts der Songauswahl und der verschenkten ersten 20 Minuten eine durchwachsene Show...
Martin Römpp

TWISTED SISTER
Eigentlich gibt es auf dem Bang Your Head!!! nur einen würdigen Headliner: TWSITED f***ing SISTER, denn keine andere Band schafft es, hier das Publikum derartig in ihren Bann zu ziehen und das Gelände zu einer einzigen Partymeile werden zu lassen. Mit voller Wucht bildeten ‘Come Out And Play’, ‘The Kids Are Back’ und ‘Stay Hungry’ den klassischen Einstieg in die große Show des Mister Entertainment. Sprich: Der ständig wild bangende und laufende Dee Snider unterhielt in den Pausen das Publikum mit seinen unnachahmlichen Sprüchen. Zum Beispiel erzählte er zwischendurch von Jay Jays kommenden achtzigsten (!) Geburtstag, er selbst sei übrigens schon neunzig. Er rief mit dem Blick gen Himmel gerichtet “Hey Bitch, sorry for calling you a cunt” und meinte damit den Dauerregen des letzten TWISTED SISTER-Gigs in Balingen. Natürlich bestand die Show musikalisch aus Klassikern. ‘You Can’t Stop Rock ‘n’ Roll‘, ’The Fire Still Burns’ mit entsprechender Unterstützung der Flammenwerfer und ‘I Am (I’m Me)’ sorgen dafür, daß der Stimmungspegel für keine Sekunde absank. Jay Jays Rede über die Casting Bands und die Behauptung, der Grund warum es TWISTED SISTER noch gäbe, sei das Balinger Publikum, führte zu gegenseitigem Feiern der Band und der Fans. Die Hymne des Festivals ‘We’re Not Gonna Take It’ drohte wie immer hier zu einer Unendlichversion zu werden. Wenn Dee nicht mit dem Hinweis, daß die Band noch mehr Songs hat, dem Chor ein Ende gesetzt hätte, das Publikum würde es auch heute noch singen... Etwas ruhiger kam ‘The Price’ daher, bevor Dee mit “Welcome to the church of TWISTED SISTER” das überraschende ‘I Believe In Rock ‘n’ Roll’ ansagte. Es folgen ‘Captain Howdy’, ‘Shoot ‘em Down’ und ‘Burn In Hell’ mit dem altbekannten Drumsolo. Bei der nächsten Ansage wurde aus ‘I Wanna Rock’ kurzerhand “I Wanna Fuck” gemacht, was ebenso mitgesungen wurde. Dees Kommentar: “Sounds like more people wanna fuck than they wanna rock, so turn to your neighbour!”, was in meinem Falle eine denkbar schlechte Wahl gewesen wäre. Im Zugabenteil kam dann noch mehr Power von der Bühne: ‘Under The Blade’, eine großartige Version von RAINBOWs ‘Long Live Rock ‘n’ Roll’ und ‘S.M.F.’, was bereits vom Feuerwerk begleitet wurde. Danke für die geile Show!
Sven Bernhardt

Loacation Festival-Samstag Halle: 

Messehalle Balingen

Billing Samstag Halle: 

DESTRUCTION
THE HAUNTED
DEW-SCENTED

Festival-Samstag Hallenprogramm: 

DEW-SCENTED
Die Idee mit den etwas heftigeren Bands in der Halle war sicherlich eine gute, und wurde auch durchweg von einigen hundert Fans dankend angenommen. Wenn dann allerdings gleichzeitig auf der Mainstage die großen und gutaufgelegten QUEENSRYCHE aufspielen, dann bekommt auch der geneigte Rezensent ein Problem. Na ja, letztlich war’s doch kein so großes Problem, zockten die Seattle-Jungs doch zunächst Material neueren Datums, weshalb ich über Leffe und seine Thrash-Bande sogar ganz froh war, haha. DEW-SCENTED boten dann auch Business as usual, was hier gänzlich positiv gemeint ist, denn die Burschen gaben schlicht Vollgas wie immer! Alte und neue Thrash-Salven à la ‘Arise From Decay’, ‘Bitter Conflict’, ‘Turn To Ash’ oder ‘Acts Of Rage’ plus das coole TURBONEGRO-Cover ‘Hobbit Motherfuckers’ machten nicht nur den Fans so richtig Spaß, sondern vor allem auch der immer spielfreudiger werdenden Band. Band und Publikum schaukeln sich gegenseitig hoch... So muß das sein! Geiler Gig!
Hage

THE HAUNTED
Mit 17 Songs und 70 Minuten Spielzeit zündeten die Schweden-Thrasher THE HAUNTED in der Halle ein gigantisches Feuerwerk quer durch ihre sechs Studioalben. Wer jetzt an ein Best Of nach Art der Compilation ‘Warning Shots’ oder der Livescheibe ‘Road Kill’ denkt, liegt völlig falsch. Sicherlich gab es die eine oder andere Überschneidung, doch insgesamt sah die Setlist völlig anders aus und schien von der Band extra fürs BYH!!! zurechtgezimmert. Mit ihrem Streifzug durch mehr als eine Dekade THE HAUNTED hauten die Gitarreros Patrik Jensen und Anders Björler den zahlreichen Fans die Riffs nur so um die Ohren. Und obwohl sich der Auftritt mit der Show von TWISTED SISTER überschnitt, waren die vorderen Publikumsreihen reichlich gefüllt. Sänger Peter Dolving lobte QUEENSRYCHE (“a real beauty”) und forderte die Pogo-Tänzer auf, sich doch bitte nicht gegenseitig zu verletzen. Denn spätestens bei ‘The Drowning’ gab es kein Halten mehr. Da wurde gebangt, gemosht und getanzt, was das Zeug hielt. Vom Silberling ‘One Kill Wonder’ spielten die Jungs nur ‘D.O.A.’. Am meisten Begeisterung erntete ‘No Compromise’, und mit der Granate ‘Dark Intentions’, gefolgt von ‘Bury Your Dead’ ließen THE HAUNTED das Thrash-Bombardement ausklingen.
Daniel Wamsler

DESTRUCTION
Gerade eben waren auf der Hauptbühne die Lichter erloschen, da ging es in der Halle zum letzten Akt: das Thrash-Trio DESTRUCTION. Schmier, Mike und der polnische Aushilfsdrummer Wavar trashten und ballerten durch ihre Greatest Hits-Setlist als gäbe es kein Morgen, (was im Falle des Bang Your Head!!! 2010 ja auch stimmte). Die Drei taten an diesem Abend alles, um den Fans der harten Kost den Abschluß zu vergolden. Zum Auftakt kamen ‘Curse The Gods’, ‘The Butcher Strikes Back’ und ‘D.E.V.O.L.U.T.I.O.N.’ zum Einsatz. Schmiers Frage: “Habt ihr noch ein bißchen Bock?” wurde entsprechend klar beantwortet: Die Anwesenden hatten noch Bock. Die Halle war erstmals recht gut gefüllt, was sich im Laufe des Gigs noch bis an die Kapazitätsgrenze erweiterte, und entsprechend laut waren die Reaktionen auf Tracks wie ‘Thrash Til Death’, ‘Eternal Ban’ und ‘Life Without Sense’. In blutrotes Licht getaucht, paßte die Ansage “Jetzt wird’s böse: ‘Nailed To The Fucking Cross’" wie die Faust auf das berühmte Auge. In echt düsterer Stimmung wurde eben dieses Highlight mehr als kraftvoll und mit mächtigem Sound durchgeprügelt und gefeiert. Spätestens jetzt galt: “The Butcher is back!” Brachiale Versionen von ‘Metal Discharge’ und ‘Urge The Greed’ verfehlten ebensowenig ihre Wirkung auf die Fans wie das coole ‘The Damned’-Cover, ursprünglich von THE PLASMATICS, und natürlich das ‘95er ‘Tormentor’, auch wenn die Songs mehr Jahre auf dem Buckel hatten als ein Großteil des Publikums. Die Bandhits ‘Bestial Invasion’ und natürlich der unvermeidliche ‘Mad Butcher’ beendeten das Set würdig und das Festival 2010 endgültig.
Sven Bernhardt