BYH!!! Rückblick 2004

2004

Die Einleitung

Mit Fug und Recht und noch mehr Stolz wagen wir einmal mehr den Prager, ähm, Balinger Fenstersturz, indem wir uns weit aus selbigem hinaus lehnen und behaupten, daß sich das einst so überschaubare Bang Your Head!!!-Festival zum Selbstläufer entwickelte! Auch wenn nach Bekanntgabe der jeweiligen Acts in unserem Gästebuch unter www.bang-your-head.de stets der Teufel los ist, so hat es mittlerweile den Anschein, als kämen nunmehr viele Hartwurst-Konsumenten ausschließlich des Events wegen nach Balingen, und das ist auch gut so!

Bleierne Scheuklappen waren auch dieses Jahr kaum auszumachen - egal ob nun Hardrocker oder eingefleischter Todesmetaller - gemeinsam bangt es sich bekanntlich am besten (auch dann übrigens, wenn man sich die ein oder andere Mucke zuvor schön trinken muß...).

Erneut (denn frisch aufgebügelte T-Shirts und ausgewaschene Kutten können nicht lügen!) nahmen wir zur Kenntnis, wie sich zahlreiche OBITUARY-, CRADLE OF FILTH- und MAYHEM-Fans in die EMP-Lounge (in der auch dieses Jahr die Interview- und Signing-Sessions über die Bühne gingen) drängten, um sich vor Ort "ihr" Autogramm von MAGNUMs Bob Catley (um nur ein Beispiel zu nennen...) abzugreifen.

Tja, und was im Kleinen funktioniert, klappt natürlich auch im Großen!
So könnt Ihr auf Sebastian Bachs Homepage nachlesen, daß er die Zeit in Balingen durchaus genoß - mehr noch: Er knüpfte scheinbar Freundschaften fürs Leben... Denn unter anderem erwähnt der gute Seppl, daß er sich an jenem Wochenende insbesondere mit Chuck Billy von TESTAMENT und den Muckern von DEATH ANGEL prächtig verstand. Sebastian, der ja nun wahrlich nicht zu den Die Hard-Thrashern des diesjährigen Billings zählte, verkörpert also auch im "normalen" Leben den Grundgedanken des Bang Your Head!!!...
Augenscheinlich begriff der blonde Hüne, dem im Backstagebereich eine Schar von Anhängerinnen zu Füßen lag (allen voran übrigens "Uns"-Jagger, der sich von Ines, seiner Container-Mitbewohnerin, eigens für das Meet & Greet mit Herrn Bach den Adamsapfel eindrücken ließ...), daß es im Grunde genommen schnurzpiepegal ist, ob die Gitarre nun drei Töne tiefer gestimmt wurde oder ob die Leadgitarristen zusammen mit dem jeweiligen Bassisten ihre Ärsche im Dreivierteltakt (also in bester ACCEPT/PRIEST-Manier) bewegen...
Auf die Einstellung und die Toleranz anderen/anderem gegenüber kommt es letztendlich an! Hiervon profitierte das Bang Your Head!!!-Festival in all den Jahren seines Bestehens...

Kurzum: Auch dieses Jahr ging es bei uns - trotz des immensen Menschenauflaufs - unglaublich freundschaftlich, um nicht zu sagen familiär zu!
Wie immer war jedes Gäste-/Hotelzimmer im Umkreis von 40 Kilometer ausgebucht, wie so oft wurden aus ein paar uns namentlich bekannten, äußerst grimmig dreinschauenden Stadtmenschen eine Horde sanftmütiger Naturburschen, die es sich nicht nehmen ließen, tagelang unter irgendwelchen selbstgenähten Abdeckplanen zu hausen - tough, indeed!
Doch der Reihe nach...

Bevor Balingen auf ein Neues "gerockt" werden konnte, galt es das phasenweise beängstigende Verkehrschaos in den Griff zu bekommen. Der Hinweis, doch erst bitte am Donnerstag anzureisen, sofern man zu campen gedenkt, wurde leider von relativ vielen Festival-Besuchern ignoriert.
Es war bekannt, daß die Zeltplätze, die wir dieses Mal sogar mit besseren Ausfahrtswegen versahen, erst ab Donnerstag zur Verfügung stehen werden und trotzdem reisten viele Camper schon am Mittwoch an. Für uns bedeutete dies zusätzlichen Streß, auf den wir liebend gern verzichtet hätten! Kurzerhand mußten wir mehrere Dutzend Security-MitarbeiterInnen aus dem Hut zaubern... Doch damit nicht genug: Der Verkehr rund um Balingen herum kam teilweise stundenlang zum Erliegen... Sei's drum...

Lob und Tadel Eurerseits gab es letztes Jahr zuhauf - beides war im Verlaufe der Vorbereitungszeit ein Thema. Denn merke: Das Bang Your Head!!! ist und bleibt ein Festival von Fans für Fans... However: Nach und nach wurde Euer Feedback aufgearbeitet...

So kam es letztes Jahr beispielsweise am Einlaß wegen unserer neu eingeführten "Bändelaktion" zu ärgerlichen Verzögerungen. Nicht wenige verpaßten seinerzeit den jeweiligen Opener, was uns natürlich unwahrscheinlich leid tat und woraufhin wir feierlich Besserung gelobten.

Durch das simple Vorverlegen der Einlaßzeiten wurde die Hauptstoßzeit "abgefedert"; ein problemloser Zugang aufs Festivalgelände war dadurch gewährleistet...

Auch die schmucken Urinalstände wurden letztes Jahr heftig kritisiert... Der aromatische Duftspender war in der Tat nicht jedermanns Sache. Die Dinger abzubauen hätte allerdings zum Niedergang der westlichen Zivilisation beigetragen. Was also tun? Siehe da - guter Rat war gar nicht mal so teuer... Die Pinkelbecken wurden schnurstracks an die Kanalisation angeschlossen, so daß das trübe Gelb gleich abfließen konnte... Lecker!

Kommen wir zu Euren Worten, die in unseren Ohren wie Balsam klangen! Mit unseren sauberen Dixies konnten wir scheinbar viele Pluspunkte bei Euch sammeln!

Derartige Streicheleinheiten stachelten uns naturgemäß gehörig an, so daß wir die Anzahl der Scheißhausbuden aus dem Stand heraus erhöhten und diese nicht ein- oder zweimal, sondern gleich dreimal am Tag leeren ließen! Schließlich will jeder Arsch, der drei Tage lang mit Schmackes getreten wird, auch irgendwann zu seinem Recht kommen...

Ehe jedoch das Angelrippchen, welches dieses Jahr seine neue DVD in der EMP-Lounge vorzustellen gedachte, die Dixies auf dem Festivalgelände inspizieren konnte, mußte es eine Odyssee sondergleichen bewältigen... Das SODOM-Oberhaupt, das bekanntlich nicht das erste Mal in Balingen vorbeischaute, vertraute unglücklicherweise auf die Errungenschaften der modernen Technik. Kurzerhand wurde das Navigationssystem seines Autos mit allen relevanten Daten versorgt. Im Nu wurde jedoch aus Balingen Bahlingen; dummerweise liegt aber der Ort, den Tom infolge seines orthographischen Kalauers ansteuerte, in der Nähe des Bodensees - sprich unweit der Schweizer Grenze (das nur am Rande, für all diejenigen, die in Erdkunde pennten...). Soviel zum Thema 'Lieder, die das Leben schreibte'... Sei's drum: Tom kam irgendwann doch noch an, denn merke "wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!"

Ärgerlich - und vor allem schmerzhaft! - wird es allerdings erst dann, wenn man anderen auf "Teufel-komm-raus" seinen Willen aufdrängen möchte! Beispiel hierfür ist Sean Peck, seines Zeichens Sänger von CAGE. Der gute Mann, der immer einen recht ausgeglichenen Eindruck hinterließ, nahm jedenfalls während des BLAZE-Auftrittes mit Entsetzen zur Kenntnis, wie der Brite in Richtung seines Präsidenten George W. Bush wetterte... Meinungsfreiheit hin oder her - das war für ihn, den eingefleischten Republikaner einfach zuviel des Bösen; Bayley mußte zur Rechenschaft gezogen werden! Der Disput gipfelte in einer handfesten Keilerei, mit dem Resultat, daß Blaze Bayley seine Kopfsocke noch tiefer als sonst ins Gesicht ziehen mußte. Galt es doch das blaue Auge, das ihm sein Widersacher so mir nichts, dir nichts verpaßte, zu verdecken...

Mit großer Erleichterung nahmen wir indes zur Kenntnis, daß sich ein eigens abgestellter Bodyguard namens Tosche um die Belange und das Wohl von Geoff Tate kümmerte. Trug doch dieser während des QUEENSRYCHE-Gigs eine abgewetzte Jeans-Kutte, die zu allem Überfluß das Konterfei von Meister Bush sowie den nicht unangebrachten Zusatz 'Liar' zierte, zur Schau. Autsch, das hätte - wie wir nun wissen - durchaus ins Auge gehen können!
Wie auch immer: Mit dem diesjährigen Bang Your Head!!! versuchten wir einmal mehr, ein Top-Festival zu veranstalten. Danke, daß Ihr mitgefeiert habt!

Warm-up-Show Donnerstag, 24. Juni 2004

Ort der Warm-Up-Show: 

WOM Balingen

Billing Warm-Up-Show: 

DEATH ANGEL
SHOK PARIS
BALLISTIC
RUFFIANS

RUFFIANS
Die allerersten Töne des Bang Your Head!!! 2004 lieferten die wiedervereinigten RUFFIANS als Opener der Donnerstag Club Show. Im Vorfeld wurde heiß darüber diskutiert, ob es überhaupt Sinn macht, eine Band, die bisher nur eine EP veröffentlicht hatte und deren Originalsänger (Carl Albert) bereits verstorben ist, auf das Festival zu holen. Aber schon nach den ersten Tönen des Openers 'Fight For Your Life' waren jegliche Zweifel verschwunden. Man traute seinen Augen kaum, denn die Band schien per Zeitmaschine aus den Achtzigern teleportiert worden zu sein und man merkte ihnen diese gewisse Euphorie vergangener Tage an. Trotz dieser langen Bühnenabstinenz war die Band perfekt aufeinander eingespielt und tight wie Lemmys Hosen. Nachdem Hellion Records bereits vor dem Festival die alte EP zusammen mit vielen Bonusstücken veröffentlicht hatte, waren viele der Underground-Fans auch mit den gespielten, aber damals nicht erhältlichen Demosongs vertraut und so wurde die Band wie zurückgekehrte Helden abgefeiert. Für mich waren RUFFIANS nicht nur Gewinner dieser Clubshow, sondern auch einer der Favoriten aufs Treppchen der besten Bang Your Head!!!-Bands 2004. Nach eigener Aussage will die Band nun noch ein paar Shows spielen und dann entscheiden, ob sie noch mal ein paar neue Songs schreiben. In dieser Form sollten wir aber auch in Zukunft nicht auf RUFFIANS verzichten müssen. Jungs, ihr habt dem seligen Carl Albert alle Ehre gemacht!
Oliver Weinsheimer

BALLISTIC
Endlich weilte Großmeister Gattis samt seiner neuen Mannschaft auf dem alten Kontinent. Ich freute mich wirklich wahnsinnig auf den Auftritt von BALLISTIC, war aber gleichzeitig etwas skeptisch, was den Gesang anging. Diesen mußte Tom Gattis bekanntlich aus gesundheitlichen Gründen an Tony Taylor abtreten. Der Glatzkopf, der "hauptberuflich" mit TWISTED TOWER DIRE unterwegs ist, klingt eben doch ein wenig anders als Mr. Gattis. Aber Tony fraß sich anscheinend extra für die beiden Gigs etwas Rotz an die Stimme und legte gleich von Anfang an richtig aggressiv los. Vor der Bühne war von Beginn an die Hölle los, was den aggressiven BALLISTIC-Songs à la 'Undefeated' oder 'Silent Killer' nur gelegen kam und die aufgeladene Stimmung perfekt wiedergab. Tom nutzte den knapp bemessenen Platz auf der Bühne des WOM, so gut es ging und man konnte ihm ansehen, daß er sichtlich Spaß bei der Sache hatte und den Auftritt in vollen Zügen genoß. Zur Freude aller Fans übernahm Tom himself beim alten TENSION-Kracher 'Wrecking Crew' höchst selbst den Gesang, bevor Tony dann wieder den Mikroständer übernahm, um DEN Hit von BALLISTIC - 'Call Me Evil' - bestens zu intonieren. Den Abschluß des rundum geglückten Europadebüts markierte dann 'Threshold Of Pain'. Ich hätte mich zwar auch noch über 'Sniper', 'Changing Of The Guard' oder 'Welcome To The New Underground' aus der WARDOG-Phase gefreut, aber dafür war wohl leider keine Zeit mehr. Maybe next time!
Kai Wollwert

SHOK PARIS
Als SHOK PARIS die Bühne betraten, konnte ich es kaum glauben, daß diese legendäre US-Band 20 Jahre nach der Veröffentlichung ihres Debüts 'Go For The Throat' zum ersten Mal live in Deutschland spielte. Wie zuvor bei den RUFFIANS wußten die anwesenden Metalmaniacs diesen historischen Event glücklicherweise zu würdigen und feierten die Alt-Mitglieder Vic Hix (v), Ken Erb (g), Kel Berkshire (b) und Jan Roll (d) sowie Neu-Gitarrist George Mihalovich (AFTERSHOK) vom ersten Ton an gehörig ab. Dieser kam vom 'Steel And Starlight'-Opener 'Go Down Fighting', später folgten noch 'On Your Feet' und 'Steel And Starlight' sowie der 'Concrete Killers'-Opener 'The American Dream'. Hauptaugenmerk der Band lag aber auf dem gerade wiederveröffentlichten Debüt (inklusive neun Bonustracks auf Auburn Records), von dem die Jungs 'Burn It Down', 'Chosen Ones', 'Caged Tiger', 'Never Say Why', 'Go For The Throat' und 'Run But Don't Hide' zockten. Und auch wenn die Zeit nicht spurlos an SHOK PARIS vorbei gegangen ist (selbst Bandjunior George feierte am Bang Your Head!!!-Samstag seinen 37. Geburtstag), so war die musikalische Darbietung doch zeitlos und zum Niederknien. Neben Frontkoloß Vic und dem immer agilen Basser Kel wußten vor allem die doppelläufigen Gitarren von Ken und George zu überzeugen und versprühten ein fast MAIDEN-mäßiges Feeling im WOM. Für ihre Die Hard-Fans hatte die Band dann noch ein besonderes As im Ärmel: Mit 'Minute Men' wurde ein bisher unveröffentlichtes Stück aus alten Tagen hervorgezaubert, welches auf dem in Kürze erscheinenden 'Steel And Starlight'-Rerelease zu finden sein wird. Nach HELSTAR, DESTRUCTOR, TITAN FORCE und RUFFIANS gab es mit SHOK PARIS eine gebührende Fortsetzung des Club-Kultmetals beim Bang Your Head!!!!
Martin Brandt

DEATH ANGEL
Dann stand aber der Auftritt auf dem Plan, wegen dem wohl das Gros der Club-Gänger an diesem Abend gekommen war. Die mit deutlicher Verspätung stattfindende Niederkunft der Bay Area-Godz von DEATH ANGEL lockte eine stattliche Zahl von Bangern in den wie immer zur Sauna umfunktionierten, aber dennoch sehr coolen WOM-Club. Die sympathischen Herren Osegueda, Cavestany & Co. legten direkt mit einigen Krachern vom aktuellen 'The Art Of Dying'-Werk los, wobei auffällig war, daß die auf Platte doch etwas rockiger ausgerichteten Nummern sich gerade live perfekt zu den alten Krachern fügen. So war es in den folgenden knapp 100 Minuten auch vollkommen egal, ob nun neue Perlen wie 'Prophecy' und 'The Devil Incarnate' oder aber Alltime-Perlen wie 'Seemingly Endless Time', 'Voracious Souls', 'Evil Priest' oder natürlich 'Kill As One' an den Start kamen - die Meute feierte die noch immer sehr junge und höchst agile Truppe nach allen Regeln der Kunst ab und kapitulierte erst mit fortgeschrittener Spieldauer an der schier unerträglich stickigen Luft im WOM. Dies war wohl letztlich auch der Grund, weshalb aus der eigentlich erhofften deutlich mehr als zweistündigen Show nichts wurde. Unzufrieden war zu später Stunde dann aber sicherlich dennoch niemand und jeder hatte einmal mehr einen erstklassigen Auftritt einer der energetischsten Livebands dieser Tage gesehen (na ja, oder auch nicht, denn auf der nicht allzu hohen Bühne waren die winzigen Kalifornier kaum größer als der Mob, weshalb nicht wirklich viel von ihnen zu sehen war...).
Hage

Festival-Freitag, 25. Juni 2004

Location Festival-Freitag Open Air: 

Messegelände Balingen

Billing Freitag Open Air: 

ALICE COOPER
QUEENSRYCHE
GOTTHARD
CHILDREN OF BODOM
ANTHRAX
PRIMAL FEAR
BLAZE
KINGDOM COME
SHOK PARIS
RUFFIANS
CAGE

CAGE
Nach drei hervorragenden Alben war es den Amis von CAGE nun auch vergönnt, den Openerposten des diesjährigen BYH!!! zu übernehmen. Dies war erst der zweite Auftritt in Deutschland nach dem gelungenen Gig vor ein paar Jahren in Wacken. Und die Mannen um Sirene Sean Peck legten auch gleich selbstbewußt los und nutzten die große Bühne von Anfang an gut aus. Auffälliges optisches Merkmal war vor allem der muskelbepackte Gitarrist Dave Garcia, der sich wohl um einen Posten in 'Rambo 4' bewerben will. Kleines Manko des Auftritts war die durchwachsene Setlist, welche zahlreiche Hits aus dem zweiten und meiner Meinung nach stärksten Album 'Astrology' missen ließ. Vom Erstling gab es dann auch nur 'Shoot To Kill' zu hören. Aber man muß der Band bei der kurzen Spielzeit zugestehen, das Hauptmerkmal auf Songs des aktuellen Albums 'Darker Than Black' zu legen, welches ja auch ein ziemlicher Knaller war. Trotzdem konnten mich CAGE nicht total aus der Reserve locken, da auch Sean Peck nicht seinen besten Tag hatte und die Band im Club einfach besser aufgehoben war. Aber wollen wir nicht groß herum lamentieren, ihren Openerjob haben CAGE mit Bravour erledigt, auch wenn diese Show nicht die Durchschlagskraft von Sean Pecks Faust auf Blaze Bayleys Gesicht hatte.
Oliver Weinsheimer

RUFFIANS
Mit der Achtziger-US-Metal-Kult-Combo RUFFIANS stand früh am Morgen bereits das erste Highlight für so manchen echten Metaller auf dem Programm. Schaffte es die Band zu ihren eigentlichen Lebzeiten doch leider niemals nach good old Europe. Um so motivierter stiegen die Herren nun in ihr Set ein und ließen sich selbst und ihren Classic Metal so richtig hochleben. Der neue Mann am Gesang, der den leider viel zu früh verstorbenen und immer noch schmerzlich vermißten Carl Albert (remember VICIOUS RUMORS) beerbt hatte, machte seine Sache in der Tat so gut, daß man wirklich auf den Trichter hätte kommen können, er selbst hätte die legendäre RUFFIANS-EP anno 1985 eingeträllert. Auch das Outfit mit Spandex Hose, Nietengürtel samt an der Hose baumelnden Handschellen paßte wie die Faust aufs Auge. Der Rest der Band hielt sich hier, rein optisch, zwar deutlich bedeckter, ging ansonsten aber ebenfalls ab wie Schmidts Katze. Allen voran Gitarrist Chris Atchinson kniete sich mächtig rein (und bestätigte seinen Ruf als echtes Party Animal auch noch im weiteren Verlauf des Tages hinter der Bühne). Kurz, es machte einfach rundum Spaß, Klassikern wie 'Fight For Your Life', 'Eyes Of Fire' und 'Run For Cover' sowie bislang unbekannten, aber ebenso gelungenen Stücken wie 'Running Blind', 'Desert Of Tears' und 'Do Or Die' zu lauschen. Keine Ahnung, ob und wie die RUFFIANS weitermachen wollen, wenn sie allerdings das Niveau von diesem Tag auch bei einem neuen Longplayer halten können, dann nix wie her damit!
Kai Wollwert

SHOK PARIS
Bei abwechselnd böigem Wind und stechender Sonne heizten am Freitag-Vormittag die guten alten Ami-Metaller von SHOCK PARIS ein. Dabei schienen sie in all den Jahren Abstinenz nichts verlernt zu haben. Ein paar Kilos zuviel allerdings brachte Frontmann Vic Hix mit auf die somit bebenden Bretter, denen der stimmgewaltige Brocken sichtlich viel zuzutrauen schien. Von Anfang bis Ende rannte und jumpte er hochmotiviert umher und nutzte dabei jeden Zentimeter der prächtigen Bang Your Head!!!-Bühne. Der Blickfang war also ganz klar der Michelin-Mann im Tarnanzug, doch kommen wir zum Wesentlichen, der Musik. Diese war wie gesagt überzeugend. Schon von Beginn an war klar, daß die Songauswahl mit dem Opener 'Go Down Fighting', im folgenden 'Steel And Starlight' und 'Go For The Throat' alles andere als einen Griff ins Klo darstellte. SHOCK PARIS stehen für US-Metal von knackiger Härte aber auch großartige Melodien, wobei immer wieder die prächtigen Riffgewitter die eigentlichen Stützpfeiler der Songs sind. Neben der guten Stimme von Hix, die live nicht abkackte, sind seine Qualitäten als Entertainer zu nennen. So erhielt er auch durch seinen lockeren Umgang mit der schon gut vertretenen Meute Pluspunkte, die man übrigens auch dem treibenden Drummer der Band unbedingt zusprechen muß. Darüber hinaus überzeugten Songs wie 'Chosen Ones', 'Hot On Your Heels' und das rasende 'Never Say Why'. Leider hielt das Wiedersehen mit den alten Bekannten nicht lange - die Spielzeit an dieser Stelle des Billings gibt halt einfach nicht mehr her...
Chris Grenzer

KINGDOM COME
Oje, oje, so ein Pech aber auch! Der gute Lenny Wolf, der stimmlich für gewöhnlich eine sehr gute Figur abgibt, war ausgerechnet heute mit einer scheinbar ziemlich fiesen Erkältung gesegnet und konnte von daher nur ansatzweise so singen, wie man das von ihm gewohnt ist. Alles andere kam leider, leider richtig krächzend und einfach nur schräg rüber. Der arme Mann aus dem hohen Norden fühlte sich mit Sicherheit alles andere als wohl bei diesem Trauerspiel und doch ging er ganz offen mit seinem Problem um. So verglich er seine Stimme an diesem Tag mal eben mit einem Mülleimer und entschuldigte sich mehr als nur dreimal beim fast schon mitleidig wirkenden Publikum. Der tobende Schlußapplaus belegte aber, daß es Lenny die Darbietung nicht übel nahm, denn wer kann schon etwas dafür, wenn er krank ist? KINGDOM COME spielten an diesem Tag viel vom 'Independent'-Album (beispielsweise 'Mother'), ließen aber auch wohlweislich die großen Hits und Publikumsrenner wie 'Should I' oder 'Living Out Of Touch' nicht außen vor. Lennys Mitstreiter, von denen Basser und Drummer frisch mit an Bord gekommen waren, machten ihre Sache sehr gut. Leider wurde das Publikum erst gegen Ende des Sets so richtig warm und honorierte wie gesagt lauthals und trotz allem den unglücklichen Gig.
Chris Grenzer

BLAZE
Herr Bayley wird es sich wohl nicht mehr abgewöhnen, wie ein Duracell-Häschen zu klatschen, übrigens auch mit dessen Ausdauer und sogar während des Singens. Aber selbst das ist ja nicht wirklich als Schwachpunkt zu bewerten. Nach seiner überragenden Clubshow vom Vorjahr stand er nun auf der Hauptbühne und sang sich mit seinen Mannen souverän durch ein ausgewogenes Programm. Spätestens mit dem dritten Titel 'Silicon Messiah' durfte er als einer der Sieger dieses Festivals gelten. Die willfährig folgenden Metal-Touristen zeigten ihm bis hinten zum Mischpult das Zeichen der Hörner. Da stand sogar Drummer Jason kurz auf und hopste einen Moment hin und her, bevor 'Ten Seconds' noch einen draufsetzte, weil der zweite Singalong-Part - nur von der Rhythmusgruppe begleitet - durch Animateur Blaze vorn am Bühnenrand dirigiert wurde. Dann warfen die Gitarristen die Arme in die Höhe und stiegen sogleich in 'Blood & Belief' ein. Der Frontmann wirkte zunächst verhalten und war stimmlich "auf dem Sprung". Dann stapfte er umher wie Frankensteins Monster, ging leicht in die Knie wie ein verhinderter Bodybuilder, um schließlich die Arme hochzureißen, sich schwerfällig an den Bühnenrand zu bewegen, erneut zu knien und sich konzentriert seiner eigentlich Aufgabe zu widmen: Mr. Universum sang. Nun folgte nur noch 'Man On The Edge', und aus Tausenden Kehlen hallte es wider: "Falling down". Dann kam das Quintett komplett auf den Laufsteg und warf mit Plektren und Sticks umher. Noch schöner wäre es gewesen, hätte nicht irgendein Idiot ständig 'Clansman' dazwischengebrüllt. Aber das Publikum war (wie meist) zu friedlich, um ihn zur Ordnung zu rufen.
Jörg Schulz

PRIMAL FEAR
Was will man viel über eine so routinierte Band wie PRIMAL FEAR schreiben? Die Band spielt Shows am Fließband und ist perfekt aufeinander eingespielt. Auch der Drummerwechsel vor der letzten Platte geschah reibungslos und so spielte eine absolut tighte Band auf dem BYH!!! auf. Allerdings hatten die Süddeutschen zu Beginn starke Probleme mit dem Sound, was vor allem durch aufkommenden Wind verursacht wurde. Aber PRIMAL FEAR wären nicht PRIMAL FEAR, wenn sie nicht auch dieses Manko absolut professionell umschifften. Standesgemäß legte die Band furios mit 'Angel In Black' los und schon nach den ersten Tönen war zu merken, daß vor allem Sänger Ralf Scheepers einen exzellenten Tag erwischt hatte. Logischerweise lag der Schwerpunkt der Songauswahl auf dem aktuellen und bisher besten Album 'Devils Ground'. Sicherlich haben ein Großteil der Songs wie immer eine JUDAS PRIEST-Schlagseite, aber mit den Jahren haben sich PRIMAL FEAR durchaus als eigenständige Band gemausert und das stellten sie auch mit diesem Auftritt klar. Auf jeden Fall brauchen sie sich nicht hinter den durchwachsenen BYH!!!-Auftritten von HALFORD und JUDAS PRIEST selbst verstecken. Das Publikum zollte dieser engagierten Show auf jeden Fall überschwenglichen Beifall und auch wenn die Band recht oft zu sehen ist, so besitzen sie zumindest immer Unterhaltungswert.
Oliver Weinsheimer

ANTHRAX
Gespannt sein durfte man, ob die New Yorker auch ohne den kürzlich zu HELMET abgewanderten Frank Bello die gleiche Power versprühen würden, wie sie es auf den letzten Tourneen und Festivalauftritten getan hatten. Doch keine Frage, mit Joey Vera haben sich ANTHRAX einen exzellenten Ersatz besorgt, der sich auch optisch hervorragend zwischen den polierten Murmeln von Scott Ian und John Bush machte. Und auch wenn beim allgemeinen Headbangen nun nur noch der Ziegenbart von Scott fröhlich hin und her wippt, ist die Bühnenpräsenz des Fünfers ungebrochen stark! Mit jeder Menge Klassiker im Gepäck lieferten ANTHRAX einen umjubelten Auftritt ab, und bei Songs der Marke 'Caught In A Mosh', 'Got The Time' oder dem selten gespielten 'Be All, End All' ging in Balingen auch im Publikum die Post ab. Auch aktueller Stoff wie 'Safe Home' oder 'What Doesn't Die' paßte gut ins Programm, und bei 'Indians' packten einige Fans sogar selbstgebastelten Rothaut-Kopfschmuck aus, der zwar eher zu Bush-Vorgänger Belladonna gehört, aber dennoch für einige Lacher sorgte. Sogar die olle 'Spreading The Disease'-Kamelle 'Madhouse' wurde unter starkem Jubel dargeboten, es kann also kaum jemand behaupten, daß ANTRHAX ihre Vergangenheit verleugnen würden - auch wenn 'Metal Thrashing Mad' zum Bedauern der Old Schooler diesmal nicht im Programm war. Starker Gig der Amis, die sich mit diesem Auftritt auch bei den Fans wieder ins Gedächtnis brachten, die die großartigen Shows der letzten zwei Jahre verpaßt haben...
Martin Römpp

CHILDREN OF BODOM
In ganz Skandinavien sind CHILDREN OF BODOM schon lange in den Superstarolymp aufgestiegen, hierzulande ist die Hate Crew davon noch entfernt, auch wenn ihre Anhängerschaft stetig wächst. Damit war zumindest zweifelhaft, ob sie es schaffen würden, nach ANTHRAX noch ein Bein auf die Erde zu bekommen. Und sie bekamen, denn Frontmann Alexi 'Wildchild' Laiho und seine Mannen gaben eine echte Galavorstellung: Technisch auf höchstem Niveau agierten die Fünf extrem spielfreudig, zum Teil sogar leidenschaftlich und ließen so den Stimmungspegel nicht absinken. Tracks wie 'Sixpounder', 'You're Better Off Dead', 'Needled 24/7', 'Everytime I Die' oder natürlich das erklärte Lieblingsstück der Band 'Hate Crew Deathroll' verfehlten ihre Wirkung beim Publikum, unter dem sich übrigens bemerkenswert viele Mädels befanden, nicht. So tobte und rotzte (auch im wahrsten Sinne des Wortes) sich die Band durch ihr Best-Of-Programm und gewann definitiv einige neue Fans dazu. Womit auch der Lautstärkepegel des 'Happy Birthday'-Gesangs für Gitarren-Neuzugang Dani erklärt wäre, denn so laut und tief singen auch haufenweise Mädchen nicht alleine...
Sven Bernhardt

GOTTHARD
Daß es bei den einst so hart rockenden Swissies von GOTTHARD irgendwie kriselt, belegte auch ihr enttäuschender Gig beim Bang Your Head!!!-Festival. Woran lag es denn im einzelnen? Schon auf der vorletzten Tour fiel auf, daß sich die einst dreckig rotzende Rock 'n' Roll-Band zu einer glattgebügelten Mannschaft hin entwickelte, die - obgleich musikalisch sehr gut in Form - ihr Feuer verloren hat. So ähnlich wirken GOTTHARD an diesem Freitag leider immer noch und ich weiß nicht, ob das nur etwas mit der Tatsache zu tun hat, daß das Bang Your Head!!!-Publikum eher auf härtere Mucke steht (MAGNUM?!). Los ging's jedenfalls mit einem nach wie vor geilen Song, nämlich 'Standing In The Light', gefolgt von 'Make My Day'. Auffällig, der neue Mann an der zweiten Klampfe, der für den abgewanderten Mandy Meyer einsprang. Freddy Scherer, der früher den Nachnamen Laurence trug, ist ein alter Bekannter, wenngleich er sich optisch doch sehr von alten Tagen unterscheidet. Spielte er einst mit wallender Blondmähne die Axt bei CHINA, so trägt er jetzt bei GOTTHARD oben nackt. Spielerisch sehr überzeugend und super-cool wirkend kann man ihm nichts ankreiden. Sänger Steve "bodybraungebrannt" Lee ist wie immer stimmlich over the top, wirkt mit seinen neuen Haaren und den knackigen Bizepsen jedoch schon etwas - sagen wir mal untough. Nach CHILDREN OF BODOM zu spielen war bestimmt auch nicht der Lottogewinn für die Schweizer, aber das sind alles Peanuts im Vergleich zu den wirklich entscheidenden Dingen wie Musik, Performance und Sound. Letzterer war diesmal leider auch nicht gerade prickelnd. Okay, aber wenigstens arbeitete Leoni (der Angus aus der Schweiz) echt hart. Immer in Bewegung, drückte er beim kultigen 'Firedance', 'Human Zoo' vom aktuellen Album und 'Sister Moon' echt gut ab. So sind es Freddy und er, die noch den echten Rock 'n' Roll bei GOTTAHRD verkörpern. Alles andere wirkt irgendwie aufgesetzt - und das Publikum merkt so was...
Chris Grenzer

QUEENSRYCHE
Mit drückendem, klarem Sound von Beginn an und bei strahlender Sonne am Frühabend, beglückten uns die einzigartigen QUEENSRYCHE. Auf CD kriegen sie ja noch immer nicht so richtig die Kurve, aber live zeigten sie hier, daß noch was geht. Und mehr als das: Die Prämisse hieß 'Operation: Mindcrime' komplett plus Zugabe, was wohl keinen der begeisterten Fans enttäuschte. Die Herren Wilton, Jackson und Neuzugang Mike Stone (from outer space...) hatten ihre Amps erstaunlicherweise nach hinten gedreht, aber was soll's, wenn's vorne gut rauskommt, ne?! Bestimmt haben die Intelligenzbolzen ihre guten Gründe dafür. Geoff Tate, wie so oft cool, lässig und fast behäbig, streifte sich zur Feier des Tages die Anti-Bush-Jacke über und sang, na wie wohl? Großartig! Der Glatze abgedankt sah er wieder aus wie einst, was einen doch irgendwie beruhigte. Die Songs? Tja, wie gehabt, nahezu perfekt und fast wie von CD. Pamela Moore hatte man dann auch noch eben mit ins Gepäck genommen, die stimmlich ebenso brillant wie optisch edel ankam. Stone paßte zwar optisch nicht ins Gesamtbild, denn mit Glitzeranzug und Antenne auf dem wasserstoffgefärbten Butterhelm war er doch eher der Exot in der Band. Doch das läßt man sich natürlich gefallen, wenn der Rest stimmt. Sag einer, was er will, aber 'Breaking The Silence' und 'I Don't Believe In Love' kommen einfach super an und auch mit 'Take Hold Of The Flame' hatten QUEENSRYCHE zum Abschied die richtige Wahl getroffen. Die Fans sahen es ähnlich, womit QUEENSRYCHE neben ANTHRAX, LILLIAN AXE und SEBASTIAN BACH zu den Gewinnern des Festivals gehörten.
Chris Grenzer

ALICE COOPER
Der Schockrocker par excellence bewies erneut, was alle schon wußten. Er braucht trotz seiner 56 Lebensjahre noch lange nicht aufzuhören. Und das aus mindestens zwei Gründen: Erstens entwickelt er eine ungeheure Energie auf der Bühne, und zweitens sind seine neuen Songs kein müder, vernachlässigbarer Aufguß früherer Erfolge. Das zeigte sich besonders beim permanenten Wechsel der Songs aus verschiedenen Perioden, begonnen mit dem Opener 'Hello Hooray' (1973). Es folgten 'No More Mr. Nice Guy' (1973), 'Man Of The Year' (2003), 'Billion Dollar Babies' (1973), 'Between Highschool & Old School' (2003) und 'Muscle Of Love' (1974). Übergänge flossen leicht dahin - Alice auf eigenen Spuren und dennoch kein Spuk aus der Vergangenheit. Songs aus anderen Perioden fügten sich nahtlos ein, wobei 'I'm Eighteen' und 'Desperado' als weitere Höhepunkte ausgemacht werden konnten, bevor 'Halo Of Flies' eine Erholungspause für den Boß einleitete. Im zweiten Teil wechselten weniger bekannte Tracks ('Sick Things') mit Chartbreakern ('Only Women Bleed'). Selbstverständlich wurden die Songthemen auch wieder szenisch umgesetzt. So gab es bei 'Backyard Brawl' tatsächlich eine Keilerei von Statisten in Biker-Uniformen, wobei sich auch die Musiker einbrachten. Alice & Co. lieferten unerwartet viele Showelemente, so die Nummer mit dem Degen, des Meisters 'Dragontown'-Maskerade oder sein Auftritt als spanischer Grande, Töchterchen Calicos Bordsteinschwalben-Einlage und natürlich die Sache mit der Zwangsjacke. Einige Fans trauerten ob des Wegfalls der Guillotine, aber man kann schließlich nicht alles haben. Eine stürmische Version von 'School's Out' beendete den regulären Teil, bevor 'Brutal Planet' die Zugabe einläutete. Nach dem bejubelten 'Poison' und dem Klassiker 'Under My Wheels' war dann wirklich Schluß und die Leute happy. Schade lediglich, daß Alice im (hoffentlich) Abwahljahr von Mr. Bush auf 'Elected' verzichtet hat.
Jörg Schulz

Location Festival-Freitag Halle: 

WOM Balingen

Billing Freitag Halle: 

DOOMSWORD
OMEN

Festival-Freitag - Hallenprogramm: 

OMEN
Nachdem OMEN auf dem Keep It True-Festival eine glänzende Comeback-Show in Deutschland gespielt hatten, wurden sie auch für das BYH!!! eingeladen. Da sie am nächsten Tag auf der Open Air-Bühne ran mußten, wurden für sie die Opener-Position vor DOOMSWORD gewählt, damit die Band noch ein paar Stunden schlafen konnte. Leider war das WOM zu diesem Zeitpunkt nur recht spärlich gefüllt und wirklich nur die Die-Hard-Underground-Fans quälten nach einem anstrengenden Tag ihren geschundenen Leib zu den beiden Bands ins WOM. Doch diese sollten nicht enttäuscht werden. Bereits nach dem Opener 'The Axeman' gab es kein Halten mehr und die Band um Sänger Kevin Goocher und Gitarrist Kenny Powell ließ sich durch die Publikumsreaktionen noch weiter anstacheln. Nacheinander wurden den Fans Klassiker wie 'Battle Cry', 'Termination', 'Nightmares', 'Die By The Blade', das dem verstorbenen Sänger J.D. Kimball gewidmete 'In The Arena' und noch viele weitere Bandhöhepunkte um die Ohren gehauen. Leider war es fast die identische Setlist wie letztes Jahr und der ein oder andere Fan hätte sich auch mal einen anderen Song von 'Warning Of Danger' oder 'The Curse' gewünscht, aber dennoch haben OMEN wieder einmal bewiesen, daß sie noch nicht zum alten Eisen gehören und in einer Zeit von gleichförmigen "Nummer sicher"-Bands immer noch wichtig sind.
Oliver Weinsheimer

DOOMSWORD
DOOMSWORD-Sänger Deathmaster war vor dem Auftritt außergewöhnlich aufgeregt, da sie zum einen nach OMEN spielen durften und zum anderen sein Bruder zum ersten Mal den Baß zupfte. Stammbassist Dark Omen war vor dem Festival aus persönlichen Gründen aus der Band ausgestiegen und für Deathmasters Bruder, welcher wie die südländische Variante des italienischen Wikingers Deathmaster wirkt, war es die Feuerprobe. Diese bestand er aber in perfekter Manier und er reihte sich hervorragend in die Band ein. Schon die Hinzunahme eines neuen Gitarristen hatte sich positiv auf DOOMSWORD ausgewirkt und ich denke, daß sich die Band nun endgültig gefunden hat. Schon nach den ersten Tönen von 'Sacred Metal' merkte man, daß Deathmaster einen extrem guten Tag erwischt hatte. Ich habe ihn bisher noch nie so gut singen hören wie bei dieser Clubshow. Aber der ganze Gig entwickelte sich zu einem einzigen Siegeszug für die italienischen Nordmänner. Auch zu diesem späten Zeitpunkt konnte man das Publikum noch zum Ausrasten bringen und die Stimmung übertraf sogar noch die bei OMEN. Den strahlenden Gesichtern der Band zu urteilen, hätten sie selber gar nicht mehr mit einer solchen Euphorie gerechnet und Band und Publikum pushten sich gegenseitig hoch. Zwar leerte sich der Club zu fortgeschrittener Zeit dann doch, aber die Dagebliebenen feierten mit der Band zusammen eine unvergleichliche Metal Party. Meiner Meinung nach war dies mit Abstand der beste Gig, den ich bisher von DOOMSWORD erleben durfte und das waren nun schon einige. Die Band ist jetzt wirklich reif für größere Aufgaben!
Oliver Weinsheimer

Festival-Samstag, 26. Juni 2004

Messegelände Balingen

Billing Samstag Open Air: 

ICED EARTH
TESTAMENT
SEBASTIAN BACH
UFO
MAGNUM
DEATH ANGEL
LILLIAN AXE
OMEN
ANGEL
BALLISTIC
MAJESTY

MAJESTY
Es ist wahrlich keine einfache Aufgabe, den zweiten Bang Your Head!!!-Tag zu eröffnen: Schließlich fordert der erste Tag unserer Rockparty stets ihren Tribut, so daß es für die Fans nicht gerade selbstverständlich ist, schon gegen 10 Uhr vor der Bühne zu stehen, um die nächste metallische Dosis einzufahren. Darüber hinaus absolvierten MAJESTY einen klassischen Frühstart, da sie acht Minuten vor dem offiziellen Beginn loslegten, was sie in die Lage versetzte, zwei zusätzliche Songs zu spielen. Doch wer in diesem Jahr den Opener verpennte, hatte echt was verpaßt! Glücklicherweise folgten so viele Fans wie noch nie zuvor dem verlangenden Ruf der Stimmbänder, Stahlsaiten und Trommel..., äh Drumfelle und sorgten für eine unglaubliche Stimmung: Auf dem bis zum FOH-Turm gutgefüllten Platz wurden die Fäuste nach oben gerissen und frenetisch mitgesungen, wozu sich das eingängige MAJESTY-Material natürlich bestens eignete. Doch nicht nur Gassenhauer wie 'Into The Stadiums', 'Keep It True', 'Sword & Sorcery', 'Metal To The Metalheads', 'Heavy Metal Battlecry', 'Reign In Glory', 'Metal Law' oder 'Hail To Majesty' (hoppla, das war gerade die komplette Setlist...), sondern auch die Band trug ihren Teil bei: Fronter Tarek Maghary war bei seinem Dienst am Fan permanent auf der Rampe unterwegs, um direkten Blickkontakt zu halten und das neue Saitenteam Rolf Munkes, Björn Daigger und Marcus Bielenberg strahlte eine Menge Spaß aus. Zudem spielten sie hervorragend untereinander und mit der neben Tarek letzten verbliebenen "Alt-Majestät", Drummer Michael Gräter, zusammen, vor allem wenn man bedenkt, daß Björn erst wenige Wochen zuvor zu MAJESTY gestoßen war. Das alles läßt nur eine Schlußfolgerung zu: MAJESTY waren der bislang beste BYH!!!-Opener. Und einer der Höhepunkt des diesjährigen Festivals. Basta.
Stefan Glas

BALLISTIC
Das BALLISTIC-Debüt war letztes Jahr eines meiner persönlichen Lieblingsalben und nachdem Mainman Tom Gattis beim BYH!!! 2003 nur zur Vorab-CD-Präsentation laden konnte, hatte er diesmal seine komplette Band mitgebracht, die neben den von der CD bekannten Petio Petev (g), Rikard Stjernquist (d, JAG PANZER) und Tim O'Connor (b, Ex-TENSION) um Sänger Tony Taylor (TWISTED TOWER DIRE) aufgestockt worden war. Falls man den BALLISTIC-Gig allerdings mit dem Rücken zur Bühne verfolgt hat, so muß einem diese Neuerung nicht unbedingt aufgefallen sein, denn Tony sang die Songs in perfekter Art und Weise und klang oftmals sehr nach Toms Original-Vocals. Die bekam das - von MAJESTY ordentlich aufgeweckte und offenbar schon am frühen Morgen US-Metal-geile - Publikum aber nur noch beim alten TENSION-Kracher 'Wrecking Crew' zu hören, welcher sich hervorragend in einen äußert überzeugenden Auftritt einfügte. Ich war ja vorher auch skeptisch, ob Tonys Gesang, den ich nur von den eher epischen TWISTED TOWER DIRE gewöhnt war, zu BALLISTIC passen würde, aber wer in Balingen gehört hat, wie der Mann 'Silent Killer', 'Threshold Of Pain', 'Corpse Stacked High' oder 'Call Me Evil' intoniert hat und noch dazu sehr agil als Vorzeigefronter agierte, der wird mir zustimmen, wenn ich sage: Das paßt! HELL YEAH! Das hätte auch der kurzfristig angekündigte Harry 'Tyrant' Conklin nicht besser machen können. Well done Mr. Taylor! Well done BALLISTIC!
Martin Brandt

ANGEL
Die fünf Amis hoben Anfang der siebziger Jahre ab und wurden einige Zeit als Gegenstück zu KISS betrachtet, deren genialer Selbstvermarktungshäuptling Gene Simmons sie Casablanca Records empfahl. Die Musiker machten dem Bandnamen auch visuell alle Ehre, traten sie doch in weißen Anzügen mit passend dezentem Make-up auf und inszenierten perfekte Abgänge in gleißendem Licht. Doch ihre späteren Pop-orientierten Songs hinkten den kommerziellen Erwartungen ebenso hinterher wie ihr anfänglicher US-Rock. 1980 ging die Plattenfirma unter und ANGEL mit ihr. Im Jahr 2004 hat die Band immerhin wieder zwei Mitglieder aus früheren Tagen an Bord: Shouter Frank Di Mino und Kessel-Spezi Barry Brandt. Die Neuzugänge wurden dem übrigens optisch gerecht, wobei man sich fragen kann, ob die alten Recken jünger aussehen oder umgekehrt. Keyboarder Michael Ross nutzte nicht nur seinen Bonus als Schönling der Band, um mit den Mädels zu flirten. Er wob vor allem den Klangteppich, auf dem sich die anderen Instrumente entfalten konnten. Die musikalische Verbindung von epischen und Rockelementen funktionierte hervorragend, begonnen mit dem bombastischen Intro, übergehend in das majestätische 'Tower', bis zum straighteren 'Broken Dreams', 'Fortune' und vor allem dem Kracher 'Rock & Rollers' sowie 'Feelin' Right', bevor das getragene 'Angel Theme' die Show beendete. Die Jungs waren in steter Bewegung, Frontmann Frank gut bei Stimme und agiler Mittelpunkt der (leider zu kurzen) Show. Und irgendwie kamen beim Publikum sogar die eigentlich doch antiquierten weißen Seidenanzüge nebst den Schuhen mit Plateausohlen gut an.
Jörg Schulz

OMEN
Im Vorfeld der OMEN-Show hatte Mastermind und Gitarrist Kenny Powell versprochen, vorrangig Material aus der 'Battle Cry'-Ära in der Setlist unterzubringen. Den zur Mittagszeit überraschend zahlreich anwesenden OMEN-Jüngern war das nur recht und als das Quartett dann schließlich nach dem bekannten Intro mit 'The Axeman' den Reigen eröffnete, sangen vor der Bühne hunderte Fans um die Wette. Es folgte Kracher auf Kracher. Neben 'Death Rider', 'Dragons Breath', 'In The Arena' und 'Battle Cry' wurden aber natürlich auch Stücke von 'Warning Of Danger' und 'The Curse' berücksichtigt, wenn hier auch nicht ganz so ausschweifend wie eben beim Debüt. Das aktuelle Album 'Eternal Black Dawn' wurde dann ebenfalls via Titelstück und '1000 Year Reign' bedacht, wobei einmal mehr auffiel, daß die neuen Songs live um einiges geiler daherkommen, als auf besagter CD. Egal, die Band wurde nach allen Regeln der Kunst abgefeiert und auch wenn so mancher Hardrock- oder Thrash Metal-Anhänger in den hinteren Rängen irritiert den Kopf schüttelte, OMEN waren einfach nur geil! Allen voran natürlich Kenny Powell, der von dem positiven Feedback sichtlich angetan war und die Meute immer wieder anfeuerte. Aber auch Sänger Kevin Goocher hat sich inzwischen einigen Respekt erarbeiten können. Schön war auch, daß man dem im letzten Jahr verstorbenen J.D. Kimball auch von Seiten der Band Respekt zollte und sich einen kurzen Moment an eine der wohl charismatischsten Stimmen der gesamten US-Metal-Szene erinnerte.
Kai Wollwert

LILLIAN AXE
1993 lieferten LILLIAN AXE auf ihrer einzigen Europatournee überall phänomenale Auftritte ab, doch danach versank die Band ziemlich in der Versenkung. Eine Scheibe mit alten Aufnahmen, ein paar Konzerte in ihrer Heimatstadt New Orleans samt daraus resultierender Liveplatte, doch ansonsten wenig Hoffnung, die Truppe um Stevie Blaze jemals wieder in unseren Breitengraden in Aktion zu sehen. Kein Wunder also, daß die Freude bei den Fans riesig war, als LILLIAN AXE die Zusage zum BYH!!! gaben - und der Schock kurze Zeit später um so größer, als Sänger Ron Taylor seinen Ausstieg verkündete! Immerhin konnte der Mann dazu überredet werden, zumindest noch die Show in Balingen zu absolvieren - und Herr Taylor hätte sich garantiert in den Arsch gebissen, wenn er sich diese Chance hätte entgehen lassen! Denn obwohl die Band in Deutschland nie zu den Topsellern gehörte, waren eine Menge Fans vor der Bühne, um diesen letzten gemeinsamen Auftritt mitzuerleben - einen Auftritt, der es noch unverständlicher macht, wieso Ron ausgerechnet jetzt das Handtuch werfen will. Die Südstaatler klangen so gar nicht nach einer "Freizeitband", die nur noch ab und zu gemeinsam die Bretter entert - dazu kamen Kracher wie 'Crucified', 'All's Fair In Love And War' oder 'Mercy' einfach zu tight und perfekt aus den Boxen. Auch in Sachen Stageacting konnte man nicht meckern, vor allem Basser Darrin DeLatta und Bandkopf Stevie Blaze zeigten, daß LILLIAN AXE keinesfalls zur Altherren-Fraktion gezählt werden können. Schade, daß die euphorischen Reaktionen Ron Taylor trotzdem nicht umstimmen konnten und wir Songs wie 'Deepfreeze' oder das gigantische 'The World Stopped Turning' wohl nie mehr von ihm zu hören bekommen...
Martin Römpp

DEATH ANGEL
Die Todesengel um Ober-Spring-Ins-Feld Mark Osegueda legten mit dem fulminanten Opener ihres neuesten Albums 'Thrown To The Wolves' gleich gehörig los, bevor sie mit 'Voracious Souls' von 'Ultra-Violence' eine Old School Thrash-Salve der tödlichsten Art abfeuerten. Von da an hatten die perfekt aufeinander eingespielten Amis beim Publikum eigentlich schon gewonnen. Mit 'Mistress Of Pain', 'Evil Priest' (beide von 'The Ultra-Violence') 'Bored' (von 'Frolic Through The Park') sowie 'Disturbing The Peace', 'Seemingly Endless Time', 'Stagnant' (alle von 'Act III'), 'Thicker Than Blood' (von 'The Art Of Dying') und zum Abschluß 'Kill As One' (wieder 'The Ultra-Violence') legten sie Stein auf Stein für einen der großartigsten Auftritte beim diesjährigen Bang Your Head!!!. Die Jungs agierten mit einer grandiosen Energieleistung auf der Bühne und auch musikalisch waren nicht die geringsten Schwächen zu erahnen. In dieser Liveverfassung spielt die reformierte Band 90 Prozent der Konkurrenz locker an die Wand. Das absolut begeisterte Publikum dankte es den Jungs mit massiven, nicht enden wollenden - aufgrund des straffen Zeitplans jedoch leider vergeblichen - Zugaberufen. Glücklicherweise konnten sich die Maniacs bereits am Vorabend des Festivals eine noch höhere Dosis DEATH ANGEL einfahren. Egal, ob im Club oder der großen Bühne DEATH ANGEL sind eine Live-Macht!
Martin Brandt

MAGNUM
Die Sonne schien, der Jacky lief prächtig, was konnte es also schöneres geben, als eine Greatest Hits-Show von einer der besten Hardrock-Formationen aller Zeiten? Das dachten sich wohl auch MAGNUM selbst und stiegen so, motiviert bis in die Knochen, mit einer gänsehauterregenden Version von 'All Englands Eyes' in ihren Gig ein. Sänger Bob Catley hatte sich sein flatterndes weißes Hemd wahrscheinlich erst kurz vor dem Auftritt von ANGEL geliehen, jedenfalls stand es ihm prächtig und überhaupt hat sich der gute Mann in den letzten 20 Jahren optisch wie stimmlich so gut wie überhaupt nicht verändert. Das kann man von Gitarrist Tony Clarkin zwar nicht gerade behaupten, aber auch dieser scheint sich ja nun endlich wieder mehr zu den eigenen Großtaten aus frühen und mittleren Achtzigern zu erinnern. So gab es eine gelungene Mischung von Klassikern wie 'How Far Jerusalem' oder 'Les Morts Dansant' sowie Material jüngeren Datums. Aus dem dieser Tage zur Veröffentlichung anstehenden Langeisen 'Brand New Morning' wurden gleich zwei Songs vorgestellt, die sich überraschend gut mit den Klassikern von MAGNUM vertrugen und sich so perfekt in das Set einreihten. Mit 'Kingdom Of Madness' war der schöne Spuk dann leider viel zu schnell vorbei. Wo blieben so gern gehörte Nummern à la 'The Spirit', 'The Teacher' oder 'Just Like An Arrow'? Na ja, dann pilgert man eben auch noch zu der wohl bald statt findenden Tour, gelle?!
Kai Wollwert

UFO
Der Fünfer um Baßmann Pete Way und Sänger Phil Mogg hat sein aktuelles Tourneeprogramm nur ein wenig zusammengestrichen, um auf die ihm zugestandene Stunde zu kommen. Damit waren Überraschungen eigentlich ausgeschlossen: Los ging's mit 'Mother Mary', weiter mit 'Let It Roll', 'Daylight Goes To Town', 'I'm A Loser' und 'This Kidds'. Doch mit 'Only You Can Rock Me' zündete es endlich bei der Band. Mogg riß sich das Shirt vom Leib, Jason Bonham stand auf und bearbeitete die Becken mit Wucht und Vinnie Moore steuerte ein vorzügliches, hartes Gitarrensolo ohne Schnörkel bei. Bei 'Love To Love' spielte er besonders gefühlvoll abwechselnd auf elektrischer und Wandergitarre, derweil der verrückte Pete den Laufsteg nutzte, die Leute zum Mitmachen animierte und schließlich im Liegen weiterspielte. Im nächsten Liedchen 'Too Hot To Handle' bediente er sein Instrument hinter dem Rücken. Vorher hatte der Shouter, der gut bei Stimme war, seine Deutschkenntnisse zum besten gegeben: "Danke schön, bitte schön, ein Bier bitte." Und wer hob demonstrativ seine Büchse mit Gerstensaft zu diesen Worten? Richtig, Kollege Way, der sich während 'Lights Out' wieder hinschmiß. Ansonsten lebte dieses Stück von den kurzen, knackigen Keyboard-Parts des Paul Raymond und einer ungewohnten Lebendigkeit der nur durch Haut und Knochen zusammengehaltenen Bandstimme. 'Rock Bottom' und 'Doctor Doctor' entwickelten sich nicht gerade zum Grande Finale, stellten aber immerhin einen achtbaren Schlußpunkt unter einen Gig dar, dessen witzigster Protagonist definitiv der durchgeknallte Basser war.
Jörg Schulz

SEBASTIAN BACH
Er kam, sah und siegte! Anders kann man den Auftritt von Sebastian Bach nicht beschreiben, denn was der baumlange Kanadier in Balingen auf die Bretter gelegt hat, war für viele - mich eingeschlossen - der Höhepunkt des diesjährigen Festivals. Daß Bach ein prima Entertainer ist, daran bestand nie ein Zweifel - doch daß der Mann nicht nur körperlich, sondern auch stimmlich mit seinen inzwischen 37 Jahren fit wie ein Turnschuh ist, war schon überraschend. Schließlich lieferte der Frauenschwarm in früheren Jahren live oft eine gesanglich eher durchwachsene Vorstellung ab - doch jahrelanges Broadway-Training scheint Bachs Stimmbändern gut getan zu haben, denn als der Hüne mit 'Slave To The Grind' die Bühne stürmte, schrie, röhrte und sang er wie ein junger Gott. Wild headbangend und das Mikro wie ein Wahnsinniger am Kabel durch die Botanik schleudernd, riß Seppl die Menge vom ersten Ton an mit und feierte einen wahren Triumphzug! Klar, mit Klassikern wie 'Youth Gone Wild', '18 And Life', 'I Remember You' oder 'Monkey Business' im Gepäck kann man nicht viel falsch machen, und auch Bachs Begleitband - diesmal noch mit Ex-ANTHRAX und zur Zeit MEAT LOAF-Gitarrero Paul Crook - war über jeden Zweifel erhaben. Vor allem Basser Brian 'Cheeze' Hall brach unzählige Frauenherzen. Musikalisch gab's mit 'Always & Never The Same' einen neuen Song zu hören, und auch der 'Rocky Horror Picture Show'-Gassenhauer 'Time Warp' war ein echtes Highlight. Ein rundum glücklicher Sebastian Bach sprach später von der "besten Show meiner Solokarriere" - kein Wunder, denn die völlig begeisterten Fans wollen ihn garantiert schnellstmöglich wiedersehen...
Martin Römpp

TESTAMENT
Rückblickend war der Co-Headliner TESTAMENT leider das große Ärgernis des Bang Your Head!!! 2004. Zuerst überzog die Band die ihr zustehende Umbaupause um ganze 25 Minuten, was für die Organisation eine mittlere Katastrophe darstellte, da ja bekanntlich um 23.00 Uhr in Balingen Ruhe herrschen muß und für jede überzogene Minute eine saftige Strafe fällig wird. So wurde der Tourmanager von TESTAMENT mehrmals und deutlich aufgefordert, nun endlich mit dem Konzert anzufangen, was der gute Mann aber wohl nicht an seine Band weitergeben wollte. Als die Mannen um Frontmann Chuck Billy dann endlich mit ihrer Arbeit anfingen, wurden das gesamte Festival Areal mit einem Soundmatsch überflutet, der die Songs praktisch vollkommen verzerrte und quasi unanhörbar machte. Man hatte wirklich Schwierigkeiten, Songs wie 'The Haunting', 'Over The Wall' oder 'Electric Crown' zu erkennen. Wie dem auch sei, da die Band zu spät angefangen hatte, mußte sie damit leben, nur ein gekürztes Set spielen zu können, obwohl der Headliner ICED EARTH bereits freiwillig auf zwei Songs verzichtete, um die magische 23.00 Uhr Grenze nicht überschreiten zu müssen. TESTAMENT selbst dachten allerdings gar nicht daran, ihren Kram einzupacken, sondern spielten fleißig drauf los. Selbst als ihnen der Strom abgedreht wurde, zockten sie noch eine Weile weiter, bis sie endlich die Bühne freigaben. War wirklicht nicht das Gelbe vom Ei, leider!
Kai Wollwert

ICED EARTH
Die Wellen schlugen hoch, als wir ICED EARTH als Samstagsheadliner bekanntgaben und lösten eine engagiert geführte Pro-und-Contra-ICED EARTH-Debatte aus - ähnlich wie es auch nach der Veröffentlichung der neuen Platte 'The Glorious Burden' geschehen war, die äußerst kontrovers diskutiert worden war. Doch nachdem ICED EARTH aufgrund von Jon Schaffers Rückenproblemen ihre Europatournee hatten absagen müssen und nach der Besserung von Jons gesundheitlichen Problemen zunächst ihre Amerikadates wahrnahmen, sollten wir beim Bang Your Head!!! zum ersten Mal auf deutschem Boden die Möglichkeit erhalten, die "neuen" ICED EARTH kritisch zu beäugen und herauszufinden, wie der "Ex-Ripper", Tim Owens, sich gebärdet, wenn er nicht mehr in das priesterliche Korsett gezwängt ist. Doch zunächst mußten einige logistische Klippen genommen werden, die aufgrund der zuvor geschilderten Verzögerungen bei TESTAMENT aufkamen. So geht zunächst ein Lob an die Bühnencrew, die den Umbau in Rekordzeit bewältigte; immerhin galt es neben den normalen Arbeiten unter anderem sechs Kanonen auf die Bühne zu schieben und mit Pyros zu bestücken. Außerdem erklärte sich die Band frühzeitig bereit, zwei Songs aus ihrem Set zu streichen, was wahrlich keine Selbstverständlichkeit war, so daß der strikte Zeitrahmen, der in Balingen gesteckt ist, eingehalten werden konnte. Folglich war die Uhr schon gefährlich nahe an 22 Uhr herangetickt, als ICED EARTH beginnen konnten. Und die Truppe spielte fraglos eine würdige Headlinershow, an der man jedoch einige Kritikpunkte festmachen mußte: Stimmlich besser denn je zuvor, enttäuschte Tim showtechnisch, da er sich nahezu ausschließlich hinter seinen Monitorboxen aufhielt und allenfalls gelegentlich einen kurzen Ausflug zum Rand der Bühne wagte - da konnten wir im Laufe der beiden Tagen ganz andere Frontmann-Kaliber bestaunen. Unzufriedenheit gab es bei etlichen Fans auch wegen der Setlist, die sich noch weitere der alten ICED EARTH-Granaten gewünscht hätten - die jedoch vielleicht der Setkürzung zum Opfer gefallen waren. Allerdings nahm allein die Zugabe 'Gettysburg (1863)', bei der Jon und sein Gitarrengegenpart Ralph Santolla zum Thema passend in Bürgerkriegsuniformen auf die Bühne kamen, fast 20 Minuten in Anspruch, so daß für Trips in die Vergangenheit nur wenig Zeit blieb. Daher konnten ICED EARTH keinesfalls mit dem Vorjahresheadliner TWISTED SISTER mithalten - was man auch daran sah, daß etliche Fans nach Abschluß des Sets sofort 'We're Not Gonna Take It' anstimmten - hatten aber dennoch eine spielerisch und gesanglich einwandfreie Show abgeliefert. Erfreulich war zudem, daß sich das Ausleben von Jon Schaffer Pro-Amerikanismus, was in den letzten Monaten vielen sauer aufgestoßen war, in Grenzen hielt (Die Entgleisungen eines gewissen Sean Peck waren in dieser Hinsicht wahrhaftig genug...) Darüber hinaus nötigt es mir allen Respekt ab, daß Jon den Gig bestritt, obgleich sein Rücken ihm schon beim Gehen heftige Schmerzen bereitete und er erst Stunden nach den anderen Musikern zusammen mit seinem Physiotherapeuten auf dem Gelände ankam, da Jon besonders schonend transportiert werden mußte. Hoffen wir, daß Jon bis zur Tour Ende des Jahres vollständig genesen sein wird und ICED EARTH uns mit neuer Energie versehen mit einem kompletten Set erfreuen können.
Stefan Glas