BYH!!! Rückblick 2000

2000

Die Einleitung:

Hurra, wir leben noch! Der Kelch ist an uns vorübergegangen. Spätestens jetzt dürfte es wohl auch der größte Pessimist geschnallt haben: Der allerorts befürchtete große Millenniumcrash hat nun doch nicht stattgefunden! Glück gehabt! Und glaubt es, oder laßt es sein: Auch vom angekündigten Weltuntergang wurden wir zu unserer Verwunderung nochmals verschont! "Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben", wie Jagger, unser redaktionell miteingebundener Sektenbeauftragter der Stadt Reutlingen, stets zu sagen pflegt...

Egal! Nichts, aber auch gar nichts konnte uns nunmehr davon abhalten, auch dieses Jahr unser mittlerweile etabliertes Bang Your Head!!!-Festival zu veranstalten. Der Fanfreundlichkeit wegen setzten wir uns lange vor der Jahrtausendwende mit dem Rock Hard Megazine, den Veranstaltern des Wacken Open Airs und denen des With Full Force Festivals an einen Tisch. Entgegen unserer Gewohnheit ließen wir Bier Bier sein und widmeten uns lieber Schnaps und Wein... Nein ernsthaft, gemeinsam überlegten wir, wie wir Euch, den treuen Fans, denen jeder von uns unwahrscheinlich viel zu verdanken hat, entgegenkommen können. So zum Beispiel waren wir bemüht, die Gagen der für uns in Betracht kommenden Acts nicht gegenseitig in die Höhe zu treiben. Schließlich hättet einzig und allein Ihr hierfür - mit Eurer hart verdienten Kohle - büßen müssen (oder auch nicht, wie vielleicht der ein oder andere jetzt denken wird...). Natürlich wollten wir uns auch nicht gegenseitig ins Gehege kommen. Wir sprachen daher vorher ab, wer mit welcher Band an den Start gehen will. Denn mal Hand auf's verkommene Herz: Wer von Euch will schon ein und den selben Headliner, aber auch Kultact, dreimal hintereinander für gut befinden? Eben...

All das, und noch viel mehr waren für uns Gründe, die Hard Union aus dem Boden zu stampfen! Ein Schulterschluss, der sich für alle gelohnt haben dürfte... Was wir nicht vorausahnen konnten, zumal uns das Schicksal dahingehend bislang wohlgesonnen war, waren all die Absagen von bereits bestätigten und somit auch gebuchten Bands. Die ersten, die das Handtuch werfen mußten, waren ARMORED SAINT. Jene Combo also, die wir Euch exklusiv unter dem Motto "Saints will conquer Germany" präsentieren wollten. Wir hatten die Rechnung wohl mit dem Wirt, doch leider ohne ANTHRAX gemacht...

Scott Ian & Co. beschlossen zu unserem Bedauern, der MEGADETH/MÖTLEY CRÜE-US-Tour beizuwohnen und beorderten daher umgehend ihren Frontgaul John Bush, der bekanntlich ARMORED SAINT nur als Nebenprojekt betreibt, zurück! Shit happens! Auch THIN LIZZY, auf die wir uns ganz besonders freuten, mußten uns letztendlich einen Korb geben. Zog sich doch Scott Gorham beim Golf spielen eine Zerrung im Schulterbereich zu, die einen Auftritt in Balingen unmöglich machte. AXEL RUDI PELL hingegen nahm Rücksicht auf die persönliche Situation seines Sängers Johnny Gioeli. Als habe der gute Kerl nicht schon genug an der Herz-OP seines Vaters zu knabbern, so kam auch noch hinzu, daß sein Bruder ebenfalls am Herzen operiert werden mußte. Verständlich, daß Johnny seine Zeit lieber am Krankenbett als auf dem Festivalgelände zu Balingen verbringen wollte...

Die dubioseste Absage erreichte uns allerdings aus dem fernen Amerika. Im ersten Moment wußten wir wirklich nicht, ob wir lachen oder weinen sollten. CRIMSON GLORY sagten jedenfalls ab mit der Begründung, ein Gitarrist sei in einen giftigen Kaktus (wohl dem einzigen im Staate Florida...) gefallen. Aha, und unseren Pfiste hat ein tollwütiges Schaf gebissen...

Sei's drum: Mit all den genannten Gruppen hatten wir leider schon die Werbetrommel gerührt. Wir fühlten uns daher verpflichtet, adäquaten Ersatz zu beschaffen. Glücklicherweise gelang es uns JACOBS DREAM, AXXIS, KROKUS und JAG PANZER mit ins Boot zu nehmen. An Bord waren zu der Zeit auch schon die SCORPIONS, was mancherorts für Unruhe sorgte. Unser Gästebuch, aber auch das des Rock Hard, wurde jedenfalls rege requiriert. Wer jedoch die Show der SCORPS gesehen hat, wird zwangsläufig zugeben müssen, daß der ganze Wirbel für'n Arsch war...

Apropos Arsch: Den mußten wir uns wieder einmal im Vorfeld des Events aufreißen. Immerhin galt es, Eure Anfragen zügig zu beantworten. Doch das allein war ja nicht alles: So zum Beispiel übernahmen wir - wie jedes Jahr - die Hotelbuchungen; ein Unterfangen, wie es nervenaufreibender nicht sein könnte. Und auch die Gästeliste verlangte nach ihrem Recht. Vom restlichen, rein organisatorischen Kram reden wir besser nicht... Who cares? Das letzte Juni-Wochenende entschädigte für alles. Bei sehr gutem Wetter und einer sagenhaften Atmosphäre spielte das Gros der Bands um ihr Leben. Anno 2001, das steht bereits fest, wird das sicherlich nicht anders sein...

Warm-Up-Show Donnerstag, 29. Juni 2000

Ort der Warm-Up-Show: 

WOM Balingen

Billing Warm-Up-Show: 

CANNIBAL CORPSE
ASPHYX
KRISIUN
PAVOR

PAVOR
Zum diesjährigen Bang Your Head!!!-Festival hat sich Redaktionsnesthäkchen Jagger etwas Außergewöhnliches einfallen lassen und eine Death Metal Nacht der besonderen Art organisiert. Tatort war das WOM in Balingen. Direkt neben dem Festivalgelände gelegen, ist die etwas klinisch geratene Bikerdisco zwar alles andere als ein üblicher Ort zum abbangen, der offensichtliche Vorteil der walking distance ließ aber keine weiteren Diskussionen aufkommen. PAVOR Los ging es gegen 21:00 Uhr mit PAVOR aus dem Rheinland, die den Undergroundcontest gewonnen hatten. Die Jungs sind keine Unbekannten mehr und legten entsprechend routiniert los. Ihr thrashlastiger Death Metal wußte durchaus zu gefallen, sonderlich viel ist bei mir aber leider nicht hängengeblieben. Die etwa 300 Anwesenden gaben sich aber zufrieden und gönnten den Bonnern nach jedem Song einen Höflichkeitsapplaus.
Andreas Reissnauer

KRISIUN
Das erste Highlight des Abends kam in Form der Brasilianer KRISIUN, die mit ihrem dritten Album 'Conquerors Of Armageddon' eine der extremsten und schnellsten Todesmetallscheiben ever veröffentlicht haben. Wer allerdings schon einmal das zweifelhafte Vergnügen hatte, die drei Brüder leibhaftig zu begutachten, sei es auf der Clubtour mit SOILWORK oder diversen Festivaltourneen, dem wird außer ein paar Tagen Ohrenschmerzen nicht viel im Gedächnis hängen geblieben sein, da KRISIUN in der Vergangenheit heftig mit Soundproblemen zu kämpfen hatten und diese in regelrechte Noise- und Feedbackorgien ausschweiften. Ganz anders allerdings am heutigen Tage, wo die Südamerikaner und Teilzeit-Berliner zum ersten Mal mit einem akzeptablen Sound ausgestattet waren und dementsprechend mit 'Kings Of Killing' den musikalischen Weltuntergang einläuteten. Der Schwerpunkt der vorgestellten Songs lag natürlich auf dem überragenden Drittwerk und so wurden mit 'Hatred Inherited', dem Titelsong 'Conquerors Of Armageddon' oder 'Soul Devourer' sämtliche Hits des angesprochenen Meisterstückes heruntergebolzt. Auch ältere Stücke wie 'Vengeance Revelation', 'Apocalyptic Victory' oder 'Aborticide' fügten sich nahtlos in KRISIUNs Soundinferno ein und so wurden die "Brazilian Metal Brothers" von der anwesenden Meute zurecht abgefeiert. Noch eine Bemerkung am Rande: Wer bis dato gemeint hatte, daß das unmenschlich schnelle und präzise Drumming von Max Kolesne auf 'Conquerors Of Armageddon' getürkt sei, der konnte sich an diesem Abend eines Besseren belehren lassen. Der Mann ist ein Tier und mir blieb angesichts der unglaublichen Leistung des Schlagwerkers nur ein fassungsloses Staunen. Aussagen seines Bruders Moyses zufolge, verbringt der Maniac bis zu zehn Stunden täglich im Proberaum. Man konnte es hören...
Frank Schenk

ASPHYX
Pünktlich zum Showstart der holländischen Götter von ASPHYX war das WOM dann mit circa 700 Leuten überaus ansprechend gefüllt und das Trio bot ein überragendes Set. Die Jungs legten mit einem ihrer besten Songs, 'Vermin' von 'The Rack', los wie die Feuerwehr und boten im weiteren Verlauf ihrer Show ein nahezu perfektes Set mit zahlreichen Hits aus der Bandgeschichte wie 'Ode To A Nameless Grave', 'The Sickening Dwell' oder 'Rite Of Shades', immer wieder zersetzt mit Stücken vom aktuellen Album 'On The Wings Of Inferno'. Die deutschen Ansagen von Sänger/Bassist Wannes Gubbels wirkten mitunter zwar nichtssagend, kamen aber von Herzen und deshalb beim Publikum gut an. Überhaupt wurden ASPHYX ordentlich abgefeiert und in dieser Form dürfen sie sich gerne öfter in deutschen Landen blicken lassen.
Andreas Reissnauer

CANNIBAL CORPSE
Der Abschluss eines ziemlich geilen Death Metal-Events war wieder einmal den Kannibalen um George 'Corpsegrinder' Fisher vorbehalten. Man mag zu den Alben von CANNIBAL CORPSE stehen wie man will, aber live gehören die Jungs aus Florida neben MORBID ANGEL zum absolut Besten, was der extreme Metal zu bieten hat. Egal, ob Drummer Paul Mazurkiewicz, Tieftöner Alex Webster oder Sixstring-Burner Pat O'Brien, sie alle gehören zu den herausragendsten Musikern, die die Death Metal-Szene zu bieten hat. CANNIBAL CORPSE verbinden wie kaum eine weitere Band die Komponenten Routine, Erfahrung und gleichzeitig unbändige Spielfreude und so wurde auch am heutigen Abend wieder die ein oder andere Sau geschlachtet. Highlights waren dabei 'Fucked With A Knife', welches der Corpsegrinder der anwesenden holden Weiblichkeit widmete, der 'Gallery Of Suicide'-Opener 'I Will Kill You' wurde mit unglaublicher Intensität ins Publikum geschmettert oder auch 'Unleashing The Bloodthirsty' vom aktuellen Werk 'Bloodthirst' knallte ohne Ende, welches übrigens zu Ehren von KRISIUN zum Besten geboten wurde, mit denen CANNIBAL CORPSE demnächst eine mehrwöchige US-Tour bestreiten werden. Allerdings sollte man erwähnen, daß der Sound im WOM während des CC-Auftritts durchaus das Prädikat "verbesserungswürdig" verdient hätte, da er vergleichsweise etwas matschig aus den Boxen quoll und meinem Trommelfell den endgültigen K.O. bescherte. Denn auf den abgelaufenen No Mercy Festivals oder der letztjährigen Tour mit MARDUK gab es die Songs noch 'ne ganze Ecke brachialer, aber wesentlich sauberer zu hören. Den Anwesenden war's egal, es wurde gebangt und gemosht bis die Lichter an- oder besser völlig ausgingen und es grenzte wohl an ein Wunder, daß das recht nett eingerichtete WOM nicht in Schutt und Asche gelegt wurde. Wie sagte doch einer meiner Kumpels: "CANNIBAL CORPSE rockten wie Sau", und dem ist nichts hinzuzufügen. Mehr davon beim nächsten Bang Your Head!!!.
Frank Schenk

Festival-Freitag, 30. Juni 2000

Location Festival-Freitag Open Air: 

Messegelände Balingen

Billing Freitag Open Air: 

SCORPIONS
DEMONS & WIZARDS
SAXON
RAGE
U.D.O.
AXXIS
EXCITER
JACOBS DREAM
DESTINY'S END
EVERGREY
CHINCHILLA

CHINCHILLA
CHINCHILLA hatten die schwere Aufgabe, das diesjährige Bang Your Head!!!-Festival zu eröffnen. Sie konnten mit ihrem melodiösen Power Metal morgens um 10.00 Uhr doch schon einige Leute vor die Bühne locken. Die Süddeutschen hatten es nicht leicht den Bangern um diese Zeit schon die großartige Reaktionen zu entlocken, dennoch konnten sie dank eines guten Sängers, mit einem guten Sound und einer souveränen Performance überzeugen und haben ihre Rolle als Opener des Festivals bravourös gelöst. Man merkte der Truppe an, daß sich die vielen Einzelgigs der Vergangenheit positiv auf das Bandgefüge ausgewirkt haben, da CHINCHILLA zu jeder Zeit als geschlossene perfekt harmonierende Einheit auftrat. Dies läßt darauf hoffen die Band bald wieder auf Festivals spielen zu sehen, denn an einer besseren Position kann ich mir gut vorstellen, daß die Band mit ihrer powervollen Mucke und tighten Performance doch für Stimmung sorgen kann.
Bernie

EVERGREY
Bei EVERGREY herrschten nicht gerade die besten Voraussetzungen für ihren Auftritt, aber so ist nun einmal das Los der zweiten Band eines Festivals. Viele der Besucher befanden sich noch in einer Orientierungsphase und die Mehrheit befand sich noch vor den Toren, als die Schweden um 10.40 Uhr die Bühne betraten. Nach ihrem überzeugenden Einsatz auf der CRIMSON GLORY-Tour waren nicht wenige Fans gespannt, wie sich EVERGREY auf einer Festivalbühne aus der Affäre ziehen würden. Keine Frage, sie machten ihre Sache toll und erspielten sich eine Menge neuer Fans. Ohne viel Aufwand knackte man die leicht reservierte Einstellung der ersten Besucher. Nach einem kurzen Intro legte man mit 'Solitude Within' los, welches im weiteren Verlauf des Auftritts in 'Blackened Dawn' und 'Nosferatu' überging. Die Ansagen fielen knapp aus, man ließ die Musik sprechen und fuhr mit 'She Speaks', 'Shadowed', 'When The River...' und 'The Corey Curse' fort. Ihre knapp 40 Minuten nutzten EVERGREY souverän und hinterließen somit einen sehr positiven Eindruck. Als ich die Band letztes Jahr auf dem Powermad-Festival zum ersten Mal sah, machte sie einen ziemlich unkontrollierten Eindruck, was man fast ein Jahr später nicht mehr behaupten kann. Beide Daumen nach oben für die eigenwilligen Schweden.
Jürgen Tschamler

DESTINY'S END
Nach dem exzellenten Auftritt beim letztjährigen Wacken Open Air war dies die zweite Möglichkeit für DESTINY'S END, sich einem größeren Publikum vorzustellen. Die Jungs um ex-HELSTAR-Sirene James Rivera legten auch gleich los wie die Feuerwehr und hatten das Publikum sofort auf ihrer Seite. Nach zwei von insgesamt nur drei Krachern vom Erstling 'Breathe Deep The Dark' folgten auch schon Songs (unter anderem 'Transition', 'The Watcher', 'From Dust To Life' und die Halbballade 'Stormclouds') des im Herbst erscheinenden Albums 'Transition'. Die neuen Tracks führen die mit 'Breathe Deep The Dark' eingeschlagene Richtung konsequent fort und sind sogar noch etwas flotter ausgefallen, so daß man sich den Releasetermin im Herbst auf jeden Fall schon mal rot im Kalender anstreichen kann. Die Band wirkte noch tighter als letztes Jahr, und das obwohl man mit ex-Z-LOT-Z-Klampfer Eric Halpern einen neuen Gitarristen ins Line-up einbauen mußte. Ein weiterer Blickfang war Bassist Nardo Andi, der zum einen durch superbes Saitenzupfen und zum anderen durch extremes Muskelspiel auffiel. Der Mann hat mit Sicherheit keine Probleme an Groupies zu kommen. Man merkte der Band auf jeden Fall die Spielfreude an und James sang wieder mal wie ein junger Gott und ich denke, daß der kleine Wettkampf um den besten Sänger des Festivals mit Harry Conklin von JAG PANZER unentschieden ausgegangen ist. Zudem bewies Meister Rivera einmal mehr seine Qualitäten als Entertainer und spornte das Publikum immer wieder an, welches ihm mit frenetischen Jubel dankte. Aber das war nur der Anfang für James, denn im Verlauf des Abends sollte sich seine Phallus-betonte Stretchhose noch um einiges verbeulen! Einziger Kritikpunkt einer sonst tadellosen Show war, daß die Band zu sehr auf James ausgelegt ist. Die restlichen Musiker spielen perfekt ihre Parts, greifen aber zu selten ins Geschehen ein und überlassen dem ehemaligen Höllenstern alleine das Feld. Wäre toll, wenn die Band optisch wie früher z.B. FLOTSAM & JETSAM komplett involviert wäre. Aber das nur am Rande. Fazit: DESTINY'S END waren eine der besten Bands des Festivals und haben gezeigt, daß es nicht nur in den 80ern erstklassigen US-Power Metal gegeben hat.
Oliver Weinsheimer

JACOBS DREAM
Nach den wirklich überzeugenden DESTINY'S END enterten die Newcomer JACOBS DREAM die Bühne. Zum Erstaunen aller Anwesenden (vielleicht mal ausgenommen Metal Blade-Chief Mike Trengert) konnten die Amis mit einer Triple Axe Attack aufwarten und waren zusammen mit den SCORPIONS (bei einem Song!!!) die einzigen, die auf den fetten Sound von drei Gitarren setzten. Leider ging die Rechnung nicht so auf, wie es sich die Nummer eins unserer Lesercharts ausgerechnet hatte, denn zumindest eine Gitarre fiel ständig aus, was diesen Effekt im Nichts verpuffen ließ. Aber auch generell waren JACOBS DREAM eine der ganz wenigen Bands, die unter einem durchwachsenen Sound zu leiden hatte. Der Gesang und die Drums waren stellenweise zu laut, die Gitarren teilweise kaum zu identifizieren. Darunter litten natürlich vor allem die ausgeklügelten Kompositionen der Power Metaller. Gerade der Opener 'Kinescope' verschwand irgendwo im Soundbrei. Aber das war leider nicht der einzige Kritikpunkt, da auch das Bühnenoutfit und Zusammenspiel noch zu wünschen übrig ließ. Schließlich bangt das Auge ja mit. Die Jungs gingen so auf die Bühne, wie sie in ihrer Freizeit herumlaufen: Lila Bermudashorts und abgeschnittene Jeans. Jungs, das paßt beim besten Willen nicht zu eurer Musik, auch wenn es euch sehr warm war. Auch am Zusammenspiel muß noch etwas gefeilt werden, da die Band noch nicht wie eine Einheit wirkt und auch die Ansagen zwischen den Songs etwas holprig waren. Ich hoffe, daß die Jungs in diesen Belangen noch etwas unternehmen, denn Songs wie zum Beispiel 'Violent Truth', 'Scapegoat' oder die geniale Halbballade 'Tale Of Fears' sind absolut für die Bühne geeignet, benötigen allerdings eine gewisse Atmosphäre, welche die Band aber noch nicht schaffen konnte. Sehr vielversprechend war der neue Song 'Theater Of War', der wahrscheinlich auf der nächsten Langrille landen wird und stilistisch in dieselbe Kerbe schlägt wie das Debüt. Vielleicht können wir auf der im Herbst anstehenden Tour mit ARMORED SAINT und BRAINSTORM noch etwas mehr hören und hoffentlich sind die oben erwähnten Mankos bis dahin ausgeräumt. Ich würde es dieser hochtalentierten Band auf jeden Fall gönnen, denn nicht umsonst stehen die Jungs an der Spitze unserer Lesercharts, welches man auch an dem wohlwollenden Applaus, der für diese Uhrzeit recht zahlreich erschienenen Fans, erkennen konnte.
Oliver Weinsheimer

EXCITER
Balingen: 13.25 Uhr. EXCITER. Sonne. Die Frisur sitzt ...und während die gelbe Sau unbarmherzig vom Himmel brezelt, erklingen die Takte des Instrumentals 'War Cry' vom brandneuen 'Blood Of Tyrants'-Album. Nervenzerreißende Spannung, der langsam dahinstampfende Rhythmus quält die immer zahlreicher vor die Bühne hechtenden Metaller bis aufs Blut. Was werden uns die nächsten fünfzig goldenen Minuten bringen? Die Antwort bestand aus einem Donnerschlag namens 'Stand Up And Fight'! Und genau das taten die Maniacs in der Frontrow auch. Mit fliegender Matte und geballter Faust ging es vorwärts, nach dem Gig zeigten sich John Ricci & Co. noch stundenlang völlig begeistert von den Reaktionen ihrer deutschen Fans! Und wirklich, es war schon gut was los zu dieser frühen Stunde, auch wenn bedauerlicherweise leider nicht alle EXCITER-Fans Freitagmittags ihre Heroes supporten konnten, sondern in so profanen Dingen wie Arbeit oder Autofahren gefangen waren. Aber denjenigen, die die Holzfäller on stage wüten sahen, wurde bewußt, wer die augenblickliche, WELTWEITE NUMMER EINS im Bereich des echten Heavy Metals ist! They ruled with an iron fist... Und Balingen kam für meinen Geschmack in den Genuß eines Fabel-Gigs, der von einer Songauswahl gekrönt wurde, die ihresgleichen sucht. Es gleicht der Quadratur eines Kreises, aus den Tonnen an EXCITER-Highlights eine Setlist zurechtzuzimmern, die jeden zufriedenstellt. Ein paar persönliche Faves fehlen garantiert immer. Aber was EXCITER da zusammengestellt hatten, verdiente einfach nur das Prädikat Weltklasse. Und Jacques Belanger sang alle diese alten und neuen Klassiker wie ein Gott! Ein Gott, welcher - flankiert von seinen drei Mit-Göttern, allen voran natürlich Urgestein John Ricci - seinen Lebenszweck gefunden hat: Uns in seiner einmaligen Stimmlage zu künden von den wirklich wichtigen Dingen des Seins. Von Metal, Metal und von Metal. Diese Truppe ist der personifizierte Stahl, die Inkarnation puren Schwermetalls in seiner reinsten Form. Ein gewaltiges 'Brutal Warning' vom neuen Brecher 'Blood Of Tyrants' zog uns hinein in einen Strudel aus Härte, aggressivem Stageacting, Power und Emotion. Dann 'Blackwitch'. Welch anrührender Moment, als die zusammengenommenen circa tausend Jahre erlebter Metal-History, welche in Form diverser alter Kämpen alleine schon direkt um meinen Standpunkt herum vorne am Absperrgitter versammelt waren, bei besagtem Gänsehaut-Oldie fast kollektiv in Tränen ausbrach... Doch um ein verrotztes Taschentuch zu zücken, blieb wahrlich keine Zeit. Eine tödliche Triple Attack in Form der jeweiligen Titelsongs von 'Heavy Metal Maniac', Violence And Force', sowie 'Long Live The Loud' - mir klingeln immer noch vom infernalischen "We are loud and prooouuuuuud" die Ohren... - trieb die gierig nach weiterem Eisen geifernden Kopfschüttler vor der Bühne zu neuen Höchstleistungen an. Jawoll, that's what we call M.E.T.A.L.! Doch bei all den frühen Perlen vergaß man auch die beileibe nicht minder glorreiche Gegenwart keineswegs. 'The Dark Command' und 'Burn At The Stake' nannten sich weitere grandiose Dreschflegel, mit denen wir Verrückten uns vorm Fotograben von John Riccis Axt freudig in die Knie zwingen ließen. Der Titelsong des 'The Dark Command'-Nachfolgers 'Blood Of Tyrants' bildete dann einen weiteren Höhepunkt, welcher, obwohl das ganz frische Songmaterial den Fans naturgemäß noch nicht geläufig war, wie alle anderen neuen Songs ohne zu zögern abgefeiert wurde. Nach dieser Demonstration war dann ermattetes zum-Bierstand-Schleppen als nächste Disziplin angesagt... Ich persönlich bin stolz darauf, innerhalb weniger Stunden in Form von James Rivera, Mark 'The Shark' Shelton, Harry 'The Tyrant' Conklin, Jason McMaster und natürlich Jacques Belanger einige der besten, kultigsten und charismatischsten Metalsänger dieses Erdballs bei der Ausübung ihrer Kunst erlebt zu haben. Neben dem anfangs nicht optimalen Sound der wohl einzige Wehrmutstropfen: Es ist nicht zu entschuldigen, daß die vielen Freunde der Kanadier während des Festivals weder die Möglichkeit hatten, das heißbegehrte neue Album 'Blood Of Tyrants' zu erwerben, noch sich mit einem Shirt des Quartetts eindecken konnten. Und dafür wollen sich John Ricci und Co., die an dieser Misere nicht die geringste Schuld traf, auf diesem Wege noch einmal herzlich bei ihren Fans entschuldigen! Anyway, EXCITER means world domination!
Arno Hofmann

AXXIS
Ob die AXXIS-Jungs Muffensausen vor dem diesjährigen Bang Your Head!!!-Festival hatten, ist mir zwar nicht bekannt, aber ich könnte es mir lebhaft vorstellen. Immerhin waren sie genau wie im letzten Jahr PINK CREAM 69 (mit mächtigem Bammel!) die melodischste Band auf dem Billing. Desweiteren mußten sie quasi als Ersatz für AXEL RUDI PELL unangekündigt die Bühne entern, was auch nicht gerade einfach ist. Allerdings haben sie gerade eine überaus erfolgreiche Tour absolviert, die Bernhard Weiss und seiner Mannschaft das Selbstbewußtsein gibt, vor jedem Publikum bestehen zu können. Außerdem haben AXXIS mit 'Back To The Kingdom' (in den HOW-Lesercharts auf Platz 11 eingestiegen!!!) ein geiles back to the roots-Album im Gepäck, so daß sich keiner wunderte, daß gleich zu Beginn bei 'Shadowman' und 'Flashback Radio' die Stimmung saugut war. Und da die beiden Neuen, Guido Wehmeyer an der Klampfe und Kuno Niemeyer am Viersaiter, sogar noch mehr Dampf machten als auf der regulären Tour und Bernhard Weiss sowieso zu den besten Entertainern in Deutschland gehört, hatten AXXIS trotz der durch Zeitmangel abgespeckten Setlist das Publikum jederzeit im Griff. Bei Songs wie 'Stay Don't Leave Me', 'Touch The Rainbow' oder 'Heaven In Black' ist das auch kein Wunder, und als im Endspurt 'Living In A World' und als spezielles Schmankerl für die härtere Fraktion 'Kings Made Of Steel' zum Zuge kamen, war für AXXIS sicherlich die Welt in Ordnung, denn die Reaktion der Fans war einfach phantastisch. Mit 'Little Look Back' und 'Na, Na, Hey, Hey, Kiss Him Goodbye', den beiden recht ähnlich gehaltenen Songs mit dem berühmt-berüchtigten "Nanana"-Chorus neigte sich der Auftritt seinem Ende zu, was zwar noch einmal die Stimmung gewaltig aufputschte, allerdings wäre im Anschluß daran als Abschluß 'Kingdom Of The Night' anstelle von 'Little Look Back' der klügere Schachzug gewesen. Trotz des kleinen Kritikpunkts, beide Daumen hoch für AXXIS!
Chris Glaub

U.D.O.
Und immer noch kein Schatten in Sicht... Dem Metal tat das natürlich keinen Abbruch, im Gegenteil. Auch wenn man sich beim Anblick diverser Gestalten farbenmäßig gesehen mittlerweile an die Schalentierauslage eines 'Nordsee'-Restaurants erinnert fühlte, spürte man die Vorfreude vieler alter Deutschmetaller auf die U.D.O.-Show, welche natürlich auch den einen oder anderen obligatorischen ACCEPT-Knaller versprach. Hand auf's Herz, die U.D.O.-Scheiben sind astreine Metalalben mit vielen starken Tracks, aber jeder wartet doch am meisten auf die ganz alten Kamellen. Und womit? Mit Recht! Zunächst ließen Dirkschneider und Co. die Meute an einigen U.D.O.-Songs der Marke 'Riders Of Beyond' ihr Mütchen kühlen - obwohl das Wörtchen kühlen an diesem schweißtreibenden Wochenende mehr als deplatziert war... - bevor es mit einem nicht enden wollenden ACCEPT-Reigen - das längste Medley der Welt? - in die Vollen ging. Bereits bei 'Midnight Mover' watete der unverwechselbare Shouter durch ein Meer von emporgereckten Armen, die Band war so richtig in Spiellaune und steckte das dankbare Publikum damit an. Das alte Spiel mit dem Wechselgesang ging wieder einmal auf, ein absoluter Höhepunkt nannte sich 'Metal Heart'. Udo brauchte fast gar nicht mehr zu singen, daß erledigte schon die Menge für ihn. Der Mann war sichtlich angetan von dem, was da an Reaktionen zurückkam und mehr als einmal entfuhr dem blonden Powerpaket ein gerührtes "Balingen, ihr seid unglaublich!". Es war allerdings nicht nur Balingen, das unglaublich war, sondern auch die massive Anwesenheit alter Schlachthymnen. Da fehlte weder das frenetisch abgefeierte 'Balls To The Walls', noch das in den frühen Achtzigern für geschockte Eltern sorgende 'Son Of A Bitch'. Die sich anschließende Empfehlung "Kiss My Ass" wurde zwar nicht befolgt - Metaller tun sowas niemals! - aber der von so ziemlich allen Zuschauern mitgesungene Refrain donnerte dafür fast bis in die Balinger Innenstadt. Die definitive Bestätigung, daß wir hier soeben einen sehr guten Gig erlebten, kam für mich spätestens in dem Moment, als links von mir Kollege Römpp, der nun wirklich alles andere als ein überzeugter Deutschmetaller ist, heftig mitrockend in den Refrain einfiel. How bizarre... Die Truppe, allen voran der mit einem opulenten Dauergrinsen ausgestattete Langholzer Fitti, hatte offensichtlich noch nicht genug, das Publikum sah die Sache anscheinend genauso. Was tut man da? Na, 'Princess Of The Dawn' spielen! Die Leute hüpften, sangen und lagen sich in den Armen. Wie hatte Götz vom Rock Hard doch einige Minuten vorher noch so treffend formuliert? "Auf dem Bang Your Head!!! sind WIR unter UNS, nur Heavy Metal-Fans, die Spaß an der Musik haben und keine Arschlöcher, die nur Ärger machen wollen." Nagel auf den Kopf! "Heidi-Heido-Heida" kann man da nur sagen. 'Fast As A Shark' beendete einen blitzsauberen Auftritt, der sicher nicht nur - siehe Doppel-P - eingefleischten Metal Hearts gefallen haben dürfte.
Arno Hofmann

RAGE
Irgendwie taten mir RAGE ein wenig leid, denn direkt nach U.D.O., die mit einer ganzen Palette von ACCEPT-Klassikern das Publikum zum Toben brachten und dementsprechend abräumten, auf die Bühne zu müssen, ist gewiß kein Zuckerschlecken. Zudem herrschte eine Gluthitze, so daß sich einige Metaller an der Front ein Päuschen gönnten. Die verbliebene Meute stand dafür wie eine Eins hinter Schädelsammler Peavy und seiner Truppe, die mit 'From The Cradle To The Grave' und 'Days Of December' gleich in die Vollen gingen. Beim letztjährigen Bang Your Head!!!-Festival verkündete Peavy als Gast den brandaktuellen Split der Band und ein Jahr später liefert er mit Saitenhexer Victor Smolski und Derwisch Mike Terrana hinter den Drums ein astreines Set auf der gleichen Bühne ab... vielleicht sollte man im nächsten Jahr Ripper Owens einladen und ihn zwingen, seinen Ausstieg bei JUDAS PRIEST zu verkünden, dann hätten wir für 2002 den perfekten Headliner. Aber zurück zu RAGE. Das eine oder andere Schmankerl aus den frühen Neunzigern wäre das Tüpfelchen auf dem i gewesen, aber 'Firestorm' (von der absolut geilen 'The Missing Link'-Scheibe), 'Sent By The Devil', 'Turn The Page' oder 'The Pit And The Pendulum' sind auch nicht von schlechten Eltern. Lediglich die Soli waren etwas mau. Victor Smolski ist mit Sicherheit ein exzellenter Gitarrist, aber das zum Glück relativ kurze Gefiedel an der Klampfe war nicht gerade das Gelbe vom Ei. Ein Schlagzeugsolo kann eine schöne Sache sein, wenn Techniker wie Neil Peart oder Carl Palmer den Ton angeben, wenn Kraftpakete wie Cozy Powell, John Bonham, Fritz Randow oder Bill Ward ihr Schlagzeug mit brachialer Gewalt vermöbeln, aber für die unspektakulären und stinknormalen Drumattacken von Mike Terrana (die allerdings beim Publikum gut ankamen) hätte ich mir lieber einen zusätzlichen Klassiker im Stil von 'Invisible Horizons' gewünscht. Das Finale leitete 'Don't Fear The Winter' - die RAGE-Hymne schlechthin - ein, und nach 'Higher Than The Sky' konnten Peavy & Co. zufrieden die Bühne verlassen, denn obwohl - wie zu Beginn erwähnt - es für das Trio schwierig war, die herausragenden Leistungen von U.D.O. zu toppen, haben RAGE mit einer starken Mannschaftsleistung ein mehr als nur zufriedenes Publikum hinterlassen.
Chris Glaub

SAXON
Nach einem kurzen Intro bestiegen Biff und seine Mannen die Bretter, die die Welt bedeuten. SAXONs Outfit war diesmal pechschwarz und auch Fritz Randow trommelte sich von Beginn an - auf einem schwarzen Drumkit - die Seele aus dem Leib. Um es vorweg zu nehmen: Im Gegensatz dazu hatten SAXON an diesem Nachmittag sicherlich keinen rabenschwarzen Tag erwischt. Wobei man die Band in all den Jahren sowieso eher selten in schlechter Verfassung zu Gesicht bekam. Kann man bestimmt an einer Hand abzählen. Sei's drum. Der erste Brecher war ein Stück vom aktuellen Album 'Metalhead', nämlich der Titelsong. Schon von Beginn an hätte man dem Mann am Soundboard eigentlich ein Lob attestieren müssen, denn was da aus den mächtigen Boxen drückte, konnte man schon als überaus annehmbar bewerten. Soundtechnisch sollte sich im Laufe des Sets aber noch eine Steigerung einstellen. Gleich nach 'Metalhead' frotzelte der alte Biff jedoch erst mal mit den verantwortlichen Mannen an den Reglern, sie sollen doch lautstärkemäßig ein wenig zulegen ("You fucking whimps!!!"), was natürlich prompt erledigt wurde. Dem SAXON-Frontmann merkte man jedoch nicht nur eine gewisse Aggressivität an, nein, er muß auch durchaus Spaß bei der Sache gehabt haben, denn Biffs Bangfreudigkeit war schon beachtlich. Auch seine vier Trinkbrüder schienen an diesem Tag keine Kinder von Traurigkeit gewesen zu sein. Gitarrist Paul Quinn ging beispielsweise bei 'Dogs Of War' total aus sich raus, brillierte aber ansonsten durch seine gewohnt lässige Art, seine Axt zu bedienen. Als kleines Manko wäre vielleicht anzumerken, daß der gesamte Gitarrensound im ersten Drittel der Show ein wenig mehr Power beziehungsweise Lautstärke hätte vertragen können. Immer wieder riß Biff diverse Jokes zwischen den Songs, der folgende war eine spitze Bemerkung über ein Banner mit der Aufschrift "Autowasch", die leider nicht jeder gleich zu kapieren schien. Auch Basser und Nesthäkchen Nipps präsentierte sich - eigentlich wie immer - in allerhöchster Bangfreudigkeit, ganz getreu dem Motto des Festivals eben. Neuzugang Fritz Randow muß an dieser Stelle ein dickes Lob ausgesprochen werden, denn dieser alte Schlagzeug-Hase hat von seinem altbekannten Superdrive kein Stück verloren und brezelte bei Songs wie 'Solid Ball Of Rock' oder 'Wheels Of Steel' wie in alten Tagen drauflos, als er noch in Diensten von VICTORY oder SINNER stand. Big Punch kann man da nur sagen! 'Crusader' kam zwar ein wenig flotter rüber als noch zu Nigel Glockler-Tagen, doch das dürfte den wenigsten der Metaljünger ein Dorn im Auge gewesen sein. Als sogenannter Ohrenschmaus kann auch durchaus der megafette Basssound von Nipps genannt werden, der für den bombigen Schub von unten sorgte. Das Publikum in Balingen ging sehr gut mit und rastete schließlich beinahe aus, als die fünf Haudegen das gute alte 'Princess Of The Night' anstimmten. Auch die Mitgröleinlage bei 'Wheels Of Steel' hatte was, wobei Biff seine Deutschkenntnisse in Form von nettem Vokabular wie "Scheiße, Mann!" oder einem diesmal wirklich freundlichen "Fantastisch" zum Besten gab. Doch sein Lieblingswort ist und bleibt wohl "Fuckin", was meiner Meinung nach einfach zum Metal gehört wie das Bier in den Magen. Summa Summarum: SAXON machten richtig Laune und gehören keineswegs zum alten Eisen!
Chris Grenzer

DEMONS & WIZARDS
Über die Platzierung von DEMONS & WIZARDS gab es im Publikum einige Diskussionen, doch muß man dem Projekt bescheinigen, daß sie sich achtbar aus der Affäre ziehen konnten. Die alten Hasen Jon Schaffer und Hansi Kürsch haben sich mit Könnern wie etwa Oli Holzwarth am Bass kompetente Unterstützung geholt, was schon vom Opener 'Heaven Denies' an nichts anbrennen ließ. Komplett in schwarze Klamotten gehüllt, kam auch der optische Aspekt nicht zu kurz - lediglich das Tageslicht machte die beim Into 'Rites Of Passage' aufkommende Atmosphäre schnell wieder zunichte. 'Poor Man's Crusade' konnte gute Reaktionen ernten, doch der Unterschied zwischen Band und Projekt wurde bei 'Fiddler On The Green' mehr als deutlich - von Hansi als Ersatz für den 'Bard's Song' angekündigt, kam nicht einmal ein Hauch der Stimmung auf, die bei eben diesem Song bei einem BLIND GUARDIAN-Gig die Menge zum Toben bringen würde. Nach 'Blood On My Hands' wurde es dann spannend, als Hansi einen seiner ICED EARTH-Lieblingssongs ankündigte: 'Travel In Stygian' wurde von ihm überraschend gut gemeistert, und nach 'Path Of Glory' durfte dann auch Jon zeigen, daß er die Gitarrenparts des BLIND GUARDIAN-Hits 'Welcome To Dying' beherrscht. Insgesamt ein sehr solide gespielter Gig, auch wenn man natürlich nicht an die Qualität der beiden Hauptbands herankam - aber das war auch nicht zu erwarten, weshalb der Daumen für DEMONS & WIZARDS trotzdem nach oben geht.
Martin Römpp

SCORPIONS
Die SCORPIONS zunächst ganz in weiß. Mit 'Loving You Sunday Morning' starteten die alten Herren ihr Set und wurden dabei in ein hellweißes Lichtermeer gehüllt. Der Sound war von Beginn an knackig, die Bühnenperformance wie gewohnt. Was sofort ins Auge fiel, war die Art und Weise, wie Ami-Supertrommler James Kottack auf sein Instrument eindrosch. Der ehemalige KINGDOM COME-Skinsman ging wirklich ab wie Schmidts Katze. Auch Klaus Meine zeigte sich sehr agil, allerdings erinnerte er durch seine quirlige Art auf der Bühne herumzuwuseln eher an eine Prima Ballerina. Zudem wirkten seine Ansagen etwas gehetzt, aber sei's drum. Die SCORPIONS hatten schon längere Zeit vor dem Festivalantritt verlauten lassen, sie würden ausschließlich alte Klassiker zum Besten geben, eine Zusage, die Gott sei Dank eingehalten wurde. Rudolf Schenker, der immer noch ein blondiertes Köpfchen sein Eigen nennt, bearbeitete seine Flying V in altbewährter Manier und wurde, wie auch Matthias Jabs, schon bald von Meine - wenn auch nur bei einem Song - gitarrentechnisch unterstützt. Dabei präsentierten sich die SCOPRS immer mal wieder in Reih und Glied (dieses Bild kennen wir von STATUS QUO), ein bißchen sahen sie aus, wie die Bremer Stadtmusikanten. Doch genug Gehetze. Die alten Klassiker wie das in die Länge gezogene 'The Zoo' (wobei sich Jabs die Voicebox zwischen die Zähne klemmte), 'Big City Nights' oder 'Dynamite' kamen schon klasse rüber. Nicht zuletzt war dies der Verdienst von James Kottack, dessen präzises und kraftvolles Drumming die Songs unermüdlich nach vorne pushte. Auch im Verlauf des Gigs wurde bezüglich des Lichts wenig Firlefanz gemacht. Meist setzte die Band auf eine einheitliche, aber eindrucksvolle Lichtuntermalung. Allen voran bei der Ballade 'Holiday' kam dieser Schachzug besonders gut zur Geltung. Man konnte schon eine Gänsehaut bekommen, als die Menschenmassen geschlossen den Refrain mitträllerten. Wie schon erwähnt, drückte der Sound über das gesamte Konzert hinweg. Lediglich Meines Organ ging hier und da ein wenig unter. Nicht, daß er schlecht bei Stimme gewesen wäre, da lag wohl der Hase eher bei der Technik im Pfeffer. Bei 'He's A Woman, She's A Man' dann ein weiterer Höhepunkt: DESTINY'S END-Sänger James Rivera kam auf die Bühne und schrie im positiven Sinne alles zusammen. Nicht schlecht, wahrlich nicht schlecht. Phänomenal dann Kottacks Doublebass-Attacken bei 'Dynamite'. Der Mann ist wirklich Gold wert, ich jedenfalls weine Herman Rarebell keine Träne nach. Der Mann legte aber noch einen drauf und zwar in Form seines Drumsolos, welches einem zwar konzeptlos erschien, jedoch spielerisch mördermäßig überzeugte. Da störten dann auch Meines pfeiferische Intonationsschwierigkeiten bei 'Wind Of Change' nicht allzu sehr. Kurz vor Ende zog die Band mit 'Rock You Like A Hurricane' dann ein weiteres As aus dem Ärmel. Hier grölte ganz Balingen noch mal mit, bevor man mit 'When The Smoke Is Going Down' dem Konzert ein Ende setzte. Nach der allgemeinen Verbeugungszeremonie verließ Rudolf Schenker als letzter die mächtige Bühne und verblieb mit den Worten: "Recht schönen Dank!". Wir bedanken uns auch...
Chris Grenzer

Festival-Samstag, 01. Juli 2000

Messegelände Balingen

Billing Samstag Open Air: 

RUNNING WILD
DORO
JAG PANZER
KROKUS
VIRGIN STEELE
WATCHTOWER
PRIMAL FEAR
MANILLA ROAD
EDGUY
LEFAY
RAWHEAD REXX

RAWHEAD REXX
RAWHEAD REXX hatten die etwas undankbare Aufgabe, am zweiten Tag die Rolle des Openers zu übernehmen. Eine Aufgabe, welche die Band jedoch mit Bravour meisterte. Die Sonne brezelte schon morgens um zehn unerbärmlich auf die logischerweise noch nicht vollständig erschienene Fanschar herab, als die Mannen um ex-GLENMORE-Röhre Jürgen Volk die Bretter erklommen. Unterstützung erhielt dieser vom ehemaligen LETTER X-Gitarristen Rüdiger Fleck, dem früheren EROTIC JESUS-Basser Face und dem sagenumwobenen "Drumtier par excellance" Dany Löble. Wie dieser junge Freund sein Instrument unter die Fittiche nimmt, ist schon beeindruckend. Zum Zeitpunkt des Festivals befand sich die Band übrigens gerade inmitten der Arbeiten zum Debütalbum, welches im Herbst das Licht der Welt erblicken soll. Man darf also gespannt sein. Die Spielfreude stand bei RAWHEAD REXX an oberster Stelle, was beim ersten Song 'Request' sofort spürbar wurde und bis hin zum Schlußlicht 'Scream', einer absoluten Speedgranate, nicht abriß. Man nehme Stücke wie 'The Wolf', 'Opposing Force' oder 'Sons Of Mayem' unter die Lupe und bemerke die deutlichen Parallelen zum früheren VICIOUS RUMORS-Sound, als die Amis noch Bombenalben wie das selbstbetitelte oder 'Welcome To The Ball' ablieferten. Doch von Abkupferei kann hier keineswegs gesprochen werden, dafür fahren RAWHEAD REXX zu sehr ihre eigene Schiene. Und das ist auch gut so. Dem ein oder anderen IRON MAIDEN-Sympathisant dürfte der Sound der vier Vollblutmetaller zwar ebenfalls kein Dorn im Auge sein, dies jedoch nur als kleiner Anhaltspunkt, da man ja noch nicht allzu viel von dieser Combo zu Gehör bekam. Was man den Burschen zudem hoch anrechnen muß, ist die Energie, die sich gnadenlos auf das Publikum projezierte. Auch wenn's noch nicht all zu viele Nasen waren, so ging von vornherein ein Ruck durch die vorderen Reihen: Die Fans wurden zu früher Stunde schlagartig wachgerüttelt. Und das trotz der Strapazen des Vortages. Hut ab auch vor der Doppelbelastung (wenn man überhaupt davon reden kann) Gitarre/Gesang, die Jürgen Volk hervorragend im Griff hatte. Nicht unbedingt einfach bei dieser nicht gerade unanspruchsvollen Gitarren- beziehungsweise Gesangsarbeit. Einer der Höhepunkte des RAWHEAD REXX-Gigs stellte mit Sicherheit das powervolle Drumsolo von Löble dar, welches sowohl technisch als auch optisch über jeden Zweifel erhaben war. Wer hat diesen Mann nur aus seinem Käfig gelassen? Nach dieser Glanzleistung kann man der Band nichts anderes als eine positive Zukunft voraussagen. Mit RAWHEAD REXX und ihrem erfrischenden Metal wird also noch zu rechnen sein. Bravo!
Chris Grenzer

LEFAY
Am hellichten Morgen mußten Charles und sein Chaotenhaufen die Bühne entern - das Publikum strömte herbei (sofern es bereits erwacht war) und einer geilen metallischen Morgengymnastik stand nichts mehr im Wege. 'Save Our Souls' bot den idealen Einstand, die Band war ständig in Bewegung, und man konnte förmlich spüren, wie sehr die Schweden selbst zu dieser frühen Stunde motiviert waren. Leider mußten LEFAY mit einigen technischen Schwierigkeiten kämpfen, so fiel etwa bei 'Maleficium' die Klampfe von Peter Grehn über einen längeren Zeitraum aus, und auch Drummer Robin leistete sich zwischendurch eine Auszeit, die jedoch von Charles mit dem lapidaren Kommentar "Wir stehen heute zum ersten Mal auf einer Bühne..." locker überspielt wurde. Daß die Burschen trotzdem ihren Spaß hatten, wurde nicht nur deutlich, weil ständig Grimassen geschnitten oder sich gegenseitig Wasser über die Rübe geschüttet wurde - auch die Songs kamen tight rüber, und so wurde mit 'Sculptures Of Pain', 'When Gargoyles Fly' und dem abschließenden 'Source Of Pain' der Sack zugemacht. Hätten LEFAY jetzt auch noch ihren Hit 'To Isengard' eingebaut, wäre der Triumphzug perfekt gewesen - so haben sie es immerhin geschafft, genügend Werbung für ihre im Herbst stattfindende Tour zu machen - denn von den Augenzeugen hatte wohl jeder noch Lust auf mehr...
Martin Römpp

EDGUY
An EDGUY werden sich auch weiterhin die Geister scheiden. Für unsere Truefraktion sind sie Weicheier, die sich in schräge Klamotten werfen, während eine Menge anderer Leute die Band wegen genau dieser Lockerheit liebt. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern, weshalb wir uns lieber der Musik zuwenden - und die kann sich live ebenso sehen bzw. hören lassen wie auf Platte. Und bei einem Hitprogramm mit Songs wie 'Headless Game', 'Until We Rise Again' oder 'Wake Up The King' kann eh nichts schiefgehen. Tobi gab wieder einige Kostproben seines Humorverständnisses zum Besten, ließ sich vom (in diesem Falle ziemlich uninspirierten) Publikum zum Headliner des nächsten Jahres ausrufen und schmetterte noch kraftvoll 'Vain Glory Opera' in die Runde, und dann war's auch schon wieder vorbei. Jedenfalls war auch auf dem Bang Your Head!!! zu sehen, daß EDGUY nicht umsonst in den letzten Jahren einen rasanten Aufstieg hingelegt haben - diese Band ist definitiv massenkompatibel und für Festivals geeignet...
Martin Römpp

MANILLA ROAD
Wer hätte das geglaubt? Welcher alte Fan von Mark Shelton hätte sich bis vor wenigen Wochen in seinen kühnsten Träumen ausgemalt, Underground-Hits vom Schlage 'Necropolis' oder 'Riddlemaster' im Jahre 2000, laaaange Zeit nach dem vermeintlichen Ende der Truppe, erstmals live auf dem alten Kontinent bewundern zu können? Ein Merkmal des Bang Your Head!!! war es schon immer, den einen oder anderen kommerziellen Außenseiter entgegen jeder marktwirtschaftlichen Vernunft für einen Auftritt vom Arsch der Welt aus ins Schwäbische zu karren. Und auch wenn das im Falle MANILLA ROAD natürlich einen Großteil der Festivalbesucher nicht sonderlich juckte, so ging doch - ganz besonders für eine Busladung eigens für dieses Ereignis angereister Fanatiker aus Griechenland - mit der Anwesenheit der US-Metal-Legende Mark Shelton ein Wunschtraum einiger Hundert warriors of steel in Erfüllung. Aussagen weiter vom Geschehen entfernt platzierter Zuschauer zufolge, soll der Sound bei MANILLA ROAD teilweise ziemlich matschig gewesen sein. Links vor der Bühne, da wo Meister Shelton seine bizarren Riffs und Screams zum Besten gab, war von diesen Problemen absolut nichts zu vernehmen, hier war der Sound fast schon kristallklar. Kristallklar war auch das Fazit der Fans von Wichitas Finest: G-E-I-L! Ich persönlich war im Vorfeld alles andere als überzeugt davon, einen starken Gig zu erleben, zu wenig war über die aktuelle Verfassung der Band bekannt, zu oft schon war die livehaftige musikalische Begegnung mit alten Jugendidolen in den letzten Jahren doch eher ernüchternd verlaufen. Aber bei Mark Shelton war deutlich zu spüren, daß dieser Mann trotz seines fortgeschrittenen Alters ein Metaller durch und durch ist. Bewundernswert! Nicht nur unsere griechischen Kumpels hotteten gewaltig ab, als Evergreens der Marke 'Dig Me No Grave', 'Hammer Of The Witches' oder 'Witches Brew' mit erstaunlich heftigen, teils fast schon Thrash-mäßigen Power-Graden in den dankbaren Härtnerhaufen gekauzt wurden. Und Freude über Freude, auch das brandneue (!!!) 'Ressurection' wirkte schön schratig. Live kam die auf den Studiowerken stets etwas nasal wirkende Stimme viel härter rüber als auf Platte, was den epischen Stücken aber keineswegs schadete. Natürlich kann man auch hier in der viel zu kurzen Spielzeit nicht alle Kundenfaves unterbringen, der Kaiser-Boris etwa nörgelte hinterher über das Fehlen von 'Dreams Of Eschaton' oder 'The Veils Of Negative Existance', mir fehlte mein MANILLA ROAD-Highlight 'Flaming Metal Systems' gar bitterlich. Die Jungs werden wohl noch mal für einige 3-Stunden Clubshows zurückkommen müssen... Auf den Punkt gebracht: Ein bizarres Spektakel, von dem die mehreren Hundertschaften devoter Die Hard-Fans sicherlich noch lange zehren werden. Da fiel auch der eine oder andere Spielfehler der Begleitmusiker nicht mehr groß ins Gewicht. Und auch wenn es schade ist, daß der eigentliche MANILLA ROAD-Drummer Randy Foxe aus beruflichen Gründen nicht dabei war, so muß man doch feststellen, daß es letztlich Mark Shelton ist, der mit seinem Gitarrenspiel und seiner Stimme die Institution MANILLA ROAD verkörpert. Daher unter diesem Gesichtspunkt und von dieser Stelle aus noch einmal ein Appell an Metal Blade: Auch wenn Robert Garven als die treibende Kraft der Band keine Drums mehr zu spielen vermag, versucht bitte alles und gebt uns Tim Baker mit Begleitband, also letztlich CIRITH UNGOL; der einzig würdige Nachfolger für MANILLA ROAD beim Bang Your Head!!! 2001! Dann kommen sicher auch die ganzen Griechen wieder angetuckert...
Arno Hofmann

PRIMAL FEAR
PRIMAL FEAR bewiesen in Balingen einmal mehr, daß sie zur Spitze des europäischen Power Metals zählen. Die Band läuft wie ein fein abgestimmtes Uhrwerk, versprüht Spielfreude und stellt die Power absolut in den Vordergrund. Da sprang der Funke auf das Publikum sofort über und die Jungs um Mat Sinner enttäuschten zu keiner Sekunde. Die tighten Songs zwangen förmlich zum kollektiven Bangen und man merkte den Fans an, daß sie nur auf solch eine drückende Powermucke gewartet haben. Stimmlich wie optisch zählt Schwabensirene Ralf Scheepers zu den beeindruckendsten Shoutern der Szene. Seine Halford-ähnlichen Einlagen geben Stücken wie 'Jaws Of Death' oder 'Final Embrace', mit den Songs begann übrigens das Set, die nötige Power. Im weiteren Verlauf des Auftritts hämmerte man noch Granaten wie 'Church Of Blood', 'Battalions Of Hate', oder das urgewaltige 'Chainbreaker' äußerst kraftvoll runter. Bei der lautstark geforderten Zugabe kam nicht nur die Band zurück auf die Bühne, nein, Mr. Scheepers hatte noch Joacim Cans (HAMMERFALL) im Schlepptau. Mit dem stimmgewaltigen Schweden gab man JUDAS PRIESTs 'Another Thing Coming' in Duettform zum Besten. Ein exzellenter Abschluß eines PRIMAL FEAR-Gigs, der die Fans komplett überzeugte! Im späteren Verlauf des Tages, genauer gesagt während der Autogrammstunde im Jack Daniels-Zelt, zeigte sich ein weiteres Mal, wie sehr die Band von den Fans herbeigesehnt wurde. Als die Band dort nämlich auftauchte, brach dermaßen die Hölle los, daß Mat Sinner noch Stunden später völlig beeindruckt von den Geschehnissen durch den Backstagebereich stiefelte!
Jürgen Tschamler

WATCHTOWER
Was macht man, um einen guten Livebericht zu schreiben? Am besten stellt man sich entspannt an den Rand des Geschehens, zückt einen Stift und notiert schön brav die Setlist auf den mitgebrachten Block. Und das bei WATCHTOWER??? Vergeßt es! Als die vier Texaner über Balingen hereinbrachen, gab's kein Halten mehr - zwischen ausgiebigem Headbangen und verklärtem Starren auf die Protagonisten blieb bei mir allerdings Folgendes hängen: Der grüne Anzug von Doug Keyser, der damit eher Kermit dem Frosch als sich selbst ähnlich sah. Das irre Herumgerenne von Jason McMaster, der tatsächlich einen alten Patronengurt ausgegraben hatte. Der in Eishockeyshirt und Knieschützer gehüllte Ron Jarzombek, dem die letzten zehn Jahre weder optisch noch technisch was anhaben konnten. Und natürlich das abgedrehte Drumming von Rick Colaluca, der anstelle seines Gehirns wohl inzwischen einen Pentium III-Chip eingebaut hat. Schlicht und ergreifend: Es war alles da, um diesen Auftritt in die Geschichte eingehen zu lassen! Dazu noch Songs wie 'Asylum', 'Instruments Of Random Murder', 'Social Fears', 'The Eldritch' oder 'Fall Of Reason', die natürlich allesamt in höchster Perfektion gespielt wurden - egal ob springend, hüpfend, rennend, am Boden liegend oder rückwärts gehend. Da muß man als Fan einfach in Ekstase verfallen, was die Freaks in den ersten Reihen auch ausnahmslos taten. Im hinteren Bereich des Festivalgeländes mag nur ungläubiges Kopfschütteln zu sehen gewesen sein, aber eins ist klar: WATCHTOWER haben gerult ohne Ende. Basta. Und hoffentlich bald wieder!
Martin Römpp

VIRGIN STEELE
Nach dem phänomenalen Auftritt von WATCHTOWER war es nun an der Zeit für die Europapremiere des letzten VIRGIN STEELE-Epos 'The House Of Atreus'. Schon vor dem Auftritt stand fest, daß die Band und insbesondere Sänger David DeFeis diese Show wohl nie vergessen werden. Der Grund hierfür ist, daß VIRGIN STEELE zum ersten Mal in ihrer langen Laufbahn ohne Bassist auf die Bühne mußten. Schon bei den ersten Klängen sah man viele verdutzte Gesichter im Publikum aufgrund der Tatsache, daß sich nur drei Musiker on stage befanden. Der Grund dafür war, daß der neue Bassist Jeff Beavers anscheinend Probleme mit der amerikanischen Justiz hatte, eingebuchtet wurde und ihm somit logischerweise die Ausreise verwehrt wurde. Da sich David nun in einer ziemlichen Zwickmühle befand, entschloß er sich, die Bassparts für die Show in einer Nacht- und Nebelaktion selber einzuspielen und dann beim Auftritt vom Band kommen zu lassen. Für den guten Jeff Beavers war das freilich ein kurzes Intermezzo bei VIRGIN STEELE, da er postwendend gefeuert wurde und sich die Band wieder einmal nach einem neuen Bassisten umschauen muß. Diesem ganzen Ärger machte sich David Luft, indem er 'Dust From The Burning' denen widmete, die verhindern wollten, daß VIRGIN STEELE die Bang Your Head!!!-Bühne entern. Unter diesen Umständen ist der Zorn sicher verständlich. Ungeachtet der widrigen Umstände boten VIRGIN STEELE eine gelungene Show, die allerdings nur Songs neueren Datums beinhaltete. Also von den 'Marriage..'-Alben bis zum aktuellen Werk 'The House Of Atreus'. Dabei konnten vor allem das druckvolle 'Veni, Vidi, Vici' (von 'Invictus') und 'Symphony Of Steel' (von 'Marriage Of Heaven And Hell - Part 2') die besten Zuschauerreaktionen ernten. Einziger Wermutstropfen war das Fehlen solch unsterblicher Klassiker wie 'Noble Savage', 'We Rule The Night', 'The Burning Of Rome' oder 'Fight Tooth And Nail', aber ich denke, daß der Grund dafür in der Hektik und dem Streß des Einspielens der Baßparts liegt, denn auf den Touren hat die Band zumindest immer ein paar alte Klassiker intoniert. Außerdem denke ich, daß die Band sich vielleicht einmal Gedanken machen sollte, einen Keyboarder einzustellen, denn das klobige Keyboard in der Mitte der Bühne schränkt den Meister doch sehr in seiner Bewegungsfreiheit ein und das ist für einen Vollblutfrontmann wie Herrn DeFeis natürlich ein Hindernis. Andererseits ist es mit Sicherheit nicht einfach, die Songs auf den Keys genauso wie David zu interpretieren. Einen Versuch wäre es auf jeden Fall wert. Die Fans waren aber trotzdem zufrieden und David war froh, die Angelegenheit einigermaßen überstanden zu haben. Schließlich spielt man nicht alle Tage als Trio.
Oliver Weinsheimer

KROKUS
DIE Überraschung des Festivals hieß KROKUS. Wo man auch hinhörte, man war begeistert von der Performance der Rocker und das, obwohl der langjährige Frontgaul Marc Storace nicht mehr mit von der Partie ist. Eigentlich ist nur noch Gitarrist und Gründer Fernando Von Arb vom ursprünglichen Line-up übrig geblieben, doch erstaunlicherweise können es KROKUS auch noch in der neuen Besetzung. Die da wäre Von Arb, der neue Sänger Carl Sentance (Ex-PERSIAN RISK), am Bass Many Maurer, der bei KROKUS schon mehrmals ein- und ausstieg und auch schon den Posten an der Gitarre übernahm, Drumtier und Glatzenträger Peter Haas, welcher vor einigen Jahren die 'Stampede'-Scheibe einhämmerte und ein junger Neuzugang an der zweiten Gitarre, dessen Name sich meiner Kenntnis entzieht. Als es dann soweit war, machte sich selbst bei mir, einem eingeschworenen KROKUS-Liebhaber, zunächst einmal Skepsis breit. Aber vielleicht gerade deswegen wurden meine Erwartungen übertroffen. Schon nach den ersten Takten vom Opener 'Long Stick Goes Boom' wurden alle Skeptiker eines Besseren belehrt. Das kickte und rotzte wie die Hölle. Dem Publikum gefiel die frische, energiegeladene Show der Alpenrocker, was das allgemeine Klatschen und Fußstampfen mehr als deutlich machte. Sentance liegt glücklicherweise sehr nahe an Storace, zumindest was sein stimmliches Organ angeht. Seine Show erinnerte mich nicht selten an die des legendären Bon Scott (ein freier Oberkörper tat sein Übriges...) und auch sonst eroberte er schnell die Herzen des Balinger Publikums. Dieser Mann strahlt einfach Sympathie aus, was ihn von Storace definitiv unterscheidet. Dann waren da noch die anderen. Peter Haas bearbeitete ein Drumkit, das man mit der Lupe suchen mußte, lieferte auf demselbigen jedoch einen mörderischen Groove, der jedem klarmachte, daß kein Klasse-Drummer der Welt, eine Burg à la Abbadon (ex-VENOM) um sich herum braucht. Eben dieser Groove zog sich durch alle Songs des Gigs und wurde durch die absolut tighten Basslinien Maurers unterstützt. Man spielte die halbe 'One Vice At Time'-Scheibe, was der Zuhörerschaft bestimmt nicht ungelegen gekommen sein dürfte. Bei 'Screaming In The Night' vom 'Headhunter'-Album war dann so richtig Gänsehaut angesagt, stellt dieses Juwel doch für viele DIE KROKUS-Komposition überhaupt dar. Der zweite Klampfer hielt sich übrigens dezent im Hintergrund, bildete aber mit Papa Fernando ein Axegespann der Extraklasse. Gerade Von Arb merkte man seine Spielfreude ganz enorm an. Man sollte ihm hoch anrechnen, daß er noch mal so eine gute Mannschaft zusammengetrommelt, und nicht schon lange die Flinte ins Korn geworfen hat. Wir alle wissen, daß der Mann schon ganz andere Zeiten mitgemacht hat. Ich sage nur ausverkaufte Arenen in Amerika und Sex, Drugs und Rock 'n' Roll bis zum Abwinken. Man ziehe also seinen Hut, denn der Bursche hat absolut nichts verlernt. Ein Medley, bestehend aus 'Rock City', 'I'm On The Run', 'Playin' The Outlaw' und 'Lady Double Dealer' machte dann gegen Ende des Auftritts noch mal so richtig Laune und wurde von den Klassikern 'Heat Strokes' und 'Bedside Radio' abgelöst. Als sich die Spielzeit der Band dann eigentlich schon dem Ende zuneigte und ein gestreßter Bühnenmensch hastig auf die Uhr zeigte, ließen ich KROKUS dennoch nicht beirren und brachten noch als Zugabe den ersten Song ihres aktuellen Albums 'Round 13', nämlich 'Heya', einen schönen Mitgröler zum Abschluß. KROKUS waren mit die besten der gesamten zwei Tage, auch wenn's niemand erwartet hat (doch die Hoffnung war insgeheim da...).
Chris Grenzer

JAG PANZER
Bevor der Tyrant mitsamt seinen Mannen in den nächsten Zeilen die verdiente Heiligsprechung erhält, muß der Chronist noch dringend ein oder zwei ernste Worte loswerden, sonst bekommt er ein Magengeschwür. Es waren im Vorfeld des JAG PANZER-Auftritts einige mehr oder weniger angepißte Stimmen aus der Ecke der Schunkel-Metaller zu vernehmen, daß eine Truppe wie JAG PANZER, die ja nicht viel verkaufen würde und vor hundert Leuten im Schnitt ihre Tourneen absolviert, samstags als drittletzte Band spielen dürfte, obwohl doch die im Billing deutlich weiter vorne platzierte Combo XY viel populärer wäre. Dazu zwei Dinge. Erstens: Wer von den besagten Neidhammeln die anbetungswürdige Performance von Harry und den Herrschern einigermaßen aufmerksam mitverfolgt hat, muß sich nun wohl beschämt in die Ecke stellen. Und zweitens: Ich bin von Herzen froh, bei einem Mag zu pinseln, das einer ohne Diskussion genialen Band wie JAG PANZER die Chance bietet, sich unter würdigen Bedingungen einem angemessen großen Publikum zu präsentieren, um somit einen weiteren kleinen Schritt in Richtung des längst verdienten Durchbruchs zu tun! Wie auch immer, JAG PANZER erwiesen sich der ihnen zugedachten Rolle mehr als würdig. Wenn eine der aufspielenden Truppen dieses metallischen Wochenendes wirklich viele neue Fans dazugewonnen haben düfte, dann sind in erster Linie sicherlich JAG PANZER zu nennen. Naturgemäß wurde einiges Material vom neuen Opus 'Thane To The Throne' gespielt, aber glücklicherweise übertrieb man es nicht mit neuen, noch h sein will, kann man ja bei fast jedem Auftritt ein Haar in der Suppe finden. DESTINY'S END spielten nix aus HELSTAR-Tagen, JACOB'S DREAM hatten ein Scheiß-Outfit, bei MANILLA ROAD war der Sound nicht toll, und so weiter und so fort. Aber wer bitteschön, der auch nur ein Minimum an Musikgeschmack hat, würde denn auch nur eine schwache Sekunde in diesen 75 majestätischen Minuten aufzeigen können? Wer solche Songs in der Hinterhand hat, wer solche Musiker in seiner Band weiß, und wer als größtes Faustpfand von allen einen Harry 'The Tyrant' Conklin hinter dem Mikro präsentieren kann, der kann nur weithin unbekannten Sachen, sondern sorgte für eine ausgewogene Setlist, die neben gerade erst erschienenem Material wie etwa dem hymnischen 'Thane Of Cawdor' oder 'King At A Price' auch viele der unverzichtbaren Standards enthielt. Wenn man wirklich kritisc gewinnen. Muß man diese Pracht mit schnöden Worten beschmutzen? Genügen nicht alleine schon Songtitel wie 'Chain Of Command', 'Iron Eagle', 'Shadow Thief', 'The Moors' oder 'Licence To Kill'? Nein, es genügt natürlich nicht, denn sonst hätten JAG PANZER ja schon längst den verdienten Superstarstatus inne. Daher sei ein weiteres Mal gesagt - von mir aus wiederholen wir das gerne bis zum Erbrechen - daß es für jeden aufrechten Freund UNSERER Musik ein Traum sein muß, eine derartige Perfektion in jeder Beziehung genießen zu dürfen. Der Slogan 'Heilige Lieder' wird hierzulande bekanntlich mit stumpfen Frankfurter Deutschrock-Ochsen in Verbindung gebracht, das wahre Copyright auf diesen Begriff haben jedoch eine Handvoll Jungs aus Colorado, die hier auf der Bühne eine Sternstunde für uns, die Metalfans, zelebrierten. Fazit: History! Nach einem der wohl größten und auch erfolgreichsten Auftritte in der Bandgeschichte zeigten sich die altersmäßig doch schon etwas gesetzteren Herren aus den U.S.A. dermaßen begeistert von der euphorischen Aufnahme seitens des geilen Balinger Publikums, daß noch ein spontanes Stagediving in die nicht minder euphorische Fanschar fällig wurde. Nur dieses derbe Späßchen mit dem erneuten Ignorieren von 'Symphony Of Terror' dürft ihr nun bitte nicht mehr allzu oft mit uns machen, Jungs!
Arno Hofmann

DORO
Beinahe hätte Doro Pesch ihren Auftritt absagen müssen, da sechs Tage vor dem Festival der Schlagzeuger das Handtuch warf. Aber als Vollprofi muß man auch solche Dinge wegstecken, und so mußte innerhalb kürzester Zeit ein Ersatzmann gefunden und eingespielt werden. Dies ist zwar geglückt, allerdings mit dem Manko, daß auf die Schnelle nur ein 40minütiges Set zusammengeschustert werden konnte, das es allerdings in sich hatte! Trotz anfänglicher Soundprobleme - der Gitarrist war am Anfang überhaupt nicht zu hören - gelang Doro und ihrer neuen Truppe mit 'I Rule The Ruins' und 'Burning The Witches' ein glänzender Start. Und da Doro stimmlich in absoluter Superform war, herrschte beim Publikum bei 'Terrorvision' (vom sträflich unterbewerteten 'Love Me In Black'-Album), 'Eye On You' und 'Metal Tango' eine ausgelassene Stimmung. Mit 'Burn It Up' wurde ein exquisiter Vorbote aus dem demnächst erscheinenden Studioalbum zum Besten gegeben, der durch seinen mitreißenden Chorus von allen positiv aufgenommen wurde. Und als Doro 'Für Immer' anstimmte und danach 'All We Are' ankündigte, war natürlich der Bär los. Allerdings machte die neue Mannschaft der sympathischen Rocklady einen gewaltigen Strich durch die Rechnung und spielte 'Now Or Never'; ein kleiner Fauxpas, den man leicht verschmerzen kann, da die WARLOCK-Hymne prompt nachgeliefert wurde. Tja, dann verabschiedeten sich DORO bereits, was die Fans sichtlich irritierte, aber immerhin gab es noch zwei Zugaben, wobei 'Love Me In Black' nur in Begleitung einer extrem tief gestimmten Gitarre von Doro in einer Killerversion vorgetragen wurde. 'Dedication', der Bonustrack auf der limitierten Version von 'Love Me In Black' folgte noch, und dann war leider viel zu früh Schluß.
Chris Glaub

RUNNING WILD
Auf RUNNING WILD als Headliner auf unserem Bang Your Head!!!-Festival war ich tierisch gespannt, denn es liegt bekanntlich schon sehr lange zurück, daß die Band auf einer Open Air-Bühne nach Herzenslust zündeln durfte. Außerdem wurde den Fans ein Best Of-Programm versprochen, und so startete Rolfs Mannschaft mit 'Fall Of Dorkas' und den beiden Smashern 'Raise Your Fist' und 'Little Big Horn' gleich vielversprechend. Obwohl ich Rolf als Musiker und Mensch sehr schätze, muß ich der schreibenden Zunft in punkto Kritik am karnevalsmäßigen Bühnenauftritt und Komstümierungswahn unseres geliebten Rock 'n' Rollers recht geben, denn so vermittelt Rolf mit Sicherheit niemals den Sinn seiner historisch recht interessanten Texte. Und mal ehrlich, wenn sich Rolf als Oberpirat im Mittelalter mit so einem Aufzug seiner Mannschaft präsentiert hätte, wäre er Futter für die Haie gewesen. Schwamm drüber, RUNNING WILD boten eine grundsolide Leistung, die von den Fans auch dementsprechend honoriert wurde. Dennoch gibt es von meiner Seite ein wenig Schelte: Während Bands wie SAXON, U.D.O. und selbst die SCORPIONS mit aktuellem Material sehr sparsam umgingen oder wie letztgenannte zum Glück überhaupt nichts Neues spielten, um dafür - wie es sich für so eine Veranstaltung gehört - mit Klassikern aufzutrumpfen, waren RUNNING WILD meines Erachtens noch zu sehr auf 'Victory'-Kurs. Das BEATLES-Remake von 'Revolution' oder 'Tsar' sind ja ganz nett, aber dafür blieben essentielle Tracks wie 'Chains And Leather', 'Port Royal', 'Wild Animal' oder 'Branded And Exiled' (um nur einige wenige zu nennen) auf der Strecke. Klar, mit Hammersongs wurde nicht gegeizt: 'Under Jolly Roger', 'Soulless', 'Riding The Storm' und natürlich 'Prisoner Of Our Time' waren vom Feinsten, dennoch hätte ich mir ein klein wenig mehr erwartet. Dies gilt auch für die Pyroshow. Gäbe es eine Band wie RAMMSTEIN nicht, die speziell in diesem Bereich für neue Dimensionen gesorgt hat, wäre alles okay gewesen. Aber was RUNNING WILD an Pyros in 90 Minuten abfackeln, das passiert bei einem RAMMSTEIN-Gig in einem Song, insofern hätte man sich als Headliner schon etwas mehr ins Zeug legen können. Genug gelästert, denn der RUNNING WILD-Auftritt, der mit 'Conquistadores' und dem Anti-Nazi-Song 'Bad To The Bone' beendet wurde, war zweifelsohne gelungen, nur: Meine Erwartungen waren halt etwas höher, da es sich ja bekanntlich um die erste Headlinershow auf einem Metalfestival dieser Größenordnung seit Jahren handelte.
Chris Grenzer