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BYH!!! Rückblick 2010
Die Einleitung
Jubiläen sind dazu da, begossen zu werden! Eine Devise, der die Heavy-Redaktion bekanntermaßen immer wieder gerne Folge leistet - so auch am 15., 16. und 17. Juli diesen Jahres! An diesem Wochenende gab es die 15. Auflage des Bang Your Head!!!-Festivals zu feiern, was wir gemeinsam mit vielen von Euch sowie einem illustren Haufen Musiker aus aller Welt auf dem Balinger Messegelände auskosteten.
Einige Wochen vor diesem Event legte die Nachricht von Ronnie James Dios Tod einen dunklen Schatten über die Metal-Szene. Der Schock saß auch bei uns tief, schließlich hatte die Musikwelt eine ihrer großartigsten Figuren verloren - doch Trübsal zu blasen wäre ganz und gar nicht im Sinne des kleinen Mannes mit der großen Stimme gewesen. Die Erdkugel dreht sich weiter, und das einzige, was uns letztendlich übrigbleibt, ist das Andenken an ihn und sein Schaffen zu bewahren! Für BYH!!!-Veranstalter Horst E. Franz war es daher auch eine Selbstverständlichkeit, das diesjährige Event im Schwabenland nicht nur als eigenes Jubiläum, sondern eben auch als Tribut an den verstorbenen Sangesgott durchzuführen. An jede der am Festival beteiligten Bands wurde im Vorfeld der Veranstaltung die Bitte herangetragen, während ihres Sets einen Song von RAINBOW, BLACK SABBATH oder DIO zu spielen. Sehr viele Acts folgten dieser Aufforderung und halfen dadurch, den Geist von Ronnie während des verlängerten Wochenendes allgegenwärtig erscheinen zu lassen.
Stets zur Stelle war auch der Spaß an der Sache. Der fing sogar schon in den eigenen Reihen an: Unser "Kilometer-Schrubber" Stefan Glas, der Mann, den selbst seine Freundin kaum einmal ohne Kamera in der Hand zu Gesicht bekommt, überraschte mit einem mutigen Mullbinden-Outfit. An Arm und Bein verletzungsbedingt fast schon mumifiziert, mußte sich der Gute des öfteren die Frage gefallen lassen, ob er für den Eddie-Part in einer Neuauflage der 'Powerslave'-Tour von IRON MAIDEN probe. Wer den Schaden hat...
Viel besser erging es auch Arno Hofmann nicht. Die erste Freude über ein T-Shirt der legendären Schweizer Band KILLERS, das er von SAINTSBLEED-Frontmann Sasch Menschl überreicht bekommen hatte, war nämlich nur von kurzer Dauer. Direkt beim ersten Ãoberstreifen des Leibchens erkannte unser Post-Beauftragter, daß entweder er zu breit gebaut oder der Fummel zu eng geschnitten war. Stahlhart wie Arno aber nun einmal ist, quälte er sich dennoch in das Stück Stoff und beschwerte sich in der Folgezeit permanent darüber, daß ihm dank des reibenden Textil-Fetzens ständig die Nippel eregierten. Den gutgemeinten Ratschlag von Underground Power Distribution-Betreiber Helmut Müller, er solle sich doch eine Unterhose aus dem Shirt schneidern, ignorierte Herr Hofmann jedoch geflissentlich - dem Mann kann man es nicht recht machen!
Da waren die Schweden-Happen ENFORCER schon pflegeleichter. Nach verrichteter Arbeit am Freitagvormittag ließen die Burschen Fünfe gerade sein und schütteten sich gepflegt einen hinter die Binde. Dieses Spielchen nahm jedoch dermaßen krasse Züge an, daß die Herren Musikanten zur vorgerückten Stunde ins Hotel gekarrt wurden, dort aus Angst, das nächtliche Shuttle zum Flughafen zu verpassen, jedoch nicht in den für sie angemieteten Behausungen ins Schlafgemach krochen, sondern auf ihren Koffern vor (!) der Herberge schliefen. Welch ein göttliches Szenario - fünf stockbesoffene Skandinavier zusammengekauert auf ihrem Gepäck!
Apropos Shuttle: Eine andere, hier namentlich besser nicht genannte Band, hatte den eigenen Hormonhaushalt wenig bis gar nicht im Griff. Während der Rückfahrt zum Hotel verdingte sich einer der Mucker nämlich mit einer kurzerhand auserwählten weiblichen Begleiterin. Allerdings muß der gute Mann alles andere als der Renner gewesen sein, denn noch während des zwischenmenschlichen Flüssigkeitsaustauschs fragte die beglückte Dame die Fahrerin des Shuttle-Vehikels. in welcher Stadt man sich denn gerade befände - herrje, Sachen gibt's...
Da drückte ROXXCALIBUR- und SAVAGE GRACE-Fellgerber Neudi ein ganz anderer Schuh. Der stets für einen dummen Spruch aufgelegte Spaßvogel schnappte sich während der Autogrammstunde flugs das Mikrofon und verwandelte das Zelt in einen Supermarkt: "Liebe Kunden - in unserer Frischwurstabteilung jetzt wieder im Sonderangebot: 100 Gramm Salami für 1,29 Euro!" Ã"h, ja...
Der Preis für die weiteste Anreise ging in diesem Jahr hingegen an einen jungen Mann, der Bandbetreuer Georg Loegler bei der LOUDNESS-Signing-Session auffiel. Mit geschätzten 50 CD-Booklets seiner Helden unterm Arm bahnte sich der extra aus Mexiko nach Balingen gejettete Bursche den Weg hin zu den Musikern und ließ sich auch von den Interventionen des japanischen Bandbegleiters nicht aus der Ruhe bringen. Durch den wimmernden Verweis auf seine Herkunft ließ sich letztendlich sogar LOUDNESS-Klampfer Akira Takasaki erweichen, irgendwelche dubiosen Schwarzpressungen zu unterschreiben. Aber der Saitenquäler ist ohnehin Kummer gewohnt: Um dem Stöckchenschwinger seiner Band das Arbeiten so angenehm wie nur irgend möglich zu gestalten, ließ Takasaki extra einen speziellen Drumhocker per Fedex aus Japan einfliegen. Alles für den gesunden Rücken!
Auf derartige Aspekte legte unser Leithammel Jagger spätestens am Samstagabend keinen besonderen Wert mehr. Nachdem er den etatmäßigen Heavy-Layouter Stefan Hanus drei Tage zur Essensmärkchenausgabe verdonnert und sich bestenfalls in Anwesenheit von Thomas Michel ("Dem Mann mit dem absoluten Durchblick") gesittet benommen hatte, ging unser Chefredakteur zum Festival-Ausklang richtig steil. Angesteckt von der Feierlaune im DESTRUCTION-Dressing-Room, wo Schmier und Co. mit diversen musizierenden Kollegen eine ausufernde Party initiierten, krempelte Jaggermeister mit seinem alten Kumpel, dem THE HAUNTED-Gitarristen Jensen, das Messegelände um, und hatte letztendlich mehr als ein Lämpchen am Glühen - so soll's zum Abschluß sein!
Nun, der Kater ist mittlerweile verdaut, die Erinnerung größtenteils zurückgekehrt und die Vorfreude aufs nächste Jahr schon wieder entfacht! Vom 14. bis zum 16. Juli 2011 wird es nämlich wieder heißen: "Leinen los und volle Kraft voraus!" Wir sehen uns in Balingen...
Die Warm-up-Show
15. Juli 2010
Messehalle Balingen
mit:
SAXON
DEMON
BLITZKRIEG
ROXXCALIBUR
ROXXCALIBUR
Der Donnerstagabend, sprich die Warm-up-Show fürs Bang Your Head!!! stand diesmal unter dem Motto NWoBHM. Eröffnet wurde der Abend mit ROXXCALIBUR, die sich live inzwischen einen exzellenten Namen erspielt haben und alles andere als eine Coverband darstellen. Die Jungs um Drummer Neudi nutzten dann auch ihre 50 Minuten Spielzeit bestens aus und boten ein First Class-Set mit hervorragenden Interpretationen diverser NWoBHM-Klassiker. Man merkt den Jungs einfach den Spaß an der Sache an, und so kamen Klassiker wie 'Lady Of Mars' (DARK STAR), 'Emergency' (GIRLSCHOOL) oder 'If I Were King' (VARDIS) mit einer Inbrunst, die man bei vielen anderen Bands vermißt. Als Tribut für Ronnie James Dio intonierte man schön fett 'Neon Knights'! Hier wurde einmal mehr großes NWoBHM-Kino geboten, und ich persönlich hoffe nur, daß ROXXCALIBUR der Szene noch lange erhalten bleiben. Denn mal ehrlich, wie viele Bands sind in der Lage, so originell und überzeugend diese alten Klassiker zu interpretieren? Genau der richtige Auftakt für diesen tollen Abend bei dem viele richtig Spaß hatten.
Jürgen Tschamler
BLITZKRIEG
Bei BLITZKRIEG ist es immer so eine Sache, denn bei ihnen ist es von der Tagesform abhängig, wie gut oder schlecht eine Liveshow wird. An diesem Abend waren die Jungs um Fronter Brian Ross bester Laune vor dem Gig, und das schlug sich auch auf den Auftritt nieder. Ross ist live immer wieder beeindruckend. Mit welcher Coolness und Souveränität er da auf der Bühne steht, dieser große alte Mann des NWoBHM! Er und BLITZKRIEG waren und sind weiterhin ein wichtiger Bestandteil dieses Genres, und stimmlich ist er immer noch absolut auf der Höhe. Die Band an sich war sehr aktiv, und das übertrug sich auch auf die Zuschauer. Bei der Setlist hätte ich mir den einen oder anderen Klassiker aus ganz frühen Tagen mehr gewünscht, aber Brecher wie 'Pull The Trigger' oder der Ãoberklassiker schlechthin, 'Blitzkrieg', wurden zumindest gespielt. Auch gut angekommen ist 'The Mob Rules' als Tribute für DIO. Sehr gepflegt schlug auch 'Escape From The Village' ein. Die 50 Minuten waren im Falle BLITZKRIEG viel zu schnell vorüber.
Jürgen Tschamler
DEMON
Die zweite Station der diesjährigen DEMON-Sommer-Festival-Tournee brachte die Band um den charismatischen Sänger Dave Hill nach dem Keep It True und vor dem Headbangers Open Air nach Balingen zum Bang Your Head!!!. Mit dem Doppelknaller 'Night Of The Demon' und 'Into The Nightmare' erwischten die Briten einen perfekten Start in ihr Set. Das folgende 'Blue Skies In Red Square' wurde mit 'Commercial Dynamite' versetzt. ehe man es mit 'Blackheath' ein bißchen ruhiger angehen ließ. Das unverwüstliche 'Sign Of A Madman' wurde gefolgt von 'Liar', das mir live nicht so überragend gefällt. Natürlich ist es kein schlechter Song, aber ich würde mir wünschen, daß die Band ihr Programm mal etwas neu strukturiert und fetzigeres Material präsentiert. Warum nicht mal 'England's Glory', 'Have We Been Here Before?' oder 'Taking The World By Storm'? Aber stattdessen nahm die Band mit der Ballade 'Remembrance Day' und dem auch eher getragenen 'Life On The Wire' noch mehr Tempo raus. Der einzige neuere Track (nach 1990) war das sehr gute 'Standing On The Edge' (vom immer noch aktuellen Album 'Better The Devil You Know' - 2005), und über die DEMON-Hymne 'Don't Break The Circle' brauchen wir wohl nicht zu sprechen. Das insgesamt gute Set, das mittig leider etwas durchhing, beendete die Band standesgemäß mit der Verneigung vor Ronnie James Dio in Form von RAINBOWs 'Starstruck', was ihnen sehr gut zu Gesicht stand.
Martin Brandt
SAXON
Im Gegensatz zu ihren amerikanischen Kollegen von QUEENSRYCHE, die sich am Samstag mit ihrer kruden Setlist noch genügend blamieren sollten, scheinen SAXON genau zu wissen, was man als (Warm-up-Show-)Headliner eines großen Sommerfestivals zu spielen hat: Einen Hit nach dem anderen! Hey Biff, kannst du das nicht mal dem Herrn Tate verklickern? Und so tackerten die in allen Ehren ergrauten Engländer dann auch Klassiker auf Klassiker raus, was zur Folge hatte, daß die Fans kaum zum Luft holen kamen. Dem formidablen Opener 'Heavy Metal Thunder' folgten 'Dogs Of War', 'To Hell And Back Again', 'Live To Rock', das immer intensive 'Dallas 1 PM', 'Motorcycle Man' und mein absoluter Favorit 'And The Bands Played On'. Während andere Combos bei so einer Fülle von Klassikern ihr Pulver schon verschossen hätten, war bei SAXON gerade mal Halbzeit, und so wurde mit 'Strong Arm Of The Law', 'The Eagle Has Landed', '20.000 Ft', sowie '747 (Strangers In The Night)' zünftig nachgelegt. Es bestand an diesem Abend kein Zweifel, daß nur SAXON allein der würdige Headliner der New Wave Of British Heavy Metal-Nacht waren. Bei subtropischen Temperaturen lockten Biff, Nibbs und Co. mit 'Wheels Of Steel' und 'Princess Of The Night' noch mal die letzten Reserven aus dem Publikum und verschwanden dann erstmals hinter der Bühne. Aber es war ja klar, daß noch nicht Schluß war, denn 'Crusader' kommt später, Mann!", und es kam - und wie! Nach 'Solid Ball Of Rock' hatte ich mich eigentlich darauf eingestellt, auch von SAXON einen DIO-Tribute-Song zu hören, aber sie beließen es dabei, ihrem alten Weggefährten lediglich den eigenen Track 'Denim And Leather' zu widmen, was man entweder als Wermutstropfen eines perfekten Gigs werten kann oder eben nur als konsequent.
Martin Brandt
FESTIVAL-RÜCKBLICK
BYH!!! 2010
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