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BYH!!! Rückblick 2008...

BYH!!!-Freitag, 27. Juni
 


 Der erste Festivaltag mit:

QUEENSRYCHE
ICED EARTH
GREAT WHITE
WHITE LION
RAGE
ENSIFERUM
FORBIDDEN
KORPIKLAANI
AGENT STEEL
TYR
CONTRACRASH

 





CONTRACRASH
Die Ehre, die zehnte Freiluftausgabe des BYH!!! auf dem Balinger Messegelände eröffnen zu dürfen, wurde der süddeutschen Nachwuchskapelle CONTRACRASH zuteil, die sich den begehrten Festivalslot durch ihren überzeugenden zweiten Platz beim Balinger Bandcontest 2007 sichern konnte. Durch gleich zwei Widrigkeiten wurde den Newcomern allerdings ihre BYH!!!-Premiere erschwert. Zum einen schmiß wenige Wochen vor dem Gig Sänger Andi Rohrer aus privaten Gründen das Handtuch - die Lücke konnte jedoch mit dem Aalener Philipp Deutsch, seines Zeichens Frontmann von DIVERSION, aushilfsweise durchaus adäquat und vor allem stimmlich sehr passend geschlossen werden. Gänzlich außerhalb ihres Einflusses stand jedoch die fast schon unchristlich frühe Stunde, zu der das Quintett auf die Bretter mußte, weshalb die um halb zehn noch recht überschaubar zu nennende Zuschaueranzahl unter dem Stichpunkt “widrige Umstände” verbucht werden konnte. An der Performance jedenfalls kann’s nicht gelegen haben: Ausgeschlafen und voller Elan bliesen die fünf Jungspunde Stücke wie ‘Why Don’t You Die’, ‘Dead Fish Motherfucker’ oder das etwas gebremstere ‘Blinded Love’ ins Auditorium, wobei sich an dem sehr modernen Heavy Rock inklusive Emo-Parts spürbar die Geister schieden und die Reaktionen zwischen “geil” und “geht gar nicht” schwankten. Einige neue Sympathisanten und Interessenten dürften sich CONTRACRASH dennoch gesichert haben - und das gewiß nicht nur wegen der am Ende großzügig verteilten CDs und T-Shirts.
Daniela Sickinger


TYR
Mit TYR enterten im Anschluß quasi schon alte Hasen die Bühne, deren Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad unter anderem auch an der sich inzwischen deutlich vergrößerten Publikumsschar abgelesen werden konnte. Bandkopf und Fronter Heri Joensen zeigte sich über den Zuspruch aus den vorderen Reihen dermaßen erfreut, daß er sich gar zu einigen, in fast lupenreinem Deutsch vorgetragenen Ansagen im Block hinreißen ließ und unter anderem “Wie geht’s, Bang Your Head!!!?” fragte und sogleich verlauten ließ, es sei “geil, wieder in Deutschland zu sein!”. Die unschönen Zwischenfälle, mit denen sich die Färinger im Frühjahr explizit in Berlin konfrontiert sahen, als ihnen völlig aus der Luft gegriffen der Vorwurf gemacht worden war, rechtsradikales Gedankengut zu verbreiten, schienen also trotz aller Aufregung ad acta gelegt zu sein. Mit den beiden Openern ihres aktuellen Opus ‘Land’ legte die Truppe los, machte mit ‘Regin Smidur’ einen Schritt zurück in die Vergangenheit, um anschließend ihren Dauerbrenner ‘Hail To The Hammer’ zu Gehör zu bringen. Doch so solide und versiert das Gespann auch agierte, insgesamt wirkte der gesamte Auftritt etwas zu statisch, da sich die Herrschaften kaum vom Fleck rührten. Der monotone Rhythmus der sich sehr ähnelnden Stücke tat ein Übriges, um die Stimmung nicht gerade überschäumen zu lassen. Womöglich hätte ‘The Wild Rover’ (hierzulande auch als ‘An der Nordseeküste’ bekannt) das Ruder herum reißen können, den hatten TYR dieses Mal aber leider nicht mit im Gepäck. Schade eigentlich.
Daniela Sickinger


AGENT STEEL
Schon komisch, eine der besten und traditionsreichsten Speed Metal-Bands dieses Planeten morgens um 11.05 Uhr auf die Bühne klettern zu sehen, aber bei einem derart hochklassigen Billing (und dem wohl nicht ganz so großen kommerziellen Ranking von AGENT STEEL) muß man wohl damit leben. AGENT STEEL selbst machten dann zunächst einmal den größten Fehler, den eine Old School-Band auf einem Festival machen kann: Sie spielten zum Einstieg zwei neue Songs, die den Fans zum einen nicht sonderlich vertraut und zum anderen auch nicht wirklich gut waren. AGENT STEEL ohne Kopfgesang - wer braucht das? Mit einem Opener wie ‘Bleed For The Gods’, der dann als drittes gespielt wurde, hätte man die Fans vor der Bühne mit Sicherheit etwas eher aus ihrer Lethargie gerissen. Im weiteren Verlauf gab es dann noch Granaten namens ‘Unstoppable Force’, ‘Mad Locust Rising’ oder (passend zum in Balingen vorherrschenden Wetter) ‘Children Of The Sun’. Hierbei stellte Mr. Hall dann einmal mehr unter Beweis, wie gut er die alten Stücke aus der Cyriis -Ära singen kann. Ach wenn er, rein optisch, immer noch so langweilig aussieht, als hätte ihn Gitarrist Juan Guarcia erst fünf Minuten vor Showbeginn von einem Roadie zum Sänger befördert, etwas Besseres hätte AGENT STEEL gar nicht passieren können. Ein guter Auftritt der US-Boys, wenngleich ihre Mucke in einem verschwitzten Club ohne Frage besser funktioniert.
Kai Wollwert


KORPIKLAANI
Wie es schien, hatten die sechs finnischen Waldschrate einen Clown gefrühstückt oder sich zumindest einen ordentlichen Schluck aus der Wodkapulle hinter die Binde gegossen, bevor sie um kurz vor zwölf auf die Bühne fegten. Vokalist Jonne Järvelä überschlug sich auf jeden Fall fast vor Freude über den deutschen Sommer und strahlte mit der mittlerweile gnadenlos heiß vom Himmel brutzelnden Sonne um die Wette. Selbst Tieftöner Jarkko Aaltonen, der auf Fotos meist grimmig und ernst dreinblickt, grinste wie ein Honigkuchenpferd. Und siehe da: Die gute Laune der nordischen Spaßbacken übertrug sich beinahe unmittelbar auf die Zuhörer, die zu schmissigen Nummern wie ‘Keep On Galloping’ oder ‘Kipumylly’ ausgelassen ein Tänzchen wagten oder sogar wild pogten. KORPIKLAANIs blondgelockter Frontmann ließ sich dadurch wiederum ebenfalls zu gesteigertem Bewegungspensum anstacheln und hüpfte in Rumpelstilzchen-Manier auf einem Bein im Kreis. Ein Bild für die Götter! Die Ansagen, mit denen Järvelä zwischen den einzelnen Songs die Menge immer wieder zusätzlich anzuheizen versuchte, verpufften zwar zumindest inhaltlich total, da bis auf die inflationär eingestreuten “fuck” und “fuckin’” so gut wie nichts verständlich war. Das jedoch minderte das Vergnügen an der vor Energie und Lebensfreude strotzenden Darbietung nicht im Geringsten, und mit dem aus den beiden ultimativen Saufhymnen ‘Happy Little Boozer’ und ‘Beer Beer’ bestehenden finalen Doppelpack setzten KORPIKLAANI dem Ganzen noch die Spaßkrone auf.
Daniela Sickinger


FORBIDDEN
Lange Jahre waren sie in der Versenkung verschwunden und haben nur einen Gig für das Thrash Of The Titans-Festival abgezogen. Nun aber sind die Bay Area-Thrasher FORBIDDEN wieder zurück und wollen anscheinend wieder voll ins Geschäft einsteigen. Instrumental gesehen lieferten die Jungs um Craig Locicero das volle Brett ab, waren tight ohne Ende und hauten einem regelrecht die Hammerriffs um die Ohren. Leider mußte man bei Sänger Russ Anderson ein paar Abstriche machen. Die hohen Töne umging er vollkommen, und so bliet ein absolutes Markenzeichen der Band auf der Strecke. Zudem wirkte der etwas üppigere Russ auf der Bühne etwas unbeholfen und erinnerte manchmal etwas an Samson aus der Sesamstrasse (mag auch an den Schuhen gelegen haben...). Es kann natürlich auch sein, daß die späte Show am Vorabend im Club auch ihren Tribut gefordert hatte, denn die komplette Band wirkte nicht so spritzig wie beim Rest der Tour. Songtechnisch beschränkte man sich auf Songs der ersten beiden Alben, wobei man deutlich den Schwerpunkt auf ‘Forbidden Evil’ legte, und so waren es auch Songs wie ‘Chalice Of Blood’, ‘Forbidden Evil’ und ‘Through Eyes Of Glass’, welche die besten Publikumsreaktionen einfangen konnten. Falls die Jungs doch noch mal ein neues Album aufnehmen sollten (die Chancen stehen mittlerweile ja nicht schlecht), erinnern sich FORBIDDEN am besten an die Setlist ihrer aktuellen Tour, damit nicht wieder so langweiliger Groove-Metal wie auf den letzten Alben dabei herauskommt, sondern Thrash Metal in die Fresse.
Oliver Weinsheimer


ENSIFERUM
War es im letzten Jahr die Aufgabe von FINNTROLL, die “Fraktion der röcketragenden Männer” zu vertreten, so übernahmen diesmal die in finnischen Flaggenstoff gehüllten ENSIFERUM diesen Part. Und genau wie ihre Landsmänner zwölf Monate zuvor, mußten auch Petri Lindroos und Co. feststellen, daß das buntgemischte Bang Your Head!!!-Publikum - noch dazu in der Mittagssonne - nicht geschlossen hinter dem von ihnen zelebrierten Sound stand. In den ersten drei, vier Reihen wurden Songs wie ‘One More Magic Potion’, ‘Hero In A Dream’, ‘Deathbringer From The Sky’ oder ‘Iron’ von den meist jüngeren Semestern zwar freudig aufgenommen, aber dahinter war eher gespanntes Abwarten auf RAGE angesagt. Die Skandinavier trugen es mit Fassung, spulten routiniert ihr Material herunter und freuten sich insgeheim wohl schon wieder auf den nächsten Club-Gig. Und man muß auch ehrlich sagen, daß in einer solchen dunkel-verschwitzten Atmosphäre die unbestreitbare Klasse der Formation einfach besser zur Geltung kommt als auf einem Sommer-Open Air. Auf der großen Bühne kamen sich die Herrschaften merklich verloren vor, und vor allem Keyboarderin Emmi Silvennoinen sollte an ihrem Auftreten arbeiten, hatte man hin und wieder doch den Eindruck, daß die Gute in tastenfreien Songparts kurz vorm Einnicken war. Anyway, ENSIFERUM waren sicherlich kein Festival-Highlight, machten im Großen und Ganzen jedoch das Beste aus ihrer Situation und konnten zumindest die Die Hard-Fans begeistern.
Peter Engelking


RAGE
Peavy sowie die Herren Smolski und Hilgers demonstrierten zur Kaffeekränzchen-Zeit ab 15 Uhr bedauerlicherweise nur eine knappe Stunde lang, was jedermann schon wußte: daß sie nicht nur bei orchestralen Umsetzungen ihrer Songs vorzüglich agieren, sondern auch als Krawall-Trio kongenial einen draufmachen. Allerdings funktionierte die Interaktion mit dem Volk bei ‘Carved’, ‘Drop Dead’ und ‘Under Control’ noch nicht völlig optimal. Aber der in jedem Moment beeindruckende Frontmann sowie sein agiler und vor allem phänomenaler Gitarrist rissen spätestens mit ‘Soundchaser’ auch den letzten Banger vor der Bühne in ihren Bann. Die uralte Trio-Diskussion, ob zwei frei bewegliche Personen eine Bühne wirklich ausfüllen können, braucht man in Bezug auf RAGE letztlich genauso wenig zu führen wie bei MOTÖRHEAD. Die schaffen das locker! Folgerichtig flippte die Meute bei ‘Refuge’ förmlich aus und kam von diesem Zeitpunkt an nicht mehr ‘runter. Als Stichworte mögen ‘No Regrets’, ‘Lost Void’, ‘Down’ und ‘Set This World’ genügen. Aus dem abschließenden Medley stach ihr in der Sommerhitze etwas unpassender Hit ‘Don’t Fear The Winter’ heraus - Abgang! Daß Herr Hilgers zweimal (minimal) daneben gehauen hat, verärgerte zwar den Chef, doch interessanter ist, wie Peavy das mitbekam. Solche Geschichten erinnern daran, daß von James Brown berichtet wird, er habe sogar gehört, welcher seiner Trompeter einen halben Ton zu hoch lag, während er am Bühnenrand einen Handstand machte. Das Publikum jedenfalls dürfte die kleinen Patzer kaum bemerkt haben. Und wenn: Auch scheißegal, denn live ist live!
Jörg Schulz


WHITE LION
Nachdem er 2005 noch als Überraschungsgast die Bühnenbretter erklommen hatte, war Mike Tramp mit seiner aktuellen WHITE LION-Inkarnation diesmal ein regulärer Teil des Billings. Mit Songs wie ‘Hungry’ oder ‘Little Fighter’ zog das Quintett den Poser-Teil der Zuschauer sofort auf seine Seite, bevor man in Gestalt von ‘El Salvador’ und ‘All The Fallen Men’ Raritäten vom Debüt ‘Fight To Survive’ ausgrub. Es dauerte eine ganze Weile, bis mit ‘Dream’ das erste von zwei neuen Stücken vom Comebackalbum ‘Return Of The Pride’ zum Besten gegeben wurde. Verschmerzbar, denn zu Hits wie ‘Wait’, ‘Tell Me’ oder dem unkaputtbaren ‘Broken Heart’ läßt sich ohnehin viel besser feiern. Die Begeisterung beim Rezensenten hielt sich jedoch von Anfang an in Grenzen, denn wie schon vor drei Jahren sang Mike äußerst mäßig. Höhere Töne gehören bei ihm unwiderruflich der Vergangenheit an. Seine neuen, tieferen Gesangslinien bot er zudem ziemlich schludrig und lieblos dar. Der Rest des Rudels kommt im Vergleich zum Oberlöwen zu farblos und austauschbar daher - was zur Folge hat, daß die Auftritte immer noch wie Trampsche Solo-Gigs wirken. Trotz guter Publikumsresonanz, die Mike durch seinen mehrmals geäußerten Wunsch, Deutschland möge doch Fußball-Europameister werden, noch zusätzlich zu schüren wußte, verdiente der WHITE LION-Gig in musikalischer Hinsicht somit lediglich das Prädikat “sehr durchwachsen”. Das Duell “weißer Löwe” gegen “weißer Hai” konnten Jack und seine Russell-Bande trotz nicht ganz optimaler Setlist jedenfalls klar für sich entscheiden.
Alexander Kolbe


GREAT WHITE
Vor kurzem waren die GREAT WHITE-Herrschaften um Frontmann Jack Russel endlich wieder einmal in deutschen Clubs zu sehen und haben bei diesen, in den letzten Jahren rar gesäten Gigs, einen prima Eindruck hinterlassen. Kein Wunder also, daß sich eine Menge Anhänger der Band vor der Bühne in Balingen versammelten, als die ersten Klänge von ‘Call It Rock ‘n’ Roll’ aus den Boxen rauschten, und direkt für ausgelassene Partystimmung sorgten. Gut fürs Selbstvertrauen der Band, der man eine leichte Anfangsnervosität zweifelsfrei anmerkte, die sie spätestens mit den folgenden ‘Face The Day’ sowie ‘Back To The Rhythm’ jedoch schnell ablegen konnte. Letztere Nummer blieb glücklicherweise auch im weiteren Verlauf des Auftritts der einzige Song vom eher durchwachsenen aktuellen Album des Quintetts. Statt dessen setzten GREAT WHITE vornehmlich auf ältere Gassenhauer der Marke ‘On Your Knees’, ‘Desert Moon’ oder ‘Rock Me’ und gaben der feierwütigen Meute damit genau das, was sie wollte - Mitsingen war Trumpf! Russels sympathische Kommunikation mit dem Publikum trug zudem zu einem verdammt entspannten Verlauf der Geschichte bei und belegte erneut, daß der Knabe einfach ein legendärer Frontmann ist und bleibt! Schade darum, daß diese von allen Beteiligten euphorisch aufgefaßte Darbietung nach einer knappen Stunde mit der abschließenden Dublette ‘Can’t Shake It’/’Once Bitten Twice Shy’ schon ihr jähes Ende fand. Von dieser rundherum passenden “Sommer, Sonne, Sorglos”-Dosis hätte man nämlich gerne noch mehr genossen...
Peter Engelking


ICED EARTH
Die von vielen sehnlichst erwartete Rückkehr des “eigentlichen” ICED EARTH-Frontmanns Matt geriet zu einem Triumphzug. Nicht nur der Shouter, auch die gesamte Band wurde vom ersten Augenblick an gefeiert. ‘Dark Saga’ stellte dafür einen mehr als geeigneten Einstieg dar. Als Barlow endlich auf der Bühne stand, die Instrumentalisten hatten bereits mit dem Lärmen begonnen, kannte der Jubel keine Grenzen. Nicht nur deshalb scheint es die richtige Entscheidung gewesen zu sein, Matt wieder in die Band zu integrieren, selbst wenn er Vergleichen mit der Sangesqualität seines letzten direkten Vorgängers nicht wirklich standhalten kann. Dafür fördert er die Gruppendynamik in positivstem Sinne. So wurde ‘Vengeance Is Mine’ zu seinem Song, und mit ‘Burning Times’ konnte man noch einen draufsetzen. Der Frontmann kam nach vorn, heizte den Mob an und hatte die Massen im Griff. Egal, ob er die Schwerhörigen-Pose einnahm oder bedrohlich dreinschaute, Matt war nicht zu bremsen. Mastermind Schaffer brauchte nur den Kopf zu heben, um ebenfalls in den Genuß warmer Zuneigung zu gelangen. Fast jede seiner Bewegungen nahm das Publikum dankbar auf. Dabei drängte sich Jon nicht in den Vordergrund, sondern ließ auch den restlichen Akteuren Troy, Brent und Freddie ausreichend Gelegenheit, sich auszutoben, was der düstere grimassenschneidende Baßmann besonders zu genießen schien. Vielleicht wollte er ja ‘Pure Evil’ optisch in Szene setzen. Das gelang ihm allerdings nur partiell, weil sein Boß sich ob der Reaktionen vor der Bühne ein glückliches Lächeln nicht verkneifen konnte, das beim knalligen vorläufigen Höhepunkt ‘Ten Thousand Strong’ in ein massives Dauergrinsen mündete. Dann zeigte noch ‘Dracula’ seine Zähne, bevor ‘The Coming Curse’ einen Moment lang ‘Melancholy’ aufkommen ließ, die durch ‘My Own Savior’ hinweggefegt wurde, so daß schließlich die Bandhymne ‘Iced Earth’ kraftvoller denn je interpretiert wurde. Unterm Strich erinnert man sich daran aufgrund kraftvollen Actings und griffiger Songs, während die folgenden QUEENSRYCHE eher wegen der visuellen Umsetzung im Gedächtnis blieben.
Jörg Schulz


QUEENSRYCHE
Für knapp drei Stunden hieß es dann ‘Operation: Balingen’. Mit leichter Verspätung enterten QUEENSRYCHE die Bühne, um ihre beiden ‘Mindcrime’-Alben in Gänze darzubieten - unterstützt von einer aufwendigen Show inklusive Videoeinspielungen, Kulissen, Requisiten und Schauspielern. Frontmann Geoff Tate bot vor allem im Zusammenspiel mit Pamela ’Sister Mary’ Moore eine mitreißende schauspielerische Performance, die den hin und wieder dezent abgewandelten Klassikern der ersten Platte (darunter ein zu Beginn leicht umarrangiertes ‘The Mission’ sowie ein erweitertes ‘Electric Requiem’) eine beeindruckende Wucht verlieh. Gesanglich ist der einstige Ausnahmesänger anno 2008 aber weit von vergangenen Großtaten entfernt. Dafür ließ das Gitarrendoppel Wilton/Stone nix anbrennen und begeisterte mit filigranem Spiel, das - unterstützt von einen glasklaren, perfekten Sound - an diesem Wochenende seinesgleichen suchte. Und auch Scott Rockenfields Drumming hatte wieder deutlich mehr Power als noch bei manchen Konzerten jüngeren Datums. Bei ‘O:M II’ machten sich dann (erwartungsgemäß) Auflösungserscheinungen unter den Zuschauern breit. Trotz ein paar brauchbarer Songs wie ‘Hostage’, ‘The Hands’ oder auch ‘Re-Arrange-You’ ist das Material des zweiten Albums einfach zu sperrig und beliebig - erst recht für ein Sommerfestival. Die Zugaben versammelten das Publikum jedoch wieder in lautstarker Eintracht vor der Bühne. Die ‘Rage For Order’-Hymne ‘Walk In The Shadows’ sowie das Hit-Triple ‘Jet City Woman’, ‘Empire’ und ‘Silent Lucidity’ riefen Stürme der Begeisterung hervor und sorgten dafür, daß der Seattler-Fünfer mit dickem Applaus verabschiedet wurde - was die Frage aufwirft, ob ein knackiges Best Of-Set nicht sinnvoller gewesen wäre. Dennoch war der Gig nicht nur aufgrund seiner Länge, sondern auch wegen der spektakulären Show ein Moment, der seinen Platz in den BYH!!!-Annalen sicher haben dürfte.
Alexander Kolbe



BYH!!!-Samstag, 28. Juni


Der zweite Festivaltag mit:

JUDAS PRIEST
SAXON
YNGWIE MALMSTEEN
GRAVE DIGGER
OBITUARY
TANKARD
LIZZY BORDEN
ONSLAUGHT
BREAKER
SECRECY
AGE OF EVIL

 

AGE OF EVIL
Willkommen zum Bang Your Head!!! 2007! Oder zumindest fast... Denn: Im letzten Jahr hatte es ein ähnliches Bild gegeben. Am Samstagmorgen tobten in aller Herrgottsfrühe vier amerikanische Pfimpfe über die Bühne. Doch diesmal war alles geplant gewesen: 2007 waren AGE OF EVIL eigentlich nur als Opener der Clubshow zum BYH!!! gereist, doch dank ihrer formidablen Leistung durften sie am zweiten Festivaltag zusätzlich als ungeplanter Opener auf der großen Bühne auflaufen. Doch in diesem Jahr sollte der Startschuß an beiden Tagen eine halbe Stunde früher als geplant fallen – freitags, um Raum für die QUEENSRYCHE-Marathonshow zu schaffen, und samstags, um die zusätzliche Band im Billing unterzubringen. Daß dies letztendlich nicht notwendig gewesen wäre, da der zuständige Luftfahrtlinienbetreiber HARDCORE SUPERSTAR in Paris den Flieger unterm Hintern wegstreichen sollte, so daß die Schwedenboys den Mädels im Moulin Rouge unter den Rock schauen mußten statt in Balingen das Haus zu rocken, konnte im Vorfeld niemand ahnen.
Doch zurück zu unseren Ami-Youngstern: Erwartungsgemäß ließen die Herren Jeremy und Jacob Goldberg nebst Jordan und Garrett Ziff die Kaffeetassen (wahlweise natürlich auch Pappbecher...) von allen erzittern, die den Fehler begangen hatten, noch nicht vor der Bühne zu erscheinen. Leider waren dies verdammt viele, denn der Platz war an diesem Morgen so leer wie noch in kaum einem Jahr zuvor. Offenkundig mußten viele dem gnadenlos heißen Festivalfreitag Tribut zollen, so daß sie länger brauchten, um in die Gänge zu kommen - und vielleicht schienen sie auch zu ahnen, daß die Hitze am heutigen Tag noch brutaler werden würde. Wie auch immer - AGE OF EVIL konnten mit ihrem schnörkellosen US-Metal auch vor kleinerem Auditorium rundum überzeugen, wenngleich natürlich ein solcher ワberraschungserfolg wie im letzten Jahr ausblieb. Schade auch, daß der Besuch von US-Metal-Ikone und AGE OF EVIL-Mentor Tom Gattis letztendlich nicht geklappt hatte, so daß die Jungs den BALLISTIC-Kracher ‘Call Me Evil’ alleine zocken mußten. Doch auch anno 2008 wurde in Balingen überdeutlich: Unterstützung haben AGE OF EVIL schon längst nicht mehr nötig, sondern sie können und werden es aus eigener Kraft schaffen!
Stefan Glas


SECRECY
Die Freude bei eingefleischten Fans und Kennern war groß, als bekannt wurde, daß die Bremer Techno/Prog-Metaller von SECRECY nach über 15 Jahren der Totenstille dieses Jahr die heiligen BYH!!!-Bretter betreten würden. Welcher Prog-Nostalgiker erinnert sich nicht wehmütig an die göttliche FATES WARNING/SANCTUARY/SECRECY-Tour, die Ende 1990 mehr als chaotisch vorzeitig beendet werden mußte? Kenner der beiden Alben ‘Art In Motion’ und ‘Raging Romance’ waren sich schon damals einig, daß man es bei SECRECY mit einer der besten deutschen Prog-Kapellen überhaupt zu tun hat (neben SIEGES EVEN und MEKONG DELTA). Tja, und da die Jungs damals schon lediglich ein Geheimtip waren, durfte man schon sehr gespannt sein, wie viele Fans sich noch erinnern und den Platz vor der riesigen Bühne in Balingen bevölkern würden. Und siehe da: Es war doch echt angenehm was los - bedeutend mehr, als zum selben Zeitpunkt in den beiden Vorjahren. So war es für die optisch natürlich deutlich anders als Anfang der 90er ausschauenden Proggies um Sänger Peter Dartin durchaus ein recht umjubeltes Comeback, und die treuen Fanseelen wurden mit einem höchst spielfreudigen, teils mit drei Gitarren (wenn Peter sich noch eine solche umschnallte) massiv tönenden Best Of-Set beider Klassikerscheiben mehr als nur gut bedient. Handwerklich sind SECRECY noch immer absolut on top und verstehen es, ihre intelligenten Hits wie ‘Trisomie 21’, ‘Observer From Above’, ‘Like Burning Ones Boat’ oder ‘Last Of The Dynasty’ noch immer perfekt live umzusetzen, weshalb man nur hoffen kann, daß die Jungs tunlichst weitermachen - sowohl live, als auch auf Konserve. Welcome back!!!
Hage


BREAKER
So langsam wurden die Metaller etwas wacher. Lag es an der Zeit, die sich langsam gegen Mittag bewegte, oder an BREAKER, die mit ihrem kraftvollen US-Metal den Ruhepuls der Fans etwas nach oben trieben? Wohl eher Letzteres, denn obwohl Sangesgott Jim Hamar schmerzlich in den Reihen der Band vermißt wurde, so hatte man doch mit Greg Wagner (H.A.T.E., SHATTER MESSIAH) einen wunderbar quirligen Ersatz gefunden, der zudem noch mit einer guten Stimme aufwarten konnte. Mit dem Oldie ‘Blood Money’ und dem direkt folgenden ‘Luck And Gasoline’ erwischte man einen Einstand nach Maß. Im Gegensatz zu den teils äußerst durchwachsenen Songs der neuen CD überzeugte man in der Live-Situation durch Old School-Power ohne modernen Firlefanz. Greg Wagner zeichnete sich hier als echter Kilometerfresser aus, der Mann spurtete von einem Bühnenrand zum anderen und platzte fast vor Agilität - ohne dabei die Kontrolle über seine Stimme zu verlieren, versteht sich. Neben ein paar neuen Songs war es vor allem der prächtige Ausklang des Sets, der in Erinnerung blieb, da man mit ‘Lie To Me’, ‘Ten Seconds In’ und ‘Still Life’ eine tödliche Dreierlinie fuhr. Es fehlte nur ‘Get Tough’. However, Sänger Greg sorgte noch für offene Mäuler, als er zum guten Schluß über den Fotograben hinweg (!) in die Menge divte. Colt Seavers hätte geweint vor Spaß...
Arno Hofmann


ONSLAUGHT
Keine Frage, Thrash gehört in die verschwitzten Clubs der Republik, doch ONSLAUGHT gehören zu den Genrevertretern, die auch auf großen Festivalbühnen punkten können - und das selbst zur undankbaren Mittagszeit! Denn auch wenn es für die Briten verdammt früh am Tag war, dürfte der bandeigene Nachwuchs froh gewesen sein, endlich mal den Papis beim Bangen zuschauen zu können. Neben Steve Grices Drumkit saßen nämlich gleich mehrere Kiddies und staunten nicht schlecht, wie euphorisch Granaten der Marke ‘Planting Seeds Of Hate’ oder ‘Killing Peace’ von den reichlich vor der Bühne versammelten Metallern aufgenommen wurden. Wie professionell die reformierte Truppe inzwischen ihrem Handwerk nachgeht, zeigte sich bei den technischen Problemen, mit denen ONSLAUGHT während der ersten Songs zu kämpfen hatten. So war der waldschratige Neuzugang Andy Rosser-Davies mehr hinter den Bühnenaufbauten als vor denselben zu finden, weil seine Gitarre immer wieder durch hörbare Abwesenheit glänzte. Nach mehreren mißlungenen Versuchen, den Sender zu reparieren, stieg der Klampfer schließlich entnervt auf ein altmodisches Kabel um und konnte endlich von jedermann vernommen werden. Der Rest der Truppe ließ sich durch diese Panne aber in keiner Weise beeindrucken, Nige Rocketts Axt sorgte auch alleine für genügend Brachialsound, und Sy brachte alte Klassiker wie ‘Metal Forces’ oder ‘Angels Of Death’ erstklassig rüber. Sehr sympathisch auch, wie sich der schwarzhaarige Fronter am Nachmittag mit seinen Zwergen in der Menge tummelte und das Festival gemeinsam mit den Fans genoß - und nach diesem exzellenten Auftritt hat er sich das auch redlich verdient...
Martin Römpp


LIZZY BORDEN
Lizzy Borden und seine Mannen zeigten wieder einmal, wer die wahren “Meister der Verkleidung” sind, selbst wenn der Titelsong des 1989er Albums zu meiner Enttäuschung nicht im Set enthalten war. Dennoch, so etwas wie diesen spektakulären Auftritt hat Deutschland mittags um halb zwei vermutlich noch nicht gesehen. Nachdem Sänger Lizzy auf der Bühne eines seiner Gogo-Girls entblößt und ‘umbracht’ hatte, verteilte er das Blut per Handschlag an die komplette erste Reihe. Sein Tourmanager hatte alle Hände voll zu tun, indem er ihm mit einer großen Schale Wasser hinterherging, um die Sauerei nicht ganz ausarten zu lassen. Spuren sah man allerdings spät abends immer noch bei denjenigen, die sich zu weit vorgewagt hatten. Mit häufigem Maskenwechsel und Vollmontur bzw. Vollmake-up heizte die Band in der ohnehin prallen Mittagshitze vollends ein. Bei Knallern wie ‘Tomorrow Never Comes’, ‘There Will Be Blood Tonight’ und ‘We Got The Power’ sang auch der Letzte im Publikum lauthals mit. LIZZY BORDEN kamen so gut an, daß sie als erste Band in der BYH!!!-Geschichte als Ersatz für die ausgefallenen HARDCORE SUPERSTAR am selben Tag ein zweites Set spielen durften. Und kein einziger Song wurde wiederholt! Statt dessen gab es fünf Eigenkompositionen, darunter auch ‘Give ‘Em The Axe’ von der allerersten EP, sowie zwei Schmankerl aus fremder Feder, nämlich STEPPENWOLFs ‘Born To Be Wild’ und RAINBOWs ‘Long Live Rock ‘n’ Roll’. Ein perfekter Ausklang, sowohl für das Publikum als auch für LIZZY BORDEN, die somit ihrem legendären Auftritt beim ersten BYH!!!-Open Air 1999 noch eins draufsetzten.
Daniel Wamsler


TANKARD
Egal, wo die Frankfurter Jungs auflaufen, sie sind immer Lockerheit und gute Laune pur. Direkt vom Opener ‘We Still Drink The Old Ways’ weg tanzte, moshte und bangte das Balinger Volk, als hätte es seit eineinhalb Tagen nur wegen dieser vier hessischen Jungs der unbarmherzigen Hitze getrotzt. Frontplauze Gerre war nach nur zwei Minuten schon schweißgebadet und genehmigte sich in jeder Sangespause Kehlenkühlung durch kühles Blondes. Sogar zusammengeknotete Slips segelten auf die Bühne, was die Band zu der Feststellung brachte, daß einzig und alleine sie die schönsten weiblichen Fans des Business haben. Who the fuck is BON JOVI? Recht so, denn gelangweilte Hausfrauen würden zu Krachern wie ‘The Beauty And The Beast’, ‘Chemical Invasion’ oder ‘Die With A Beer In Your Hand’ steilgehen wie Sau. Sogar die dieses Jahr sehr stark vertretenen ganz jungen und kleinen Semester feierten Gerre und Co. gebührend ab - sei es hinter der Bühne, wo der gute Herr sogar mit Kindern auf dem Schoß Videointerviews gab, oder in Reihe 1, wo ein kleiner Jungspund fast während des gesamten Gigs sehr zur Freude der Band ein Eintracht-Trikot in die Luft reckte. Die Feierlaune, wahlweise von “TANKARD”- oder “Ausziehen!”-Sprechchören getragen, wurde immer größer und kumulierte schließlich im famosen Schlußdoppel ‘Freibier’ (mit Fan als Gastsänger auf der Bühne) und dem von allen mitgegrölten Gassenhauer ‘(Empty) Tankard’. TANKARD zünden immer und überall!
David Gregori


OBITUARY
Zur Überraschung aller wurde direkt nach Frankfurts Finest schon das OBITUARY-Backdrop in die Höhe gezogen, obwohl eigentlich HARDCORE SUPERSTAR auf dem Plan gestanden hätten. Der bereits erwähnte Grund: Der Flug der armen Kerle war gecancelt worden. So zogen einige Festivalbesucher zurecht lange Gesichter. OBITUARY, die für den frisch Vater gewordenen Frank Watkins mit Ersatzbassist Kenneth Andrews angereist waren, kamen so in den Genuß einer verlängerten Spielzeit. Die wenigen, denen die Floridaner nicht zu heftig waren, genossen diese knapp 70 Minuten dann auch in vollen Zügen. Death Metal ohne Kompromisse, höllischer Groove, alles zersägende Riffs und eine Stimme direkt aus der Hölle. Fett, fetter, OBITUARY! Ohne große Worte oder Gesten zündeten der wie ein wütendes Raubtier über die Bühne tigernde Frontmann John Tardy und seine Asikumpanen, die aussahen wie Waldschrate aus den tiefsten Sümpfen Floridas, einen Todesbleipanzer nach dem anderen. Daß dabei außer John kein einziger Mucker seinen 1-Meter-Bewegungsradius verließ, fiel nicht negativ ins Gewicht. Das ist schon seit Ende der 80er so. Was bitte hätte man anderes machen sollen zu in fettestem Old-School-Sound runtergeprügelten Abrißbirnen wie ‘Slowly We Rot’ (noch langsamer als auf Platte), ‘Stand Alone’, ‘Slow Death’ oder ‘Evil Ways’? Da fiel auch das unnötige Drum- und Gitarrensolo zur Überbrückung der Spielzeit nicht ins Gewicht. OBITUARY töteten! Und das ist wohl das größte Kompliment, das man einer Death Metal-Band machen kann.
David Gregori


GRAVE DIGGER
Daß die bisherigen Bang Your Head!!!-Auftritte seiner Band nicht unter wirklich guten Sternen standen, merkte man GRAVE DIGGER-Frontmann Chris Boltendahl schon vor dem Gig hinter der Bühne an. Wie ein eingesperrtes Raubtier lief das Urgestein der deutschen Metal-Szene umher, brabbelte Text-Passagen vor sich hin und registrierte kaum etwas davon, was rechts und links von ihm passierte. Eine Anspannung, die sich auszahlen sollte, denn mit ‘The Reaper’ erwischte die Band einen geschmeidigen Einstieg in ein Set, das vor Spielfreude und Bandklassikern gerade so strotzte und letztendlich keine Wünsche offen ließ. Egal, ob GRAVE DIGGER dabei ältere Schoten wie das unvermeidliche ‘Heavy Metal Breakdown’, ‘Rebellion’ oder ‘Knights Of The Cross’ bemühten, oder sich Stücken der jüngeren Vergangenheit wie ‘Valhalla’ oder ‘Grave Digger’ widmeten: Der Funke sprang sofort auf die zahlreichen Fans vor der Bühne über, und eine zünftige Metal-Party nahm ihren Lauf! トußerst positiv machte sich in diesem Rahmen die Hinzunahme eines zweiten Gitarristen bemerkbar. Nicht, daß Manni Schmidt das Kind nicht auch in den zurückliegenden Jahren prima alleine geschaukelt hätte, aber der ehemalige RISK- und RUNNING WILD-Klampfer Thilo Hermann verpaßte dem Unternehmen live eindeutig noch mehr Druck und sorgte für zusätzliche Bühnen-Action - fraglos eine Bereicherung, der Mann! Die Stunde, die der Band zur Verfügung stand, verging jedenfalls im Handumdrehen und hinterließ ausschließlich zufriedene Gesichter. Es geht also doch!
Peter Engelking


YNGWIE MALMSTEEN
Daß Zeit relativ ist, wissen wir spätestens seit Edmund Stoibers Rede mit den zehn Minuten und dem Transrapid. Nun hat Yngwie Malmsteen, seines Zeichens wandelnde Gitarrenschleuder mit Phallusverlängerung der Marke Fender, die Angewohnheit, möglichst viele Töne der HM5-Skala in einen Song zu packen, um so scheinbar durch die Zeit reisen zu können. Denn von seinen 70 Minuten Spielzeit nutzte er gerade mal 45. Doch die waren gespickt mit Gitarrensoli, unzähligen fliegenden Plektren und Stratocastern, sowie einem Tim ‘Ripper’ Owens, welcher die Bühne nur ab und zu betrat, um mit einer Leichtigkeit auch die schwierigsten Melodien und Intervalle zu meistern. Hier kam jeder Fan voll auf seine Kosten. Leider scheiden sich bei Yngwie Who’s RISING FORCE die Geister, insbesondere auf einem Festival. Denn obwohl Yngwie, Ripper, Bjorn, Patrick und Michael einen Auftritt der Extraklasse hinlegten, ging so manchem das Gitarrengedudel reichlich auf den Sack. Vielleicht war auch das ein Grund, so früh abzubrechen. Die Band bot einen musikalischen Querschnitt durch YNGWIE MALMSTEENs größte Erfolge und endete mit den Klassikern ‘I’ll See The Light Tonight’ und ‘You Don’t Remember, I’ll Never Forget’. Und auch wenn manch einer über Tim Owens lästerte, bleibt er weiterhin einer der besten Sänger im Metal-Genre. Da kann das Outfit noch so un-metallisch sein. Mir jedenfalls hat’s gefallen, und ich freue mich auf die neue Scheibe. Daß auch Herr Malmsteen seinen Spaß hatte, bewies er, als er ein paar Stunden später plötzlich mit SAXON auf der Bühne stand und gemeinsam mit den alten Haudegen ‘Denim & Leather’ performte.
Daniel Wamsler


SAXON
Fast jeder weiß, daß Biff Byford permanent der Schalk im Nacken sitzt. Diesmal zeigte es sich, als er, schon in voller Bühnenmontur, noch absolut relaxt im Artist-Bereich herumlungerte. Seine Antwort auf die Frage, ob er sich nicht beeilen müsse, lautete: “Muß ich wohl. Hoffentlich bekomme ich noch einen Platz direkt an der Bühne. Ich habe nämlich SAXON noch nie live gesehen.” Sprach’s und machte sich auf den Weg. Wenig später lieferten Nibbs Carter, Paul Quinn, Doug Scarratt und Nigel Glockler dem Sänger eine Steilvorlage für seinen ersten Vokal-Einsatz. Das Publikum tobte. Biff hatte die Massen im Griff. Die Saitenzupfer sprangen über die Bühne, daß es nur so eine Freude war. Vor allem Baßmann Nibbs war in jeder Phase des Auftritts seine Freude anzumerken, auf dem Bang Your Head!!! zu spielen. Besonders glücklich scheinen die Jungs zu sein, daß Nigel im Jahr 2006 zu ihnen zurückgefunden hatte: So “begrüßte” der Shouter seinen Trommler noch einmal ausdrücklich als “Balingen-Jungfrau”. Außerdem erinnerte er daran, daß die allererste Deutschland-Tour von SAXON gemeinsam mit JUDAS PRIEST stattgefunden hatte. Musikalisch wurde ein packendes, alt und neu mischendes Programm geboten, aus dem Tracks wie ‘Motorcycle Man’, ‘Let Me Feel Your Power’ und ‘Crusader’ noch ein wenig herausragten. Für viele waren die Burschen um Biff die eigentlichen Headliner des Tages, wenn nicht des gesamten Festivals. Und dies beileibe nicht, weil sich zwischendurch Yngwie Malmsteen auf die Bühne schummelte, was nur wenige beglückte. Vorher sickerte nämlich durch, daß es einen Gastauftritt bei SAXON geben würde. Da Doro hinter den Kulissen gesichtet worden war, nährte dies die Hoffnung, sie sänge ein Duett mit Mr. Byford. Leider Fehlanzeige. Aber warum war dieser Auftritt so gewaltig? Weil das Quintett - typisch für SAXON - eine seiner lebendig-kraftvollen Rockshows bot. Sie lieben offenkundig ihre Musik, die Live-Situation und den Umgang mit dem Publikum.
Jörg Schulz


JUDAS PRIEST
Nun waren sie endlich gemeinsam nach Balingen gekommen - JUDAS PRIEST. Mit dem umstrittenen, aber ohne Frage starken ‘Nostradamus’-Album im Gepäck (das parallel zum Bang Your Head!!! auf Platz 5 der offiziellen deutschen Charts eingestiegen war), wollten uns die Endfünfziger einmal mehr zeigen, wie ECHTER Heavy Metal gespielt, zelebriert und optisch ansprechend dargeboten wird. Als Einstieg wählte man, recht risikofreudig, den Opener ‘Prophecy’ des aktuellen Konzeptalbums. Sicherlich nicht der bestmögliche Song, aber nicht zuletzt dank seines silbernen Bademantels zog Meister Halford sofort alle Aufmerksamkeit gen Bühne, ähem. Hiernach folgte mit ‘Metal Gods’ dann sogleich der erste Klassiker aus dem reichhaltigen Fundus der Birminghamer. Wer jetzt aber dachte, daß JUDAS PRIEST einmal mehr die ständig gleichen Songs der letzten Jahre runterkurbeln würden, wurde bereits mit dem folgenden Rundumschlag ‘Eat Me Alive’, ‘Between The Hammer And The Anvil’ und ‘Devil’s Child’ eines Besseren belehrt, Hammer! Aber damit nicht genug, PRIEST haben anscheinend auf einmal Spaß daran, in ihrer eigenen Schatzkiste zu wühlen und hierbei eigene Stücke zu reaktivieren, die entweder noch nie, oder seit annähernd 20 Jahren nicht mehr zum Live-Repertoire der Band gehört haben. So kamen im weiteren Verlauf des Abends noch ‘Dissident Aggressor’, ‘Rock Hard, Ride Free’, ‘Hell Patrol’ sowie KK Downings Lieblingssong ‘Sinner’ zum Einsatz, was jedem echten JUDAS PRIEST-Maniac die Freudentränen ins Gesicht trieb. Natürlich wurde dabei nicht auf Standards wie ‘Electric Eye’, ‘Breaking The Law’ oder ‘Hell Bent For Leather’ verzichtet, aber die vielen neuen/alten Songs haben der Band hörbar gut getan, auch wenn dadurch Stücke wie ‘Victim Of Changes’ und sogar ‘Living After Midnight’ dieses Mal den Kürzeren zogen. Ein durchweg geiles Konzert also? Nicht ganz, denn Rob Halford scheint langsam zum Sorgenkind der Band zu werden. Einerseits ist sein Live-Gesang inzwischen zu einem echten Glücksspiel geworden (‘Painkiller’ macht selbst an guten Tagen keinen Spaß mehr), und zum anderen nervt seine ständig gebückte Bühnen-Performance mittlerweile sehr. Mitunter schlurft Rob wie ein alter Opa über die Bühne, vom einstigen Charisma ist so nicht mehr viel geblieben. Unterm Strich haben JUDAS PRIEST auf jeden Fall ein geiles Konzert abgerissen und klatschen auch so noch 99 Prozent der Konkurrenz locker an die Wand, aber ein leicht trauriger Beigeschmack bleibt doch, das muß selbst ein Die Hard-JUDAS PRIEST-Maniac zugeben.
Kai Wollwert



FESTIVAL-RÜCKBLICK
BYH!!! 2008



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