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Es
war wahrscheinlich der schwierigste Platz im gesamten Billing: Am
Samstagmorgen vor zehn Uhr auf den Brettern und unten einige Standhafte,
die am Tag zuvor schon von der gnadenlosen Sonne völlig ausgelaugt
worden waren. Nichtsdestotrotz gaben die Gewinner des diesjährigen
Nachwuchswettbewerbs der Rockfabrik Ludwigsburg Gas, um die Anwesenden
zu überzeugen. Immerhin waren COURAGOUS das einzige unbeschriebene
Blatt auf dem Festival. Frei nach dem Motto 'Wir haben keine Chance,
also nutzen wir sie' präsentierte die Rhein-Main-Connection
sowohl Stücke von ihrer aktuellen CD 'Listen', sowie der kommenden
Scheibe 'Remember'. Allen voran konnte Sänger Chris durch offensives
Stageacting gefallen: Während der Rest der Band sich eher hinter
seinen Instrumenten verkroch, ging er immer wieder nach vorne an
den Rand der Bühne, um die Zuschauer direkt zu packen. Zwar
hatten COURAGOUS nur eine Spielzeit von etwa 25 Minuten zur Verfügung,
doch sie nutzen ihre Chance, sich in bestem Licht zu präsentieren.
Da sich während des Auftritts von COURAGOUS immer mehr Zuschauer
vor der Bühne versammelten und dort dann auch verweilten, konnte
die Combo fraglos ein positives Resümee bezüglich ihres
hypertrophierten Showcases-Gigs ziehen.Stefan Glas Martin Römpp "Dicker
Arsch und große Fresse - so ist der Hesse". Wer seine
Plakate mit solchen Slogans verziert, der kann von mangelndem Selbstbewußtsein
nicht reden. Noch dazu, wenn Sänger Henner als Running Gag
oder aufgrund völliger Orientierungslosigkeit das Publikum
mit "Hallo Wacken" begrüßte und später
Fragen wie "Seid Ihr fit, Wacken?" oder "Ich kann
Euch nicht hören, Wacken. Könnt Ihr noch lauter?"
nachschob. Egal, das Volk nahm es mit Humor und bekam im Gegenzug
eine Best Of-Setlist der beiden letzten Alben von SQUEALER geboten,
die Songs wie 'The Eternity Of A Day', 'Nowhere To Hide', 'Friends
For Life', 'The Final Daylight' und eine eigenwillige DEPECHE MODE-Coverversion
'Enjoy The Silence' anhielt und den meisten Anwesenden offensichtlich
Spaß machte. Sogar um 11.30 Uhr. Als Bonus der besonderen
Art wurde noch der Track 'Liar' von dem Zweitling 'Wrong Time, Wrong
Place' dargeboten. War im letzten Jahr noch Mike Terrana Drummer
bei SQUEALER, so griff man diesmal auf EDGUYs Fellgerber Felix Bohnke
zurück, der seinen Job, wie der Rest der Truppe, mehr als ordentlich
machte. Einzig und allein bleibt die Frage, was die Band mit dem
zweiten Sänger erreichen will? Die H-BLOCKX des Heavy Metal
werden? Hoffentlich nicht!Sven Bernhardt Kein
Bang Your Head!!! ohne einen kräftigen Hieb Kanada-Metal! Während
im letzten Jahr noch EXCITER unsere Ohren mit Ahornstahl zudröhnten,
blieb es heuer Lips und seinen Mannen vorbehalten, den Fans deftiger
Hausmannskost so richtig einen einzuschenken. Ein ANVIL-Gig hat
für die Freunde der Kanadier so eine Art 'Dinner For One'-Effekt:
Man weiß genau, was kommt, hat dennoch Spaß dran, freut
sich und guckt es sich aller Vorhersehbarkeit zum Trotz immer wieder
gerne an. Oder hätte ernstlich jemand erwartet, ANVIL würden
nicht Alltime-Classix der Marke 'Forged In Fire', 'March Of The
Crabs', oder 'Metal On Metal' spielen? No way! Besonders gelungen
bei der ganzen Nostalgie-Chause war sicher die durch diverse Jam-Sessions,
ähem, "monster"-mäßig in die Länge
gewalzte Version von 'Mothra'. Während Lips in seiner unnachahmlichen
Art die Fabel über das japanische Schreckenswesen aus dem Meer
darbrachte, ging der Veteran nochmals richtig aus sich heraus und
steckte mit seiner Freude an ANVIL und dem Metal an sich die Fans
so richtig an. Als er dann endlich den ebenso unvermeidlichen als
auch heißersehnten Vibrator rausholte, um seinem Instrument
gar wunderliches Liedgut zu entlocken, war jedenfalls reihum erneut
ein richtiges Stimmungshoch im Publikum auszumachen, was die Formation
dann auch im weiteren Verlauf des Sets durch geschicktes Agieren
am Köcheln zu halten wußte. ANVIL sind live immer eine
Bank, darauf konnte man sich zum Glück auch diesmal wieder
verlassen. Und auch wenn die letzten Studiowerke nicht mehr ganz
an die frühen Klassiker herankommen - aber bei welcher Truppe
ist das schon so? - versprüht alleine die ehrliche und ungekünstelte
Art des offensichtlich in Charisma badenden Frontmanns ein einmaliges
Feeling, welches ANVIL zu einem in echten Metallerkreisen immer
und überall gerngesehenen Gast werden läßt.Arno Hofmann Für
viele Power Metal-Fans ging an diesem Samstag im Juni ein Lebenstraum
in Erfüllung. Nach über zehn Jahren konnte man HELSTARs
göttliche Meisterwerke wieder durch eine deutsche Anlage schallen
hören. Das letzte Mal waren die Texaner als Support von TANKARD
1989 in deutschen Gefilden zu sehen. Es wurde also wirklich Zeit,
daß man wieder zu unsterblichen Klassikern wie 'Remnants Of
War', 'Run With The Pack' oder 'Baptized In Blood' abbangen konnte.
Im Vergleich zur unerreichbaren Clubshow am Freitag wurde das Set
um 'Good Day To Die' und 'Burning Star' gekürzt, was aber der
Stimmung keinen Abbruch tat. Bei einem astreinen Sound legte die
Band gleich mit 'Benediction' los und man konnte schon nach den
ersten Klängen erkennen, daß die Jungs um Entertainer
James Rivera perfekt aufeinander eingespielt sind. Und das, obwohl
Joel, der Gitarrist von James PRIEST-Coverband, erst Anfang Juni
mit der Band zusammen geprobt hat. Respekt. Da sollten sich andere
Bands einmal ein Beispiel nehmen. Aber auch DESTINY'S END-Gitarrist
Eric Halpern und die alten HELSTAR-Recken Russel DeLeon (Drums)
und Jerry Abarca (Baß) konnten durch technische Perfektion
glänzen. Gerade dem guten Jerry war auch anzumerken, welchen
Spaß ihm dieser Auftritt bereitete, denn er strahlte vom ersten
bis zum letzten Ton wie ein metallisches Honigkuchenpferd und bangte
sich, wie schon in den 80ern auf diversen Videos zu sehen, wahrlich
die Seele aus dem Leib. Der Blickfang war aber wie immer James Rivera.
Der Mann singt die schwierigsten Passagen, als ob es nichts wäre,
rennt dabei noch etliche Kilometer über die Bühne und
hat immer ein Gespür für originelle Ansagen. Erstaunlich
auch, daß sich während des Auftritts immer mehr Leute
vor der Bühne versammelten und gegen Ende des Sets der Platz
vor dem Mischpult komplett gefüllt war. Ich denke, daß
die Texaner an diesem Tag sehr viele neue Fans gewonnen haben. Spätestens
nach der genialen Halbballade 'Winds Of War' war auch der skeptischste
Musikfreund überzeugt und die Band wurde schon fast frenetisch
verabschiedet. Bleibt nur zu hoffen, daß die Band zusammen
bleibt und uns neue Songs schenkt, denn in dieser Konstellation
spielen HELSTAR jede andere Combo glatt an die Wand.Oliver Weinsheimer Oliver Weinsheimer Hage Nachdem
AXEL RUDI PELL im letzten Jahr seinen Auftritt beim Bang Your Head!!!
leider hatte absagen müssen, machte er 2001 sein Versprechen
wahr, Balingen kräftig einzuheizen. Mit der Mannschaft, die
mittlerweile seit einigen Jahren bei ihm in Lohn und Brot steht,
konnte da ohnehin nicht viel schiefgehen: Mike Terrana zerlegte
in bekannter Manier äußerst fachmännisch das Drumset,
so daß es die Stagecrew anschließend nicht mehr abbauen
mußte. Es ist wahrlich faszinierend, dem Mann beim Kesselpauken
zuzusehen! Basser Volker Krawczak, Wegbegleiter von AXEL seit STEELER-Tagen,
der sich nach seinem Trip mit der Dortmunder Formation THE DUNE
schließlich auch bei Axels Soloprojekt einfand, sorgte für
den amtlichen, bodenständigen Groove. Daß Ferdi Doernberg
einer der besten deutschen Keyboarder ist, wird bis in alle Ewigkeiten
unbestritten bleiben. Beim Bang Your Head!!! glänzte er mit
einer geilen Einlage, als er während eines Gitarrensolos sein
Keyboard inklusive Ständer schulterte, zu Axel in die Mitte
der Bühne stieß und beide miteinander duellierten. Damit
transponierten sie quasi das uralte Blackmore/Lord-Gitarren/Keyboard-Duell
für das neue Jahrtausend, was Axel, der aus seiner Bewunderung
für Ritchie Blackmore nie einen Hehl gemacht hat, nur recht
sein konnte. Letzter Mann in der PELLen-Truppe ist Sänger Johnny
Gioeli, der zwar nie mit solch einem bekannten Namen wie die anderen
PELL-Sänger (Charly Huhn, Rob Rock und Jeff Scott Soto) glänzen
konnte, aber in Balingen bewies, daß er sich auch auf einer
großen Bühne behaupten kann. Das Publikum war ohnehin
aus dem Häuschen, da man mit 'Tear Down The Walls', 'Fool Fool',
'Carousel', dem Medley 'The Masquerade Ball/Casbah', 'Warrior',
'Snake Eyes' und dem STEELER-Traditional 'Call Her Princess' jede
Menge Faves aus allen Lebenslagen eines AXELs RUDImentär herausPELLte.
Ergo - alle waren glücklich, nur nicht der Rotschopf, der sich
nun anschickte, die Bühne zu entern...Stefan Glas Daß
MEGADETH wohl wieder für zwiespältige Reaktion sorgen
würden, war mir eigentlich klar - auch wenn schon seit längerem
Gerüchte über die wiedererstarkte Performance der Mannen
um Chef-Exzentriker Dave Mustaine die Runde machten. Doch ehrlich
gesagt war ich trotz aller Vorfreude baff erstaunt, wie tight und
voller Spielfreude die Helden meiner Jugend zu Werke gingen. Ich
weiß jedenfalls nicht, wann ich Mustaine zuletzt dermaßen
energiegeladen über die Bühne sprinten gesehen habe -
von seiner guten Laune ganz zu schweigen. Und eins muß man
dem Rotschopf lassen - er hat noch nicht verlernt, wie man sich
ordentlich die Rübe abschraubt, denn sein Bang-Pensum war am
heutigen Tag enorm. Gut, daß die Vocals beschissen waren,
wundert doch eigentlich keinen mehr - wer sich darüber bei
einem MEGADETH-Gig noch aufregt, hat irgendwie den Schuß nicht
gehört. Die Setlist konnte sich ebenfalls mehr als sehen bzw.
hören lassen, denn neben den Standards wie 'Holy Wars', 'Reckoning
Day', 'Symphony Of Destruction' und dem obligatorisch geilen 'Peace
Sells' gab's auch gern gehörten Stoff wie 'In My Darkest Hour',
'Trust' oder 'Tornado Of Souls' zu hören. Auch das neue Material
in Form von 'Moto Psycho' oder 'Return To Hangar' knallte ordentlich
rein, was für die Qualität der aktuellen Scheibe spricht.
Ein großes Lob zudem an Al Pitrelli, der es (bis auf den Akustikpart
bei 'Holy Wars') perfekt geschafft hat, die Friedman-Soli zu kopieren,
was wohl nicht nur mich äußerst positiv überrascht
hat. Auch Jimmy DeGrasso hat endgültig bewiesen, daß
er die schnellen Songs genauso gnadenlos herunterknüppeln kann
wie seine Vorgänger, und Junior Ellefson trug mit seinem bewegungsfreudigen
Stageacting ebenfalls dazu bei, daß eine Menge Leute diese
MEGADETH-Show als absolutes Erlebnis gewertet haben. Jetzt wird's
nur mal wieder Zeit für eine ordentliche Headliner-Show, denn
in dieser Form sind MEGADETH wieder zu allem fähig!Martin Römpp Sven Bernhardt & Stefan Glas Nichts
gegen die Herren von JUDAS PRIEST, aber auf die Frage, wer denn
DER Headliner des Bang Your Head!!! war, kann es nur eine Antwort
geben: Mister DEE Fuckin' SNIDER. Eben noch in New York, dann die
versammelten Pressefritzen mit einer Spontanpressekonferenz abgespeist,
drehte die ehemalige Oberschwester derartig auf, daß es kein
Halten mehr gab! Mit seiner auf den legendären TWISTED SISTER
basierenden perfekten Metalshow, verwüstete Mr. Rockstar himself
Balingen bis in die letzte Reihe. Bereits mit den ersten Takten
des Openers 'What You Don't Know' erlebte das Publikum Power pur.
Nach dem Eröffnungssturm 'The Kids Are Back' und 'Stay Hungry',
unterbrachen lediglich die gewohnt unterhaltsamen "Ansagen"
bzw. Monologe des Zeremonienmeisters die enthusiastische Massenparty.
Aber egal, ob er alte Zeiten und die Zusammengehörigkeit der
Metalgemeinde beschwor, ob er Songs der Marke 'Under The Blade',
'I Am I'm Me' oder 'Burn In Hell' ansagte oder ob er den Sick Motherfuckers
in der Balinger Menge huldigte - Dee Snider und seine Band wurden
abgefeiert. Kein Wunder, ist Dee doch mit einer unglaublichen Bühnenpräsenz
gesegnet, die er glänzend mit der Energie eines zwanzigjährigen
Newcomers zu verbinden weiß. So konnte nicht einmal der Lemmy
gewidmete (und mit ihm komponierte) DESPERADO-Song 'Hardcore' die
euphorische TWISTED SISTER-Glückseligkeit stören. Den
absoluten Höhepunkt der Show bildete der achtziger Jahre-Hit
'We're Not Gonna Take It', dessen Refrain noch aus unzähligen
Kehlen widerhallte, als der Track längst vorbei war. Solange,
bis die Band endlich wieder ansetzte, was wohl Dee selbst überraschte.
Mit von der Partie TWISTED-Altdrummer und -Manager in allen Belangen
AJ Pero, der mit der restlichen Backingband die perfekte Druckplattform
für den faszinierenden Frontmann bot. Als einziges Manko der
Show bleiben lediglich Dees mangelnde Fähigkeiten als Wettergott
zu bemängeln. Beim finalen 'SMF' goß es trotz seines
gen Himmel gerichteten Flehens "Please not now!" wie aus
gewaltigen Badewannen, so daß das abschließende Feuerwerk
fast absoff. Wer noch Zweifel an meiner Eingangsfeststellung hat,
dem sei gesagt, daß selbst die Backstage-Pressefritzen klatschnaß
aber glücklich noch lange 'We're Not Gonna Take It' skandierten
- und das, wo wir sonst doch alle so verwöhnt und degeneriert
sind. Respekt!!!Sven Bernhardt
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Die inoffizielle
BYH!!!-Hymne Spätestens seit 2003 ist er einfach nicht mehr aus Balingen wegzudenken und wurde von den Bands zur Festivalhymne erhoben: TWISTED SISTERs Hit 'We're Not Gonna Take It'. Hier der offizielle Videoclip aus den 80ern:
YouTube-Video
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