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BYH!!! Rückblick 2001...
FREITAG, 29. Juni 2001
JUDAS PRIEST
SAVATAGE
URIAH HEEP
ROSE TATTOO
ARMORED SAINT
KREATOR
VICIOUS RUMORS
KAMELOT
BRAINSTORM
SOLITUDE AETERNUS
TIERRA SANTA
Während
am frühen Freitagmorgen leider noch etliche Hundertschaften
mit den Problemen beim Einlaß zu kämpfen hatten, gingen
zu dieser metaluntypischen Stunde die Spanier von TIERRA SANTA als
erstes auf die Bühne, um der zunächst noch spärlichen
Meute so richtig einzuheizen. Die wenigen, die das Glück hatten,
sich bereits auf das Gelände gekämpft zu haben, nahmen
den südeuropäischen Fünfer dann auch dankbar an.
Die Truppe bot eine gute halbe Stunde lang einen lockeren Querschnitt
durch ihre bisher veröffentlichten Alben, wobei der Schwerpunkt
naturgemäß auf dem aktuellen 'Tierras De Leyenda' lag.
Schade, daß aufgrund der naturgemäß etwas knappen
Spielzeit nicht die Bandhymne 'Tierra Santa' vom gleichnamigen Debüt
erschallen konnte. Aber da es die Iberer auszeichnet, daß
ihre Alben mit gleichmäßig hochwertigem Material bestückt
sind, kamen auch Tracks wie 'Legendario' oder 'Septima Estrella'
planmäßig zur Geltung. Die oft recht MAIDEN-lastige Gitarrenarbeit
tat mit ihrer eingängigen Heavyness ein übriges, um diesen
Opening Act zu einem der wirklich guten seiner Art zu machen. Besonders
Sänger Angel zog bei den bereits einsetzenden südländischen
Hitzeattacken die Aufmerksamkeit auf sich, war aber durch das gleichzeitige
Bedienen der Sechssaitigen naturgemäß am Mikroständer
gefangen. Und da liegt noch das große Manko bei TIERRA SANTA.
Das Stageacting ist gleich null, jeder spielt sauber seinen Part
und verschanzt sich dabei hinter seinem Instrument; peinlichst darauf
bedacht, ja nicht den Bierdeckel, den man sich offenbar als Aktionsradius
auserkoren hat, zu verlassen. Etwas mehr an Bewegung und Kommunikation
mit den Fans muß da noch kommen, Jungs! Ansonsten eine feine
Sache, der man mehr Publikum gewünscht hätte, welches
die Truppe vielleicht noch zu etwas mehr Betrieb auf der Bühne
animiert hätte. Arno Hofmann
"What
do you do here that early, we are not that good!" Bescheidenheit
mag ja eine Tugend sein, aber da hat der gute John Perez doch gewaltig
untertrieben, als er sich sehr erstaunt zeigte, daß sich um
10.45 Uhr bereits etliche Fans versammelt hatten, um die Kult-Doomer
abzufeiern. Daß Doom Metal natürlich eigentlich in der
grellen Sonne nicht gerade perfekt plaziert ist, dürfte klar
gewesen sein, doch das hat die Texaner nicht weiter gestört.
So haben sie einen durchaus mitreißenden Gig abgeliefert,
der so manchen Hit offenbarte. Songs wie 'Hourglass' oder 'Days
Of Prayer' sind auch bei brütender Hitze überaus genial,
und zehren vor allem von der unglaublichen Ausstrahlung vom neuerdings
kurzgeschorenen Ausnahmesänger Robert Lowe. Daß allerdings
ausgerechnet die übrige Setlist zu wünschen übrig
ließ, ist doch sehr schade und der einzige wahre Wehrmutstropfen.
Denn wenn Göttersongs wie 'Opaque Divinity', 'Eternal', 'Destiny
Falls To Ruins' oder 'Where Angels Dare To Tread' fehlen, dann ist
das schon fast unverzeihlich! Aber Schwamm drüber, denn gut
war der Auftritt auf jeden Fall, und das zeigten auch die Reaktionen
der Fans. Hage
Schon
nicht schlecht, was die Schwabenbrüder da in der Mittagshitze
auf die Bretter brachten. Kaum eröffneten sie mit 'Crush Depth'
ihre rund vierzigminütige Show, da reagierten die aufgeweckten
Metaller durchweg positiv auf die Darbietung der Mannen um Gitarrist
Todde Ihlenfeld, die sich mehr als achtbar aus der Affäre zogen.
Dabei spielten BRAINSTORM sich quer durch die bisherigen drei Alben:
'Holy War', 'Maharaja Palace', 'Tear Down The Walls' und 'Demonsion'
wurden exakt und immens spielfreudig in das Rund gedrückt,
bevor die Jungs mit 'Blind Suffering' dem Publikum einen Track vom
kommenden Album 'Metus Mortis' boten, der anständig aufgenommen
wurde: Feuertaufe bestanden. Allen voran konnte Sänger Andy
B. Frank (ebenfalls Stimme der SYMPHORCE-Proggies und Nachfolger
von METALIUMs Henne) seinen positiven Albumeindruck auch live voll
bestätigen. Wie auch der Rest der Bande, die sich auch auf
der ungewohnt großen Bühne sichtlich wohl fühlten
und mit anständigem Sound im Rücken einen tighten, anerkennenswerten
Gig hinlegten, für den sie lautstarken Applaus ernteten. Nachdem
dann der letzte Song 'Liar's Edge' den Auftritt beendet hatte, waren
viele positiv überrascht oder schlicht in ihrem Fansein bestätigt.
Thumbs up for BRAINSTORM! Sven Bernhardt
Nachdem
'Karma' für mich eines der absoluten Highlights des laufenden
Jahres darstellt, war ich auf die erste Live-Präsentation der
sehr detailverliebten Stücke sehr gespannt. Doch leider muß
ich dem Vierer bescheinigen, daß mein früherer Kritikpunkt
auch in Balingen wieder voll zum Tragen kam: Die Band schafft es
einfach nicht, mit nur einer Gitarre den komplexen Sound der Alben
zu reproduzieren. Vielleicht täte Thom Youngblood gut daran,
sich wenigstens für die Gigs einen zweiten Klampfer mit ins
Boot zu holen, denn wenn er - wie in Balingen geschehen - auch noch
einen klangtechnisch schwachen Tag erwischt und die Keyboards die
entstehenden Löcher nicht flicken können, klingen epische
Meisterwerke wie 'Forever', 'Karma' oder auch 'The Fourth Legacy'
einfach ein wenig schwach auf der Brust. Ein Ausdruck, der auch
auf die stimmliche Verfassung von Roy Khan zutraf, der manchmal
ein wenig Probleme zu haben schien, die korrekten Tonlagen zu treffen
- oder lag das nur am schweißtreibenden Outfit des Norwegers,
der bei brütender Hitze im langen Mantel die Bühne enterte?
Anyway, daß der Junge es besser kann, hat er schon bei vergangenen
Konzerten bewiesen, und jeder kann ja mal einen nicht ganz so perfekten
Tag erwischen. Der Stimmung im Publikum taten diese Mängel
übrigens keinen Abbruch, denn KAMELOT wurden von ihren Anhängern
gut abgefeiert. Schön auch, daß es trotz der knappen
Spielzeit zu einem Abstecher in frühere Gewässer gereicht
hat und mit 'Call Of The Sea' ein alter Band-Klassiker ins Programm
genommen wurde. Mit 'Nights Of Arabia' beendeten KAMELOT dann einen
Gig, der die Fans zufriedengestellt und doch einige Fragen aufgeworfen
hat - Fragen, die sich vielleicht auch die norwegisch-amerikanische
Truppe in einer ruhigen Minute mal stellen sollte, wenn ihr was
daran liegt, ihre superben Platten auch live erstklassig zu präsentieren... Martin Römpp
Der
Auftritt auf der eigentlichen Bang Your Head!!!-Bühne war dann
das dritte Mal, daß ich die Kalifornier innerhalb von drei
Wochen erleben durfte (nach dem Gig beim Classic Metal-Festival
und dem furiosen Clubauftritt vom Vortag) und leider geriet gerade
dieser Gig zum schwächsten des VICIOUS RUMORS-Hattricks. Das
kann man zum einen daran festmachen, daß mit 'March Or Die',
'You Only Live Twice' und 'Don't Wait For Me' drei altgediente Kracher
aus dem Set gekürzt wurden. So wie sich die Jungs auf dem Bang
Your Head!!! präsentiert haben, sei es auf der Bühne oder
während der gesamten zwei Tage (immer im Publikum präsent
und wirklich fannah, Autogramme hier und Fotos da), kann man ihnen
wirklich nur ein supergroßes Kompliment machen. Sie stehen
meiner Meinung nach kurz davor, richtig viel verlorenen Boden wieder
gut zu machen. Da dürfen solche Anfängerfehler einfach
nicht passieren und alle Anwesenden wissen genau, welche drei Stücke
sich die Jungs um Urgestein Geoff Thorpe hätten sparen sollen.
Und ich hoffe, nach den grandiosen Resonanzen, die die Band (zu
Recht!) für ihre energiegeladene Performance von Klassikern
wie 'Abandoned', 'Digital Dictator' oder auch 'Down To The Temple'
erhalten hat, wissen sie, was für eine Art von Musik wir Fans
von ihnen in Zukunft erwarten. Und irgendwo im Metal-Himmel war
Sangesgott Carl Albert bestimmt mächtig stolz auf seinen Nachfolger
Brian O'Conner, der seine Sache mehr als gut machte. Martin Brandt
Eines
DER Highlights des diesjährigen Festivals war eindeutig der
Auftritt des wiedererstarkten Thrash-Urgesteins um Mille Petrozza.
Denn nach dem für KREATOR-Verhältnisse eher schwachen
'Endorama'-Album scheinen sich die Ruhrpott-Recken tatsächlich
wieder auf ihre alten Stärken zurückzubesinnen. Wie läßt
es sich sonst erklären, daß sich in der Setlist ein Knaller
an den anderen reihte? Eröffnet mit dem 'Coma Of Souls'-Kracher
'Terror Zone' folgten bei vorzüglich druckvollem Sound mit
'Phobia', 'Extreme Aggression', 'Renewal', 'Lost', 'Leave The World
Behind', 'Pleasure To Kill' und 'People Of The Lie' nur Songs, die
auch auf jede Best Of-Scheibe der Jungs gehören! Was dann aber
folgte, war die größte Überraschung: KREATOR präsentierten
mit 'Servant In Heaven/King In Hell' (was für ein genialer
Titel!) einen brandneuen Track, der einen absoluten Hammersong darstellt!
Wenn das restliche neue Material dieses Level halten kann, dann
steht uns wohl eine superbe Killerscheibe ins Haus. Zum Ausklang
des mitreißenden Gigs hämmerten Mille und Co. noch 'Terrible
Certainty' und ein Medley aus 'Flag Of Hate' und 'Tormentor' unters
begeisterte Volk, und wurden verdientermaßen lautstark abgefeiert.
Ich möchte gar behaupten, daß KREATOR mit diesem Auftritt
das Highlight des ersten Tages waren, auch wenn da noch Bands wie
SAVATAGE und JUDAS PRIEST folgten. Basta! Hage
Wenn
es eine Band gibt, auf die man sich bei Konzerten immer hundertprozentig
verlassen kann, dann sind das ohne Zweifel ARMORED SAINT! Egal,
ob die Truppe in einem versifften Club oder wie in Balingen auf
einer großen Bühne auftritt - sobald der obligatorische
Opener 'March Of The Saint' über die Anwesenden hereinbricht,
gibt es vor und auf derselben kein Halten mehr. Über die Livequalitäten
der Amis noch großartige Worte zu verlieren, erübrigt
sich eigentlich - denn daß die Herren Bush, Vera, Duncan,
sowie die beiden Sandoval-Brüder neben permanenter Bangerei
auch noch in richtiger Pose zu rocken wissen, hat sich wohl schon
herumgesprochen. Allerdings haben sich die Burschen für ihren
einzigen Euro-Abstecher des Jahres 2001 einige Specials einfallen
lassen - so gab's mit 'Real Swagger' einen der neuen Tracks des
'Nod To The Old School'-Albums auf die Ohren, und mit 'Den Of Thieves'
kam ein bislang noch nie gespielter 'Revelation'-Song zum Zug. Auch
seit Urzeiten nicht mehr im Set war der Oldie 'On The Way', und
mit 'Can You Deliver', 'Reign Of Fire', 'After Me, The Flood' oder
dem wie immer genialen 'Book Of Blood' hatten die Heiligen wie üblich
nur Highlights am Start. Der mit einer neuen Version seines legendären
"Fuck Bush"-Shirts angetretene John ließ es sich
zudem nicht nehmen, in brütender Mittagshitze den Fans in den
ersten Reihen pisswarmen Canadian-Club-Whisky auszuschenken, was
für zusätzliche Bonuspunkte sorgte. Die haben ARMORED
SAINT aber gar nicht nötig, denn beim abschließenden
Doppelpack ging es richtig rund: 'Tribal Dance' verwandelte die
Fans vor der Bühne in eine wild kopfschüttelnde, hüpfende
Masse, und selbst Joey Vera schaffte es, sich bei diesem Song den
Fußknöchel zu verstauchen - das nenne ich Einsatz! Doch
die Zähne zusammengebissen und noch 'Long Before I Die' geschmettert,
und dann konnten sich SAINT vom Publikum gebührend abfeiern
lassen. Eine weitere geniale Show einer Band, die wohl nie einen
schlechten Tag hat... Martin Römpp
Nachdem
ARMORED SAINT ihren Auftritt etwas überzogen hatten, hieß
es, daß ROSE TATTOO knapp 15 Minuten später die Bühne
entern sollten. Was sie auch taten - but to make a long story short
- in letzter Konsequenz ließ man sie während ihres Auftritts
wissen, daß sie ihren Set um zehn Minuten kürzen müßten!
Das änderte aber nichts an der Tatsache, daß die dreckigste
Rock 'n' Roll-Band der Welt einen grandiosen Gig ablieferte. Die
Masse vor der Bühne wußte dies wunderbar zu würdigen
und stand fest hinter der Band. ROSE TATTOO waren souverän,
einzig Basser Steve King und Rockin' Rob Riley waren mit ihrem Sound
nicht ganz zufrieden. Dagegen gab sich Slideguitar-Gott Peter Wells
unglaublich locker und tänzelte immer wieder zur Bühnenmitte
und zurück. Eine eher untypische Geste des Mannes, der eigentlich
immer nur stur einen Schritt vor und einen zurück macht! Angry
Anderson brillierte einmal mehr und hatte "sein" Publikum
fest im Griff. Seine Ansagen waren wie immer eindeutig - sein Stageacting
ebenso. Klassiker wie 'Bad Boy For Love', 'Rock 'n' Roll Outlaw',
'Out Of This Place', 'Rock 'n' Roll Is King', 'Astra Walley' oder
das kongeniale 'Butcher And Fast Eddie' brachte das Publikum zum
Kochen! Nicht zu vergessen weitere Smasher wie das mächtige
'Nice Boys Don't Play Rock 'n' Roll' oder das allseits bekannte
'Scarred For Life'. Rock 'n' Roll vom Allerfeinsten. Als kurz vor
Auftrittsende ein Fan es tatsächlich auf die Bühne zu
klettern schaffte und seine Begeisterung in Form des Kniefalls und
des Anbetens der Band zum Ausdruck brachte, ging ein Raunen durch
die Menge - auch mir lief dabei ein Schauer über den Rücken!
Als allerdings Angry auf ihn zuging, sich ebenfalls auf die Knie
niederließ, den Fan umarmte und mit ihm sozusagen auf den
Knien tanzte, stieg der Lautstärkepegel im Publikum sofort
an! Mit einem Sprung zurück in die Menge ließ sich der
Typ feiern und die Band beendete kurz darauf ein oberamtliches Set.
Für mich waren ROSE TATTOO die Band des Festival, denn was
die Herren auf der Bühne darstellen, ist weder gekünstelt,
noch sonst etwas - sondern einfach real! No Fake! Danke für
diesen geilen Gig! Ach ja, angeblich haben ROSE TATTOO den stärksten
Merchandise-Umsatz während des Festivals gehabt - verdienterweise,
logo. Jürgen Tschamler
Da
im Vorfeld ARMORED SAINT und ROSE TATOO eine schweinegeile Performance
absolviert hatten, durfte man gespannt sein, ob dieses Niveau auch
bei der Altherrenriege URIAH HEEP - die Jungs haben zusammen mit
Sicherheit 250 Lebensjahre auf dem Buckel - gehalten wird. Und man
konnte durchaus etwas skeptisch sein, da die letzte Deutschland-Tour
etwas durchwachsen war und sich im Publikum keine angegrauten Altrocker
- das war vor zwei Jahren bei DEEP PURPLE massiv der Fall - befanden,
die für die nötige Stimmung sorgen würden. Los ging
es mit dem Hammer 'Return To Fantasy', der vom Publikum noch etwas
verhalten aufgenommen wurde. Ein Song aus der Bernie Shaw-Ära
folgte, und im Gegensatz zu den Club-Gigs, wo etliche Songs aus
den letzten halbgaren Alben ('Sea Of Light' ausgenommen) Langeweile
verbreiteten, jagte ein Klassiker ('Stealin', 'Bird Of Prey') den
nächsten, so daß auch die beinharte True Metal-Fraktion
langsam auftaute. Gitarrist Mick Box präsentierte sich wie
immer als strahlender Grinsemann, und ich glaube, selbst wenn ihm
das komplette Publikum den blanken Arsch entgegengestreckt hätte...
er hätte immer noch dieses zuckersüße Lächeln
im Gesicht gehabt. Schlagzeuger Lee Kerslake und Saitenzupfer Trevor
Bolder können zwar heute eine viel ruhigere Kugel als vor 20
Jahren schieben, denn da haben sie gemeinsam Ozzy Osbournes Masterpiece
'Blizzard Of Ozz' eingesemmelt und ihn auf Tour begleitet, aber
das Rocken haben beide nicht verlernt. Und ein Riesenlob muß
man auch Keyboarder Phil Lanzon aussprechen; er hat zwar nicht das
Format eines Ken Hensley, aber bei manchen Passagen war er verdammt
nah dran. Und Bernie Shaw ist für die Die Hard-Fans auch im
Jahr 2001 immer noch "der Neue", obwohl er mittlerweile
so lange wie kein anderer vor ihm hinter dem Mikro steht. C'est
la vie! Und obwohl mir John Lawton, von David Byron ganz zu schweigen,
in der Vergangenheit eher zusagte, muß man Bernie an diesem
Tag einen guten Job bescheinigen. Und das Songmaterial hatte es
in sich! 'Gipsy', 'Look At Yourself' mit einer richtig geilen Jam-Session,
die dann in 'July Morning' endete. Rockerherz, was willst du mehr?
Der Schlußpunkt wurde mit 'Easy Living' gesetzt, das von den
Fans natürlich begeistert abgefeiert wurde. Ein viel zu kurzer
Auftritt, wenn man bedenkt, daß der größte Hit
der Band - und das ist 'Lady In Black' zweifelsohne - ignoriert
wurde. Aber Mick Box dachte sich wohl, daß er so etwas dem
vorwiegend metallisch-orientierten Publikum nicht bieten kann, was
im Endeffekt ein grober Fehler war, denn COMPANY OF SNAKES räumten
am nächsten Tag zum Beispiel mit 'Here I Go Again' gnadenlos
ab. Chris Glaub
Die
Spannung war groß, als SAVATAGE in umbesetzter Mannschaft
die Bühne des Bang Your Head!!! betraten. Würden sich
die Neuzugänge Jack Frost (g) und vor allem der neue Sänger
Damond Jiniya gut in die SAVA-Familie integrieren können? Dazu
aber später. Die Band erwischte jedenfalls mit 'City Beneath
The Surface' (von 'Dungeons Are Calling') einen glänzenden
Einstieg. Mein Gott, seit wie vielen Jahren hatte ich diesen Song
nicht mehr live von SAVATAGE gehört. Die Stimmung war sofort
am Brodeln, zumal die Florida-Boys fließend in den 'Hall Of
The Mountain King'-Klassiker 'Strange Wings' und anschließend
auch noch in 'Sirens' übergingen. Besser konnte dieses Konzert
nicht beginnen. Für Altfans wurde hier das Tor zum SAVATAGE-Himmel
weit aufgestoßen. Nur sah man auch schon einige Fragezeichen
über den Köpfen von den Mädels, die von der Band
erst mit 'Edge Of Thorns', beziehungsweise 'Chance' gehört
haben. Nach einem kurzen Intermezzo aus den beiden neuen Songs 'Surrender'
und 'Commissar' wurden aber auch diese mit einem Titelsong-Medley
bestehend aus 'Edge Of Thorns', 'Wake Of Magellan', 'Dead Winter
Dead' und 'Gutter Ballet' befriedigt. Der emotionale Höhepunkt
des Freitags wurde dann aber mit der Weltklasseballade 'Believe'
von 'Streets' gelegt, bei dem der gute Jon Oliva dann doch bewies,
daß die Stimme noch nicht ganz im Eimer ist. Den Abschluß
bildeten das etwas schräge 'Chance' und der Dampfhammer 'Hall
Of The Mountain King', bei dem die Fans noch einmal komplett ausrasteten
und die Band mit tosendem Applaus entließen. Nun aber ein
paar Worte zu den oben erwähnten Neuzugängen. Beim guten
Jack Frost dachte man, daß er schon immer in der Band wäre
und ließ den live immer etwas farblosen Al Pitrelli (der bei
MEGADETH eine viel bessere Figur abgibt) schnell vergessen. Klasse
Leistung, Jack! Etwas ungeschickt war der Auftakt von Damond, da
er bei den ersten drei Songs fast nur bei den Refrains mitsang und
so eher zum Animateur degradiert wurde. Was in dem Kerl steckt,
konnte er dann erst bei den Zak Stevens-Songs zeigen. Bewundernswert
ist vor allem, daß er den guten Zak zu keiner Sekunde kopiert,
sondern den Songs sofort seinen eigenen Stempel aufdrückt.
Auch optisch bewegt sich Damond in anderen Gefilden, denn mit seinen
schwarzen Haaren und Klamotten erinnert er eher an Gothic Acts wie
HIM. Da werden einige Zak-süchtige Mädels schon etwas
gemault haben, aber darauf kommt es schließlich nicht an (Fünf
Mark in die Chauvi-Kasse, Weinsi! - Stefan) Stimmlich gesehen ist
Damond Jon Oliva um einiges näher als der Stimme von Zak, was
zur Folge hat, daß die Stevens-Tracks um einiges aggressiver
wirkten. Ich bin mal gespannt, wie sich das Ganze bei SAVATAGE weiterentwickelt.
So spielfreudig wie auf dem Bang Your Head!!! habe ich die Band
in den letzten Jahren kaum gesehen, auch wenn man sagen muß,
daß Jon auf Dauer doch noch etwas weniger singen sollte, da
seine Stimme einfach zu kaputt ist. Oliver Weinsheimer
PRIESTs
Zerstörungswerk 'Demolition' spaltet nicht nur die Meinungen
in unserer Redaktion - siehe Arnos herbe zwei Punkte-Kritik und
Horsts elf Punkte-Orgasmus - auch die Reaktionen auf die Gigs im
Vorfeld des Festivals konnten nicht unterschiedlicher sein. Von
zehn Leuten, die PRIEST bereits gesehen haben, bekam ich alle Schattierungen
von "supertoll" bis "absolute Gülle" zu
hören ... aber beides trifft nicht zu! Es war stellenweise
eine gute, manchmal allerdings eine etwas maue Performance von JUDAS
PRIEST - so lautet mein "objektives" Urteil. Und dies
hat viel mit Ripper Owens zu tun, denn der Junge hat nun mal nicht
das Charisma eines Rob Halford, und was seine Sangesleistung angeht,
da hat er noch lange nicht zu seinem Stil gefunden. Bei 'Victim
Of Changes' bot Ripper zum Beispiel eine grandiose Vorstellung,
bei 'Painkiller' hätte ich ihn am liebsten gevierteilt. Klingt
seltsam, aber so ein Wechselbad der Gefühle hatte ich des öfteren.
Eine kleine Anekdote am Rande: Zu Beginn bei 'Metal Gods', 'Heading
Out To The Highway' und 'A Touch Of Evil' hatte Ripper Owens einen
schönen Mantel, dekoriert mit Metallplatten an... und darüber
mokiert sich ein (nicht unbekannter) Metal-Journalist, der selbst
mit wasserstoffblonder Dauerwelle die 40 überschritten hat
und mit Handschellen und Ketten bewaffnet durch die Gegend läuft.
Da haben mir echt die Worte gefehlt! Vom neuen Album stellten PRIEST
'One On One' und 'Machine Man' vor, die live zwar besser rüber
kamen als auf CD, aber das Gelbe vom Ei war das noch lange nicht.
Gleiches gilt für 'Blood Stained' vom 'Jugulator'-Output. K.K.
Downing und Glen Tipton lieferten wie gewohnt eine routinierte Performance
ab, während Basser Ian Hill wie immer irgendwo im hinteren
Winkel agierte. Ein Manko ist leider auch die Tatsache gewesen,
daß PRIEST ein fast obligatorisches Standardprogramm ohne
Überraschungen boten. Klar, gegen Klassiker wie 'Ripper', 'Breaking
The Law' oder 'Green Manalishi' ist nichts einzuwenden, aber wo
sind die Versprechungen in Form von "Wir werden Songs ins Programm
nehmen, die wir jahrelang nicht gespielt haben..."? Das war
so gut wie nicht der Fall. Oder soll das die Akustik-Version von
'Diamonds And Rust' gewesen sein? Der Song, der dadurch brillierte,
daß man aus einer Folk-Nummer einen beinharten Metal-Song
kreierte? Der Versuch von PRIEST war ja ganz nett, aber in der akustischen
Darbietung bleibt er im Original von Joan Baez halt immer noch unerreicht.
Und wenn Ripper Owens schon 'Dreamer's Deceiver' als einen seiner
Lieblingssongs benennt - da hat er wirklich einen exzellenten Geschmack
- dann frage ich mich, warum er diesen Übersong nicht ins Programm
nimmt. Da hätte ich wahrscheinlich kniend auf dem Festivalgelände
gelegen und hätte die Erde gefressen, aber so gab es im Zugabenteil
'Electric Eye', 'United' (die einzige Überraschung!), 'Living
After Midnight' und 'Hell Bent For Leather'. Aber den Fans hat's
gefallen - und in der Tat war der JUDAS PRIEST-Gig im Vergleich
zu dem SCORPIONS-Armutszeugnis im letzten Jahr eine Offenbarung.
Dennoch habe ich meine Bedenken, ob diese Leistung ausreichen wird,
um die momentan stagnierende Metal-Landschaft in Euphorie zu versetzen. Chris Glaub
Spätestens seit 2003 ist er einfach nicht mehr aus Balingen wegzudenken und wurde von den Bands zur Festivalhymne erhoben: TWISTED SISTERs Hit 'We're Not Gonna Take It'. Hier der offizielle Videoclip aus den 80ern:
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