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WHILE HEAVEN WEPT: Trauer im Breitwandformat Satte sechs Jahre hat es gedauert, bis der Doom-Geheimtip WHILE HEAVEN WEPT den Nachfolger für seinen Undergroundklassiker ‘Of Empires Forlorn’ in die Läden stellen konnte. Jetzt ist ‘Vast Oceans Lachrymose’ endlich erhältlich und hat sämtliche Erwartungen deutlich übertroffen, so daß auch Platz 1 im Soundcheck unserer letzten Ausgabe keine wirkliche Überraschung darstellt. Gitarrist Tom Phillips ist logischerweise hochzufrieden, obwohl ihm die zahlreichen Lobpreisungen schon fast peinlich zu sein scheinen. Tom, Fans und Presse scheinen ‘Vast Oceans Lachrymose’ zu lieben. “Allerdings, es ist einfach überwältigend! Natürlich habe ich gehofft, daß ‘Vast Oceans Lachrymose’ gut ankommt, aber mit diesem Echo habe ich nun wirklich nicht gerechnet. Es ist schön, daß uns die Fans in all den Jahren nicht vergessen haben. Wir sind keine all zu große Band, weshalb man nie sicher sein kann, wie lange man im Gedächtnis der Leute bleibt. Allerdings scheint es so, als hätten wir sehr eingefleischte und loyale Anhänger.” Mehr als fünf Jahre Pause sind eine lange Zeit für eine Band, vor allem, wenn sie, wie du schon gerade sagtest, eher zum Underground zu zählen ist, wie es bei WHILE HEAVEN WEPT schließlich der Fall ist. Was ist in der Zwischenzeit geschehen? “Nun, nachdem ‘Of Empires Forlorn’ erschienen ist, haben wir zunächst diverse Shows gespielt, was einige Zeit in Anspruch genommen hat. Problematisch wurde es dann, als meine Beziehung in die Brüche gegangen ist, in die ich unheimlich viel Zeit und Energie investiert hatte. Ich war am Boden zerstört und konnte mir schwerlich vorstellen, wie es überhaupt weitergehen soll. Besonders hart war dies für mich, da ich eine ähnliche Erfahrung früher schon einmal gemacht habe und mir deshalb sicher war, daß es mir nicht noch einmal passieren würde. Ich war komplett deprimiert und habe auch zu viel getrunken, mir war halt komplett der Boden unter den Füßen weggezogen. Irgendwann habe ich zum Glück die Kurve gekriegt und mit dem Songwriting begonnen, in das ich all meinen Frust und all meine Energie hineinlegen konnte. Weite Teile der Nummern standen zwar schon, mußten jedoch noch ergänzt und sorgfältig ausgearbeitet werden. Da ich ein Perfektionist bin, habe ich endlos an den Nummern gefeilt, damit ich wirklich mit ihnen zufrieden sein konnte. Im Studio habe ich genauso gearbeitet und viele Stunden an den Stücken herumgeschraubt, so daß ich teilweise bis morgens gewerkelt habe. Da ich noch einen regulären Job habe, war ich teilweise 36 Stunden am Stück wach, nur um diese Platte zu meiner Zufriedenheit beenden zu können. Es war ein unglaubliches Gefühl, als wir es endlich geschafft hatten.” Könnte man also sagen, daß Musik während dieser Zeit für dich eine Art Therapie gewesen ist? “Ja, ich denke schon, weil unsere Musik das gewesen ist, was mir wieder Kraft und Perspektive gegeben hat. Auch die Texte drehen sich in hohem Maße um diese Zeit, um Enttäuschungen und Einsamkeit, so daß ich viele Gefühle und Ängste auf diese Art verarbeiten konnte. Zerbrochene Beziehungen und enttäuschte Liebe scheinen also schon fast die Basis für unseren Sound zu sein. Allerdings sollte man nicht vergessen, daß ich, als ich meinen Tiefpunkt erreicht hatte, auch viele Gespräche mit Freunden geführt habe, die mir unglaublich viel Kraft und Hoffnung gegeben haben. Ich war damals tatsächlich kurz davor, mit allem Schluß zu machen, weil ich keine Zukunft mehr erkennen konnte.” Hast du zu dieser Zeit darüber nachgedacht, das Kapitel WHILE HEAVEN WEPT zu schließen? “Ja, es gab solche Phasen. Zumal mich die Band im Laufe der Jahre viel Kraft und auch viel Geld gekostet hat. Natürlich gab es zahlreiche positive Erfahrungen, aber als ich ohnehin am Abgrund stand, konnte ich mir schwer vorstellen, WHILE HEAVEN WEPT fortzuführen. Ich lebe in gewisser Weise für die Band, auch wenn es manchmal ein finanzieller Kraftakt für mich ist. Ich benötige nicht viel zum Leben, aber es ist immer wichtig, die Band auch finanziell am Leben zu erhalten. Ohne meinen regulären Job als Musiklehrer wäre das undenkbar, da WHILE HEAVEN WEPT eigentlich gar nichts abwerfen, sondern viel mehr Geld verschlingen. Aber das ist schon in Ordnung so, da ich Musik nicht um der Kohle Willen mache, sondern weil es mir eine echte Herzensangelegenheit ist.” Kommen wir zurück zur Musik: Der Sound des Albums ist aber auch schlicht unglaublich, solch druckvolle Produktionen hört man heutzutage selten. “Danke, das ist ein tolles Lob, da wir uns wie gesagt sehr viel Mühe mit dem Sound gegeben haben. Es gibt heutzutage so viele klinische und kalte Produktionen, was überhaupt nicht zu uns passen würde, weshalb wir versucht haben, andere Wege zu beschreiten. Es erfordert sehr viel Geduld und Fingerspitzengefühl, einen solchen Sound zu erreichen. Deshalb bin ich froh, daß wir bislang ausschließlich positives Feedback bekommen haben. Ich könnte mir ‘Vast Oceans Lachrymose’ überhaupt nicht mit einer modernen Produktion vorstellen, das Ergebnis würde sehr merkwürdig klingen.” Außerdem darf man nicht vergessen, daß ihr einen neuen Sänger in euren Reihen habt. Wie kam es dazu? “Ich war eigentlich nie so recht mit meiner Stimme zufrieden, auch wenn ich weiß, daß es einige Fans gibt, die sie lieben und auch vermissen. Als wir anfingen, hatten wir auch einen Sänger im Line-up, so daß diese Erfahrung nicht so neu für mich ist. Als ich dann über das Internet irgendwann Rain Irving kennenlernte, ahnte ich zunächst noch nicht, daß er unser Sänger werden könnte, geschweige denn ganz in der Nähe wohnt. Wir haben uns angefreundet, und nachdem wir uns das erste Mal getroffen hatten, merkten wir schnell, wie sehr wir auf einer Wellenlänge liegen. Vielleicht kennen manche seine Vocals noch von ALTURA, die Mitte der neunziger Jahre mit ‘Mercy’ ein tolles Progressive Metal-Album veröffentlicht haben. Wir sind total glücklich darüber, daß Rain jetzt bei uns singt, es war ein tolles Gefühl, als wir erstmals gemeinsam geprobt haben.”
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