MANOWAR: Von Göttern und Menschen

Man mag von MANOWAR und/oder Bandsprachrohr Joey DeMaio halten, was man will - eines muß man den Amerikanern lassen: Sie wissen sich zu inszenieren. Obgleich sich die Zahl der Studioveröffentlichungen vergangener Jahre in äußerst bescheidenem Rahmen hält, blieb die Band nicht nur aufgrund großer Gesten und Worte auf- und abseits der Bühne, sondern auch dank cleverer Marketingmaschen und umstrittener Geschäfts- und Veröffentlichungspolitik stets im Gespräch. Kritik lassen die Musiker in Interviews hingegen regelmäßig an sich abprallen.

Die Überraschung war ergo nicht groß, daß sich besagter Joey DeMaio, Bassist und treibende kreative wie geschäftliche Kraft des Unternehmens MANOWAR, im Übersee-Telefonat als ein zwar durchweg freundlicher, aber in entscheidenden Punkten auch erwartungsgemäß schwieriger Gesprächspartner entpuppte. So war es denn, auch das natürlich absehbar, schlicht unmöglich, ihm Dinge zu entlocken, die er nicht preisgeben wollte. Und daß man mit konfrontativ-investigativem Journalismus ebenfalls auf Granit beißt, hat ein namhafter Kollege in einem längst legendären Zwiegespräch hinreichend bewiesen. Immerhin: Eine Einladung, den New Yorker im Rahmen der kommenden Hallentour durch Deutschland auf öffentlicher Bühne zu exekutieren, blieb aus. Dennoch darf man einmal mehr diskutieren, wie hoch der Anteil rein imagepflegender Aussagen am Gesamt-O-Ton ist, und wo - falls überhaupt - vielleicht doch einmal der Mensch Joey DeMaio durchscheint. Die ewigen Kontroversen werden indes kaum ein Ende finden - womit der anhaltenden Aktualität des Themas MANOWAR weiterhin gedient bleibt...

Joey, wir hatten gehofft, noch vor dem Interview einen zumindest kleinen Auszug aus eurem kommenden Studioalbum zu hören. Da daraus leider nichts wurde, nehme ich an, daß du mir auch im Gespräch noch keine Details zum Nachfolger von ‘Gods Of War’ verraten möchtest.

“Das ist richtig.”

Nun gut. Glücklicherweise gibt es ja noch andere aktuelle Themen...

“Genau! Es gibt tonnenweise Dinge, über die wir uns unterhalten können: Unsere neue DVD, die kommende Tour, das nächste Magic Circle Festival...”

Dann laß uns mit der Tour beginnen, die euch im Januar in hiesige Hallen führt. 2007 waren die Veranstaltungsorte etwas größer...

“Das stimmt, die Hallen waren damals wesentlich größer. Die Bühnenproduktion war natürlich auch eine ganze andere, und es hat wirklich großen Spaß gemacht. Aber wir haben auch die Nähe zu den Besuchern vermißt. Die kommende Tour wird daher ähnlich sein wie die ‘Hell On Stage’-Shows: Wir können den Menschen endlich wieder direkt in die Gesichter sehen. Das hat etwas Magisches, und wir freuen uns sehr darauf, auch wenn uns all die großen Auftritte und Festivalshows der vergangenen zwei Jahre ebenso gefallen haben.”

Und es hat nichts damit zu tun, daß ihr womöglich weniger Besucher erwartet? Immerhin sind die Eintrittspreise recht hoch, und das Geld wird allenthalben knapper, während die Wirtschaftskrise wie ein Damoklesschwert über den Köpfen des Normalverdieners schwebt...

“Nein, das hat überhaupt nichts mit Erwartungen hinsichtlich des Ticketabverkaufes zu tun. Wir könnten durchaus auch in größeren Hallen spielen und würden entsprechend mehr Leute ziehen. Es ist ja auch so: Wenn man größere Hallen bucht, wird alles für alle noch teurer. Wir haben also so die Chance, alles uns Mögliche zu tun, um die Eintrittspreise möglichst gering zu halten. Unser Einfluß ist nicht allzu groß, da die Preise so gut wie gar nicht unserer Kontrolle obliegen, aber wir können den Fans das Bestmögliche bieten.”

Wird die Produktion also weniger aufwendig ausfallen?

“Nein! Jeder einzelne Quadratzentimeter Boden auf der Bühne wird für die Show genutzt - wie immer! Wir orientieren uns grundsätzlich mit unserer Produktion an der Bühne eines Auftrittortes: Je nach deren Größe fällt die Dimension der Show aus. Wenn die Bühne 40 Fuß breit ist, dann laden wir auch 40 Fuß technische Ausrüstung auf ihr ab. Da sind wir eben anders als andere Bands.”

Aber dennoch spart ihr trotz hoher Ticketpreise Produktionskosten ein, wenn ihr in kleineren Hallen spielt...

“Nein, darum geht es nicht. Uns ist nicht daran gelegen, Produktionskosten zu sparen, es geht nur darum, daß wir nicht immer in gleich großen Locations spielen möchten. Wir möchten uns nicht stetig wiederholen und immer die gleiche Show bieten. Würden wir nach all den großen Festivals nun erneut die großen Hallen spielen, wäre das der Fall, denn die Bühnenproduktion wäre kaum eine andere. Aber wenn einer unserer Fans ein Ticket kauft, dann möchten wir natürlich, daß er von uns 200 Prozent Leistung bekommt. Wir möchten, daß er alles bekommt, was wir irgendwie geben können. Daher sparen wir auch in kleinen Hallen nicht an der Produktion.”

Nun gut, sprechen wir über die großen Shows: Im kommenden Jahr werdet ihr mit dem Magic Circle Festival nach drei Veranstaltungen auf deutschem Boden erstmals in Slowenien antreten.

“Das ist korrekt. Es ist wie bei den olympischen Spielen: Auch die finden immer wieder einen neuen Gastgeber. Wir sind stolz, daß wir drei Jahre lang in Deutschland zu Gast sein durften, aber nun ist Slowenien an der Reihe. Der Veranstaltungsort ist ideal für ein Festival, und es ist immer noch recht nahe an Deutschland.”

Den olympischen Gedanken in Ehren, aber man munkelt auch, daß es für euch aufgrund diverser Probleme der Vergangenheit schlicht schwer bis unmöglich ist, in Deutschland noch einen geeigneten Ort und geeignete Geschäftspartner für euer Festival zu finden...

“Es ist ganz sicher nicht leicht, den richtigen Veranstaltungsort zu finden, und es ist wahr: Es ist vor allem nicht leicht, die richtigen Leute als Kooperationspartner zu gewinnen - Leute nämlich, die unsere Fans nicht verarschen. Aber nun: Die deutschen MANOWAR-Fans sind die besten, und sie freuen sich, ein wenig zu reisen. Ich freue mich, daß ich ihnen diese Gelegenheit geben kann - das ist nämlich allemal besser, als sich verarschen zu lassen. Und wenn ich von New York nach Slowenien reise, um für die deutschen Fans zu spielen, sind sie ganz sicher glücklich, ein paar Stunden Fahrt nach Slowenien auf sich zu nehmen.



Autor: Thomas Michel

 

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